Gefahr aus Tuben und Deodorants. Erhöhen Parabene das Brustkrebsrisiko?


Studienarbeit, 2017
56 Seiten

Leseprobe

2
Inhalt
Inhaltsverzeichnis
2
Abbildungsverzeichnis
3
Tabellenverzeichnis
3
Abkürzungsverzeichnis
3
0
Aufgabenbeschreibung
4
1
Brustkrebs (Mammakarzinom)
4
1.1
Medizingeschichte des Mammakarzinoms
5
1.2
Epidemiologie
8
1.3
Formen und Vorstufen des Brustkrebses
9
1.3.1
Invasiver duktaler Brustkrebs (IDC)
11
1.3.2
Invasiver lobulärer Brustkrebs (ILC)
11
1.3.3
Weitere Formen des Mammakarzinoms
12
1.3.4
Subtypen des Mammakarzinoms
14
1.4
Ursachen und Risikofaktoren
15
1.4.1
Genetische Risikofaktoren
15
1.4.2
Hormonelle Risikofaktoren
17
1.4.3
Mammographische Dichte
18
1.4.4
Linkshändigkeit
20
1.4.5
Linke Brust
21
1.4.6
Ungesunde Lebensweise und weitere Faktoren
25
1.5
Diagnose
31
1.5.1
Klinische Untersuchung
32
1.5.2
Bildgebende Verfahren
32
1.5.3
Gewebeuntersuchungen
33
1.5.4
Weitere Diagnoseverfahren
34
1.6
Klinisches Bild und Symptome
34
2
Parabene
35
2.1
Verwendung
36
2.2
Beschriebene Nachteile
37
2.3
Gefahren durch hormonelle Wirkung
37
2.4
Aktuelle Studienlage und Hinweis auf Telomerverkürzung
38
3
Zusammenfassung und Schlussbetrachtung
39
Literaturverzeichnis
41

3
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1:
Ausschnitt aus dem Edwin-Smith-Papyrus
(
Brustvorsorge 2017:1; Original befindet sich in der US National Library
of Medicine in 8600 Rockville Pike, Bethesda, MD)
5
Abb. 2:
Therapieempfehlung abhängig vom molekularen Subtyp
(
Harbeck 2013:181)
14
Abb. 3:
Vom DHS zum Zielorgan
(
Kent 2002:11)
23
Abb. 4:
Hypothetisches Biologisches Modell der Korrelation zwischen
körperlicher Bewegung und Brustkrebsrisiko
(
Lynch, Neilson, & Friedenreich 2011:30 unter Bezug auf Neilson et al.
2009:19)
28
Tabellenverzeichnis
Tab. 1:
Übersicht über die wichtigsten epidemiologischen Maßzahlen des
Mammakarzinoms (C50 ICD 10-GM) für Deutschland
(
RKI & GEKID 2015:74)
9
Tab. 2:
Search-History von April 2017
(Eigene Darstellung)
38
Tab. 2:
Search-History vom 14.08.2017
(Eigene Darstellung)
38
Abkürzungsverzeichnis
Abb.
Abbildung
Anm.
Anmerkung
et al.
et alii (und andere) (et alia [Femininum]; et alia [Neutrum])
MHMM
Master in Health and Medical Management
Nr.
Nummer
Tab.
Tabelle
zit.
zitiert

