Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Veränderung der deutschen Lexikographie vom 18. Jahrhundert zur Gegenwart. Insbesondere das 18. Jahrhundert ist gezeichnet durch sprachkritische Bewegungen, die die Wichtigkeit der Deutschen Sprache forcieren und sich schon zu diesem Zeitpunkt in zwei Phasen aufteilen lassen. Der konkrete Wandel der Lexikographie, das heißt mit ihm die Ziele sowie Methoden, sollen anhand eines ausgewählten Beispiels aufgezeigt werden, weshalb das für die Lexikographie wegweisende von Michael RICHEY 1755 in zweiter Auflage erschienene Idioticon Hamburgense als konkretes Werk dieser Epoche der Sprachreflexion angeführt wird.
Als Vergleich dient das Hamburgische Wörterbuch, welches sich ebenso wie das Idioticon Hamburgense mit der Dokumentation des niederdeutschen Wortschatzes befasst und somit das Pendant des 21. Jahrhunderts darstellt. Die beiden Wörterbücher werden in Bezug auf ihre jeweilige Zielsetzung verglichen, wobei anhand dessen nachvollzogen wird, welche Schwerpunkte damals im Rahmen der Lexikographie gesetzt wurden und welche aktuell gelten. Durch diese unmittelbare Gegenüberstellung werden die Auswirkungen auf die jeweilige Gestaltung der Makro- und Mikrostruktur deutlich.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsgegenstand
2.1. Das Idioticon Hamburgense als Wörterbuch des 18. Jahrhunderts
2.2. Biographie von MICHAEL RICHEY
2.3. Der Sprachnormierungsdiskurs im 18. Jahrhundert
3. Forschungsstand
3.1. Überblick über weitere bedeutende Idiotica des 18. Jahrhunderts
3.2. Zielsetzung des Hamburgischen Wörterbuchs in Abgrenzung zum Idioticon Hamburgense
4. Theoretische und methodische Grundlegung
5. Analyseergebnisse
5.1. Quellen der beiden Wörterbücher im Vergleich: Synchrone oder diachrone Lexikographie?
5.2. Vergleich der Makrostruktur
5.3. Vergleich der Mikrostruktur
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel der deutschen Lexikographie vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart anhand eines direkten Vergleichs zwischen dem "Idioticon Hamburgense" von Michael Richey und dem modernen "Hamburgischen Wörterbuch". Ziel ist es, durch die Analyse von Makro- und Mikrostruktur die unterschiedlichen lexikographischen Zielsetzungen und Methoden aufzuzeigen.
- Veränderungen in der lexikographischen Praxis vom 18. Jahrhundert bis heute.
- Untersuchung der Entstehungsbedingungen des "Idioticon Hamburgense" im Kontext der Aufklärung.
- Kontrastierung der Zielsetzungen (Ausbau des Hochdeutschen vs. umfassende Dokumentation).
- Formale Analyse der Makro- und Mikrostrukturen beider Wörterbücher.
- Einordnung in die sprachwissenschaftliche Diskussion um Synchronie und Diachronie.
Auszug aus dem Buch
2.1. Das Idioticon Hamburgense als Wörterbuch des 18. Jahrhunderts
Das von RICHEY verfasste Wörterbuch, das er selbst „Idioticon Hamburgense“ nennt, dokumentiert als erstes umfangreiches Wörterbuch die niederdeutsche durch Heterogenität geprägte Stadtsprache Hamburgs (vgl. MÖLLER, 2000: 26–27). Das Idioticon umfasst in erster Linie die niederdeutsche Mundart, da das Niederdeutsche zu diesem Zeitpunkt bereits vom Hochdeutschen in seiner Funktion als Schriftsprache verdrängt wurde (vgl. MÖHN, 2003: 2303–2304). Es ist allerdings kein Wörterbuch im Sinne eines Gesamtlexikons, obwohl es durch die Gesamtwörterbuchdiskussion beeinflusst ist, ganz im Gegenteil dokumentiert es lediglich die im Hochdeutschen nicht verständlichen oder nicht existierenden Wörter (vgl. RICHEY, 1743: IV). Somit handelt es sich bei der Vergleichssprache des Idioticons um Hochdeutsch, wobei RICHEY gleichzeitig eine Vorauswahl trifft, welche Wörter auch von Nicht-Niederdeutsch-Sprechern verstanden werden können und demnach nicht im Idioticon aufgeführt werden müssen (vgl. MÖLLER, 2000: 159). Die Wortherkunft spielt bei der Auswahl keine Rolle, der Fokus liegt vorrangig auf der Auswahl unbekannter Ausdrücke außerhalb der Schriftsprache (vgl. SCHRÖDER, 2013: 69).
