Hört man heute den Namen Leptis Magna, denkt man sogleich an eine alte antike Stadt, in der es noch zahlreiche Bauten vergangener Zeiten in prächtiger Form zu bewundern gibt. Die Stadt darf sich heute als Teil des UNESCO Weltkulturerbes bezeichnen und sollte einer Reise wert sein, um die vielen erhaltenen Reste sowohl aus augusteisch-tiberischer Zeit als auch der severischen Blütephase der Stadt, zu bestaunen.
In dieser Masterarbeit wird „Die Baupolitik in Leptis Magna in augusteischer und tiberischer Zeit“ thematisiert werden. Dabei soll vor allem auf die Bautätigkeit am Alten Forum und im Bereich der Regio V im Zusammenhang mit der Förderung des römischen Kaiserhauses bzw. des Kaiserkultes eingegangen werden. Mit Hilfe der geschichtlichen Entwicklung der Stadt und den Traditionen der einheimischen Bevölkerung, soll es dem Leser näher gebracht werden, in welchem Umfang sich die Romanisierung auf Leptis Magna und deren Einwohner ausgewirkt hat und welche Veränderungen sich daraus ergeben haben. Allgemein betrachtet hatte ein römisches Forum die Aufgaben, das Gemeinschaftsgefühl der Bevölkerung und das Prestige der Stadt durch prächtige Bauten zu steigern. Natürlich gilt es dabei nicht zu vergessen, dass es ebenso der Selbstdarstellung bedeutender Persönlichkeiten, in Form von Gebäudestiftungen und Statuen sowie Inschriften, dienen sollte, um dadurch die eigene Persönlichkeit in der Gesellschaft herausstechen zu lassen. Im Laufe der Bearbeitung dieses Themengebietes soll es versucht werden, Fragen zu lösen, die sich mit der städtebaulichen Angleichung an Rom beschäftigen sowie die Art und Weise der Durchführung der allmählichen Romanisierung der Stadt. Bedeutend erscheinen hierbei die Darstellung und die Rolle des Kaisers selbst in Leptis Magna, aber auch die Funktion einheimischer Förderer in Bezug auf den Kaiserkult. Weiter soll geklärt werden, ob es zu einer gänzlichen Romanisierung von der Stadt Leptis Magna kam, ob einheimische Traditionen weiterhin bestehen bleiben konnten beziehungsweise durften oder ob es zu einer Verschmelzung der punischen und der römischen Kultur sowie der Lebensweise kam.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsgeschichte
3. Geographische Einordnung
4. Geschichtliche Entwicklung bis in die Römerzeit
4.1. Die phönizische Stadt
4.2. Leptis Magna unter numidischer Herrschaft
4.3. Eingliederung in das römische Reich
5. Die Bevölkerung
5.1. Sprache – punische oder römisch
5.2. Wirtschaft und Handel
5.3. Religion und Kult
6. Aus- und Umbau der phönizisch-punischen Stadt nach römischer Tradition
7. Die Baumaßnahmen in der Stadt bis in tiberische Zeit
7.1. Das Macellum
7.2. Das Chalcidicum
7.3. Die drei Forumstempel
7.3.1. Herkules-Tempel
7.3.2. Roma und Augustus-Tempel
7.3.3. Liber Pater-Tempel
7.4. Die Frage nach dem Kapitol
7.5. Das Theater
7.6. Der Tiberius-Bogen
7.7. Die Basilica vetus
7.8. Die Curia
8. Wohngebiete
9. Nachahmung der Hauptstadt Roms als Zeichen von Souveränität
10. Die Verehrung des Kaisers in der Stadt
10.1 Inschriften im Zusammenhang mit dem Herrscherhaus
10.1.1. Macellum
10.1.2. Chalcidicum
10.1.3. Forum vetus
10.1.4. Tempel
10.1.5. Theater
10.1.6. Tiberius Bogen
10.2. Bedeutende kaiserliche Statuen im Rahmen der Baudenkmäler
10.2.1. Der Statuenzyklus im Roma und Augustus Tempel
10.2.2. Statuen vom Chalcidicum
10.2.3. Die Ceres Augusta Statue im Sacellum des Theaters
10.2.4. Leptitanischen Münzen im Zusammenhang mit dem Herrscherhaus
11. Die Rolle des Annobal Tapapius Rufus und Iddibal Caphada Aemilius
12. Ein Ausblick auf die Folgezeit der Stadt
13. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die städtebauliche Entwicklung von Leptis Magna unter römischem Einfluss während der augusteischen und tiberischen Zeit. Zentrales Ziel ist die Analyse der baulichen Angleichung an römische Vorbilder und die Rolle, die das Kaiserhaus sowie lokale Eliten bei der Förderung dieser Romanisierung spielten.
