In den folgenden Kapiteln dieser Hausarbeit möchte ich mich der Thematik der Schulfähigkeit in Bezug auf die Notwendigkeit der Schuleingangsdiagnostik widmen. Im Genaueren soll es um die Fragestellung „Ist eine Beschränkung des Schuleingangs durch schuleingangsdiagnostische Verfahren notwendig?“ gehen.
Zum Einstieg in die Thematik werden zu Beginn theoretische Grundlagen zum Begriff Schulreife bzw. Schulfähigkeit vor und nach dem Paradigmenwechsel vorgestellt. Dabei werde ich meine Schwerpunkte zum Einen auf das Schulreifekonzept Arthur Kerns und zum Anderen auf die ökosystemische Betrachtungsperspektive der Schulfähigkeit durch Horst Nickel, in Kombination mit Ansätzen Urie Bronfenbrenners legen. Letzterer Ansatz ist bis heute anerkannt und bildet die Grundlage für die verschiedenen Verfahren der heutigen Schuleingangsdiagnostik. Auf diese werde ich im Anschluss an eine Nennung der konkreten Beurteilungsebenen der Schulfähigkeit eingehen. Im Besonderen möchte ich auf das Kieler Einschulungsverfahren eingehen, welches ich aufgrund der Vielschichtigkeit der zu testenden Fähigkeiten und der Abhebung zu traditionellen Einschulungsuntersuchungen ausgewählt habe. In meinen Augen bietet es einen repräsentativen Überblick über die heutige Schuleingangsdiagnostik im positiven Sinne. Anschließend werde ich im Kapitel fünf auf eine Forderung der Neukonzeption des Schuleingangs durch den Arbeitskreis Grundschule eingehen, diese bewerten und im abschließenden Fazit meine Fragestellung beantworten und die Kernaussagen dieser Hausarbeit zusammenfassen. Im Zuge des Fazits möchte ich zudem noch einen kleinen Einblick in meinen persönlichen Bezug zu dieser Arbeit geben. Als angehende Grundschullehrerin werde ich mit der Thematik Schulfähigkeit stark konfrontiert werden und habe deshalb vielleicht noch einmal einen anderen Blick auf Schuleingangsdiagnostika.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Begriff Schulreife im Wandel der Zeit
2.1 Das traditionelle Konzept der Schulreife nach Arthur Kern
2.2 „Schulreife“ aus ökologisch-systemischer Sicht nach Horst Nickel
3 Schulfähigkeit konkret
4 Schuleingangsdiagnostik
4.1 Traditionelle Schulreifetests
4.2 Das Kieler Einschulungsverfahren
5 Eine geforderte Neukonzeption des Schulanfangs am Beispiel des Arbeitskreises Grundschule
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit schuleingangsdiagnostischer Verfahren vor dem Hintergrund der aktuellen Anforderungen an Kinder beim Übergang vom Kindergarten in die Grundschule. Ziel ist es, die Forschungsfrage zu klären, ob eine Beschränkung des Schuleingangs durch entsprechende diagnostische Verfahren heute noch zeitgemäß und notwendig ist, um eine bestmögliche individuelle Förderung zu gewährleisten.
- Historische Entwicklung des Begriffs Schulreife
- Ökologisch-systemische Perspektiven auf die Schulfähigkeit
- Kritische Analyse traditioneller Schulreifetests
- Vorstellung und Bewertung des Kieler Einschulungsverfahrens (KEV)
- Diskussion über alternative Neukonzeptionen des Schulanfangs
Auszug aus dem Buch
4.2 Das Kieler Einschulungsverfahren
Im Folgenden wird ein Verfahren zur Schuleingangsdiagnostik vorgestellt, dem meiner Meinung nach, aufgrund seines interaktionistischen Schulfähigkeitsverständnisses, gesonderte Beachtung gehört.