4
0
Aufgabenbeschreibung
Im berufsbegleitenden Fernstudiengang Master in Health an Medical Management
(MHMM) der Friedreich-Alexander-Universität Erlangen (FAU) ist es im zweiten
Semester Aufgabe, eine Einsendearbeit zu erstellen. Hierzu werden jeweils zwei
alternative Themen vorgeschlagen. Für die folgende Einsendearbeit wurde das
Modul 3, Thema 1 ,,Gefahr aus Tuben und Deodorants ­ Erhöhen Parabene das
Brustkrebsrisiko?" gewählt. Ausgangspunkt ist, dass Brustkrebs eine der häufigsten
Erkrankungen der weiblichen Brust ist. Dabei liegt die Letalität der Brustkrebs-
erkrankung bei etwa 30% was dazu führt, dass das Mammakarzinom bei Frauen
im Alter zwischen 30 und 60 Jahren die häufigste Todesursache ist. Innerhalb der
Medien werden seit einigen Jahren immer wieder Kosmetika und insbesondere
Deodorants für die Genese dieser Mammakarzinome verantwortlich gemacht. Dabei
wird vermutet, dass Parabene, die den Deodorants beigefügt sind, Einfluss auf
das Brustgewebe haben und somit einen Risikofaktor darstellen. Die nachfolgende
Arbeit vermittelt zunächst einen Überblick über das Mammakarzinom und mögliche
Risikofaktoren zur Erkrankung. Es wird weiterhin die Wirkung der Parabenen
als Tumorpromoter in Kombination mit den besonderen Expositionscharakteristika
analysiert und abschließend die Erkenntnisse zusammengefasst.
1
Brustkrebs (Mammakarzinom)
Generell vorauszuschicken ist, dass sich unter der Bezeichnung Brustkrebs, in der
Medizin wird vom Mammakarzinom gesprochen, generell eine Erkrankung der
Brustdrüsen des Menschen ­ also beiderlei Geschlechts ­ verbirgt. Da dieser
bösartige Tumor allerdings hauptsächlich bei Frauen zu beobachten ist und nur etwa
jede hundertste Brustkrebserkrankung sich bei Männern manifestiert, soll in den
nachfolgenden Ausführungen stets auf das Mammakarzinom bei Frauen eingegan-
gen werden. Dieses stellt allgemein die häufigste Krebsart bei Frauen dar, so dass
am Mammakarzinom mehr Frauen als an einer anderen Krebserkrankung sterben.
Dabei tritt das Mammakarzinom meist sporadisch auf. Daneben existieren allerdings
auch erblich (genetisch) bedingte Varianten sowie Risikofaktoren, die ebenfalls eine
Genese dieser Erkrankung begünstigen. Aufgabe der Medizin ist neben der Heilung
­ sofern möglich ­ die Erhaltung der betroffenen Brust und damit die Abwehr eines
möglichen Verlusts der Lebensqualität. (Wikipedia 2017:1)

5
1.1 Medizingeschichte des Mammakarzinoms
Die wahrscheinlich älteste Beschreibung der Erkrankung Brustkrebs findet sich
im alten Ägypten. (Sameh o.J:1) Im sogenannten Edwin-Smith-Papyrus wird
beschrieben, dass zu jener Zeit eine Behandlung mit dem Brenneisen zum Einsatz
kam. Unter den 8 beschriebenen Mammakarzinomen findet sich auch der Brustkrebs
des Mannes, der ebenfalls durch Kauterisation behandelt wurde. (Random History
2017:1)
,,Our oldest description of cancer (although
the word cancer was not used) was
discovered in Egypt and dates back to abou
t 3000 BC. It's called the
Edwin Smith
Papyrus and is a copy of part of an ancient Egyptian textbook on trauma surgery.
It describes 8 cases of tumors or ulcers of the breast that were removed by
cauterization with a tool called the fire drill. The writing says about the disease,
`There is no treatment'."
(ACS 2017:1)
Ebenso beschreibt der Ebers-Papyrus den Brustkrebs und weist auf dessen
Unheilbarkeit hin. (Silva, Zurrida & Ortmann 2007; ACS 2017:1)
Abb. 1: Ausschnitt aus dem Edwin-Smith-Papyrus
(
Brustvorsorge 2017:1; Original befindet sich in der US National Library of
Medicine in 8600 Rockville Pike, Bethesda, MD)

