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Kindesaussetzung in der römischen Antike. Eine Untersuchung der Beweggründe und Haltungen der Eltern

Titel: Kindesaussetzung in der römischen Antike. Eine Untersuchung der Beweggründe und Haltungen der Eltern

Hausarbeit , 2016 , 19 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Florian Wilhelm (Autor:in)

Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Kann Kindesaussetzung in der römischen Antike per se mit Emotionslosigkeit der Eltern in Verbindung gebracht werden und kann dieses Phänomen trotz unserer heutigen moralischen Vorstellungen nachvollzogen werden?
In der Forschung wird vermehrt die Häufigkeit des Zurückgreifens auf die Kindesaussetzung kontrovers diskutiert. Manche Forscher erachten die Kindestötung als eine kaum bedeutsame Größe8 oder begründen deren geringes Vorkommen damit, dass bei einer hohen Anzahl an Kindesaussetzungen auch die Bevölkerungszahl hätte abnehmen müssen. Auf der anderen Seite sprechen sich unter anderem Harris und Boswell für eine weite Verbreitung der Kindesaussetzung aus. Corbier beschreibt die Kindesausaussetzung als ein Phänomen, welches auch nach dessen Verbot weiterhin praktiziert wurde, wenngleich das Ausmaß nicht genau beziffert werden könne. Auch in der neueren Forschung wird die Kindesaussetzung als ein verbreitetes Phänomen angesehen.
Die Frage des Vorhandenseins von Emotionen seitens der aussetzenden Eltern und deren Einstellung zum Kind wird jedoch oftmals nicht ausführlich diskutiert oder lediglich am Rande erwähnt. Aufgrund dessen sollen mit dieser Untersuchung Beweggründe und Umstände der Kindesaussetzung herausgearbeitet werden, um anhand dieser auf die emotionale Gefühlslage der aussetzenden Eltern zu schließen.
Darüber hinaus werden die Schriften bedeutender antiker Autoren sowie Gesetzestexte quellenkritisch betrachtet und diskutiert, um Erkenntnisse zur moralischen Haltung gegenüber der Kindesaussetzung zu gewinnen.
Die Untersuchung endet mit einem Fazit, in dem die herausgearbeiteten Erkenntnisse zusammengefasst, zueinander in Bezug gesetzt und hinsichtlich der Fragestellung diskutiert werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Familienplanung in der römischen Antike

3. Beweggründe für die Kindesaussetzung

4. Gesellschaftliche und individuelle Haltungen zur Kindesaussetzung

5. Diskussion über die Beweggründe und über die Haltungen zur Kindesaussetzung

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Kindesaussetzung im Römischen Reich mit dem Ziel zu klären, ob diese Praxis zwangsläufig auf eine emotionslose Haltung der Eltern gegenüber ihrem Nachwuchs schließen lässt oder ob sie aus komplexen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zwangslagen resultierte.

  • Beweggründe der Kindesaussetzung (Armut, Behinderung, Illegitimität, Aberglaube)
  • Staatliche Familienpolitik und Bevölkerungskontrolle in der Antike
  • Philosophische und rechtliche Perspektiven auf den Umgang mit Kindern
  • Analyse der emotionalen Bindung zwischen Eltern und Neugeborenen

Auszug aus dem Buch

3. Beweggründe für die Kindesaussetzung

Für die Beantwortung der Fragestellung dieser Untersuchung ist es von Bedeutung, die Beweggründe für eine Kindesaussetzung zu beleuchten, um Anhaltspunkte über die emotionale Haltung der Eltern gegenüber den ausgesetzten Kindern zu erhalten.

Als wichtigste Gründe werden Fehlbildungen oder andere körperliche Deformierungen, Illegitimität, Armut sowie Aberglaube ausgemacht. Behinderungen stellen einen nicht zu vernachlässigenden Grund für die Aussetzung eines Kindes dar. So nennt Soranus Kriterien, anhand derer überprüft werden soll, ob ein neugeborenes Kind gesund genug ist oder nicht. Diese waren jedoch sehr streng gehalten, was daran zu erkennen ist, dass die Mutter beispielsweise während der gesamten Schwangerschaft gesund gewesen sein muss, es sich nicht um eine frühzeitige Geburt handeln durfte und das Neugeborene kräftige Schreie von sich geben musste.

