Diese Arbeit setzt sich mit den Oden 2,5 und 2,8 auseinander, in denen die Erotik eine große Rolle spielt und neben ernsten Themen wie Freundschaft nicht vernachlässigt werden darf.
Während Horaz in der Ode 2,5 dem Leser bzw. Zuhörer das Bild einer unreifen römischen Jungfrau zu vermitteln scheint, preist er in der Ode 2,8 die Durchtriebenheit einer Hetäre. Durch das unterschiedliche Versmaß bereits angedeutet, stellen die beiden Oden auf den ersten Blick gegensätzliche Frauen dar. Im Verlauf dieser Arbeit soll untersucht werden, ob dieser erste Eindruck nach einer ausführlichen Analyse bestehen bleiben kann. Anhand ausgewählter Kriterien sollen die beiden Frauen miteinander in Beziehung gesetzt werden, um abschließend zu verdeutlichen, welche Rolle die Erotik in Horazens Lyrik spielt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Analyse und Interpretation der carmina 2,5 und 2,8
2.1 Carmen 2,5
2.2 Carmen 2,8
3 Die Darstellung der Lalage und der Barine
3.1 Erste Nennung
3.2 Adressatenfrage
3.3 Etymologie
3.4 Historische Authentizität der Charaktere
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung der beiden Frauengestalten Lalage und Barine in den Oden 2,5 und 2,8 von Horaz, um zu analysieren, wie der Dichter durch den Einsatz von imitatio und aemulatio sowie erotischer Motivik klassische literarische Topoi parodiert und die Rolle der Erotik in seinem Werk definiert.
- Analyse und Interpretation von Horaz, carmina 2,5 und 2,8
- Die literarische Tradition der imitatio und aemulatio bei Horaz
- Erotische Doppeldeutigkeiten und Metaphorik in der augusteischen Lyrik
- Parodie von Liebeselegie und Komödie
- Untersuchung der fiktionalen Natur der Charaktere
Auszug aus dem Buch
Carmen 2,5
West macht zu Beginn seines Kommentars darauf aufmerksam, dass die Ode 2,5 „an adaption of fragment 417 of Anacreon“ zu sein scheint. Horaz reiht sich damit in die Praxis der imitatio ein, indem er Elemente seiner griechischen Vorbilder übernimmt. Im Verlauf der Ode macht er aber deutlich, dass er eigene Pointen hinzufügt und seine griechischen Vorbilder übertrifft. Der reinen imitatio folgt demnach die aemulatio, durch die Horaz als originell gelten kann.
In der Ode 2,5 rät Horaz einem anonymen Liebhaber, sich mit der noch jungen Lalage in Geduld zu üben und erteilt einen „advice to an impatient husband.“ Inhaltlich lässt sich die Ode in drei Teile gliedern, die mit nondum (V.1), nunc (V.6) und iam (V.10) eine zeitliche Entwicklung veranschaulichen:
„Zwei kunstvoll variierte dreiteilige Perioden zeichnen in den beiden ersten Strophen die Gegenwart; das Monokolon tolle…uvae, das die Moral des Ganzen enthält, führt zum zweiten durch das dreimalige anaphorische iam sinnfällig gegliederten Teil, der die Zukunft ausmalt, um schließlich im letzten der mit steigender Ausführlichkeit […] gegebenen drei Vergleiche den Blick zur Gegenwart zurückzulenken.“
Bereits das erste Wort nondum (V.1) „gibt […] das Thema des Ganzen […]“ und bildet mit dem zweiten nondum (V.2) und nec (V.3) ein Trikolon, das die fehlende Reife Lalages ins Zentrum stellt. Nisbet und Hubbard vermuten, dass das Mädchen sehr jung sein muss „as the age even for legal marriage was 12 […].“ Parallel zu den temporalen Adverbien sind iugum (V.1), munia (V.2) und tauri pondus (V.3f.) als Klimax zu sehen, die in einem Nutztier-Kontext stehen und als Metaphern erotische Anspielungen beinhalten. So deutet iugum (V.1) auf „sexual partnership and submission to marital duties“ und munia (V.2) auf „conjugal duties“ hin.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Dichters Horaz, seines historischen Kontextes im augusteischen Zeitalter sowie der Forschungsfrage bezüglich der erotischen Darstellung in den Oden 2,5 und 2,8.
