Fallarbeit über (Paar-)Trennungen im Jugendalter


Studienarbeit, 2017

29 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Zeitdiagnose
1.2 Fall Jennifer
1.3 Relevanz für die Psychosoziale Beratung
1.4 Aufbau der Fallarbeit

2. Theoretisches Fundament
2.1 Begriffsdefinitionen
2.1.1 Psychisches Trauma
2.1.2 Posttraumatische Belastungsstörung
2.1.2.1 Trennung und Trauer
2.1.2.2 Wenn das weibliche Geschlecht zu sehr begehrt
2.1.3 Soziologische Sichtweise auf das Jugendalter

3. Handlungsfeld: Schulsozialarbeit
3.1 Schulsozialarbeit an der Internationalen Gesamtschule Heidelberg
3.2 Personenzentrierte Beratung bei Traumatisierung
3.2.1 Erstgespräch mit Jennifer- Beratungsverlauf

4. Fallanalyse
4.1 Strukturdimension
4.2 Subjektdimension
4.3 Symbolische und Interaktive Dimension
4.4 Psychosoziale Diagnostik und Interventionsplanung
4.4.1 Biopsychosoziale Diagnostik
4.4.2 Traumapädagogische Intervention

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

7. Tabellenverzeichnis

8. Anhang
8.1 Biopsychosoziale Diagnostik von Jennifer

1. Einleitung

„Ich bin überzeugt, dass wir uns alle im gefährlichen Fluss des Lebens befinden und niemals sicher am Ufer stehen.“ (Antonovsky in Stein, 2009: 43)

1.1 Zeitdiagnose

Deutsche Bürger[1] werden international geschätzt. Eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) verdeutlicht 2007, dass die Gesellschaftsmitglieder zu 23% als zuverlässig und fleißig etikettiert werden. Gleichzeitig führt die Studie auf, dass sich eine pessimistische Neigung im Land verbreitet (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, 2007). Die Bundesrepublik Deutschland gilt paradoxerweise durch die seit 1948 existierende soziale Marktwirtschaft[2] als eine Vorführgesellschaft und zudem ist nah und fern geläufig, dass es sich des Weiteren nach Böhme um ,,die reichste Nation in der Welt “ handelt (Böhme, 2010: 7) Darüber hinaus herrschen ideale Voraussetzungen zur autonomen Lebensbewältigung wie die demokratische Regierungsform, die zur Partizipation[3] jedes einzelnen Bürgers befähigt (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, 2011). Böhme tituliert in diesem Zusammenhang das all verbreitete Unzufriedenheitsgefühl als ,, ein Unbehagen in der Leistungsgesellschaft“ (Böhme, 2010: 8). Friebe und Loob betiteln die prekäre Arbeitsplatzsicherheit als ,, German Angst “. Demzufolge gilt der Hochschulabsolvent mit hervorragenden Leistungen im nachindustriellen Zeitgeist als eine anerkannte Person. Akademiker haben demnach bessere Chancen im Konkurrenzkampf (vgl. Friebe & Lobo, 2007: 47-55) Entsprechend macht sich das Leistungsprinzip auch in Schulen bemerkbar. Die Bewältigung von Lebenskrisen junger Menschen rückt zunehmend in den Hintergrund. Lehrkräfte bewahren Objektivität, um „gerechte“ Zensuren zu verteilen. Die Wichtigkeit einzelner Beziehungsgefüge wird nicht anerkannt. Dabei warnen Kindheits- und Sozialpädagogen, dass junge Erwachsene vertrauensvolle Beziehungen zu einer gesunden Entfaltung dringend benötigen. Die Persönlichkeitsentwicklung erfolgt durch individuelle Bewältigungsaufgaben und vor allem Beistand (vgl. Geulen & Hurrelmann, 1982:65).