6
Auch
Hippokrates von Kos befasste sich in seinem Werk Corpus Hippocraticum mit
der Erkrankung Brustkrebs (Epidemien 5,101) und schloss eine chirurgische Entfer-
nung tiefliegender Tumore mit der Begründung aus, dass nicht operierte Patienten
länger leben (Aphorismen 6,38). (Wikipedia 2017:1) Wie zu jener Zeit üblich, glaubte
der griechische Arzt Galenos von Pergamon (Galen), dass das Mammakarzinom von
einer Störung der Säfte verursacht würde und als systemische Erkrankung sich auf
den Gesamtorganismus beziehe. (Random History 2017:1; Silva, Zurrida & Ortmann
2007) Bis in das Mittelalter wurden dann zur Behandlung die unterschiedlichsten
Rezepturen benutzt um die Säfte wieder in Einklang zu bekommen. So versuchte
man die eingedickte Galle mittels Zinkkarbonat, Rosenöl und Hirschkot zu
verflüssigen und schließlich abzuführen. (Delbrück 2008) Von einer ersten
Brustoperation bei Mammakarzinom wird um das Jahr 100 n. u. Z. berichtet. Diese
soll der heilige Leonidas, Märtyrer von Alexandria, Vater des Origenes durchgeführt
haben und zur Blutstillung und Tumorentfernung ein Brenneisen eingesetzt haben.
(Delbrück 2008) Andreas Vesalius (eigentlich Andreas Witinck bzw. Andries Witting
van Wesel (1514 ­ 1564), ein flämischer Mediziner und Anatom, empfahl um 1543
die Mastektomie (Brustentfernung) bei Brustkrebs, zog aber eine Blutstillung mittels
Nähten der Kauterisation vor. (Silva, Zurrida & Ortmann 2007) Das erste Konzept zur
operativen Behandlung legte der französische Chirurg Jean-Louis Petit (1674­1750)
in seinem Werk ,,Traité des maladies chirurgicales et des opérations qui leur
conviennent" vor. Dieses wurde allerdings erst 1790 durch François Dominique
Lesné fertiggestellt und veröffentlicht. (Lois 2001; Kaufmann, Jatoi & Petit 2007)
Henry François Le Dran (1685­1770) vertrat 1757 die Meinung, dass das
Mammakarzinom zumindest zu Beginn der Erkrankung ein lokal begrenztes
Geschehen sei und erst, wenn sich der Brustkrebs einen Weg zur Lymphbahn
erschaffen habe, die Prognose für den Patienten schlecht sei. Um dies zu vermeiden
entfernte er daher die komplette betroffene Brust inklusive den Lymphknoten der
Achselhöhle. (Kaufmann, Jatoi & Petit 2007 Bell (1809:194) erkannte ebenso, dass
die Entfernung der Lymphknoten aus der Achselhöhle von Bedeutung ist und
empfiehlt die Operation so durchzuführen, dass ,,wenn es nur immer möglich ist, den
Einschnitt quer über von der Achsel her gegen das Brustbein" gemacht werden soll.
Im Jahre 1840 gelang Rudolf Virchow der Nachweis, dass sich das Mammakarzinom
aus einer Veränderung der Epithelzellen entwickelt und sich dann entlang der
Faszien und Lymphbahnen ausbreitet. Dies führte schließlich zu einer veränderten

7
Sichtweise: Es kam zu einer Abkehr, dass es sich um eine systemische Erkrankung
handelt, hin zu einer eher lokalen Erkrankung. (Silva, Zurrida & Ortmann 2007,
Kaufmann, Jatoi & Petit 2007) Diesem lokalen Paradigma folgte auch William
Stewart Halsted (1852­1922) und führte 1882 die erste radikale Mastektomie durch.
Dabei entfernte er die Faszie der Brustmuskulatur (Musculus pectoralis minor,
Musculus pectoralis major) und auch die Lymphgefäße der Achsel. Seine
Operationsweise führte dazu, dass eine lokale Tumorkontrolle und eine 5-Jahres-
Lokalrezidiv-Rate von 6% erreicht werden konnte. (Halsted 1894:497) Vorreiter
dieser Methode im deutschsprachigen Raum war Josef Rotter (1857­1924), der sie
ab 1889 bei Patientinnen mit Brustkrebs anwandte. (Rotter 1896:69) Der englische
Chirurg James Paget (1814­1899) beschrieb im Jahre 1874 eine ekzemartige
Veränderung der Brustwarze mit angrenzendem duktalen Adenokarzinom. (Silva,
Zurrida & Ortmann 2007) Seine Beschreibung ging als Morbus Paget in die Medizin
ein. Obgleich diese Erkrankung fast immer Frauen betrifft, kommt das
Paget-Karzinom gelegentlich auch beim Mann vor. Manchmal auch als ,,blasiger
Tumor (bowenoide Papulose) außerhalb der Brust, meist im Bereich des Genitales,
des Anus oder der Achseln (eventuell mit Befall der apokrinen Schweißdrüsen)."
(Wikipedia 2017a:1) Ein Zusammenhang mit dem Sexualhormon Östrogen, es wird
hauptsächlich in den Ovarien (Eierstöcken) gebildet, konnte erstmalig vermutet
werden, als der schottische Chirurg Sir George Thomas Beatson (1848 ­ 1933)
feststellte, dass eine Ovarektomie (Entfernung der Eierstöcke) das Mammakarzinom
schrumpfen ließ. (Random History 2017:1) In der Deutschen Medizinischen
Wochenschrift wird schließlich 1927 von der ersten brusterhaltenden Operation beim
Mammakarzinom in Deutschland berichtet. (Hirsch 1927:1419) Eine etwas weniger
radikale Methode der Operation veröffentlichten 1948 David H. Patey und W. H.
Dyson. Sie hatten dabei gleich gute Ergebnisse wie zuvor Rotter und Halsted,
konnten aber den Brustmuskel weitgehend erhalten. (Patey & Dyson 1948:8)
Die Methode wird heute ,,modifiziertradikale Mastektomie" nach Patey
genannt. Noch im gleichen Jahr ging Robert McWhirter den Schritt hin zu einer
weiteren Reduktion der operativen Radikalität indem er nach einer einfachen
Mastektomie eine Strahlentherapie durchführte. (McWhriter 1955) In den 1960er
Jahren setzte sich, auch unter Einfluss der Arbeit von Fisher & Fisher (1966) die
Auffassung durch, dass die Lymphknoten keinen etwaigen Schutz gegen die
Ausbreitung der Metastasen des Mammakarzinoms darstellen und es sich bereits

