Vergleich von Investitionsstrategien bei Familienunternehmen und Private Equity Gesellschaften

Familienunternehmen vs. Private Equity Gesellschaften


Bachelorarbeit, 2017

62 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

II
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis ... II
Abbildungsverzeichnis ... IV
Abkürzungsverzeichnis ... V
1 Einleitung ... ........1
2 Investitionsstrategien und Investoren ... 2
2.1
Begriff, Merkmale und Ziele einer Investition ... 2
2.2
Grundlagen eines Investitionsentscheidungsprozesses ... 4
2.3
Abgrenzung zwischen strategsichen und Finanzinvestoren ... 5
3 Private Equity Gesellschaften ... 7
3.1
Abgrenzung und Definition von Private Equity Gesellschaften ... 7
3.2
Ziele und Besonderheiten von Private Equity Gesellschaften ... 9
3.3
Volkswirtschaftliche Bedeutung von Private Equity in Deutschland ... 11
3.4 Grundlagen des Investitionsprozesses von Private Equity ... 13
4 Familienunternehmen ... 16
4.
Abgrenzung und Definition von Familienunternehmen ... 16
4.2
Ziele und Besonderheiten von Familienunternehmen ... 19
4.3
Bedeutung von Familienunternehmen in Deutschland ... 21
4.4
Grundlagen einer Investition bei Familienunternehmen ... 23
5 Vergleich der Investitionsstrategien bei Familienunternehmen und Private Equity
Gesellschaften anhand einzelner Kriterien ... 25
5.1
Rendite, Risiko und Laufzeit einer Investition ... 25
5.2
Investitionsobjekte ... 28
5.3
Kapitalstruktur ... 31
5.4
Due Diligence Prozess ... 33
5.5
Investitionsmotive ... 36

III
6. Fazit... ..................................................................................................................... 39
Literaturverzeichnis ... 42

IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Verteilung der Private Equity Investitionen in Bezug auf die
Finanzierungsphasen ... 12
Abbildung 2: Phasen des Beteiligungsprozesses der Private Equity Gesellschaften ... 15
Abbildung 3: Drei-Kreis-Modell ... 17
Abbildung 4: Drei-Kreis-Modell erweitert ... 17
Abbildung 5: Verteilung der größten Familienunternehmen in Deutschland nach
Bundesländern ... 23
Abbildung 6: Nettoinvestitionsquoten von Familienunternehmen in den Jahren 2012
bis 2015 ... 24
Abbildung 7: Verschiedene Investitionsstrategien bei der Durchführung der Due
Diligence bei strategischen - und Finanzinvestoren ... 34

V
Abkürzungsverzeichnis
BVK Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften
bzw. beziehungsweise
CSR Corporate Social Responsibility
EVCA European Private Equity and Venture Capital Association
f. folgende
ff. fort folgende
F&E Forschung und Entwicklung
Hrsg. Herausgeber
IfM Institut für Mittelstandsforschung
Mio Millionen
M&A
Mergers & Acquisitions
Euro
% Prozent
& und