2 Analyse und Interpretation der carmina 2,5 und 2,8: Detaillierte Untersuchung der sprachlichen und rhetorischen Mittel beider Oden unter besonderer Berücksichtigung der imitatio- und aemulatio-Praxis.
2.1 Carmen 2,5: Analyse der Ode 2,5 hinsichtlich der Reifungsthematik Lalages und der Anwendung antiker erotischer Metaphorik.
2.2 Carmen 2,8: Untersuchung der Ode 2,8 und der dort thematisierten Meineide der Barine sowie der Parodie von Liebesschwüren.
3 Die Darstellung der Lalage und der Barine: Vergleichende Betrachtung der beiden Frauenfiguren in Bezug auf ihre Namensgebung, Adressatenkontexte und Authentizität.
3.1 Erste Nennung: Analyse der literarischen Funktion der späten oder frühen Namensnennung im Textverlauf.
3.2 Adressatenfrage: Erörterung der Frage nach dem anonymen Adressaten in Ode 2,5 im Kontrast zur direkten Adressierung in Ode 2,8.
3.3 Etymologie: Untersuchung der griechischen Herkunft und Bedeutung der Namen Lalage und Barine als sogenannte „speaking names“.
3.4 Historische Authentizität der Charaktere: Diskussion über den fiktionalen Status der genannten Frauenfiguren als poetische Konstruktionen anstelle historischer Personen.
4 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Analyseergebnisse und Einordnung der Bedeutung beider Oden für das Verständnis von Horazens Umgang mit erotischen Topoi.
Schlüsselwörter
Horaz, Oden, Erotik, Lalage, Barine, imitatio, aemulatio, carmina, Liebeselegie, antike Topoi, augusteische Zeit, Hetäre, Literaturwissenschaft, Parodie, Metaphorik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert und vergleicht die Horaz-Oden 2,5 und 2,8, um die Darstellung der darin vorkommenden Frauenfiguren Lalage und Barine sowie die Rolle der Erotik im Werk des Dichters zu beleuchten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die literarische Technik der imitatio und aemulatio, der parodistische Umgang mit antiken Topoi aus der Liebeselegie und Komödie sowie die Analyse erotischer Doppeldeutigkeiten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist zu untersuchen, ob der erste Eindruck einer gegensätzlichen Charakterisierung der beiden Frauen nach einer ausführlichen Analyse bestehen bleibt und welche Funktion diese Figuren im Rahmen der augusteischen Lyrik einnehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philologische Analysemethode, die den lateinischen Text detailliert interpretiert, sprachliche Besonderheiten herausarbeitet und diese in den Kontext der antiken Literaturgeschichte und Forschungsliteratur einordnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Interpretation der beiden Gedichte (Ode 2,5 und 2,8) sowie einen systematischen Vergleich der Frauenfiguren hinsichtlich ihrer Namen, Adressaten und historischen beziehungsweise fiktionalen Authentizität.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Horaz, Erotik, imitatio, aemulatio, Hetäre, carmina, Parodie und literarische Fiktionalität.
Warum ist die Etymologie der Namen Lalage und Barine für die Analyse so wichtig?
Die Namen sind als sogenannte „speaking names“ identifiziert worden. Sie verweisen auf spezifische Rollenbilder und Assoziationen, die dem zeitgenössischen Publikum das Verständnis der Frauen als Hetären oder untreue Geliebte erleichterten.
Inwiefern parodiert Horaz in den Oden die Liebeselegie?
Horaz übernimmt zwar Elemente der Liebeselegie, entfremdet diese jedoch durch den Kontext der Hetäre, die Verwendung juristischer Sprache oder durch überraschende Pointen, wodurch er die Ernsthaftigkeit der elegischen Tradition witzig und ironisch unterläuft.
Ist Barine eine reale Person aus dem Leben des Dichters gewesen?
Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass Barine keine historische Person ist, sondern eine rein poetische Konstruktion. Dies wird durch den Namensindex und die literarische Einbettung der Figur gestützt, die sie eher als Typus denn als Individuum erscheinen lässt.
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- Anuschka Wanner (Author), 2017, Horazens Carmina 2,5 und 2,8. Eine Analyse und ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375555