8
frühzeitig um eine gestreute Krebserkrankung handelt. Der Befall der Lymphknoten
wurde eher als Indikator einer systemischen Ausbreitung gesehen und deren
Resektion sei lediglich von prognostischer, nicht aber therapeutischer Wirkung.
(Fisher & Fisher 1966) Die Folge daraus war eine ergänzende Therapie der
gängigen Operation durch anschließende Strahlen- und Chemotherapie. (Leinmüller
1998:A-2753)
,,Der Grundgedanke für dieses neue Behandlungskonzep
t fußt auf Erkenntnissen von
Prof. Bernhard Fisher (Pittsburgh), der das Konzept
­
und seine eigenen Ergebnisse
­
bei einem Symposium in der Frankfurter Universitäts-Frauenklinik ausführte. Fisher
hat bereits vor Jahren die heute allgemein akzeptierte Auffassung vertreten, daß
der Brustkrebs zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits eine systemische
Erkrankung darstellt. Folgerichtig wurde das gängige Konzept der Operation und
Radiatio durch eine anschließende Chemotherapie ergänzt, um auch die
Mik
rometastasen zu ,treffen`."
(Leinmüller 1998:A-2753)
Die Idee, brusterhaltend zu operieren, setzte sich zunehmend in den 1970er Jahren
fort. Auch wurde die operative Radikalität weiter reduziert und man versucht seit
Ende des 20. Jahrhunderts den Patienten die vollständige Resektion der
Lymphknoten zu ersparen. (Kaufmann, Jatoi & Petit 2007) Schließlich entdeckte eine
Forschergruppe um den US-Amerikaner J. M. Hall das sogenannte ,,Brustkrebs-Gen"
BRCA1 im Jahre 1990 und bereits vier Jahre später, 1994 wurde mit BRCA2 ein
zweites Gen für die Genese eines Mammakarzinoms identifiziert. (Miki et. Al. 1994)
1.2 Epidemiologie
Das Mammakarzinom ist sowohl weltweit als auch innerhalb der Bundesrepublik
Deutschland die häufigste bösartige Tumorerkrankung bei Frauen. (RKI & GEKID
2005:7) Jährlich werden ca. 70.000 Neuerkrankungen festgestellt, wozu noch
mindestens 5.500 in situ Tumor kommen (RKI & GEKID 2015:74) Eine genauere
Übersicht vermittelt Tabelle 1. Dabei beträgt das mittlere Lebenszeitrisiko der Frauen
am Mammakarzinom zu erkranken bei 9,2%. Das bedeutet, dass im Durchschnitt
jede elfte Frau im Verlauf ihres Lebens an Brustkrebs erkrankt. (RKI & GEKID
2005:7) Besonders bei jüngeren Frauen ist Brustkrebs die häufigste Krebserkran-
kung. Rund 40% der Krebserkrankungen und knapp 30% der krebsinduzierten

