Durch die OGAW-Richtlinie und das Investmentmodernisierungsgesetz von 2003 wurde in Deutschland erstmals die Möglichkeit der Auflage von Hedgefonds begründet. In dieser Seminararbeit wird zunächst ein kurzer Einblick in die Geschichte vorgenommen, danach werden die Funktionsweisen von Hedgefonds kurz erläutert, u.a. Strategien wie Global-Macro, Short-Selling und Long/Short-Equity. Auch wird kurz der Zusammenhang von Hedgefonds und der Finanzkrise beleuchtet.
Neben den vielen unterschiedlichen Bestrebungen der Europäischen Union gab es auch das Ziel, den gemeinsamen europäischen Finanzmarkt zu gestalten. Die Grundlagen für einen Binnenmarkt für Finanzdienstleistungen wurden bereits vor der Gründung der heutigen Europäischen Union durch den Maastrichter Vertrag im Jahre 1993 durch die Richtlinie des Rates der Europäischen Gemeinschaften vom 20. Dezember 1985 zur Koordinierung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften betreffend bestimmte Organismen für gemeinsame Anlagen von Wertpapieren, der so genannten OGAW-Richtlinie, geschaffen.
OGAW ist hierbei die Abkürzung für einen "Organismus für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren" und bezeichnet im europäischen Rechtsrahmen damit Investmentfonds, also von einer Kapitalanlagegesellschaft verwaltete Sondervermögen, die eben diese Richtlinie befolgen und in darin definierte Arten von Wertpapieren, wie Aktien oder Anleihen, und andere Finanzinstrumente, wie Derivate, investieren.
Durch diese OGAW-Richtlinie, oder auch Richtlinie 85/611/EWG, sollten die Rechtsvorschriften der Mitgliedsstaaten für bestimmte Organismen für gemeinsame Anlagen harmonisiert werden. Mit dieser einheitlichen Koordinierung der nationalen Rechtsvorschriften, wodurch die Auflage- und Ausübungsbedingungen für Investmentfonds und der Tätigkeiten der entsprechenden Verwaltungsgesellschaften angeglichen werden würden, sollte es den in einem Mitgliedsstaat ansässigen OGAW erleichtert werden, ihre Anteile auf dem Gebiet der anderen Mitgliedsstaaten zu vermarkten, in denen sie nicht ursprünglich zugelassen wurden. Die Abschaffung dieser wettbewerbsstörenden Unterschiede würde zugleich einen wirksameren und einheitlicheren Schutz der Anteilsinhaber, also der Anleger, gewährleisten.
Inhaltsverzeichnis
I. Die OGAW-Richtlinie
II. Das Investmentmodernisierungsgesetz von 2003
III. Hedgefonds
1. Kurzer Einblick in die Geschichte
2. Funktionsweisen von Hedgefonds
a) Die Global-Macro-Strategie
b) Die Short-Selling-Strategie
c) Die Long/Short-Equity-Strategie
d) Indirektionale Strategien
3. Hedgefonds in Deutschland
IV. Hedgefonds und die Finanzkrise
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die regulatorischen Rahmenbedingungen für Finanzmärkte in Deutschland, insbesondere im Hinblick auf die OGAW-Richtlinie und die Auswirkungen des Investmentmodernisierungsgesetzes von 2003 auf die Etablierung und den Betrieb von Hedgefonds. Ziel ist es, die Funktionsweisen dieser alternativen Investmentvehikel zu beleuchten und ihre Rolle sowie Risiken im Kontext des deutschen Rechts und der Finanzkrise zu bewerten.
- Grundlagen und Harmonisierung durch die OGAW-Richtlinie
- Transformation des deutschen Investmentrechts durch das InvModG
- Strategien und Funktionsweisen von Hedgefonds
- Regulierung und Anlegerschutz für Hedgefonds in Deutschland
- Die Rolle von Hedgefonds im Kontext der Finanzkrise
Auszug aus dem Buch
a) Die Global-Macro-Strategie
Bei Global-Macro-Fonds stehen den hohen Gewinnchancen aus Anlegersicht enorme Verlustpotentiale gegenüber; sie sind schwer durchschaubar, da es nicht selten an einer klar definierten Strategie fehlt und einzelne Positionen unbekannt bleiben. Untrennbar verbunden mit dieser Strategie ist der Name George Soros mit seinem Quantum-Fonds. Im Jahre 1992 bildete er mit diesem Fonds eine riesige Short Position in Britischem Pfund in der Erwartung einer Währungsabwertung; alle Versuche der britischen Regierung, das Pfund zu verteidigen, scheiterten – Soros’ Erwartungen erfüllten sich, die Währung verlor 20 % und sein Quantum Fonds machte einen Gewinn von fast einer Milliarde US-Dollar.
