Der rationale Wähler in der Demokratietheorie von Anthony Downs


Hausarbeit, 2015
9 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

II
Inhalt
1.
Einleitung ... 1
2.
Die ökonomische Theorie der Demokratie ... 1
3.
Das Paradox der Wahlbeteiligung ... 2
4.
Reaktionen und Weiterentwicklungen ... 3
5.
Schluss ... 6

1
1. Einleitung
Die neue politische Ökonomie
1
hat es sich zum Ziel gesetzt, ökonomische Ansätze auf ver-
schiedenste Bereiche der Politikwissenschaft zu übertragen, wie beispielsweise auf ,,die Bereit-
stellung kollektiver Güter, die Bürokratie, die internationale Migration und die Ehe" (vgl.
Turski (2008): 3). Anthony Downs gilt dabei als einer der herausragenden Pioniere der Diszip-
lin. 1957 übertrug er mit ,,An Economic Theory of Democracy"
2
das Modell des ,,homo oeco-
nomicus" auf die Demokratie und versuchte so das Verhältnis zwischen Wählern und Parteien
zu beschreiben. Downs` Theorie wurde wiederholt in der Fachliteratur aufgegriffen und kont-
rovers diskutiert.
Die Darstellung seiner Theorie an sich und deren Rezension soll Gegenstand dieser Forschungs-
analyse sein. Hierzu sollen im Folgenden zuerst die grundlegenden Gedankengänge der Theorie
Downs` umrissen werden, ehe aus Gründen der Übersichtlichkeit und um die inhaltliche Tiefe
wahren zu können, konkret auf den rationalen Wähler und das sich dadurch ergebende Wahl-
paradoxon eingegangen wird. Als ebenso zentraler wie auch kontrovers diskutierter Bestandteil
innerhalb der Theorie wurde dieses im Laufe der Zeit vielfacht kritisiert, modifiziert und wei-
terentwickelt.
2. Die ökonomische Theorie der Demokratie
Anthony Downs kreierte mit seiner Theorie einen radikalen ökonomischen Ansatz, welcher es
schafft, mit wenigen Grundannahmen auszukommen. Er bedient sich dabei der Methode des
methodologischen Individualismus und setzt für seine handelnden Akteure die Prämisse des
,,homo oeconomicus" als Grundlage voraus. Downs` Modell besteht, ähnlich wie in der Öko-
nomie, aus zwei sich gegenüberstehenden Gruppen, den Politikern in Parteien und den Wäh-
lern. Alle Akteure handeln rational nutzenmaximierend. Politik lässt sich so als Analogie zum
Markt betrachten, innerhalb dessen Politiker wie Unternehmern handeln und Wähler sich wie
Konsumenten verhalten (vgl. Downs (1968): 289). Rationalität bezieht sich in Downs Defini-
tion immer nur auf die Mittel und nicht auf die Ziele, weshalb auch altruistisches Handeln ge-
rechtfertigt sein kann, solange die Entscheidungsfindung nach rationalen Kriterien verläuft und
die Handlung der eigenen Nutzenmaximierung dient (vgl. Downs (1968): 5). Jedoch schränkt
Downs diese Rationalität bei ihm auf wirtschaftliche Ziele ein, um überhaupt Vorhersagen tref-
fen zu können (vgl. Downs (1968): 8.)
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Andere geläufige Begriffe sind ,,Rational Choice", ,,Public Choice" und ,,ökonomische Theorie der Demokra-
tie", welche in der wissenschaftlichen Debatte oftmals synonym verwendet werden.
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Downs, Anthony (1968): Ökonomische Theorie der Demokratie. Tübingen: J. C. B. (Paul Siebeck).

2
Parteien werden dabei als ,,eine Gruppe von Personen, die die Kontrolle über den Regierungs-
apparat dadurch in ihre Hand zu bekommen suchen, dass sie in einer ordnungsgemäß abgehal-
tenen Wahl ein Amt erhalten" (vgl. Downs (1968): 25) definiert, wobei eine Gruppe sich
dadurch auszeichnet, dass alle Mitglieder homogene Ziele verfolgen. Innerparteiliche Konflikte
und heterogene Zielvorstellungen kommen in Downs` Theorie nicht vor.
,,Wir nehmen an, dass sie [sc. Die Parteimitglieder; A.K] nur handeln, um das Einkommen,
das Prestige und die Macht zu erlangen, die mit öffentlichen Ämtern verbunden sind"
(Downs (1968): 27).
Um ihre persönlichen Interessen verfolgen zu können, sind Politiker darauf bedacht, möglichst
viele Wählerstimmen zu erlangen. Dabei ist ihnen gleichgültig, mit welchem politischen Pro-
gramm sie dies tun. Folglich bieten sie immer genau die Inhalte an, denen die Mehrheit der
Wählerschaft positiv gegenüber steht.
,,Die Parteien treten mit politischen Konzepten hervor, um Wahlen zu gewinnen; sie gewin-
nen nicht die Wahlen, um mit politischen Konzepten hervortreten zu können." (Downs
(1968): 27-28).
Die Wähler hingegen sind daran interessiert, jene Partei zu wählen, die ihre eigenen politischen
Präferenzen am besten vertritt. Dazu berechnen sie vor jeder Wahl das Parteiendifferenzial, bei
dem die tatsächlichen Leistungen der Regierungspartei der vergangenen Legislaturperiode mit
den Erwartungen an die Oppositionspartei für die kommende Periode verglichen werden. Ist
der Wert positiv, wird für die Regierungspartei gestimmt. Bei einem negativen Wert entscheidet
sich der Wähler für die Oppositionspartei. Lässt sich kein Unterschied erkennen, enthält man
sich der Stimme.
3
Da Wähler und Politiker aufeinander angewiesen sind, ergibt sich so automatisch eine Politik,
die das Gemeinwohl als ,,nichtintendierte[s] Nebenprodukt" (vgl. Kunz (2004): 87) entstehen
lässt.
3. Das Paradox der Wahlbeteiligung
Im Folgenden wird nun kurz das ,,Paradox der Wahlbeteiligung" skizziert, welches einen zent-
ralen Punkt in Downs` Theorie ausmacht. In diesem geht es um die Frage, warum der Wähler
überhaupt an einer Wahl teilnehmen sollte, aus der er nur dann einen Nutzen zieht, wenn die
3
Downs geht in seiner Theorie von einem Zweiparteiensystem aus. Eine Übertragung auf ein Mehrparteiensys-
tem ist möglich. Allerdings muss der Wähler hierbei auch mögliche Koalitionsbildungen mit einberechnen und
vorhersagen, wie die anderen Wähler abstimmen werden. Vgl. Kaiser (2007): 628.