9
Todesfälle gehen bei Frauen im Alterszeitraum von 35 bis 59 Jahren zu Lasten des
Mammakarzinoms. (RKI & GEKID 2015:74)
Tab. 1:
Übersicht über die wichtigsten epidemiologischen Maßzahlen
des Mammakarzinoms (C50 ICD 10-GM) für Deutschland
(
RKI & GEKID 2015:74)
Die Tatsache, dass damit bei rund 20.000 Frauen die Diagnose vor dem
60. Lebensjahr gestellt wird, das mittlere Erkrankungsalter (Median) liegt etwas über
60 Jahre, macht das Mammakarzinom zu einem vergleichsweise frühen Krebs.
Für zahlreiche andere Malignome liegt das mittlere Erkrankungsalter bei Frauen
erst bei 67 Jahren. (RKI & GEKID 2005:9)
1.3 Formen und Vorstufen des Brustkrebses
So unterschiedlich die Patientinnen sind, so variable sind auch die Formen, in
denen das Mammakarzinom auftritt. ,,Am häufigsten geht die Krankheit von den
Milchgängen oder den Drüsenläppchen der Brustdrüse aus. Entsprechend gibt es
unterschiedliche Bezeichnungen dafür." (Krebsliga Schweiz 2014:15) Zunächst
einmal kann eine Unterscheidung in duktale und lobuläre Karzinomen vorgenommen
werden. Mit rund 80% machen duktale Mammakarzinome, sie entstehen in den
Milchgängen (Ductuli) die überwiegende Mehrheit aus. Lobuläre Karzinome, ihre
Genese sind in den Drüsenlappen zu verorten, betreffen rund 5 bis 15 Prozent der
Patientinnen. (Krebsliga Schweiz 2014:15) Von Bedeutung sind aber bereits die
Krebsvorstufen des Mammakarzinoms, die Präkanzerosen genannt werden. Modere

10
bildgebende Verfahren machen es heute möglich, bereits kleinste Veränderungen
an der Brust zu entdecken. Diese verraten sich häufig durch Kalkablagerungen
(Mikrokalk). Haben sich dabei bereits Zellveränderungen ergeben, die Anlass
geben, dass sich daraus ein späterer Brustkrebs entwickeln könnte, so wird von
,,Brustkrebs-Vorstufen", ,,Präkanzerosen" oder ,,präinvasive Läsionen" gesprochen.
(Fehm, Scharl & Lux 2017:1)
Zu diesen Präkanzerosen zählen:
- Intraduktale atypische Hyperplasien (ADH)
Es handelt sich hierbei um veränderte Zellen in den Milchgängen
- Lobuläre intraepitheliale Neoplasien (LIN)
Hier sind die Zellen in den Drüsenläppchen verändert
- Flache epitheliale Atypie (FEA)
Veränderte Zellen im Deckgewebe von Milchgängen und / oder Drüsenläpp-
chen
- Ductales Carcinoma in Situ (DCIS)
Veränderte Zellen in den Milchgängen
(Fehm, Scharl & Lux 2017:1)
,,Prozentual unterscheiden sich die verschiedenen Vor
stufen hinsichtlich des
Entartungsrisikos, und man weiß auch, dass junge Frauen und diejenigen mit
`Brustkrebs in der Familie` ein höheres Risiko habe
n, dass bei ihnen aus einer Vorstufe
Krebs entsteht. Doch leider lässt sich nicht vorhersagen, welche dieser Veränderungen
einmal tatsächlich bösartig wird und welche nicht. Allgemeingültige Empfehlungen zum
Umgang mit diesen Brustkrebs-Vorstufen gibt es daher mit Ausnahme des DCIS nicht,
so dass bei jedem Einzelfall individuell entschieden werden muss, ob abgewartet
wer
den kann oder lieber behandelt werden sollte."
(Fehm, Scharl & Lux 2017:1)
Die Krebsliga Schweiz (2014:17-18) nennt als Formen des Mammakarzinoms
schließlich folgende Ausprägungen:
- Invasiver duktaler Brustkrebs (IDC)
- Invasiver lobulärer Brustkrebs (ILC)
- Weitere Formen des Mammakarzinoms