1.2 Fall Jennifer

Jennifer (16) ist ein aufgewecktes Mädchen. Sie besucht eine 10. Gymnasialklasse an der Internationalen Gesamtschule in Heidelberg und fällt in der Schule durch ihre freundliche Art angenehm auf. Jennifer hat einen Freund. Sein Name ist Niklas (19). Niklas beendet gerade die Berufsausbildung zum Mechatroniker. Jennifer und Niklas haben einen gemeinsamen Freundeskreis. Niklas ist ein sehr erfolgreicher Ringer und Jennifer verbringt ihre Wochenenden gerne in der Sporthalle, um Niklas zu unterstützen. Sie kennen sich zwei Jahre und deshalb schmiedet Jennifer bereits außerordentliche Zukunftspläne mit Niklas. Sie wünscht sich zu einem späteren Zeitpunkt eine große Familie, da sie sich als Einzelkind oft ein Geschwisterchen wünschte. Für Jennifer ist die Paarbeziehung ein wichtiger Bestandteil ihres derzeitigen Lebens. Sie ist zudem sehr verliebt.

Eines Tages erhält Jennifer einen unerwarteten Anruf von Niklas. Er teilt ihr mit, dass er die Beziehung beenden möchte. Er begründet die Trennung sehr knapp, dass sich Jennifer zu wenig in seinem Verein engagierte. Grundsätzlich hätten seine Gefühle zu Jennifer dadurch stark nachgelassen. Jennifer bricht zusammen. Sie plagen starke Schuldgefühle, dass sie den Anforderungen ihres Freundes nicht gerecht werden konnte. Sie überkommt sofort eine tiefe Traurigkeit. Nach diesem Anruf legt sie sich kraftlos ins Bett und hat zudem starke Bauchschmerzen. Jennifer hofft jedoch, dass sich Niklas in naher Zukunft wieder meldet.

Nach einigen Wochen erzählt ihr ein Bekannter, dass Niklas bereits eine neue Freundin hat. Niklas hat sich nicht mehr gemeldet. Jennifer bricht den Konktakt zu allen Freunden ab. Zum gleichen Zeitpunkt bekommt sie Schwierigkeiten in ihrer Schule. Sie schwänzt regelmäßig den Unterricht. Die Klassenlehrerin sorgt sich um das junge Mädchen. Jennifer begleiten Versagensängste und wenn sie ein Referat halten muss, zittern ihre Hände. Sie fühlt sich sehr einsam, schreibt zunehmend schlechte Noten und wirkt stets unkonzentriert. Zudem fiel der Klassenlehrerin bereits relativ früh auf, dass sie stark abgenommen hat und sehr träumerisch wirkt. Eine besorgte Klassenkameradin teilt mit, dass Jennifer bereits des Öfteren Suizidgedanken geäußert hat. Die Klassenkameradin verrät, dass sie sich regelmäßig in Discotheken aufhält und übermäßigen Alkohol konsumiert. Die Klassenlehrerin sucht daraufhin Rat bei mir in der Rolle der Schulsozialarbeiterin.

