Muhammad-Bilder im christlichen Europa des 7.-19. Jahrhundert

Bobzin über Mohammad


Referat (Ausarbeitung), 2017

13 Seiten, Note: 1,0

Ephi Soja (Autor)


Leseprobe

2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
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2. Muammad, der pseudoprophetes bis zum ,,Antichrist"
3
3. Muammad, der ,,Häretiker" genannt wird
4
4. Muammad, der für einen ,,Betrüger" gehalten wird
5
5. Muammad, der als ,,Epileptiker" dargestellt wird
7
6. Muammad in der Literatur als ,,`Gott` neben anderen Göttern"
8
7. Eine Wendung in der Darstellung von Muammadbildern
9
7.1 Muammad, der ,,Gesetzgeber"
9
7.2 Muammad, der ,,Held"
10
8. Fazit
11
9. Literaturverzeichnis
13
9.1 Sekundärquellen
13
9.2 Auswahl von Quellen, auf die sich Bobzin bezieht
13

3
1. Einleitung
,,Es gibt wohl kaum eine Gestalt der Weltgeschichte, die im christlichen Abendland über
lange Zeit so negativ dargestellt, dann aber ebenso überschwenglich gelobt worden ist wie
Mohammed."
1
, so Bobzin im ersten Kapitel seines Werks ,,Mohammed", das den Titel ,,Vom
,,Pseudopropheten" zum ,,Helden": Abendländische Mohammedbilder" trägt.
2
In dieser vorliegenden Arbeit soll es im Wesentlichen darum gehen, ausgewählte Passagen
aus Bobzins Kapitel über die christlich geprägten westlichen Muammad-Bilder vom 7. bis
19. Jahrhundert zusammenzufassen, diese Stellen zu kommentieren und gegebenenfalls er-
gänzende Informationen zu geben.
In einem Fazit geht es darum aufzuzeigen, wie die Entwicklung der Muammad-Bilder über
die Jahrhunderte hinweg zu bewerten sind und ebenso darum weiteren Forschungsausblick
zu geben. Hiermit sollen Aspekte genannt werden, die Bobzin in seinem oben genannten Ka-
pitel unerwähnt lässt ­ um eine Anregung für die weitere Recherche zu diesem Thema zu ge-
ben. Aber zunächst einmal die Darlegung der Sicht hauptsächlich der Christen auf ,,die Ande-
ren" im Mittelalter:
2. Muammad, der pseudoprophetes bis zum ,,Antichrist"
Einer derjenigen, der Muammad als ,,Pseudoprophet" genannt hat, war beispielsweise Jo-
hannes von Damaskus. In seinem Werk ,,Quelle der Erkenntnis" ­ ,,Pege gnoseos" auf Grie-
chisch, das auch als das sogenannte ,,Buch der Häresien" gilt und aus etwa dem Anfang des 8
Jahrhunderts entstammt wird ebenso erkenntlich, dass Johannes von Damaskus den Islam
noch nicht ganz als eigenständige Religion wahrnahm, sondern als eine christliche Irrlehre.
Das Interessante dabei ist, dass sich das Prädikat ,,pseudoprohetes" in sehr vielen Werken
christlicher Polemik verbreitet hat und in den ersten Jahrhunderten des Islams zur Standard-
bezeichnung im christlichen Abendland wurde.
3
Ebenso schreibt Johannes von Damaskus,
1
Bobzin, Hartmut: Mohammed, C.H.Beck Verlag, München 2016, S. 9.
2
Vgl. ebd.
3
Vgl. ebd., S. 11.

4
der beruflich zunächst Hofbeamter bei einem omajjadischen Kalifen war, aber dann mit zu-
nehmenden Ressintements gegenüber Christen entschied, sich dem Mönchtum zuzuwen-
den, über Muammad:
,,(...) Später ließ er [Muammad] durch Täuschungen das Volk glauben, er sei ein gottesfürch-
tiger Mann, streute Gerüchte aus, daß ihm eine Schrift vom Himmel herabgesandt sei. Nach-
dem er einige Lehren in diesem Buch aufgestellt hatte, über die man nur lachen kann, lehrte
er sie auf diese Weise, Gott zu verehren."
4
Bobzin führt verschiedene Gründe für die Ablehnung des Prophetentums heran: zum einen
liege es an der Etablierung einer hierarchischen Ordnung der Kirche seit etwa dem 3. Jahr-
hundert, zum anderen wurden bereits schlechte Erfahrungen mit verschiedenen christlichen
,,prophetischen Bewegungen" wie dem Montanismus gemacht.
5
Das war auch für viele ein
Grund, Muammad als DEN neuen Antichristen schlechthin zu sehen. Als einen also, der zu
den Erscheinungen gehöre, die mit ihrem Wesen die Endzeit ankündigen.
6
Muammad war
nicht der letzte Muslim, der als der Antichrist gehalten wurde, nach dem man Ausschau ge-
halten hat, um die Endzeitprophezeiung zu lesen. Auch im 16. Jahrhundert wurde der Ge-
danke des Antichristen auf die Türken bzw. Osmanen bezogen ­ wie beispielsweise von Mar-
tin Luther in seiner ,,Heerpredigt wider den Türken".
7
Diese beiden Bezeichnungen hängen
nicht weniger eng mit der nächsten Bezeichnung zusammen: Muammad ­ der Häretiker.
3. Muammad, der ,,Häretiker" genannt wird
Eine weitere Bezeichnung, die Muammad zuteilwurde, war ,,Häretiker". Er wurde also auch
als jemand gehalten, ,,der von der offiziellen Kirchenlehre abweicht"
8
. Als solcher wurde
Muammad beispielsweise in Dante Alighieris ,,Göttliche Komödie" (lat., Divina Commedia)
bezeichnet, die in etwa zu Beginn des 14. Jahrhunderts entstanden ist.
9
Diese Bezeichnung
4
Johannes von Damaskus: Quelle der Erkenntnis, zit. nach Bobzin: Mohammed, S. 10.
5
vgl. Bobzin: Mohammed, S. 10f.
6
Vgl. ebd., S. 17f.
7
Vgl. u.a. Luther bewegt (2014): Luther und die Türken ­ eine ungarische Erfahrung, URL:
http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:bkySV7QlxzMJ:www.kulturkirche-ludwigsha-
fen.de/Luther%2520und%2520die%2520T%25C3%25BCrken%2520-%2520Vor-
trag.pdf+&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de&client=firefox-b-ab
, Stand 10.03.2017.
8
Duden: Häretiker, der, URL:
http://www.duden.de/rechtschreibung/Haeretiker
, Stand 10.03.2017.
9
Vgl. Einladung zu Literaturwissenschaft. Ein Vertiefungsprogramm zum Selbststudium: Dantes göttliche Komö-
die, URL:
http://www.einladung-zur-literaturwissenschaft.de/index.php?option=com_content&view=ar-
ticle&id=440:10-4-die-goettliche-komoedie&catid=47:kapitel-10
, Stand 10.03.2017.