- Bautätigkeiten am Alten Forum und in der Regio V
- Die Rolle der Romanisierung und der Kaiserkult in Leptis Magna
- Die Funktion lokaler Stifter bei der Transformation des Stadtbildes
- Städtebauliche Angleichung an römische Repräsentationsarchitektur
Auszug aus dem Buch
7.1. Das Macellum
Wie bereits angesprochen, wurde das Macellum um 9/8 v. Chr. erbaut, eventuell sogar bevor das Alte Forum hier entstand. Bei der Errichtung wurde Kalkstein eingesetzt, den man aus dem Ras el-Hammam Steinbruch gewann, der zwischen 15 und 10 v. Chr. eröffnet wurde. Es wurde also errichtet, als noch nicht einmal der endgültige Straßenverlauf feststand. Hierbei handelt es sich um ein öffentliches Gebäude und um den ältesten datierten Baukomplex der augusteischen Ära. Mit diesem Gebäude hat man sich also bewusst dafür entschieden, eine Anlage zu errichten, die den alltäglichen Bedürfnissen der Einwohner nachkam. Dieser Markt für die Lebensmittel unterstreicht wiederum die Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt. Man erreichte es über eine Seitenstraße, die von der Via Triumphalis abzweigte und unterließ somit einen direkten Anschluss an die Hauptstraße. In der Westmauer soll es ursprünglich zwei Wandöffnungen gegeben haben und ein weiterer Eingang soll an der Südostecke hinter dem Chalcidicum bestanden haben. Ob es alle Eintrittsmöglichkeiten bereits in augusteischer Zeit gab, muss noch abgeklärt werden.
Über dem Eingang befand sich an der Außenmauer eine zweizeilige lateinische Stifterinschrift (IRT 319), die den Sufeten Annobal Tapapius Rufus als Stifter nennt. Näheres zu dieser Inschrift befindet sich im Kapitel 10.1.1. Natürlich kam es im Laufe der Jahre zu einer Vergrößerung und einigen Umbauten, aber betrachtet man die erste Bauphase, so sieht man ein typisches Schema, das bereits in anderen Städten des römischen Reiches bekannt war. Das Macellum besteht aus einem großen, viereckigen Hof, der mit Säulengängen umgeben war. Im Zentrum fand man zwei Tholoi, obwohl es für gewöhnlich eigentlich nur einen davon gab. Insgesamt sollen weitere zehn römische Macella mit Tholos, neben dem in Leptis Magna, bekannt sein, nämlich in Pompeji, Aezani, Aquincum, Perge, Roma, Djemila, Sagalassos, Hippo Regius, Puteoli und bereits in der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. in Morgantina auf Sizilien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die städtebauliche Romanisierung von Leptis Magna und die Rolle des Kaiserkultes bei der architektonischen Transformation.
2. Forschungsgeschichte: Der Abschnitt gibt einen Überblick über die archäologische Erforschung von Leptis Magna vom 13. Jahrhundert bis zur modernen Ausgrabungsgeschichte.
3. Geographische Einordnung: Die geographischen Bedingungen und die strategische Lage von Leptis Magna als Handelszentrum werden erläutert.