1.3 Relevanz für die Psychosoziale Beratung

Jeder Mensch verspürt das Verlangen nach sicheren Bindungen. Bereits die Eltern-Kind-Beziehung ist ausschlaggebend für eine gesunde und soziale menschliche Entwicklung. Zu Bezugspersonen entsteht grundsätzlich eine emotionale Beziehung, die idealerweise Schutz, Trost und Geborgenheit vermittelt. Bindungen sind bis ins hohe Erwachsenenalter eine wichtige Bedingung für seelisches Wohlergehen (vgl. Jaszus et al, 2014: 153). Gerade im Jugendalter steigt das Interesse am Thema Liebe durch hormonelle Umschwünge (Pubertät) und die damit verbundene Geschlechtsreife. Eine Liebesbeziehung stellt in dieser Zeitspanne einen wertvollen Fortschritt dar. Das starke Bedürfnis nach emotionaler Stabilität und Sicherheit ist bei dem Übergang zum Erwachsenenalter somit gewährleistet. Ein festes Liebespaar unterstützt und tröstet sich gegenseitig in Belastungssituationen. Jugendliche erleben neue Formen sexueller Intimität und Zuneigung (vgl. Wendt & Walper, 2006: 420-423). Ein plötzlicher Trennungsverlust wie im genannten Fallbeispiel löst in Jennifer ein Ohnmachts- und Hilflosigkeitsempfinden aus. Das unerwartete Verlassen werden stellt für sie eine tiefe Kränkung und einen Schockzustand dar (vgl. Hötker-Ponath, 2014: 128). Dieser Aspekt bedarf einer besonderen Betrachtung, da sich jeder psychosoziale Tätigkeitsbereich mit krisenbehafteten (traumatischen) Ereignissen von Menschen und dessen Folgen auseinandersetzt. Essau erwähnt eine deutsche Studie mit repräsentativen Daten (n=1035) die, Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren untersuchte. Davon haben 22,5 % angegeben, dass sie bereits von einer traumatischen Situation referieren können (vgl. Essau in Maercker, 2013: 354). Die Fallarbeit möchte das traumapädagogische Fallverständnis im psychosozialen Handlungsfeld: Schulsozialarbeit fördern. Levine betont, dass ein emotionales Trauma nicht nur durch Todesfälle und physische Gewalteinwirkungen entstehen kann, sondern auch durch das Verlassen werden (vgl. Levine in Wuttig, 2016). Unerwartete Trennungen beeinflussen die individuelle Lebenswelt und gerade Jugendliche fallen in einer Krise durch sozial abweichendes Verhalten im zentralen Lebenskontext Schule auf. Dies führt zur völligen Überforderung pädagogischer Fachkräfte, aber auch zur sozialen Isolation[4] der leidenden Person durch Unverständnis beziehungsweise durch fehlendes Fachwissen. Um jedoch auf pädagogischer Ebene intervenieren zu können, wird nach Gahleitner Traumasensibilität[5] und die biopsychosoziale[6] Berücksichtigung außergewöhnlicher Lebensereignisse gefordert (Gahleitner et al, 2017: 9-11). Die psychosoziale Beratung ist nicht nur aus erziehungswissenschaftlicher Sicht der zentrale Auftrag pädagogischer Praxis. Sie ist weiterhin eine bedeutungsvolle Handlungsform der Sozialen Arbeit im Spannungsfeld von Gesellschaft, Institution, Profession und Individuum (vgl. Schnoor, 2013: 10). In der Fallarbeit begebe ich mich in die fiktive Rolle einer erfahrenen Schulsozialarbeiterin mit abgeschlossener Weiterbildung bei der Bundesarbeitsgemeinschaft für Traumapädagogik. Die Weiterbildung habe ich mit der Zusatzqualifikation „Traumapädagogik und Traumazentrierte Fachberatung[7] “ abgeschlossen, die eine optimale psychosoziale Versorgung traumatisierter Klienten ermöglicht. Diese orientiert sich unter anderem nach den Kerngedanken von Gahleitner[8] (vgl. Bundesarbeitsgemeinschaft Traumapädagogik e.V., 2017) Im Masterstudiengang: Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Psychosoziale Beratung und Gesundheitsförderung an der SRH Heidelberg konnte ich mich mit der Humanistischen Psychologie[9] identifizieren. Deshalb bevorzuge ich die Personenzentrierte Gesprächsführung nach Rogers, die im weiteren Verlauf eine zentrale Bedeutung einnimmt. Bedingungslose Akzeptanz, einfühlendes Verstehen und die Einhaltung von Kongruenz[10] gegenüber Personen ist ein grundlegendes Fundament für einen Beziehungsaufbau, vor allem im Beratungsspektrum. Selbst in dem hochorganisierten Wohlfahrtssystem ist menschliche Zuwendung noch immer unersetzbar (vgl. Weinberger, 2004: 22-23).

