Der Beziehungsberuf des Lehrers / der Lehrerin bedarf neben einem geschulten Fachwissen der permanenten Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit, dem Wirken auf denkbare Interaktionspartner und den Praxisproblemen des Unterrichtens, um auf die Dauer erfolgreich diesen Beruf ausüben zu können. Die videobasierte Analyse des Unterrichts ermöglicht diese praxisbezogene Auseinandersetzung. Es besteht die Chance umfassende Lehr – Lern – Prozesse der Interaktion zwischen Lehrer und Schüler aus unterschiedlichen Perspektiven, mittels Videoanalysen als Methode, zu überblicken.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2. 1 Merkmale effektiver Unterrichtskommunikation
2. 2 Rolle von Fragen und Feedback im Unterricht
2. 3 Umgang mit Heterogenität
3 Methodisches Vorgehen
3. 1 Durchführung von Videoanalysen in der Forschung
3. 2 Durchführung der Video(selbst)analyse
4 Ergebnisdarstellung
5 Diskussion
6 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht mittels einer Video(selbst)analyse die Wirksamkeit von Unterrichtskommunikation und die Rolle von Lehreräußerungen bei der Gestaltung von Interaktionsprozessen. Das primäre Ziel besteht darin, durch die Quantifizierung von Unterrichtsereignissen und eine qualitative Reflexion aufzudecken, inwieweit das Lehrerhandeln die Partizipation und Lernprozesse der Schüler beeinflusst.
- Analyse der Qualität von Unterrichtskommunikation und Klassenmanagement
- Untersuchung von Fragetechniken und Rückmeldestrategien im Unterricht
- Methodische Auseinandersetzung mit der niedrig-inferenten Videoanalyse
- Reflexion des Lehrerhandelns im Kontext von Schüleraktivierung und Heterogenität
- Evaluation der Professionalisierung durch videobasierte Selbstreflexion
Auszug aus dem Buch
3. 2 Durchführung der Video(selbst)analyse
Im nachstehenden Teil des Forschungsberichtes wird das methodische Vorgehen im Rahmen der Video(selbst)analyse chronologisch beschrieben: Im Rahmen des erziehungswissenschaftlichen Begleitmoduls „L3 – Forschungsmethoden“ erhielten die Praxissemesterstudenten von den Dozenten Briefe für die Eltern, Schüler und die Lehrkraft der betreffenden Unterrichtsstunde, um auf die Videografiestunde aufmerksam zu machen und gleichsam in Kenntnis zu setzen. Zusätzlich wurde der Schulträger informiert. Im Zuge dieses Informationsschreibens wurde im Vorfeld der Ablauf des Videoprojekts erklärt und aufkommende Fragen wurden beantwortet, um das Projekt so transparent wie möglich zu gestalten. Das Einholen der Einverständniserklärungen nahm auf Grund von Komplikationen drei Wochen in Anspruch. Letztlich waren vier Eltern und vier Schülerinnen und Schüler der Klasse 5a nicht mit der Videografiestunde einverstanden. In Absprache mit der Lehrkraft und dem Schulleiter wurden diese Schülerinnen und Schüler aus dem Blickwinkel der Kamera in das hintere Abteil des Klassenraumes versetzt.
Das Videoprojekt fand am 15.12.2016 im Geographieunterricht der 5. Klasse in der Zeit von 09.25 Uhr bis 10.10 Uhr statt. Das Thema der Unterrichtsstunde lautete „Die Mittelgebirge von Deutschland“. Um eine produktive Unterrichtskommunikation zu ermöglichen wurden die Methoden „Bezug zur Alltagswelt“ und „Aufzeigen von Anforderungen“ sowie die Unterrichtsstrategien „Umgang mit fehlerhaften Schüleraussagen“ und „Lernbegleitung“ in den Unterrichtsprozess integriert. Zu Beginn der Unterrichtsstunde wurde das Kameraequipment, das von den Dozenten ausgehändigt und durch die Studierenden rechtzeitig weitergereicht wurde, im hinteren Teil des Klassenraumes platziert. Während des Unterrichtsprozesses behielt der Schulleiter die Kamera im Auge, sodass die Videostudie problemlos verlief. Die aufgezeichnete Unterrichtsstunde wurde gemäß den genannten Unterrichtsmethoden und Strategien mittels eines Videoschnitttools gekürzt und im Programm V-Teach hochgeladen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der videobasierten Analyse für die Lehrerbildung und die Selbstreflexion, um Lehr-Lern-Prozesse besser zu verstehen.
