Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mich mit Irmgard Keuns Roman "Das kunstseidene Mädchen", insbesondere mit der Protagonistin Doris. Dabei soll auf die These eingegangen werden, ob Doris Fixierung auf Männer der zeitbedingten Notwendigkeit entspringt, als 'Neue Frau' überleben zu können.
Zuerst muss dafür das Phänomen der 'Neuen Frau' in der Weimarer Republik beschrieben und analysiert werden. Um diese ungewohnte Stellung der Frau verstehen zu können, wird zuerst der politische Hintergrund der damaligen Zeit erläutert. Auch der Lebensstil und die neue Mode prägten das Bild der Frau in der Weimarer Republik entscheidend neu. Die Frauen konnten sich nun ganz anders in der Öffentlichkeit präsentieren, mussten sich jedoch gleichzeitig neuen Aufgaben und Problemen stellen.
Als einer der "Weimarer Prototypen des Romans der Neuen Frau" wird der Roman "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun angesehen. Dieser bietet sich zur genaueren Bearbeitung besonders an, da er 1932 veröffentlicht wurde und seine Handlung ebenfalls in diesem Zeitraum spielt. Nachdem die Merkmale der Neuen Frau herausgearbeitet wurden wird nun die Protagonistin Doris charakterisiert im Hinblick auf diese Merkmale. Anschließend sollen die Gründe für Doris Fixierung auf Männer kritisch hinterfragt werden. Sie ist abhängig von den Männern, zeigt gleichzeitig aber eine gewisse Selbstständigkeit. Zuletzt wird Doris Bild von der Liebe analysiert, welches sich im Laufe des Romans stetig ändert und weiterentwickelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Neue Frau in der Weimarer Republik
2.2 Neue Äußerlichkeit und Mode
2.3 Die berufstätige Frau
3. Doris, das kunstseidene Mädchen
3.1 Doris als Neue Frau
3.2 Doris Fixierung auf Männer
3.3 Doris und die Liebe
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit analysiert den Roman „Das kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun unter der zentralen Fragestellung, ob die Fixierung der Protagonistin Doris auf Männer als notwendige Überlebensstrategie der „Neuen Frau“ in der Weimarer Republik zu verstehen ist.
- Lebensbedingungen und soziale Rahmenbedingungen der „Neuen Frau“.
- Charakterisierung von Doris im Kontext der zeitgenössischen Frauenrolle.
- Die symbolische und instrumentelle Bedeutung von Kleidung und Aussehen.
- Doris’ ambivalentes Verhältnis zu Männern, Abhängigkeit und Eigenständigkeit.
- Die Entwicklung von Doris’ Liebesverständnis im Verlauf des Romans.
Auszug aus dem Buch
3.1 Doris als Neue Frau
Einige Merkmale der ‚Neuen Frau‘ lassen sich bei Doris wiederfinden, sie entspricht jedoch nicht vollständig diesem Bild.
Doris kommt aus einer „mittleren Stadt“, einem „Rheinland mit Industrie“, was nicht näher beschrieben wird. Sie ist als Sekretärin bei einem Rechtsanwalt angestellt, jedoch ohne die nötigen Grammatik- und Rechtschreibkenntnisse zu besitzen. So versucht sie, trotz des persönlichen Widerwillens, ihre Weiblichkeit und Erotik einzusetzen, um die „Hopfenstange von Rechtsanwalt“ von ihren Fehlern abzulenken: „und bei jedem Komma, was fehlt, schmeiß ich ihm einen sinnlichen Blick“. Dies entspricht dem Bild der Erotik bei weiblichen Angestellten. Auch sie verdient, wie die meisten Angestellten Frauen in dieser Zeit, nur wenig. Von dem ohnehin niedrigen Gehalt von 120 Mark, muss sie 70 Mark an ihre Eltern abgeben. „Man ist ja nicht mehr wert, aber man wird kaum satt von trotzdem“, wie Doris selber feststellt.
Das restliche Geld investiert sie in ihr Aussehen, ihren Körper und ihre Jugend: „[…] von meinen 50 Mark hatte ich mir gleich einen Hut mit Feder gekauft- dunkelgrün das ist jetzt Modefarbe“.
Doris legt sehr viel Wert auf ihr Äußeres und (teure) Kleidung, „weil man ja sonst noch mehr ein Garnichts ist“. „Die vollständige Übernahme von gängigen Modeidealen folgt […] hier nicht allein dem ‚natürlichen‘ Wunsch nach Attraktivität. Wenn sie richtig, zeitgemäß aussieht und gekleidet ist, gehört sie dazu, ist sie jemand […]“. Auch sagt sie: „Aber ich bin jetzt komplett in Garderobe- eine große Hauptsache für ein Mädchen, das weiter will und Ehrgeiz hat“. Um ihre soziale Herkunft möglichst zu verbergen, muss Doris versuchen sich mit teurer Kleidung Zugang zu den ‚höheren Klassen‘ zu verschaffen, welcher ihr sonst verwehrt bliebe. Kleidung gilt hier als Statussymbol und steigert Doris Marktwert. Somit erkennt sie die tatsächliche Wichtigkeit des Modebewusstseins, um auf dem ‚Markt‘ bestehen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob Doris’ Fixierung auf Männer eine notwendige Überlebensstrategie als „Neue Frau“ in der Weimarer Republik darstellt.