1.4 Aufbau der Fallarbeit

Die Einleitung besteht aus der aktuellen Zeitdiagnose und einer sofortigen kritischen Haltung gegenüber den Leistungsanforderungen in der Bundesrepublik Deutschland. Im nächsten Schritt geht es mit dem konkreten Fallbeispiel und der Begründung der Relevanz des Falls für die psychosoziale Beratung weiter. Der Fall offenbart, dass für die 16-jährige Jennifer eine unerwartete Trennung (im Jugendalter) passiert ist. Jennifer muss neben dieser akuten Krise die Anforderungen ihrer Schule bewältigen. Dieser besonderen Problematik möchte die Ausarbeitung nachgehen. Bedeutsam sind nicht nur die Themen, die in Schulen vermittelt werden. Bereits Heranwachsende sind von einer hektischen Betriebsamkeit geprägt. Dies beeinträchtigt die Lebensgefühle Jugendlicher, die in dieser Zeit lernen müssen, mit schwierigen Belastungssituationen umzugehen. Die Schulsozialarbeit gewinnt aktuell an Bedeutung, um an Schulen eine lebensweltorientierte Arbeit gewährleisten zu können. Im weiteren Verlauf werden theoretischen Grundlagen vermittelt. Leser nähern sich den Begriffsdefinitionen Trauma, Posttraumatische Belastungsstörungen und der soziologischen Sichtweise[11] auf das Jugendalter an. Es wird nicht ausgeklammert, dass es sich im Fall um das weibliche Geschlecht handelt. Allgemein finden Suchtpotentiale in Bezug auf das weibliche Geschlecht ihre Erwähnung. Das leibliche Befinden spielt eine wesentliche Rolle in der Schulsozialarbeit. Daher ist die Prävention und Gesundheitsförderung an Schulen ein wesentlicher Faktor, die aus personen- und beziehungsorientierter Sicht analysiert wird. Es ist wichtig, sich in die Rolle einer Schulsozialarbeiterin hineinzuversetzen, um ein besseres Verständnis für die Chancen und Risiken dieser Tätigkeit zu entwickeln. Im nächsten Kapitel erfolgt die sozialpädagogische (mehrdimensionale) Fallbetrachtung statt (vgl. Braun et al, 2011). Ziel ist die fallspezifische psychosoziale Diagnostik[12]. Dementsprechend ist eine detaillierte Schlussbetrachtung unter sozialarbeitswissenschaftlichen Gesichtspunkten dringend notwendig.

2. Theoretisches Fundament

2.1 Begriffsdefinitionen

Da die Begriffsbestimmungen psychisches Trauma, Posttraumatische Belastungsstörung und Jugendalter fundamental für den fachlichen Terminus sind, werden sie nun einleitend näher bestimmt, wobei das Jugendalter aus soziologischer Sichtweise betrachtet wird. Die Begriffe werden in der gesamten Arbeit erwähnt, denn in schulischen Erziehungs- und Bildungsprozessen ist ein Verständnis für den Traumabegriff für grundlegende Interventionsmaßnahmen bedeutend. Weiterhin wird der Fall geschlechterbezogen betrachtet.

