Es ist das Ziel dieser Arbeit, auf der Basis der theoretischen Grundlegung der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit nach Thiersch eine Verknüpfung mit dem Praxisfeld der Sozialpädagogischen Familienhilfe vorzunehmen. Es soll auf dem Hintergrund der besonderen Herausforderungen in diesem Praxisfeld die Bedeutung des Theoriekonzeptes konkretisiert und für die sozialpädagogische Praxis in der Sozialpädagogischen Familienhilfe herausgestellt werden. Dabei werden die für die Praxis der Sozialpädagogischen Familienhilfe relevanten Prinzipien der Alltagsorientierung, Partizipation und Selbsthilfeorientierung, sowie der Vernetzung und Ganzheitlichkeit exemplarisch dargestellt. Zudem wird das spannungsreiche Verhältnis von Kontrolle und Hilfe auf dem Hintergrund einer Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit behandelt.
Es werden daher zunächst allgemeine theoretische Grundlagen des Theoriekonzeptes der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit nach Thiersch in ihren historischen und theoretischen Bezügen sowie im Kontext aktueller gesellschaftlicher Veränderungen dargestellt. Im Folgenden wird sich auf die besonderen Aufgaben und Herausforderungen der AdressatInnen der Sozialpädagogischen Familienhilfe bezogen, sowie dem Auftrag und den Aufgaben Sozialer Arbeit in diesem speziellen Praxisfeld. Daraufhin wird der Lebensweltorientierte Ansatz für die Soziale Arbeit durch die Anwendung auf das Praxisfeld der Sozialpädagogischen Familienhilfe konkretisiert. Dabei werden die Möglichkeiten des Ansatz für eine zeitgemäße Soziale Arbeit in diesem komplexen und herausfordernden Praxisfeld herausgearbeitet. Den Abschluss bildet eine kritische Auseinandersetzung mit der bisherigen Umsetzung einer fachlichen und professionellen Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit in der heutigen Sozialpädagogischen Familienhilfe.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Theoriekonzept der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit nach Thiersch
1.1 Die Theorie der Lebensweltorientierung
1.2 Gegenstand und Funktion einer lebensweltorientierten Sozialen Arbeit im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen
1.3 Entwicklung des Theoriekonzeptes der Lebensweltorientierung unter dem Aspekt historischer und theoretischer Bezüge
2. Soziale Arbeit mit Familien im Praxisfeld der Sozialpädagogischen Familienhilfe
2.1 Soziale Arbeit mit Familien im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen
2.2 Bewältigungsaufgaben und soziale Risiken von AdressatInnen der Sozialpädagogischen Familienhilfe
2.3 Auftrag und Aufgaben der Sozialpädagogischen Familienhilfe
3. Die Bedeutung einer Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit für das heutige Praxisfeld der Sozialpädagogischen Familienhilfe
3.1 Handlungsmaxime einer Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit für das Praxisfeld der Sozialpädagogischen Familienhilfe
3.1.1 Alltagsnähe und Lebensweltorientierung als Bezugspunkt des professionellen Handelns
3.1.2 Vernetzung, Kooperation und Ganzheitlichkeit
3.1.3 Kontrolle und Hilfe im Kontext der Lebensweltorientierung
3.1.4 Partizipation und Selbsthilfeorientierung
3.2 Kritische Bilanz
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Relevanz des Theoriekonzeptes der Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch für das Praxisfeld der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH). Dabei wird analysiert, wie dieses Konzept dazu beitragen kann, den komplexen Lebenswirklichkeiten von Familien in prekären Situationen gerecht zu werden und die fachliche Professionalität im Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle zu stärken.
- Theoretische Fundierung der Lebensweltorientierung nach Thiersch
- Herausforderungen und soziale Risiken für Familien in der heutigen Gesellschaft
- Konkretisierung der Prinzipien Alltagsnähe, Ganzheitlichkeit, Partizipation und Selbsthilfe
- Das Spannungsverhältnis zwischen Hilfe und Kontrolle in der SPFH
- Kritische Reflexion der Umsetzung lebensweltorientierter Ansätze in der aktuellen Praxis
Auszug aus dem Buch
3.1.3 Kontrolle und Hilfe im Kontext der Lebensweltorientierung
Kontrolle und Hilfe sind im Praxisalltag der SPFH nicht voneinander zu trennen. Der Kontrollaspekt ist in der Funktion der speziellen Form dieser Hilfe angelegt. Familienhelferinnen müssen einerseits eine ganzheitliche Unterstützung für die Eltern bezogen auf deren Fürsorgepflichten bieten und andererseits den Schutz der Kinder in ihren Familien gewährleisten (vgl. ebd., S. 532). Der Hilfeprozess sollte, um Hilfe trotz dieses paradoxen Handlungsauftrags für die Familien zu befördern, von „immer neuen Verstehens- und Verständigungsprozessen [...] geprägt sein, um eine gemeinsame Auseinandersetzung über lebensweltliche Fragestellungen und Zielsetzungen“ (ebd.) zu ermöglichen. Im Vordergrund steht auch hier eine vertrauensvolle Beziehung zwischen den Familien und Professionellen, die durch Transparenz und Vertrauensschutz gefördert werden kann. Dementsprechend sollte die Familienhilfe nicht alles an den Allgemeinen Sozialen Dienst weitergeben, was sie im Rahmen der von Intimität und Nähe geprägten Form der Hilfe von den Familien erfährt. Die Grenzen des Vertrauensschutzes entstehen dort, wo Themen berührt werden, die für den weiteren Hilfeverlauf im Kontext der Eignung der Hilfe oder der im Hilfeplan formulierten Ziele maßgeblich sind. Aber auch hier ist wieder ein transparenter Umgang mit der Weitergabe der Informationen handlungsleitend (vgl. Seithe: 2011, S. 199).