2. Die Neue Frau in der Weimarer Republik: Das Kapitel erläutert den politischen und gesellschaftlichen Kontext der 1920er Jahre, insbesondere die veränderten Lebensumstände, die Mode und die berufliche Situation für Frauen.
2.2 Neue Äußerlichkeit und Mode: Der Abschnitt behandelt den Wandel im Frauenbild durch neue Modetrends wie den Bubikopf und die Aneignung vermeintlich männlicher Symbole.
2.3 Die berufstätige Frau: Hier wird der Eintritt von Frauen in die Erwerbswelt und der daraus resultierende Druck, durch Kosmetik und Kleidung attraktiv zu bleiben, beleuchtet.
3. Doris, das kunstseidene Mädchen: Dieses Kapitel stellt die Protagonistin Doris in den Mittelpunkt und vergleicht ihr Verhalten mit den Merkmalen der „Neuen Frau“.
3.1 Doris als Neue Frau: Es wird analysiert, inwieweit Doris den Prototyp der „Neuen Frau“ verkörpert und welche Rolle dabei ihre soziale Herkunft und ihr Bedürfnis nach Statussymbolen spielen.
3.2 Doris Fixierung auf Männer: Dieser Teil untersucht, wie Doris Männer als Instrument für ihren sozialen Aufstieg und ihre finanzielle Absicherung nutzt.
3.3 Doris und die Liebe: Das Kapitel beschreibt Doris’ Konflikt zwischen dem Wunsch nach Unabhängigkeit und ihren aufkommenden Gefühlen für Männer wie Ernst.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung, dass Doris’ Verhalten eine Reaktion auf die zeitbedingten Notwendigkeiten ist, wobei sie letztlich zu traditionellen Lebensmustern zurückkehrt.
Schlüsselwörter
Neue Frau, Weimarer Republik, Irmgard Keun, Das kunstseidene Mädchen, Doris, Frauenrolle, Überlebensstrategie, Erotik, Mode, Geschlechterbeziehungen, soziale Herkunft, Unabhängigkeit, Arbeit, Aufstieg, Liebe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Irmgard Keuns Roman „Das kunstseidene Mädchen“ und untersucht die Handlungsweisen der Protagonistin Doris im Kontext der gesellschaftlichen Bedingungen für Frauen in der Weimarer Republik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Entwicklung des Frauenbildes („Neue Frau“), die Bedeutung von Mode als Statussymbol, der Überlebenskampf in einer prekären ökonomischen Lage und das komplexe Verhältnis zwischen Geschlechterrollen und Abhängigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Doris’ Fixierung auf Männer aus einer zeitbedingten Notwendigkeit heraus entsteht, um als junge Frau in dieser Epoche ökonomisch und sozial zu überleben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit verwendet eine textanalytische Methode, indem sie den Roman „Das kunstseidene Mädchen“ unter Rückgriff auf zeitgenössische Sekundärliteratur zur „Neuen Frau“ und zur „Neuen Sachlichkeit“ interpretiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-gesellschaftliche Einordnung der „Neuen Frau“ und eine tiefgehende Analyse der Figur Doris, insbesondere ihres Aussehens, ihrer Beziehungen zu Männern und ihrer Einstellung zur Liebe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind „Neue Frau“, „Weimarer Republik“, „Existenzsicherung“, „Rollenbilder“, „Instrumentalisierung von Erotik“ sowie der Roman „Das kunstseidene Mädchen“ selbst.
Wie verändert sich Doris’ Einstellung zu Männern und zur Liebe im Roman?
Anfangs nutzt Doris Männer rein zweckorientiert für ihren sozialen Aufstieg und Schutz. Im Verlauf des Romans durchbricht sie ihre eigenen distanzierten Regeln und entwickelt echte Zuneigung zu dem Mann namens Ernst, was zu einem Wandel in ihrem Lebensentwurf führt.
Welche Rolle spielt Kleidung für die Protagonistin Doris?
Kleidung ist für Doris weit mehr als Ästhetik; sie ist ein notwendiges Statussymbol, um ihre soziale Herkunft zu verbergen und ihren „Marktwert“ bei Männern zu erhöhen, was sie zur Überlebensvoraussetzung macht.
Warum kehrt Doris am Ende des Romans traditionellen Lebensmustern zu?
Doris erkennt nach dem Scheitern ihres Traums, ein „Glanz“ zu werden, dass der berechnende „Männerfang“ sie nicht glücklich macht. Sie sehnt sich nach echter Geborgenheit und Stabilität, die sie in der traditionellen Rolle an der Seite von Ernst sucht.
- Arbeit zitieren
- Indra S. (Autor:in), 2015, Die 'Neue Frau' in der Weimarer Republik. Das Streben nach Unabhängigkeit in Irmgard Keuns Roman "Das kunstseidene Mädchen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376056