2.1.1 Psychisches Trauma

In der Klassifikation psychischer Störungen nach ICD-10[13] werden belastende Begebenheiten erwähnt. Ein psychisches Trauma wird deshalb als eine akute Belastungsreaktion (F43.0) betitelt und von Medizinern dementsprechend diagnostiziert. Nicht in jedem Fall sind Schweregrad und Begleitsymptome ausreichend, dass Behandlungsbedarf besteht (vgl. Bengel & Hubert, 2010: 4). „Ein Erlebnis kann dann zu einem psychischen Trauma führen, wenn sich eine Person einer für sie bedeutsamen Situation wehrlos, hilflos und unentrinnbar ausgesetzt fühlt und diese mit ihren bisherigen Erfahrungen nicht bewältigen kann “ (vgl. Schubbe, 2004 in Hermans, 2016:3). Trauma[14] ist aus diesem Grund eher mit einer phänomenologischen[15] Erscheinung gleichzusetzen als mit einem reinen biologischen Sachverhalt. Allgemeine Definitionen sind kritisch zu betrachten. Was auf ein Individuum zutrifft, muss wiederum durch Vulnerabilitätsfaktoren wie die eigene Persönlichkeit[16] nicht auf ein anderes Individuum zutreffen. Fakt ist, dass es mit einem leidenden Erleben übereinstimmt. Ein leidender Mensch ist jedoch eine Gefahr für bestehende Systeme. Oftmals möchte der Leidende die Ursache der Problematik aufklären und hinterfragt unter anderem die Sinnhaftigkeit institutioneller Rahmenbedingungen. Die Konsequenz ist, dass die Funktionstüchtigkeit darunter leidet. Um gesellschaftliche Anerkennung als leidende Person zu erhalten, fällt oftmals der Traumabegriff. Dann wird nämlich unsichtbares Trübsal zu einem sichtbaren, anerkannten gesellschaftlichen Phänomen. Die höhere Abstufung von Leid bedarf dann sowohl einer höheren beraterischen und therapeutischen Zuwendung. Ein Traumatisierter erfährt eine existenzielle Leiderfahrung durch zuteilgewordene, plötzliche Gewaltsamkeit. In erster Linie resultiert daraus eine Handlungsunfähigkeit und die Unbrauchbarkeit für das neoliberale Leistungssystem (vgl. Jäckle et al, 2017: 10-18 i. E). Menschen wollen überleben und bringen hierfür notwendige Voraussetzungen mit. Sie müssen ein permanentes Gleichgewicht unter psychologischen, sozialen und physiologischen Aspekten einhalten (vgl. van der Kolk et al in Schay & Liefke, 2009: 51). Trauma ist zwar mit einer existenziellen Bedrohung gleichzusetzen, es geht dabei vielmehr um das subjektive Hilflosigkeitsempfinden und um den erlebten Kontrollentzug. Gerade Heranwachsende, die durch Bezugspersonen ein Urvertrauen entwickeln, können durch wahrgenommene, bedrohliche Erfahrungen ein tiefes Misstrauen gegenüber der Welt entfalten (vgl. Krüger, 2013: 19). Gedächtnisforscher erklären, dass durch traumatisch (wahrgenommene) Erfahrungen Beeinträchtigungen im eigenen Erinnerungssystem resultieren. Ein unverhältnismäßiger Hormonausschuss und Reizungen der Amygdala verantworten, dass eine bewusste Wahrnehmung von Schlüsselsituationen durch Abkopplung unmöglich ist (vgl. Krüger, 2013: 54). Leid und Trauma sind schwer voneinander abzugrenzen, denn Leid entsteht durch Gewaltformen. Fehlende Resonanzerfahrungen[17] sind für Betroffene folgenschwer, doch bedauerlicherweise bietet Institution Schule kaum Resonanzerlebnisse mit Bildungsaspekten. Der aktuelle Traumadiskurs betont jedoch, dass Leid zudem behandelbar ist und der Verantwortungsaspekt eine entscheidende Rolle spielt. Schüler erfahren wiederholtes Leid durch das entgegengebrachte Unverständnis und das primäre Tiel des Wissenstransfers. Wesentlich ist, dass sich Trauma noch eher vor der gesellschaftlichen Machbarkeitsideologie[18] entzieht (vgl. Jäckle et al, 2017: 11-18 i.E.).

