In der vorliegenden Hausarbeit wird der Protagonist Werther, aus Johann Wolfgang Goethes Roman "Die Leiden des jungen Werther", mithilfe der Psychoanalyse, auf zwei fundamentale Züge seiner Persönlichkeit hin analysiert: Werthers Narzissmus und einen vorhandenen Ödipuskomplex.
Zuerst versuche ich, eine Einführung in die Psychoanalyse zu geben und ihre Sinnhaftigkeit in Bezug auf die Anwendung auf literarische Werke zu verdeutlichen. Dabei beschränke ich mich auf das Werk, der Autor soll außer Acht gelassen werden.
Weiterführend werde ich dann mit der Psychoanalyse Merkmale eines Narzissmus bei Werther herausarbeiten. Dabei verfolge ich die Fragestellung, ob Werther aufgrund seines Narzissmus leidet und warum er letztendlich scheitert. Die vermutliche Ursache seines Narzissmus soll ebenfalls herausgearbeitet werden. Ist die Welt um Werther herum wirklich so, wie er sie beschreibt, oder dient sie lediglich als Spiegel seiner Seele? Lässt ihn seine extreme Selbstbezogenheit vereinsamen?
Der zweite Aspekt ist der Ödipuskomplex Werthers. Hierbei geht es um seine Fixierung auf Lotte als Mutterfigur. Werthers auffällig kindliches Verhalten bestärkt dieses Bild Lottes.
Zuletzt werde ich dann meine These kritisch überprüfen und die Ergebnisse zusammenfassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Psychoanalyse als Methode zur Interpretation literarischer Figuren
3. Werthers Persönlichkeit
3.1 Die narzisstische Krankheit Werthers
3.2. Der Ödipuskomplex des Werthers
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Protagonisten Werther aus Johann Wolfgang Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“ mithilfe psychoanalytischer Methoden. Das primäre Ziel ist es, zwei fundamentale psychologische Aspekte seiner Persönlichkeit zu analysieren: seinen Narzissmus und seinen Ödipuskomplex, um die Ursachen für sein Scheitern zu ergründen.
- Grundlagen der psychoanalytischen Literaturinterpretation
- Analyse von Narzissmus und Selbstbezogenheit bei Werther
- Die Rolle der Umwelt als Projektionsfläche für Werthers Innenleben
- Untersuchung des Ödipuskomplexes und der Fixierung auf die Mutterfigur Lotte
- Kritische Reflexion der psychologischen Verfassung und des Scheiterns des Protagonisten
Auszug aus dem Buch
Die narzisstische Krankheit Werthers
„Der Mensch ist ein wahrer Narziss; er bespiegelt sich überall gern selbst, er legt sich als Folie der ganzen Welt hinunter.“ 4
Elisabeth Auer stellt in ihrem Aufsatz zusammenfassend fest, dass es sowohl verschiedene als auch widersprüchliche Narzissmustheorien gibt, alle sich jedoch einig sind, dass „die narzisstische Problematik als eine frühe Störung in der Interaktion Mutter-Kind zu verstehen ist.“ 5 „Ihr Trauma ist sehr häufig eine schwere Enttäuschung durch die Mutter, die wegen ihrer mangelhaften Einfühlung in die Bedürfnisse des Kindes […] diese Funktionen nicht ausreichend übernehmen konnte.“ 6
In Goethes Roman erfährt man nicht viel über die Mutter Werthers, sie verließ mit ihm jedoch „den lieben, vertraulichen Ort, um sich in ihre unerträgliche Stadt einzusperren“ 7, was als frühes Trauma Werthers angesehen werden kann. Er ist dem Landleben nach dem Tode seines Vaters entrissen worden und stellt fest: „Die Stadt selbst ist unangenehm.“ 8 Er verübelt seiner Mutter den Umzug in die Stadt und sehnt sich immer wieder in die Natur zurück.
„Wie froh bin ich, daß [sic!] ich weg bin.“ 9 Bereits im ersten Satz des Romans zeigt sich durch die doppelte Hervorhebung des „ich“ Werthers Fixierung auf sich selbst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, Goethes Romanfigur Werther mithilfe der Psychoanalyse auf Narzissmus und einen Ödipuskomplex hin zu untersuchen.
2. Psychoanalyse als Methode zur Interpretation literarischer Figuren: Dieses Kapitel begründet die Anwendung psychoanalytischer Theorien auf literarische Texte, indem es die Figur als Konstrukt des Autors betrachtet, das mit psychologischen Eigenschaften ausgestattet ist.
3. Werthers Persönlichkeit: In diesem Hauptteil wird Werthers psychische Verfassung detailliert analysiert, wobei besonders sein narzisstisches Weltbild und seine Fixierung auf eine Mutterfigur beleuchtet werden.
3.1 Die narzisstische Krankheit Werthers: Hier wird untersucht, wie Werther die Außenwelt als bloße Projektionsfläche seines eigenen Ichs betrachtet und wie dies in seine soziale Isolation und Depression mündet.
3.2. Der Ödipuskomplex des Werthers: Dieses Unterkapitel analysiert Werthers kindliches Verhalten gegenüber Lotte, die er als Mutterersatz idealisiert, wodurch er seine Rolle als erwachsener Mann verweigert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Werthers narzisstische Prägung sowie sein Ödipuskomplex ihn in eine infantile Lebenswelt führen, die zwangsläufig zum Scheitern führt.
Schlüsselwörter
Werther, Johann Wolfgang Goethe, Psychoanalyse, Narzissmus, Ödipuskomplex, Literaturwissenschaft, psychologische Analyse, Mutterfigur, Selbstbezogenheit, Depression, Identitätsbildung, kindliches Verhalten, literarische Figuren, Identitätskrise, Kindheitstrauma.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der psychoanalytischen Interpretation des Protagonisten Werther aus Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“.
Welche zentralen psychologischen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themenfelder sind der Narzissmus der Figur und das Vorliegen eines Ödipuskomplexes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob Werther an seinem Narzissmus leidet, warum er scheitert und inwieweit er Lotte als Mutterfigur fixiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Die Autorin verwendet die Psychoanalyse als methodischen Rahmen, um die Charaktereigenschaften der literarischen Figur zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung der Psychoanalyse in der Literaturwissenschaft sowie in spezifische Analysen von Werthers Narzissmus und seinem kindlichen Verhalten gegenüber Lotte.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?
Wichtige Begriffe sind Narzissmus, Ödipuskomplex, Psychoanalyse, Selbstbezogenheit und die kindliche Identität des Protagonisten.
Inwiefern beeinflusst Werthers Narzissmus seine Wahrnehmung der Natur?
Der Autor zeigt auf, dass Werther die Natur nicht objektiv betrachtet, sondern sie als Spiegel seiner eigenen Stimmung und Einbildungskraft nutzt.
Warum wird Werther im Kontext des Ödipuskomplexes als „Kind“ bezeichnet?
Werther verweigert die erwachsene Rolle, sucht in Lotte eine mütterliche Betreuerin und flüchtet in eine infantile Lebenswelt, in der er sich wie ein Kind verhält.
- Quote paper
- Indra S. (Author), 2015, Narzissmus in Goethes "Die Leiden des jungen Werthers", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376063