Bei der Global-Macro-Strategie wird weltweit in Kurs- und Preisänderungen in allen Anlagekategorien investiert. Der Fondsmanager spekuliert hierbei auf bedeutende, globale Ereignisse wie zum Beispiel Katastrophen und politische Entscheidungen, aber auch strukturelle Nachfrageänderungen. Der betroffene Markt wird makroökonomisch analysiert und eine Prognose über Veränderungen in den Währungs- und Aktienmärkten aufgestellt; ebenfalls werden mögliche Zinsschwankungen untersucht. Investiert wird dabei überwiegend in Derivate, der Wirkungsgrad wird noch zusätzlich durch Fremdkapital gesteigert. Als Derivate oder derivative Finanzinstrumente bezeichnet man gegenseitige Verträge, deren wirtschaftlicher Wert sich nach den Kursschwankungen oder den Preiserwartungen von anderen Investments, den so genannten Basiswerten, richtet.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Die OGAW-Richtlinie: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der OGAW-Richtlinie zur Harmonisierung des europäischen Binnenmarkts für Finanzdienstleistungen und den Schutz von Anlegern.
II. Das Investmentmodernisierungsgesetz von 2003: Hier wird die Einführung des Investmentgesetzes beschrieben, das den Finanzstandort Deutschland reformierte und erste Regulierungen für Hedgefonds traf.
III. Hedgefonds: Dieser Abschnitt definiert Hedgefonds als alternative Investmentmöglichkeit, beschreibt ihre historische Entwicklung, ihre verschiedenen Anlagestrategien sowie ihre spezifische regulatorische Behandlung in Deutschland.
IV. Hedgefonds und die Finanzkrise: Das Kapitel analysiert die Rolle von Hedgefonds während der Finanzkrise und entkräftet die mediale Wahrnehmung, dass diese die Krise maßgeblich ausgelöst hätten.
Schlüsselwörter
Finanzmärkte, OGAW-Richtlinie, Investmentmodernisierungsgesetz, Hedgefonds, Anlegerschutz, Global-Macro-Strategie, Short-Selling, Long/Short-Equity, Derivate, Leverage-Effekt, Finanzkrise, Investmentgesetz, Kapitalanlagegesellschaft, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Risikomischung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die regulatorische Entwicklung des deutschen Finanzmarktes, speziell die Umsetzung europäischer Richtlinien und die gesetzliche Zulassung sowie Überwachung von Hedgefonds.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die OGAW-Richtlinie, das Investmentmodernisierungsgesetz (InvModG), die Strategien von Hedgefonds und deren Rolle im Marktumfeld.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch das InvModG Hedgefonds in das deutsche Recht integriert wurden und welche speziellen regulatorischen Auflagen dabei zum Schutz der Anleger geschaffen wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive juristische und ökonomische Analyse auf Basis von Gesetzestexten und Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der OGAW-Richtlinie, das InvModG, eine detaillierte Erläuterung von Hedgefonds-Strategien und die rechtliche Situation von Hedgefonds in Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Finanzmarktregulierung, Hedgefonds, Investmentgesetz, Anlegerschutz, Derivate und Transparenz.
Was versteht man unter dem in der Arbeit genannten Leverage-Effekt?
Der Leverage-Effekt bezeichnet die Hebelwirkung, bei der durch den Einsatz von Fremdkapital oder Derivaten mit vergleichsweise geringem Eigenkapitaleinsatz größere Positionen bewegt werden können.
Warum gelten Hedgefonds laut der Arbeit als nicht richtlinienkonforme Sondervermögen?
Da Hedgefonds aufgrund ihrer Anlagestrategien (z.B. hohe Risiken, Leerverkäufe) nicht den strengen Vorgaben der OGAW-Richtlinie entsprechen, fallen sie nicht unter deren harmonisierten EU-Pass.
Inwieweit sind laut der Arbeit Hedgefonds für die Finanzkrise verantwortlich?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Finanzkrise nicht durch Hedgefonds ausgelöst wurde, sondern primär durch das Verhalten staatlich beaufsichtigter Banken und deren Spekulationen mit riskanten Immobilienkrediten.
- Arbeit zitieren
- Daniel Schmidt (Autor:in), 2014, OGAW-Richtlinie und Investmentmodernisierungsgesetz. Regulierung der Finanzmärkte in Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375549