2.1.2 Posttraumatische Belastungsstörung

Der Übergang zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung ist in vielen Fällen fließend, doch die Weltgesundheitsorganisation [19] gibt seit dem Jahr 1991 genaue Kriterien vor, wann die Störung (F43.1) nach ICD-10 diagnostiziert werden kann. Wenn die eigenen körperlichen Stressreaktionen nicht mehr abklingen und auch lange nach dem traumatischen Ereignis noch anhalten, belasten sie oft die Lebenswelt[20] der betroffenen Person. Dies kann sich auf Schule und Privatleben gleichermaßen bedrückend auswirken, wie auch auf die persönliche Lebensqualität. Die Störung muss deshalb näher erläutert werden. Hauptsächlich entwickeln sich spezifische Anzeichen, die sich jedoch innerhalb von sechs Monaten nach dem traumatischen Hauptereignis herauskristallisieren müssen. Eine Posttraumatische Belastung ist zugleich eine tiefe psychische Belastung mit internalen, als auch externalen Hinweisreizen, die immerzu an das ehemalige traumatisierende Geschehen erinnern. Benötigt wird jedoch viel Geduld und Traumasensibilität, damit eine korrekte Anamnese erfolgt. Nickel betont zudem, dass ein unerwarteter Weggang einer geliebten Person einen außergewöhnlichen Belastungsfaktor darlegt. (vgl. Nickel, 2008: 173-175). Einige Symptome können nachfolgend chronisch werden und eine dauerhafte Verhaltensänderung verursachen. Es stellt sich die Frage, wie der Mensch auf bedrohliche Situationen reagiert. Alle Menschen besitzen ein körpereigenes Alarmsystem.

[...]


[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit und um den Lesefluss nicht zu stören, wird in dieser Arbeit kein Gender verwendet. Verwendet wird nur die männliche Form, wobei selbstverständlich beiderlei Geschlecht gleich berücksichtigt wird.

[2] Die Zielsetzung der sozialen Marktwirtschaft ist einerseits das Erreichen eines größtmöglichen Wohlstands und andererseits die soziale Absicherung (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, 2016).

[3] Unter Partizipation ist „jenes Verhalten von Bürgern zu verstehen, welches grundsätzlich Einfluss auf politisches Geschehen hat.“ ( Andersen & Woyke, in Ksiazek, 2016).

[4] Die soziale Isolation ist „ ein Zustand des Alleinseins, den ein Mensch als vom anderen auferlegt empfindet und als negativ oder bedrohlich erlebt“ (Gansch et al in Weissenbacher & Horvath, 2008: 208).

[5] Traumasensibilität setzt ein Grundlagenwissen über Traumata, außergewöhnliche Belastungen und deren Konsequenzen voraus. In Einzelfällen fordert Hermans zu standardisierten Notfallprozeduren und multidisziplinären Kooperationen auf (vgl. Hermans, 2016).

[6] Das biopsychosoziale Modell bietet eine dynamische Sichtweise auf die Gesundheit und distanziert sich zunehmend von dem Krankheitsbegriff. Benötigt wird in diesem Zusammenhang eine individuelle Betrachtungsweise, da Änderungen der Lebenssituation bedeutende Einflüsse auf den gesundheitlichen Verlauf nehmen. Im Gegensatz zum biomedizinischen Ansatz wird nun auch die gesellschaftliche Einwirkung betrachtet. So handelt es sich gegenwärtig um drei Dimensionen: Das soziale System bildet die Gesellschaft und/oder Familie. Das biologische System stellt den biologischen Organismus dar. Unter dem psychischen System versteht Schäfer das psychische Individuum (vgl. Schäfer in Thapa-Görder & Voigt-Radloff, 2010: 4-5).

[7] Nähere Informationen zur traumapädagogischen Weiterbildung und Zertifizierung gibt es unter: http://www.bag-traumapaedagogik.de/index.php/zertifizierung.html

[8] Gahleitner ist Psychotherapeutin und studierte ursprünglich Soziale Arbeit und Sozialpädagogik. Sie arbeitet aktuell in eigener Praxis sowie in der sozialtherapeutischen Einrichtung Myrrha für traumatisierte Mädchen. Gahleitner versteht die Soziale Arbeit als Beziehungsprofession und bemerkt die Wichtigkeit traumapädagogischer Fachkenntnisse in psychosozialen Handlungsfeldern (vgl. Gahleitner, 2017a: 5).

[9] Die Humanistische Psychologie geht davon aus, dass der Mensch nach Selbstverwirklichung strebt (vgl. Bründler et al, 2004: 49).