5
gibt laut Bobzin ,,die im wesentlichen die beherrschende Vorstellung des Mittelalters über
Mohammed wieder".
10
Muammad in der ,,Divina Commedia" also als ,,Abweichler" vom
Christentum, bzw. ,,Spalter" des Christentums. In der Komödie kommt der Gang Muamm-
ads in der Hölle mit aufgeschlitztem Bauch vor ­ was auch daraufhin deutet, dass er als je-
mand dargestellt wurde, der für sein Abweichen bzw. Spalten bestraft werden und in der
Hölle landen wird. Bobzin erläutert weiterhin, worin die Gründe für die Zweifel an Muamm-
ads Christsein lagen. Zum einen nennt er, dass Muammad aus der Sicht der Christen man-
gelhafte Kenntnis der Schriften des Alten und Neuen Testaments aufweise und zum anderen
wird Muammads Begegnung mit dem Mönch Bahira als Vorwurf genommen. Denn dieser
Mönch galt unter zeitgenössischer christlicher Sicht ebenso als Ketzer ­ so zumindest laut
Johannes von Damaskus, zitiert nach Bobzin. Damit wird Muammad in eine Reihe bekann-
ter altkirchlicher Ketzer wie Arius oder Nestorius gesetzt, die die Trinität und die göttliche
Natur Jesus` geleugnet haben. Das sei aus christlicher Sicht der Grund, weshalb Jesus im Ko-
ran ,,lediglich" als Prophet
11
und Diener Gottes
12
vorkommt und weshalb seine Gottessohn-
schaft ausdrücklich bestritten werde.
13
Man kann also zusammenfassend sagen, dass Chris-
ten deshalb auf die Idee gekommen sind, Muammad als Häretiker zu bezeichnen, da Jesus
im Koran erwähnt wird, aber nicht als solcher, wie Christen an ihn geglaubt haben, sondern
eben ,,lediglich" als Prophet bzw. Diener Gottes. So wurde das ,,christliche" im Koran damit
assoziiert, dass Muammad ein ,,nestorianischer" Christ sein muss ­ da man wohlmöglich
auch kaum etwas von und über ,,Muslime" bzw. den ,,Islam" als Begriff wussten.
4. Muammad, der für einen ,,Betrüger" gehalten wird
Ebenso gibt es das Narrativ, dass Muammad als ,,Betrüger" erwähnt wird. Dies kommt zum
Beispiel in Jacobus de Voraignes ,,Goldene Legende" (lat., Legenda aurera), aus dem 13.
Jahrhundert vor. Dieses Buch war ein im Mittelalter sehr verbreitetes religiöses Volksbuch.
10
Bobzin (2016): Mohammed, S. 11.
11
Vgl. Koran: Maryam 19:30:
= ,Da sprach er [Jesus]: ,,Ich bin ein Diener Got-
tes. Er wird mir das Buch (das Evangelium) geben und mich zum Propheten bestimmen."`
12
Vgl. Koran: Az-Zukhruf 43:59:
= ,,Er war nur ein Diener, dem Wir
Gnade erwiesen und zum Beispiel für die Kinder Israels machten."
13
Vgl. Koran: Al-Isra 17:111:
B =
,Sprich: ,,Gepriesen sei Gott! Er hat keinen Sohn und keinen Gefährten, der Seine Herrschaft teilt, Er braucht
keinen Hüter, der Ihn vor Schmach beschützt." Preise seine Größe.`, vgl. auch: Maryam 19:35:
B
= ,Es ist ausgeschlossen, dass Gott einen Sohn hat. Erhaben ist Er. Wenn
Er etwas verfügt, sagt Er nur: ,,Es sei!" und so wird es.`
Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Muhammad-Bilder im christlichen Europa des 7.-19. Jahrhundert
Untertitel
Bobzin über Mohammad
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Kalam, Offenbarung und die Rolle der Propheten im Islam
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V376226
ISBN (eBook)
9783668533608
ISBN (Buch)
9783668533615
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mohammed, europäische Sicht, Bobzin, Christentum, Europa, 7.-19. Jahrhundert
Arbeit zitieren
Ephi Soja (Autor), 2017, Muhammad-Bilder im christlichen Europa des 7.-19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376226

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