Die folgende Ausarbeitung möchte an einem Beispiel untersuchen, wie in mittelalterlichen Reiseberichten aus dem Abendland Muslime und der Islam dargestellt wurden. Dazu soll eine eher unbekannter Vertreter, ‘ein niederrheinsicher Bericht über den Orient’ (NBO), als Analysegrundlage dienen. Im Vorfeld der Analyse soll im Kapitel zwei zunächst auf die Problematik der Orientdefintion eingegangen werden. Anschließend soll das Thema Religion, im Besonderen der Islam im Mittelalter und dessen Wahrnehmung durch abendländische Autoren betrachtet werden. Die Textanalyse im dritten Teil dieser Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt in Auszügen die Darstellung von Muslimen im NOB zu analysieren. Dazu werden Textauszüge des NBO, die im Vorfeld ins heutige Deutsch übersetzt wurden, herangezogen und auf Grundlage der, im Kapitel zwei herangezogenen, Forschungsliteratur analysiert.
“Mittelalterliche Schreiber schrieben das nieder was sie glaubten, dass es geschehen sei, oder er es anderen glauben wollte, es ist die Auseinandersetzung des Zeitgenossen mit der ihn umgebenden Wirklichkeit” (Hans-Werner Goetz, 2013. S.12.)
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Rahmen:
2.1 Ein niederrheinischer Bericht über den Orient
2.2 Vom Orientbegriff und der Wahrnehmung des Islams im Mittelalter
2.2.1 “Der Orient als Einheit der Vielfalt”
2.2.2 Die abendländische Wahrnehmung des Islams im Mittelalter
3 Muslime im niederrheinischen Orientbericht
3.1 Muslime oder Heiden - Volk oder Religionsgemeinschaft?
3.2 Zusammenfassung
4 Einige Schlussbemerkungen
5 Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand eines spezifischen, mittelalterlichen Reiseberichts, dem „niederrheinischen Bericht über den Orient“, die abendländische Wahrnehmung und Darstellung von Muslimen und dem Islam. Ziel ist es zu analysieren, ob Muslime im Kontext des damaligen christlich geprägten Weltbildes primär als eigene Religionsgemeinschaft oder eher als fremde Volksgruppe wahrgenommen wurden und wie sich diese Sichtweise im Primärtext widerspiegelt.
- Analyse der mittelalterlichen Wahrnehmung fremder Kulturen und Religionen.
- Untersuchung des „niederrheinischen Berichts über den Orient“ als Primärquelle.
- Vergleich der Darstellung von Muslimen mit zeitgenössischen Definitionen von „Heiden“ und „Volksgruppen“.
- Reflexion des Einflusses christlicher Parameter auf die Interpretation des Islams im Mittelalter.
Auszug aus dem Buch
Muslime im niederrheinischen Orientbericht
Basierend auf den Aussagen Goetzes liegt die Vermutung nahe, dass die Darstellung der Muslime im NBO abendländisch geprägt ist. Es gilt herauszufinden, ob sich Goetzes Fund, dass diese im Abendland eher als Volksgruppe, weniger als Religionsgemeinschaft wahrgenommen wurden, bestätigt. Dabei soll vor allem untersucht werden, was (inhaltlich) über Muslime berichtet wird und auf welche Art und Weise diese Informationen dargestellt sind. Abschließend sollen Aussagen dazu getroffen werden, inwieweit die Beobachtungen des Verfassers des NBO mit den Kernaussagen aus Kapitel 2.2.2 korrespondieren.