Hinweise für den Umgang mit behinderten Kindern zu Zeiten des Römischen Reiches lassen sich zudem in den Aussagen von Dionysius von Halicarnassus wiederfinden, welcher sich auf ein Gesetz des Romulus bezieht. Demnach sollten alle männlichen Nachkommen sowie jedes erstgeborene Mädchen aufgezogen werden. Darüber hinaus durfte keines der Kinder unter drei Jahren getötet werden, es sei denn es wies eine Behinderung auf. Der Umstand jedoch, dass das Kind zuvor fünf Nachbarn gezeigt werden sollte, die einer Aussetzung zuzustimmen hatten, lässt an der Echtheit dieses Dokuments zweifeln und deutet auf eine hellenistische Fälschung hin.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Kindesaussetzung ein, beleuchtet das moderne Verständnis und definiert die Forschungsfrage bezüglich der emotionalen Haltung römischer Eltern.

2. Familienplanung in der römischen Antike: Dieses Kapitel differenziert zwischen staatlichen und familiären Interessen und untersucht Methoden zur Steuerung der Kinderzahl sowie deren ökonomische Hintergründe.

3. Beweggründe für die Kindesaussetzung: Hier werden die zentralen Ursachen wie Behinderungen, Illegitimität, Aberglaube und insbesondere die wirtschaftliche Not analysiert.

4. Gesellschaftliche und individuelle Haltungen zur Kindesaussetzung: Das Kapitel beleuchtet philosophische Auffassungen (Seneca, Epiktet) und rechtliche Regelungen (Digesten, Codex Justinianus) zur Kindesaussetzung.

5. Diskussion über die Beweggründe und über die Haltungen zur Kindesaussetzung: Es erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit der moralischen Bewertung und der Frage, ob staatliche Interessen die Wahrnehmung der Elternpflichten überlagerten.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Kindesaussetzung ein komplexes Phänomen ist, das nicht pauschal als Beweis für mangelnde elterliche Gefühle dienen kann.

Schlüsselwörter

Kindesaussetzung, Römische Antike, Familienplanung, Kindsmord, Patria Potestas, Soziale Bindung, Antike Philosophie, Rechtsgeschichte, Bevölkerungsgeschichte, Ökonomische Not, Seneca, Epiktet, Kindheit, Antike Sozialgeschichte, Eltern-Kind-Beziehung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht, ob die in der römischen Antike praktizierte Kindesaussetzung automatisch auf eine gefühllose Einstellung der Eltern gegenüber ihren Kindern hindeutet oder ob andere Faktoren wie Armut oder gesellschaftlicher Druck eine Rolle spielten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Themen umfassen die römische Familienplanung, die rechtliche und philosophische Bewertung der Kindesaussetzung sowie die Analyse ökonomischer und religiöser Beweggründe für das Aussetzen von Kindern.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin oder der Autor?

Das Ziel ist es, ein differenziertes Bild der elterlichen Haltung zu zeichnen und zu belegen, dass Kindesaussetzung in der Antike meist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Notlagen und kein rein emotionaler Akt der Gleichgültigkeit war.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es erfolgt eine quellenkritische Analyse antiker Schriften, Gesetzestexte sowie literarischer Zeugnisse, um die historischen Beweggründe und ethischen Diskurse der damaligen Zeit zu beleuchten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Familienplanung, der Katalogisierung von Beweggründen für die Aussetzung, die Auswertung stoischer Philosophie und die juristische Betrachtung von Gesetzen der Spätantike.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Kindesaussetzung, Römische Antike, Familienplanung, Patria Potestas und die emotionale Eltern-Kind-Bindung charakterisiert.

Inwiefern spielte die staatliche Politik eine Rolle bei der Bewertung der Kindesaussetzung?

Gesetzliche Verbote und Bestrafungen wurden oft durch staatliche Sorgen vor Depopulation (z.B. nach Kriegen oder Epidemien) motiviert, nicht zwingend aus einem humanitären Impuls für das einzelne Kind.

Welche Rolle spielten antike Philosophen wie Seneca bei dieser Thematik?

Philosophen wie Seneca forderten teilweise die Beseitigung behinderter Kinder aus Gründen der Vernunft und des Schutzes des Gemeinwohls, was aus heutiger Sicht als emotionslos und moralisch problematisch wahrgenommen wird.

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Details

Titel
Kindesaussetzung in der römischen Antike. Eine Untersuchung der Beweggründe und Haltungen der Eltern
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,3
Autor
Florian Wilhelm (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V375642
ISBN (eBook)
9783668547766
ISBN (Buch)
9783668547773
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kindesaussetzung antike eine untersuchung beweggründe haltungen eltern
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Florian Wilhelm (Autor:in), 2016, Kindesaussetzung in der römischen Antike. Eine Untersuchung der Beweggründe und Haltungen der Eltern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375642
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Leseprobe aus  19  Seiten
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