1
1 Einleitung
Familienunternehmen sind ein Motor der Wirtschaft, indem sie neue Werte und Ar-
beitsplätze in Deutschland schaffen. Sie führen zahlreiche Investitionen durch und die-
nen als Vorbild im Bereich der Unternehmensethik und Werte.
1
Da die Unternehmens-
landschaft in Deutschland durch die Präsenz von Familienunternehmen stark geprägt
ist,
2
nehmen Familienunternehmen eine zentrale Bedeutung für die deutsche Wirtschaft
ein.
3
Jedoch bestehen trotz der Wichtigkeit von Familienunternehmen derzeit große
Forschungsdefizite des Investitionsverhaltens von Familienunternehmen.
4
Private Equi-
ty Gesellschaften sind zurzeit eines der bedeutenden Teilnehmer auf dem Markt für
Mergers and Acquisitions.
5
Sie nehmen eine intermediäre Rolle ein und gehören zu den
alternativen Anlageklassen des Finanzdienstleistungssektors.
6
Ihre Hauptaufgabe ist
somit der Ausgleich von Anlage - und Finanzierungsbedürfnissen der Marktteilneh-
mer.
7
Die Relevanz von Private Equity Gesellschaften ist im Laufe der letzten Jahre
stark gestiegen,
8
dennoch ist trotz des allgemeinen Interesses an Private Equity das In-
vestitionsverhalten von Private Equity Funds nicht genügend erforscht.
9
Aufgrund der
großen Bedeutsamkeit von Familienunternehmen und Private Equity Gesellschaften für
die heutige Wirtschaft, sowie ihres wenig erforschten Investitionsverhaltens, ist es im
Rahmen dieser Bachelorarbeit wichtig die Untersuchung dieser beiden Investorentypen
durchzuführen, um einen Überblick über ihre Investitionsstrategien zu erhalten.
Die Untersuchung umfasst vier Teile, die auch gleichzeitig die jeweiligen Kapitel dieser
Arbeit abbilden. Folgend auf das erste Kapitel, welches die Relevanz der Thematik
konkretisiert, verschafft das zweite Kapitel zum allgemeinen Verständnis einen Über-
blick über den Begriff, die Merkmale und Ziele sowie den Entscheidungsprozess einer
Investition. Des Weiteren werden die unterschiedlichen Typen von Investoren darge-
stellt und verglichen, wobei ein Typ durch Private Equity Gesellschaften und ein ande-
rer durch Familienunternehmen vertreten wird. Auf ersteren wird in Kapitel drei
1
Vgl. Mach (2006), S. 5.
2
Vgl. Rüsen (2009), S. 11.
3
Vgl. Wallau (2009), S. 36.
4
Vgl. Bianco/Bontempi/Golinelli/Parigi (2012), S. 1035.
5
Vgl. Ernst (2010), S. 1.
6
Vgl. Diller (2007), S. 1.
7
Vgl. Schappert (2008), S. 1.
8
Vgl. Lossen (2007), S. 1.
9
Vgl. Kaplan/Shoar (2003), S. 1792.

2
eingegangen und darin die Ziele, Besonderheiten sowie die Bedeutung von Private
Equity Gesellschaften erläutert, um einen Überblick über die Funktionen und Mecha-
nismen von Private Equity Investoren zu erhalten. Des Weiteren wird die Relevanz von
Private Equity Gesellschaften für die deutsche Volkswirtschaft dargestellt, sowie die
Grundlagen des Investitionsverhaltens der Private Equity Gesellschaften visualisiert.
Den Schwerpunkt des vierten Kapitels bilden die Familienunternehmen, sowie deren
wirtschaftliche Relevanz, Ziele, Besonderheiten und Investitionsverhalten.
Nach dem
allgemeinen Überblick der beiden Investorentypen wird schließlich im Rahmen des
fünften Kapitels ein Vergleich derer Investitionsstrategien anhand von fünf Kriterien
vorgenommen. Während in Bezug auf das erste Kriterium die Rendite, das Risiko und
die Laufzeit der Investition bei Familienunternehmen und Private Equity Gesellschaften
verglichen werden, betrachtet das zweite Kriterium die Investitionsobjekte der beiden
Investorentypen. Das dritte Kriterium bezieht sich auf den Vergleich der Kapitalstruktur
von Familienunternehmen und Private Equity Gesellschaften. Der Fokus des vierten
Kriteriums liegt im Vergleich der Durchführung des Due Diligence Prozesses beider
Investoren. Abschließend als letztes und fünftes Kriterium werden die Investitionsmoti-
ve der Private Equity Gesellschaften und Familienunternehmen vergleichend analysiert.
2 Investitionsstrategien und Investoren
2.1 Begriff, Merkmale und Ziele einer Investition
Der Begriff Investition wird in der Betriebswirtschaftslehre unterschiedlich definiert. Es
wird zwischen zahlungsbestimmenden, dispositionsbestimmenden, vermögensbestim-
menden und kombinationsbestimmenden Definitionen von Investitionen differenziert.
Der zahlungsbestimmende Begriff stellt eine Investition durch einen Zahlungsstrom dar,
der mit einer Auszahlung in der Periode Null beginnt. Im Rahmen des dispositionsbe-
stimmenden Begriffes wird eine Investition als langfristige Anlage von finanziellen Mit-
teln betrachtet.
10
Die Grundlage des vermögensbestimmenden Begriffes einer Investition
liegt in der Umwandlung des Kapitals in Anlage - und Umlaufvermögen sowie in sons-
tige zur Leistungsverwertung dienende Aktiva. Die kombinationsbestimmende Definiti-
on kennzeichnet den Begriff Investition als Kombination von Investitionsgütern, die für
10
Vgl. Schulte (2007), S. 5 ff.