Da das Idioticon Hamburgense als erstes umfassenderes niederdeutsches Lexikon im 18. Jahrhundert gilt, welches die niederdeutsche Mundart dokumentiert, hatte es für viele folgende Idiotica eine Vorbildfunktion inne (vgl. ebd.: 72). Die erste Fassung wurde 1743 veröffentlicht, wobei dieser eine Überarbeitung und eine erneute Veröffentlichung im Jahre 1755 folgte (vgl. RICHEY, 1755). Die Überarbeitung beinhaltete die Nutzung eines kontrastiven Verfahrens zur Gegenüberstellung der Mundart mit skandinavischen Sprachen ebenso wie umfangreichere Angaben zu niederdeutschen Sprichwörtern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zur Thematik des Wandels der Lexikographie und Vorstellung des Vergleichsobjekts, des Idioticon Hamburgense.
2. Forschungsgegenstand: Detaillierte Betrachtung des Idioticon Hamburgense, der Biographie von Michael Richey und des zeitgenössischen Sprachnormierungsdiskurses.
3. Forschungsstand: Überblick über weitere relevante Idiotica des 18. Jahrhunderts und Darstellung der Abgrenzung des Hamburgischen Wörterbuchs zum Idioticon.
4. Theoretische und methodische Grundlegung: Einbettung der Thematik in die lexikographische Theorie sowie Abgrenzung zentraler Fachbegriffe.
5. Analyseergebnisse: Vergleichende Untersuchung der Quellen sowie der Makro- und Mikrostrukturen beider Wörterbücher.
6. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der unterschiedlichen Zielsetzungen und strukturellen Merkmale beider Werke.
Schlüsselwörter
Lexikographie, Idioticon Hamburgense, Hamburgisches Wörterbuch, Niederdeutsch, Michael Richey, Sprachnormierung, Aufklärung, Makrostruktur, Mikrostruktur, Diachronie, Synchronie, Sprachgeschichte, Dialektologie, Stadtsprache, Wortschatzdokumentation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den historischen Wandel der deutschen Lexikographie, indem sie das "Idioticon Hamburgense" aus dem 18. Jahrhundert mit dem modernen "Hamburgischen Wörterbuch" vergleicht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Geschichte der niederdeutschen Lexikographie, der Einfluss der Aufklärung auf die Sprachnormierung sowie die formale Beschaffenheit von Wörterbüchern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Zielsetzungen und Strukturen der Lexikographie über die Jahrhunderte gewandelt haben, insbesondere im Hinblick auf die Dokumentation niederdeutscher Sprache.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kontrastive Analyse der Vorreden und eines Ausschnitts beider Wörterbücher zum Buchstaben "A" durchgeführt, um Makro- und Mikrostrukturen systematisch zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der historische Kontext, die Zielsetzungen der Lexikographen, die theoretischen Grundlagen der Lexikographie sowie die konkreten Analyseergebnisse der beiden Werke gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Lexikographie, Idioticon, Niederdeutsch, Sprachnormierung und strukturelle Analyse.
Warum spielt das Idioticon Hamburgense eine so große Rolle in der Forschung?
Es gilt als erstes umfassendes niederdeutsches Lexikon im 18. Jahrhundert und bildete damit die Grundlage für die spätere niederdeutsche Lexikographie.
Inwiefern unterscheiden sich die beiden Wörterbücher in ihrer Zielsetzung?
Während Richey mit seinem Idioticon das Hochdeutsche durch dialektale Ausdrücke bereichern wollte, verfolgt das moderne Hamburgische Wörterbuch eine umfassende kulturhistorische Dokumentation des niederdeutschen Wortschatzes.
- Citar trabajo
- Verena Meier (Autor), 2017, Wandel der Lexikographie vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart am Beispiel des Idioticon Hamburgense im Vergleich zum Hamburgischen Wörterbuch, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375846