Zunächst fällt auf, dass in den überlieferten Folios des NBO wesentlich mehr Angaben zur Beschreibung der Muslime zu finden sind, als über Christen und Juden. Schilderungen zu unterschiedlichen christlichen Religionsgemeinschaften finden sich gehäuft, aber wenig detailliert, nur auf den ersten zehn Folios und vereinzelt im weiteren Verlauf des Textes. Den im Orient lebenden Juden wird noch weniger Platz eingeräumt. Das stellt einen großen Unterschied zur Beschreibung der Muslime dar, die im NBO, was den Textanteil betrifft, den Fokus einnehmen. Dabei schildert der Verfasser nicht nur religiöse Handlungen, sondern widmet den Großteil seines Berichts Ereignissen und Begebenheiten im Orient sowie dem Alltagsleben und der Lebensweise der Heiden. Zunächst stellt er klar heraus, dass in allen Ländern des Orients bzw. den landen van over mer nicht der christliche, noch der jüdische Glaube, sondern der Glaube der Heiden und ihr göttliches Gesetz von vielen dort ansässigen Volksgruppen, wie den Sarraceny, Tartaren, Pagani, Turken, Persen, Ysmahelite Sarraceny ind Agartini geteilt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung verortet das Interesse am Orient im Mittelalter und stellt das Forschungsziel vor, die Darstellung von Muslimen in einem spezifischen Reisebericht zu untersuchen.
2 Theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel erläutert den „niederrheinischen Bericht über den Orient“ als Primärquelle und diskutiert den zeitgenössischen Orientbegriff sowie die christlich geprägte Wahrnehmung anderer Religionen.
3 Muslime im niederrheinischen Orientbericht: Hier erfolgt die Textanalyse, die aufzeigt, dass Muslime primär als Volk und weniger als Religionsgemeinschaft dargestellt werden, wobei religiöse Aspekte oft durch christliche Begriffe gefiltert werden.
4 Einige Schlussbemerkungen: Die Arbeit resümiert, dass die Analyse die These bestätigt, wonach das christliche Weltbild die Wahrnehmung des Orients maßgeblich prägte und eine Anerkennung des Islams als gleichwertige Religion verhinderte.
5 Literatur- und Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen sowie der genutzten Internetressourcen.
Schlüsselwörter
Mittelalter, Orient, Reisebericht, Islam, Muslime, Christentum, Wahrnehmung, Fremdbild, Völkerkunde, Religion, NBO, Kulturkontakt, Mittelalterliche Literatur, Identität, Interkulturalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Darstellung von Muslimen und dem Islam im „niederrheinischen Bericht über den Orient“ aus dem frühen 15. Jahrhundert vor dem Hintergrund des mittelalterlichen christlichen Weltbildes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert auf Themen wie die mittelalterliche Fremdwahrnehmung, die Konstruktion des Orientbegriffs, das Islambild im Mittelalter und die völkerkundliche versus religiöse Beschreibung muslimischen Lebens.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel besteht darin zu prüfen, ob der Autor des Berichts Muslime primär als religiöse Gemeinschaft oder als fremdes Volk wahrnahm und wie christliche Denkmuster diese Wahrnehmung beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine textanalytische Methode, bei der Auszüge des Primärtextes übersetzt und auf Grundlage aktueller Forschungsliteratur, insbesondere der Ansätze von Hans-Werner Goetz, ausgewertet werden.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse der Textstellen über Muslime, wobei sowohl die religiösen Praktiken als auch der Alltag, Handelsbeziehungen und Feste im Orient betrachtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Orient, Islam, Christentum, Fremdwahrnehmung, Reisebericht, Religion, Völkerkunde und Identität.
Wie nimmt der Autor des Berichts den Islam als Religion wahr?
Obwohl er islamische Bräuche detailliert beschreibt, erkennt er den Islam nicht als eigenständige Religion an, sondern ordnet ihn innerhalb eines christlichen Begriffssystems als „Heiden“ ein.
Warum wird der Islam im Bericht nicht als Religion anerkannt?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das mittelalterliche christliche Weltbild zu restriktiv war und kein konzeptuelles Inventar besaß, um andere monotheistische Religionen neben dem Christentum als gleichwertig anzuerkennen.
Welche Bedeutung haben die detaillierten Beschreibungen des Alltagslebens im Bericht?
Die ausführlichen Schilderungen von Alltag, Handel und Festen deuten darauf hin, dass der Autor, möglicherweise aufgrund seines Hintergrunds als Kaufmann, ein größeres Interesse an völkerkundlichen Aspekten hatte als an der rein theologischen Auseinandersetzung.
- Quote paper
- Sandra Prätor (Author), 2016, Von Heiden und Muslimen im Niederrheinischen Orientbericht. Der Orient in der mittelalterlichen Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375671