3
eine neue Produktionsausrüstung angeschafft wurden.
11
Diese Bachelorarbeit be-
schränkt sich ausschließlich auf die dispositionsbestimmende Definition einer Investiti-
on.
Zu den wichtigsten Aufgaben einer Investition gehören die Transformation von Zah-
lungsmitteln in materielle, immaterielle oder finanzielle Güter sowie die Erreichung der
zusätzlichen Einzahlungen, die auf direkte oder indirekte Weise erzielt werden kön-
nen.
12
Es wird zwischen Finanz - und Realinvestitionen unterschieden, wobei es sich bei
Ersterem um Investitionen in Geldvermögen und bei Letzterem um Investitionen in
Sach -
13
und immaterielles Vermögen
14
handelt. Während Aktienkäufe zu der bekann-
testen Form von Finanzinvestitionen zählen, gehören Investitionen in Produktionsanla-
gen, Geschäftsfelder, Patente, Vertriebskanäle sowie Produktwerbung zu den typischen
Formen von Realinvestitionen.
15
In Bezug auf den Investitionsanlass wird zwischen den Einrichtungs -, Ersatz - und Er-
weiterungsinvestitionen unterschieden. Einrichtungsinvestitionen sind solche Investitio-
nen, die für die Gründung und den Aufbau des Unternehmens relevant sind. Im Rahmen
der Fortführung des Unternehmens und seinem weiterem Wachstum wird von Ersatz -
und Erweiterungsinvestitionen gesprochen, die im Laufe des Unternehmenslebenszyk-
luses, der weiteren Expansion und Modernisierung durchgeführt werden.
16
Zu den Hauptkomponenten einer Investition gehören das Risiko, der Erfolg und die
Liquidität. Die Risikokomponente wird durch die Tätigung einer Fehlinvestition charak-
terisiert, die häufig mit Kapitalverlusten und Planungsfehlern verbunden ist und außer-
dem unterschiedliche Risikoniveaus bei unterschiedlichen Investitionen zu erwarten
sind. Die Erfolgskomponente wird durch die Erwartungen der Investoren bestimmt eine
erfolgreiche Investition zu tätigen, wobei unter erfolgreicher Investition oft Gewinn-
und Rentabilitätsmaximierung verstanden wird. Die Liquiditätskomponente deutet auf
eine Notwendigkeit des Gleichgewichts zwischen dem Zahlungsmittelbedarf und der
Zahlungsmittedeckung.
17
11
Vgl. Götze (2008), S. 5.
12
Vgl. Bieg/Kußmaul (2009), S. 20.
13
Vgl. Trautmann (2006), S. 1.
14
Vgl. Schlink (2017), S 264.
15
Vgl. Trautmann (2006), S. 2 ff.
16
Vgl. Prätsch/Schikorra/Ludwig (2012), S. 333.
17
Vgl. Schulte (2007), S. 19 ff.

4
Die Ziele der Investoren bei der Durchführung von Investitionen werden in vier Katego-
rien unterteilt. Die erste Zielkategorie ,,Konsumnutzen" weist auf eine Überkompensie-
rung des Konsums hin, worauf im Laufe der Investition verzichtet wird. Das zweite Ziel
,,Endvermögensstrebung" bezieht sich auf die Wichtigkeit des Vergleiches des Vermö-
gens am Start - und Endpunkt der Investition, und um sicher zu stellen, dass die Investi-
tion Profit bringt. Die dritte Zielkategorie wird durch buchmäßige Gewinne repräsen-
tiert, indem die Investitionen innerhalb einer kurzfristigen Investitionszeitlaufzeit hohe
Profite einbringen sollen. Das vierte und letzte Ziel einer Investition wird durch das
Streben nach Unabhängigkeit, Macht, und Führerschaft repräsentiert.
18
2.2 Grundlagen eines Investitionsentscheidungsprozesses
Allgemeingültige Aussagen über die Investitionsentscheidungen sind schwer zu tätigen,
da jede Entscheidung einmalig getroffen wird. Aus diesem Grund werden
die existie-
renden Modelle für die Investitionsentscheidungen als Richtlinien betrachtet.
19
Gerhardt Seicht unterscheidet fünf Phasen des Investitionsentscheidungsprozesses. Die
Investitionsanregung gehört zu der ersten Phase, innerhalb der die Entdeckung des
Wahlproblems geschieht. Die zweite Phase wird durch das Abwiegen der Alternativen
charakterisiert. Die dritte Phase repräsentiert die Entscheidung, während die vierte und
fünfte Phase jeweils durch die Durchführung und Kontrolle der Entscheidung charakte-
risiert werden, wobei bei der Kontrolle einige Anpassungsmaßnahmen sowie neue Ent-
scheidungen getroffen werden.
20
Klaus Horst unterteilt den Investitionsentscheidungsprozess in neun Schritte, wobei der
erste die Festlegung der Investitionsziele und - anregung beinhaltet. Im Laufe der
Schritte drei bis fünf werden die Investitionen geprüft und mit dem Finanzierungspro-
gramm sowie der Unternehmensplanung abgestimmt. Die Investitionsentscheidung und
die Steuerung der Investitionsdurchführung definieren den sechsten und siebten Schritt,
gefolgt von der Realisation der Investition und dessen Ergebniskontrolle.
21
18
Vgl. Eisenführ/Foit/Kastner (2009), S. 2 f.
19
Vgl. Müller-Hedrich/Schünemann/Zdrowomyslaw (2006), S. 51.
20
Vgl. Seicht (2001), S. 22.
21
Vgl. Horst (2009), S. 19.