Das Kieler Einschulungsverfahren wurde von Sigrun Fröse, Ruth Mölders und Wiebke Wallrodt entwickelt (1986), um Aufschluss über die Schulfähigkeit eines Kindes anhand unterschiedlicher Teilkomponenten zu geben und dabei die Persönlichkeit des Kindes in den Mittelpunkt zu stellen. Bei diesem Einschulungsverfahren wird die subjektive Beurteilungskompetenz des Lehrers bzw. der Lehrerin, aufgrund ihrer Intuition und Erfahrung in Bezug auf Schulfähigkeit, verstärkt in den Vordergrund gerückt (Borchert, Knopf-Jerchow & Dahbashi, 1991). Das KEV agiert vor dem ökosystemischen Schulfähigkeitsverständnisses Nickels (siehe Kapitel 2.2) und berücksichtigt verschiedene Teilkomponenten, wie u.a. schulische und familiäre Gegebenheiten, die einen entscheidenden Einfluss auf die Schulfähigkeit haben. Kernstück des KEVs bildet eine „systemische Beobachtung in einer strukturierten Situation im Rahmen eines Unterrichtsspiels“ (Kammermayer, 2000, S. 36), welches um Informationen aus Gesprächen mit den Eltern, Erziehern und gegeben falls den Beobachtungen aus einer anschließenden Einzeluntersuchung ergänzt wird (Brähler, Holling, Leutner & Petermann, 2002). Ziel ist es breitgefächerte Informationen zu sammeln, um eine „umfassende Sicht über die Persönlichkeit des Kindes“ (Kammermayer, 2000, S. 36) zu erlangen. Jedoch geht es beim KEV über eine selektive Analyse der Schulfähigkeit hinaus. Stattdessen ist es „eine gute Voraussetzung zur Ermittlung der individuellen Lernvoraussetzungen und bietet daher unmittelbar verwertbare Informationen für den Anfangsunterricht bzw. für eine gezielte Förderung auch bei Rückstellung in den Schulkindergarten“ (Fröse et al., zitiert nach Kammermayer, 2000, S. 37).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Bildung für die Gesellschaft und führt in die Problematik der Schulfähigkeit sowie die Fragestellung der Arbeit ein.
2 Der Begriff Schulreife im Wandel der Zeit: Dieses Kapitel stellt das traditionelle Reifekonzept von Arthur Kern dem modernen ökosystemischen Ansatz von Horst Nickel gegenüber.
3 Schulfähigkeit konkret: Hier werden die notwendigen kognitiven, motivationalen, sozialen und körperlichen Voraussetzungen definiert, die ein Kind für den Schuleintritt mitbringen sollte.
4 Schuleingangsdiagnostik: Das Kapitel analysiert traditionelle Testverfahren und stellt das Kieler Einschulungsverfahren als prozessorientierte Alternative vor.
5 Eine geforderte Neukonzeption des Schulanfangs am Beispiel des Arbeitskreises Grundschule: Es werden alternative Ansätze diskutiert, die weg von der Selektion und hin zu einer gemeinsamen Erarbeitung der Schulfähigkeit führen sollen.
6 Fazit: Das Fazit beantwortet die Forschungsfrage und unterstreicht die Notwendigkeit individueller Schuleingangsdiagnostik zur Gestaltung eines erfolgreichen Anfangsunterrichts.
Schlüsselwörter
Schulfähigkeit, Schuleingangsdiagnostik, Schulreife, Kieler Einschulungsverfahren, KEV, Ökologisch-systemisches Modell, Anfangsunterricht, individuelle Förderung, Selektion, Prozessdiagnostik, Schulanfang, Entwicklungsstand, Arthur Kern, Horst Nickel, Pädagogische Psychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Kinder auf den Schulanfang vorbereitet werden können und ob eine schuleingangsdiagnostische Prüfung notwendig ist, um ihren Entwicklungsstand zu erfassen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die historische Wandlung des Begriffs Schulreife, die Anforderungen an Kinder bei der Einschulung sowie diagnostische Verfahren zur Unterstützung des Anfangsunterrichts.
Was ist die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob eine Beschränkung des Schuleingangs durch schuleingangsdiagnostische Verfahren notwendig ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, um theoretische Ansätze der Schulreife und diagnostische Modelle gegenüberzustellen und kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Konzepte von Kern und Nickel, beschreibt konkrete Anforderungen an Schulanfänger und evaluiert das Kieler Einschulungsverfahren sowie Forderungen des Arbeitskreises Grundschule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schulfähigkeit, Schuleingangsdiagnostik, Kieler Einschulungsverfahren und individuelle Förderung stehen im Zentrum der Untersuchung.
Was unterscheidet das Kieler Einschulungsverfahren von klassischen Tests?
Das KEV verzichtet auf ein rein selektives Punktesystem und setzt stattdessen auf eine systemische Beobachtung im Unterrichtsspiel, um ein ganzheitliches Bild der kindlichen Persönlichkeit zu erhalten.
Warum wird eine prozessdiagnostische Sichtweise favorisiert?
Die Autorin argumentiert, dass eine prozessdiagnostische Vorgehensweise Lehrkräften wertvolle Informationen über Stärken und Schwächen der Kinder liefert, was eine individuelle und passgenaue Förderung ermöglicht.
- Arbeit zitieren
- Frederike Röder (Autor:in), 2014, Ist eine Beschränkung des Schuleingangs durch schuleingangsdiagnostische Verfahren notwendig?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376000