Auf der Grundlage einer vertrauensvollen Arbeitsbeziehung, deren Beginn auf dem Hintergrund unterschiedlicher biographischer Erfahrungen unterschiedlich lang dauern kann, empfinden Familien Kontrolle für den Hilfeverlauf oft als unterstützend. Regeln und Absprachen treffen eher auf Akzeptanz wenn sie zudem nur auf einzelne Lebensbereiche beschränkt bleiben und die Kontrolle im Hilfeverlauf allmählich abnimmt. Eine weitere entscheidende Bedingung zur besseren Akzeptanz von Kontrolle durch die Familienhilfe ist das gemeinsame Aushandeln von Absprachen und die Beteiligung der Familien am Hilfeprozess insgesamt (vgl. Wolf: 2006, S. 88-89). Partizipation und Beteiligung ist ein wesentliches Prinzip in Thierschs Theorie der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit und soll im Folgenden in der Bedeutung für das Praxisfeld der SPFH näher erläutert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Theoriekonzept der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit nach Thiersch: Einführung in die theoretischen Grundlagen der Lebensweltorientierung, ihre historischen Bezüge und die Einordnung in den gesellschaftlichen Wandel.
2. Soziale Arbeit mit Familien im Praxisfeld der Sozialpädagogischen Familienhilfe: Analyse der veränderten Lebenslagen von Familien, der spezifischen Belastungen und des gesetzlichen Auftrags der SPFH.
3. Die Bedeutung einer Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit für das heutige Praxisfeld der Sozialpädagogischen Familienhilfe: Anwendung der Handlungsmaxime wie Alltagsnähe, Partizipation und Vernetzung auf die konkrete Praxis der SPFH sowie eine kritische Bilanz der Umsetzbarkeit.
Schlüsselwörter
Lebensweltorientierung, Hans Thiersch, Sozialpädagogische Familienhilfe, SPFH, Alltagsnähe, Partizipation, Soziale Arbeit, Familienhilfe, Hilfe und Kontrolle, Empowerment, Ressourcenorientierung, Sozialer Wandel, Kinderschutz, Hilfeplanung, Professionalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des Theoriekonzeptes der Lebensweltorientierung von Hans Thiersch auf das Praxisfeld der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH).
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Theoriebildung nach Thiersch, die veränderten Lebensbedingungen moderner Familien, die Bewältigung sozialer Risiken sowie die Methoden der SPFH.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Relevanz und Anwendbarkeit der Prinzipien der Lebensweltorientierung für eine zeitgemäße und bedarfsgerechte Gestaltung der SPFH unter Berücksichtigung komplexer Familienwirklichkeiten aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturrecherche und der Verknüpfung von Theoriediskursen mit den Anforderungen der sozialpädagogischen Praxis basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Handlungsmaxime (Alltagsnähe, Vernetzung, Kontrolle/Hilfe, Partizipation) detailliert auf das Feld der SPFH angewendet und eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Praxissituation vorgenommen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Lebensweltorientierung, Sozialpädagogische Familienhilfe, Partizipation, Empowerment, Hilfe zur Selbsthilfe und soziale Gerechtigkeit.
Wie unterscheidet sich "Lebenswelt als Selbstverständlichkeit" von "Lebenswelt als Aufgabe"?
Bei der "Selbstverständlichkeit" geht es um Routinen und Typisierungen zur Bewältigung des Alltags, während "Lebenswelt als Aufgabe" die Herausforderungen durch den sozialen Wandel und die notwendige, oft schwierige Organisation der eigenen Lebensführung beschreibt.
Warum ist das Verhältnis von Hilfe und Kontrolle im Kontext der SPFH so prekär?
Es handelt sich um einen paradoxen Handlungsauftrag: SozialarbeiterInnen sollen einerseits unterstützende BegleiterInnen sein, haben aber gleichzeitig einen gesetzlichen Kontroll- und Schutzauftrag hinsichtlich des Kindeswohls.
Welche Bedeutung kommt der Partizipation in der SPFH nach Thiersch zu?
Partizipation ist zentral, da Hilfen nur dann effektiv sind, wenn sie auf den subjektiven Lebensentwürfen der AdressatInnen basieren und diese aktiv in den Hilfeprozess einbeziehen.
Was ist das zentrale Fazit der Arbeit bezüglich der aktuellen Umsetzung?
Die Autorin stellt fest, dass die Umsetzung lebensweltorientierter Prinzipien in der Praxis noch Mängel aufweist, insbesondere durch strukturelle Defizite wie unzureichende Vernetzung und finanzielle Rahmenbedingungen, die die Qualität der Arbeit gefährden.
- Quote paper
- Jessica Fiebig (Author), 2014, Die Relevanz des Theoriekonzeptes der Lebensweltorientierung für die heutige Soziale Arbeit im Praxisfeld der Sozialpädagogischen Familienhilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376064