5
Christian Bleis
schlägt sechs Phasen zur Abgrenzung des Investitionsentscheidungspro-
zesses vor, und zwar die Planungs -, Such -, Bewertungs - und Entscheidungsphase,
sowie die Realisierungs- und Controllingphase.
22
Klaus Olfert differenziert den Investitionsentscheidungsprozess in vier Phasen, nämlich
die Zielsetzung, Planung, Durchführung und Kontrolle. Darüber hinaus gibt es inner-
halb des Investitionsentscheidungsprozesses Probleme, wobei das erste Problem durch
die Schwierigkeit der Beurteilung der Investitionsvorteilhaftigkeit entsteht. Während
das zweite Problem sich auf die Auswahl zwischen mehreren Investitionsprojekten be-
zieht, besteht das dritte Problem im Ersatz eines Investitionsprojektes durch ein anderes,
wobei der Zeitpunkt des Ersatzes schwer auszuwählen ist.
23
Im Rahmen dieser Ba-
chelorarbeit wird die Unterteilung nach Seicht bevorzugt, da diese Unterteilung besser
den Anforderungen dieser Bachelorarbeit entspricht.
Der Erfolg einer Investitionsentscheidung hängt von der Konkretisierung der Entschei-
dungssituation ab, nämlich ob die Entscheidung bei Unsicherheit
24
oder Sicherheit er-
folgt. Die Investitionsentscheidungen in Sicherheit sind dadurch gekennzeichnet, dass
die Konsequenzen der Handlungen des Entscheidungsträgers mit Sicherheit eintreffen
werden. Die Entscheidungen in Unsicherheit werden als sehr schlecht prognostizierbare
Entscheidungen definiert,
25
und sie liegen vor, wenn den Entscheidungsträgern zum
Zeitpunkt der Entscheidung die möglichen Konsequenzen, die nach der Entscheidung
auftreten können, nicht bekannt sind.
26
2.3 Abgrenzung zwischen strategischen und Finanzinvestoren
Unter dem Begriff Investor wird eine Person verstanden, die eine Investitionstätigkeit
durchführt.
27
Auf dem Markt der unternehmerischen Transaktionen wird zwischen zwei
Gruppen von Investoren unterschieden. Die erste Gruppe wird durch strategische Inves-
toren vertreten, die den Erwerb von anderen Unternehmen als eine Expansions - und
Entwicklungsmöglichkeit
28
betrachten. Die Mitglieder der zweiten Gruppe sind Finan-
zinvestoren, die ein Unternehmen als eine Anlagealternative betrachten, mit dem Ziel
22
Vgl. Bleis (2011), S. 5.
23
Vgl. Olfert (2015), S. 47 f.
24
Vgl. Perridon/Steiner/Rathgeber (2012), S. 108.
25
Vgl. Thönnes (2005), S. 37 f.
26
Vgl. Kruschwitz (2003), S. 287.
27
Vgl. Mühlbradt (2004), S. 182.
28
Vgl. Nagl (2006), S. 3.