3
eigene Stimme die Wahl entscheidend verändert. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies der Fall ist,
kann jedoch vor allem in großen Volksdemokratien als sehr gering angesehen werden.
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So ste-
hen dem potentiellen Nutzen immer höhere Kosten entgegen, die durch Zeitverlust, eventuellen
finanziellen Aufwand zum Wahllokal und vor allem durch die Besorgung von Wahlinformati-
onen entstehen, sodass der rationale Wähler der Wahlurne fernbleiben wird. (Green/Shapiro
(1999): 62). Oft scheint diese Annahme jedoch nicht der Realität zu entsprechen, da ,,zum Leid-
wesen der Theorie die Leute aber doch wählen gehen" (zitiert nach Green/Shapiro (1999): 65.).
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4. Reaktionen und Weiterentwicklungen
Das Wahlparadoxon stellt einen zentralen Widerspruch in der ökonomischen Theorie dar und
wurde deshalb vielfach rezensiert. Im Folgenden soll nun dessen Weiterentwicklung auszugs-
weise in historischer Reihenfolge vorgestellt werden.
Downs war sich dieses Problems bewusst und nahm 1957 als erster direkt selber eine Modifi-
zierung an seiner Theorie vor, indem er den ,,Wert der Stimmabgabe an sich" (Downs (1968):
261) einführte. Dabei geht er von einem langfristigen Nutzen aus, der dem Wähler zugute-
komme, wenn dieser sich für den Erhalt der Demokratie einsetze. Folglich lohne es sich für ihn,
zur Wahl zu gehen (vgl. Downs (1968): 265). In die gleiche Richtung argumentieren William
Riker und Peter Ordeshook Ende der 60er Jahre
,
wenn sie von ,,selektiven Anreizen" (vgl.
Turski (2008): 21) sprechen, die den Wähler zusätzlich zum instrumentellen Nutzen wählen
gehen lassen. Sie führen dabei den Begriff des ,,D-Terms" ein, der für nicht rationale Dinge
steht, wie beispielsweise eine
moralische Pflicht oder Treuebekundung gegenüber dem System
(vgl. Turski (2008): 21). Sowohl Downs als auch Riker/Ordeshook verbleiben aber in einem
engen rationalen Ansatz und können nicht widerspruchsfrei erklären, warum der Wähler ein
Kollektivgut wie die Demokratie aus rationalen Gründen unterstützen sollte. Das kritisieren
auch Ian Shapiro und Donald Green und bemerken, dass ,,Downs das ,,Wahlbeteiligungspara-
dox lediglich durch das Paradox der Partizipation aus Bürgerverantwortung [ersetze]"
(Green/Shapiro (1999): 66).
Richard Niemi nahm 1976
6
eine weitere modellinterne Modifizierung vor, indem er die Mei-
nung vertritt, dass die Wahlkosten, die bei Downs anfallen, zu hoch eingeschätzt und Kosten
4
Mueller berechnete, dass bei einer Wahl mit hunderttausend Teilnehmern die Wahrscheinlichkeit gerade ein-
mal bei 0,06 Prozent läge. Vgl. Mueller (2007): 305.
5
,,Unfortunately for theory, people do vote". Originalzitat von Uhlaner, Carole: Rational Turnout. The Neglected
Role of Groups. American Journal of Political Science 33: 390-422
6
Niemi, Richard (1976): Costs of voting and nonvoting. In: Public Choice, Nr. 27, S. 115-
119.
Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Der rationale Wähler in der Demokratietheorie von Anthony Downs
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,0
Jahr
2015
Seiten
9
Katalognummer
V375499
ISBN (eBook)
9783668529229
ISBN (Buch)
9783668529236
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wähler, demokratietheorie, anthony, downs
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Der rationale Wähler in der Demokratietheorie von Anthony Downs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375499

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