2 Theoretischer Hintergrund: Hier werden zentrale Konzepte wie effektive Unterrichtskommunikation, die Bedeutung von Feedback sowie der Umgang mit Heterogenität im Klassenzimmer theoretisch fundiert.
3 Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel erläutert sowohl den Forschungsstand zu Videoanalysen als auch den spezifischen Ablauf der eigenen Videografie und Kodierung.
4 Ergebnisdarstellung: Die erhobenen Daten werden hier quantitativ ausgewertet, insbesondere hinsichtlich der Verteilung von Lehrer- und Schülerturns sowie der Art der eingesetzten Fragen.
5 Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert, die Grenzen der Methode aufgezeigt und die Bedeutung für die professionelle Entwicklung der Lehrkraft betont.
6 Ausblick: Der Ausblick identifiziert Desiderate in der Forschung und empfiehlt die dauerhafte Etablierung videobasierter Verfahren zur kontinuierlichen Verbesserung des Lehrerhandelns.
Schlüsselwörter
Videoanalyse, Unterrichtskommunikation, Lehrerhandeln, Klassenmanagement, Selbstreflexion, Feedback, Lernbegleitung, Heterogenität, Interaktionsanalyse, niedrig-inferentes Verfahren, Lehrerbildung, Unterrichtsqualität, Schülerpartizipation, Praxissemester, videobasierte Forschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der professionellen Selbstreflexion von angehenden Lehrkräften durch den Einsatz von Videoanalysen im Unterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Qualität der Unterrichtskommunikation, die Art der Lehrer-Schüler-Interaktion sowie die Wirksamkeit von Fragen und Feedback.
Was ist das primäre Ziel des Forschungsberichts?
Ziel ist es, das Lehrerhandeln mittels einer Video(selbst)analyse zu untersuchen und zu bewerten, um Erkenntnisse über das eigene Kommunikationsverhalten zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es kommt ein niedrig-inferentes Kodierverfahren zum Einsatz, das Unterrichtsereignisse in feste Zeitsegmente unterteilt und statistisch auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Einbettung, der detaillierten Beschreibung des methodischen Vorgehens und der anschließenden Ergebnisdarstellung inklusive Tabellen zur Sprechanteilsverteilung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte umfassen Videoanalyse, Unterrichtskommunikation, Selbstreflexion, Feedback und Lehrer-Schüler-Interaktion.
Wie ging die Autorin mit dem Datenschutz bei der Videoaufnahme um?
Es wurden im Vorfeld Informationsschreiben an Eltern, Schüler und Lehrkräfte ausgegeben sowie Einverständniserklärungen eingeholt; Schüler, die nicht gefilmt werden wollten, wurden außerhalb des Kamerabereichs platziert.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der gewählten Methode?
Die Methode ist zwar zeitaufwendig und komplex, bietet jedoch einen erheblichen Mehrwert für die eigene Professionalisierung und das Verständnis von Lehr-Lern-Prozessen.
Welche Rolle spielt die Wartezeit bei Fragen im Unterricht?
Laut Literatur, auf die sich die Arbeit bezieht, ist die Wartezeit nach einer Fragestellung entscheidend für die Qualität der Schülerantworten und die kognitive Aktivierung.
- Arbeit zitieren
- Charlott Zitschke (Autor:in), 2017, Verbesserung des Unterrichts mithilfe von Videoanalysen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375599