6
der Weiterveräußerung im Rahmen eines Börsengangs, eines Verkauf an Wettbewerber
oder an andere Investoren.
29
Während unter Finanzinvestoren größtenteils Beteiligungs-
gesellschaften gemeint sind,
30
werden strategische Investoren durch Kunden, Lieferan-
ten oder Wettbewerber repräsentiert.
31
Eine tiefere Abgrenzung der Finanzinvestoren von strategischen Investoren ist mit Hilfe
bestimmter Kriterien wie Timing, Akquisitionsprozess, Finanzierung, Due Diligence
Prozess, Führung und Aufsichtsgremium, sowie Exit möglich. Timing , als erstes Unter-
schiedskriterium ist bei strategischen Investoren durch einen langfristigen Planungsho-
rizont geprägt, während es bei Finanzinvestoren durch einen zeitlich limitierten Investi-
tionshorizont
32
gekennzeichnet ist.
33
In Bezug auf den Akquisitionsprozess, als zweites
Unterschiedungskriterium, stehen bei Finanzinvestoren finanzielle Ziele, die aus dem
Fondsgedanken abgeleitet werden, im Vordergrund. Bei strategischen Investoren hinge-
gen stehen Steigerungspotenziale ihrer Marktposition, sowie die Übernahme der Füh-
rung beim akquirierten Unternehmen im Fokus.
34
Das dritte Kriterium differenziert bei-
de Investorengruppen nach der Finanzierung, nämlich während die strategischen Inves-
toren über eine traditionelle Kapitalstruktur von Fremd- und Eigenkapital verfügen, ist
bei Finanzinvestoren die Kapitalstruktur durch einen geringeren Eigenkapitalanteil in
Höhe von 10%-20% geprägt.
35
Das vierte Unterscheidungskriterium ist die Durchfüh-
rung eines Due Diligence Prozesses, die in Kapitel 5.4 präziser beschrieben wird.
36
Die
Führung und das Aufsichtsgremium, als weiteres Kriterium in Bezug auf Private Equity
Gesellschaften weist ein Exit-orientiertes Verhalten auf, in dem die Qualifikationen, der
am Gremium Beteiligten, dem finanziellen Denken der Private Equity Investoren ent-
sprechen. Hierbei sind unter anderem die Kompetenzen in den Bereichen Führung,
Wertschöpfung, Kunden - und Marktorientierung, Prozesskenntnis, sowie die interkul-
turellen und fachlichen Kompetenzen von großer Bedeutung.
37
Im Gegensatz dazu le-
gen strategische Investoren bei ihrem Management großen Wert auf
Sozial -, Familien
-, Führungs -, Methoden -, Fach und Branchenkompetenz, sowie auf die persönliche
29
Vgl. Balz/Arlinghaus (2007), S. 12.
30
Vgl. Rudolph (2008), S. 162.
31
Vgl. Neurath/Stöher (o.J.), S. 1.
32
Vgl. Fischer (2015), S. 17.
33
Vgl. Brauner/Brauner (2005), S. 32 ff.
34
Vgl. Müller (2006), S. 1193.
35
Vgl. Brauner/Brauner (2005), S. 35.
36
Vgl. Görtz (2006), S. 525.
37
Vgl. Spies/Thess (2005), S. 165 f.

7
und unternehmerische Kompetenz.
38
Neben den relevanten fachlichen Qualifikationen
spielen auch die persönlichen Qualifikationen der Mitglieder der Führungsgremien eine
Rolle, nämlich in Bezug auf Integrität, Verantwortungsbewusstsein, Offenheit, Wille zu
einer konstruktiven Zusammenarbeit, Engagement und Führungserfahrung.
39
Das Un-
terscheidungskriterium Exit wird bei den strategischen Investoren durch die Unterneh-
mensstruktur, das Management, das Engagement, die Eigentümerstruktur
40
sowie die
Unternehmens - und Gemeinschaftskultur bestimmt.
41
Im Gegensatz dazu wird bei Fi-
nanzinvestoren zwischen internen und externen Faktoren unterschieden, die Einfluss auf
die Exit-Entscheidungen haben. Hierbei gehört das Management zu den internen Ent-
scheidungsfaktoren, während die externen Faktoren durch die Marksituation und das
Wettbewerberumfeld charakterisiert werden, und dabei situationsbezogen sind und vom
Unternehmen nicht zu beeinflussen sind.
42
3 Private Equity Gesellschaften
3.1 Abgrenzung und Definition von Private Equity Gesellschaften
Für den Begriff Private Equity existiert in der Literatur keine einheitliche Definition.
Die Ursache dafür liegt in seiner praxisorientierten Herkunft, die keine theoretische
Grundlage hat. Für das bessere Verständnis des Begriffes sollten zuerst die Teilbegriffe
Private und Equity erklärt werden, wobei unter ,,Equity" die Bereitstellung von Eigen-
kapital verstanden wird, während ,,Private" als ein außerbörslicher Charakter interpre-
tiert werden kann.
43
Die etablierte Vertretungsorganisation für Private Equity Aktivitäten European Private
Equity und Venture Capital Gesellschaft beschreibt Private Equity als eine Investitions-
anlage in profitable Unternehmen, die über ein Wachstumspotential verfügen. Außer-
dem gibt sie einen Überblick über die Zwecke von Private Equity Gesellschaften, näm-
lich die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des akquirierten Unternehmens, die
38
Vgl. Kenyon-Rouvinez/Koeberle-Schmidt (2013), S. 86.
39
Vgl. Koeberle- Schmidt (2013), S. 69.
40
Vgl. Kellermanns (2005), S. 317 f.
41
Vgl. Sharma/Manikutty (2005), S.305.
42
Vgl. Schneider (2008), S. 158 f.
43
Vgl. Reimers (2004), S. 5.