4. Geschichtliche Entwicklung bis in die Römerzeit: Es wird die historische Genese der Stadt als phönizische Handelsniederlassung und ihre Eingliederung in das römische Reich beschrieben.
5. Die Bevölkerung: Die soziokulturelle Zusammensetzung der Einwohnerschaft sowie die Rolle von Sprache und Religion in der frühen Kaiserzeit werden analysiert.
6. Aus- und Umbau der phönizisch-punischen Stadt nach römischer Tradition: Die allgemeine Transformation der städtebaulichen Struktur unter römischem Einfluss wird dargelegt.
7. Die Baumaßnahmen in der Stadt bis in tiberische Zeit: Eine detaillierte Analyse der öffentlichen Bauten, darunter Forum, Macellum und Theater, bildet das Herzstück der Arbeit.
8. Wohngebiete: Es werden die wenigen archäologischen Zeugnisse zur privaten Wohnkultur und der architektonische Standard der Wohnbauten behandelt.
9. Nachahmung der Hauptstadt Roms als Zeichen von Souveränität: Die Motivation zur stadtrömischen Gestaltung und der damit verbundene Repräsentationsanspruch werden thematisiert.
10. Die Verehrung des Kaisers in der Stadt: Dieser Abschnitt widmet sich den Inschriften und Statuen, die den Kaiserkult und die Verbindung zum Herrscherhaus belegen.
11. Die Rolle des Annobal Tapapius Rufus und Iddibal Caphada Aemilius: Die Bedeutung lokaler Eliten als maßgebliche Stifter und Förderer der Romanisierung wird hervorgehoben.
12. Ein Ausblick auf die Folgezeit der Stadt: Es folgt ein kurzer Ausblick auf die weitere Entwicklung der Stadt über die tiberische Zeit hinaus bis in die Spätantike.
13. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich der städtebaulichen und politischen Entwicklung von Leptis Magna.
Schlüsselwörter
Leptis Magna, Romanisierung, Kaiserhaus, Augusteische Zeit, Tiberische Zeit, Macellum, Chalcidicum, Alter Forum, Kaiserkult, Stadtgeschichte, Annobal Tapapius Rufus, Iddibal Caphada Aemilius, Archäologie, Inschriften, Statuen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Masterarbeit untersucht die bauliche Umgestaltung der antiken Stadt Leptis Magna während der augusteischen und tiberischen Zeit unter Berücksichtigung der römischen Einflussnahme.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Stadterneuerung, die Einführung römischer Bautypen wie Macellum und Theater, den Kaiserkult sowie die Integration punischer Traditionen in eine römisch geprägte Architektur.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, inwieweit Leptis Magna eine Romanisierung erfuhr und wie die einheimische Bevölkerung, insbesondere lokale Eliten, diesen Prozess durch Stiftungen und Statuen vorantrieben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine archäologisch-historische Arbeit, die Inschriften, Grabungsbefunde und Münzen auswertet, um die bauliche und soziale Transformation der Stadt zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert im Detail die architektonischen Neuerungen wie das Alte Forum, die Tempelanlagen, das Macellum und das Theater sowie die Bedeutung der Stifterinschriften.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Romanisierung, Leptis Magna, Kaiserkult, Stifterwesen und antike Stadtbaupolitik.
Warum spielt Annobal Tapapius Rufus eine so wichtige Rolle für Leptis Magna?
Er war ein einflussreicher lokaler Stifter und Sufet, der durch die Finanzierung prächtiger Bauten wie Theater und Macellum maßgeblich dazu beitrug, Leptis Magna nach römischem Vorbild umzugestalten.
Welche Bedeutung kommt dem Chalcidicum zu?
Das Chalcidicum diente als wichtiger merkantiler Bau und war zugleich Schauplatz für den Kaiserkult, was die direkte politische Verbindung zwischen der Stadt und dem römischen Kaiserhaus unterstreicht.
- Citation du texte
- MA Jessica Schnugg (Auteur), 2015, Die Baupolitik von Leptis Magna in augusteischer und tiberischer Zeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375829