[10] Rogers versteht unter Kongruenz, dass das innere Fühlen mit der äußeren Verhaltensweise der jeweiligen Person übereinstimmt. Kongruenz ist mit dem Wort „Echtheit“ gleichzusetzen (vgl. Plate, 2015: 52).

[11] „Soziologie soll heißen: Eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will. Soziales Handeln soll ein solches Handeln heißen, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist.“ (Weber, 1956: 1-2).

[12] Unter der Psychosozialen Diagnostik in der Klinischen Sozialen Arbeit verstehen Pantucek und Laging eine Beziehungs- und Lebensweltdiagnose, die diverse Methodenansätze zur Beziehungs- und Situationsklärung beinhaltet. Dabei geht es um die Aufarbeitung von Lebensthemen. Die Psychosoziale Diagnostik trägt einen bedeutenden Teil zu den Professionalisierungsprozessen in der Sozialen Arbeit bei (vgl. Pantucek & Laging, 2006: 3).

[13] ICD-10 stellt die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme dar. F43 wird zwar den psychischen Verhaltensstörungen zugeordnet, doch betont wird die individuelle Vulnerabilität. Diese hat Einfluss darauf, wie psychosoziale Belastungen verkraftet werden (vgl. Deutsches Institut für medizinische Dokumentation in Graubner, 2014: 193)

[14] Trauma wird hierbei unter den besonderen Gesichtspunkten der Beziehungspsychologie betrachtet und weniger der Ich-Psychologie zugeordnet (vgl. Hirsch in Karger, 2009:11).

[15] Die Begrifflichkeit der Phänomenologie hat sich vor allem durch den einflussreichen Denker Husserl durchgesetzt. Er warnte Philosophen davor, das Weltgeschehen zu voreilig zu beurteilen. Eine objektive Sichtweise ist daher ausgeschlossen. Husserl lehnt vor allem den neuropsychologischen Zugang zu Erkenntnissen ab (vgl. Husserl, 2002: 3).

[16] Ein Synonym für den Vulnerabilitätsbegriff ist die sogenannte Verletzbarkeit (vgl. Jaszus, 2014: 162).

[17] „Gelingende Weltbeziehungen sind solche, in denen die Welt den Handelnden Subjekten als ein antwortendes, atmendes, tragendes, in manchen Momenten auch wohlwollendes, entgegenkommendes oder »gütiges« »Resonanzsystem« erscheint.“ (Rosa 2013: 9).

[18] Die Machbarkeitsideologie berücksichtigt nicht, dass sich das Subjekt ausgesetzt, verletzt und begrenzt fühlen darf. Die Leibphilosophie fordert deshalb explizit einen neuen Entwurf von Subjektivität (vgl. Gutknecht et al, 2015: 179).

[19] Die Weltgesundheitsorganisation (engl. World Health Organization) existiert seit 1948. Sie beobachtet nicht nur die öffentliche gesundheitliche Entwicklung, sondern behütet sie auch. Bei Katastrophen stellt sie die Soforthilfe her und fördert medizinische Forschungsvorhaben zu Themen wie die weltweite Gesundheitssicherheit (vgl. WHO, 2017).

[20] Die Lebenswelt ist gleichermaßen das „ persönliches Umfeld“ oder auch „die Welt, in der sich jemandes Leben abspielt“ (Duden Online, 2017).

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Fallarbeit über (Paar-)Trennungen im Jugendalter
Hochschule
SRH Fachhochschule Heidelberg  (Fakultät für Sozial- und Rechtswissenschaften)
Veranstaltung
Schulsozialarbeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
29
Katalognummer
V375622
ISBN (eBook)
9783668547827
ISBN (Buch)
9783668547834
Dateigröße
714 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fallarbeit, paar-, trennungen, jugendalter
Arbeit zitieren
M.A Nadja Ksiazek (Autor), 2017, Fallarbeit über (Paar-)Trennungen im Jugendalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375622

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