8
Entwicklung der bestgeeigneten Strategien sowie die Förderung des unternehmerischen
Wachstums.
44
Frank Müller
definiert Private Equity als eine risikohafte Art der Kapitalfinanzierung
durch Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche kurz- oder mittelfristige zur Verfügung
gestellte Instrumente.
45
Oliver Thum, Christian Timmreck und Thomas Keul definieren Private Equity als eine
Eigenkapital-Beteiligung für einen begrenzten Zeitraum bei nicht börsennotierten Un-
ternehmen
46
mit der Absicht Gewinn zu erzielen.
47
Aufgrund dieser sinnvollen und für
diese Bachelorarbeit passenden Definiton, wird diese in den folgenden Kapiteln einge-
hend betrachtet. Der Begriff Private Equity wird häufig zusammen mit dem Begriff
Venture Capital verwendet.
48
Für beide Begrifflichkeiten existieren in der Literatur
zahlreiche Definitionen, die voneinander schwer abgrenzbar sind. Der Unterschied zwi-
schen beiden Begriffen lässt sich im angloamerikanischen Raum finden, wo Private
Equity als übergeordneter Begriff für Venture Capital bezeichnet wird. Private Equity
wird hier als eine außerbörsliche, aktive und temporäre Beteiligung am Eigenkapital des
Unternehmens verstanden.
49
Venture Capital, Buyout und Mezzanine Capital werden
als Teilbereiche eines Private Equity Geschäfts definiert. Private Equity als Oberbe-
griff
50
erstreckt sich über fünf Finanzierungsphasen, und zwar Seed, Start-up, Expansi-
on, Bridge, Buyout und Replacement Capital. Es ist dabei zu unterscheiden, dass Ven-
ture Capital sich in den meisten Fällen auf die Frühfinanzierungsphasen konzentriert,
nämlich auf Seed, Start-up und teilweise auf Expansion.
51
Hingegen liegt der Fokus bei
Private Equity Gesellschaften auf Late-Stage-Finanzierungen.
52
Private Equity Gesellschaften werden irrtümlich in eine Reihe mit Hedge Fonds gestellt,
was die Abgrenzung dieser beiden Begriffe erschwert. Dennoch ist zu differenzieren,
dass Hedge Fonds in den meisten Fällen nach der Position des Mehrheitsaktionärs stre-
ben, und Private Equity Gesellschaften demgegenüber als Minderheitsaktionäre ohne
44
Vgl. EVCA (2016a), S. 3.
45
Vgl. Müller (2010), S. 64.
46
Vgl. Yates/Hinchliffe (2010), S. 2.
47
Vgl. Thum/Timmreck/Keul (2008), S. 13.
48
Vgl. Leopold/Frommann/Kühr (2004), S. 6; Reimers (2004), S. 5.
49
Vgl. Freiburg (2011), S. 29.
50
Vgl. Thum et. al. (2008), S. 11; Hess (2007), S. 15; Freiburg (2011), S. 29.
51
Vgl. Hess (2007), S. 15 ff.
52
Vgl. Rudolph (2001), S. 508.
Ende der Leseprobe aus 62 Seiten

Details

Titel
Vergleich von Investitionsstrategien bei Familienunternehmen und Private Equity Gesellschaften
Untertitel
Familienunternehmen vs. Private Equity Gesellschaften
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
62
Katalognummer
V375993
ISBN (eBook)
9783668529021
ISBN (Buch)
9783668529038
Dateigröße
1501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vergleich, investitionsstrategien, familienunternehmen, private, equity, gesellschaften, famileinunternehmen
Arbeit zitieren
Daria Lunina (Autor), 2017, Vergleich von Investitionsstrategien bei Familienunternehmen und Private Equity Gesellschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375993

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