11
(tubulär, muzinös, medulläre, inflammatorisch sowie Morbus Paget)
- Subtypen des Mammakarzinoms
(Krebsliga Schweiz 2014:17-18)
1.3.1
Invasiver duktaler Brustkrebs
(Invasives duktales Mammakarzinom) (IDC)
Die Abkürzung IDC steht für invasives duktales Karzinom (engl. invasive ductal
carcinoma) und steht für alle Tumore, deren Genese in den Milchgängen (duktal)
der Brustdrüse zu verorten ist und in das umliegende Gewebe eingebrochen also
invasiv sind. Die Bezeichnung wird auch für Tumore verwendet, deren Tumortyp
nicht eindeutig zugeordnet werden kann, sogenannte ,,not otherwise specified".
(Wikipedia 2017b:1) Mit etwa 70% ist IDC die häufigste Form des Carcinoma
mammae (Mammakarzinom) bei betroffenen Frauen. Es entwickelt sich aus
Zellen der Milchgänge (Ductuli), bricht dann aufgrund seines invasiven Wachstums
durch die Wand eines Milchganges und wächst unter Bildung von Knoten in das
umliegende Gewebe ein. Diese Knoten (Nodes) sind ab ca. 0,5cm Größe in der
Sonographie detektierbar. Ab einer Größe von etwa 1cm sind sie überdies auch
tastbar. Allerdings können mehrere Jahre vergehen, bis ein solcher Knoten eine
tastbare Größe aufweist. (Krebsliga Schweiz 2014:17)
1.3.2
Invasiver lobulärer Brustkrebs
(Invasives lobuläres Mammakarzinom) (ILC)
Beim invasiven lobulären Mammakarzinom (invasives lobuläres Karzinom
(engl. invasive lobular carcinoma oder ILC) handelt es sich um einen Tumor
ausgehend von den Epithelzellen de4r Drüsenläppchen (Lobili) der Brustdrüse
und in das umliegende Gewebe eindringt, also invasiv ist, Je nach Quellenlage
werden 10 bis 15 oder 20% der Brusttumore diesem Typus zugeordnet. Kennzeich-
net für das ILC sind kleinzellige monomorphe Infiltrate, welche anstelle von Drüsen
einreihige Tumorzellstränge (,,Gänsemarschmuster", ,,Indian file pattern") bilden,
die zirkulär um vorbestehende Drüsenläppchen (Ausführungsgänge) wachsen
(,,Schiessscheibenmuster"; ,,targetoid pattern") und den Drüsenkörper diffus
durchsetzen." (DocCheck 2017:1) Besonders Frauen mit dichtem Bindegewebe
in den Brüsten sind vom ILC häufiger betroffen. Problematisch ist dabei, dass ein
ILC in der Mammographie oft schlecht erkennbar ist und sich diese Karzinome erst

12
ab einer Größe von circa 2cm tasten lassen. (Krebsliga Schweiz 2014:17) ,,Das
ILC findet sich im Vergleich zum IDC häufiger in beiden Brüsten sowie
multifokal/multizentrisch, d. h. in der gleichen Brust sind mehrere Krebsherde
vorhanden." (Krebsliga Schweiz 2014:17)
1.3.3
Weitere Formen des Mammakarzinoms
Die nachfolgenden Formen des Brustkrebs sind zwar seltener, treten aber
manchmal zusammen mit den genannten Präkanzerosen auf. In Bezug auf ihr
Verhalten beispielsweise in puncto Wachstumsgeschwindigkeit sind sie
unterschiedlich aggressiv. (Krebsliga Schweiz 2014:18)
- Tubuläres Karzinom
(Genannt aufgrund der röhrenförmigen Struktur des Krebsgewebes)
Es zählt mit 1 bis 2% der Carcinoma mammae zu den seltenen Formen.
Mehrheitlich weisen tubuläre Karzinome eine prognostisch günstige
Differenzierung der Tumorzellen (Grading 1) auf. Das 10-Jahres-Überleben
wird in der Literatur mit über 80% angegeben. (von Koch o. J.:5)
- Muzinöses Karzinom
(Genannt aufgrund der Schleimbildung des Karzinoms)
Etwa 1 bis 2% der Brustkrebsformen erfüllen die Kriterien des muzinösen
Karzinoms. ,,Die muzinösen Karzinome bestehen aus Zellen, die einen
zähen Schleim produzieren und dann wie kleine Inseln in großen Schleimseen
schwimmen. [Der] Tumor [fühlt sich] weich an und wird deshalb häufig erst
in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt." (Braun & Jackisch 2013:1)
Der Altersdurchschnitt der betroffenen Frauen liegt etwas höher als bei
Patientinnen eines invasiven duktalen Karzinoms (IDC). Muzinöse Karzinome
mit günstiger Differenzierung (Grading 1) verfügen über eine sehr gute Progno-
se. Auch hier liegt laut klinischen Untersuchungen das 10-Jahres-Überleben bei
über 80%. (von Koch o. J.:5)
Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Gefahr aus Tuben und Deodorants. Erhöhen Parabene das Brustkrebsrisiko?
Autor
Jahr
2017
Seiten
56
Katalognummer
V375614
ISBN (eBook)
9783668531642
ISBN (Buch)
9783668531659
Dateigröße
1121 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gefahr, tuben, deodorants, erhöhen, parabene, brustkrebsrisiko
Arbeit zitieren
Horst Siegfried Kolb (Autor), 2017, Gefahr aus Tuben und Deodorants. Erhöhen Parabene das Brustkrebsrisiko?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375614

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