Diese Ausarbeitung zum Thema „Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen“ gliedert sich in einen theoretischen und analytischen Teil, bestehend aus sechs Kapiteln. Im ersten Kapitel erfolgt eine Hinführung zum Thema. Der Begriff der Selbstbestimmung wird in Kapitel zwei definiert und in Kapitel drei erfolgt eine theoretische Einordnung in den Kontext Behinderung. Dahingehend folgt eine weitere Definition über den Begriff der Behinderung. Im Kapitel vier werden die rechtlichen Rahmenbedingungen kurz skizziert, bevor im darauffolgenden Kapitel fünf unterschiedliche Konzepte der Selbstbestimmung vorgestellt werden, bevor abschließend die bisherigen Erkenntnisse im Kapitel sechs zusammengefasst werden.
Innerhalb der letzten Jahrzehnte hat sich das Erscheinungsbild der Behindertenpädagogik stark gewandelt. Dies führte zu einem weitreichenden Paradigmenwechsel, der Personenkreis behinderter Menschen änderte sich, ebenso ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, sei es durch die Wahrnehmung der Personen als Menschen, im Arbeitsleben oder auch hinsichtlich ihrer Bedürfnisse. Äußerst relevant ist dabei der Begriff der Selbstbestimmung, welcher ein sonderpädagogischen Handlungsprinzip darstellt.
Dabei stellt sich zum einen die Frage, was der Begriff der Selbstbestimmung explizit umfasst, zum anderen wie Selbstbestimmung als Leitlinie in der Behindertenarbeit umgesetzt werden kann. Selbstbestimmung wird definiert als eine freie Entscheidungsgewalt in Handlungsbereichen des alltäglichen Lebens, wie beispielsweise „was wir essen und trinken“, „welcher Beruf ergriffen wird“ oder „was wir in unser Freizeit mit welchen Personen machen“ (vgl. Klauß 2005, S. 3).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffserläuterungen und Definitionen
2.1 Definition von Selbstbestimmung aus Sicht der Behindertenpädagogik
2.2 Definition Behinderung
2.3 Bedeutung von Selbstbestimmung im Kontext von Behinderung
3 Theoretische Konzeptionen der Selbstbestimmung
3.1 Behinderung als Konstrukt sozialer Abhängigkeit
3.2 Konstruktion von Selbstbestimmung als heuristisches Modell
3.3 Selbstbestimmung als sonderpädagogisches Handlungsprinzip
4 Rechtliche Rahmenbedingungen hinsichtlich Selbstbestimmung
4.1 Das Grundgesetz
4.2 Das Betreuungsgesetz (BtG)
4.3 Das Bundessozialhilfegesetz (BSHG)
5 Realisierung von Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung
5.1 Fallbeispiel Herr M.
5.2 Fallbeispiel meiner Schwester Laurin
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der Selbstbestimmung im Kontext der Sonderpädagogik und analysiert, wie dieses Prinzip bei Menschen mit Behinderung theoretisch verankert und praktisch umgesetzt werden kann, wobei die Spannungsfelder zwischen Autonomie, gesetzlichen Rahmenbedingungen und individuellen Beeinträchtigungen im Fokus stehen.
- Grundlagen der Selbstbestimmung in der Behindertenpädagogik
- Theoretische Modelle zur Einordnung von Selbstbestimmung
- Rechtliche Grundlagen und deren Bedeutung für die Praxis
- Analyse der Umsetzbarkeit anhand konkreter Fallbeispiele
- Differenzierung zwischen Selbstbestimmung und Selbstständigkeit
Auszug aus dem Buch
5.1 Fallbeispiel Herr M.
Herr M. ist 28 Jahre alt. Er hat laut ärztlicher Diagnose eine geistige Behinderung in Folge eines frühkindlichen Hirnschadens. Er kann Bedürfnisse, Wünsche und Interessen nach außen hin mitteilen. Dies tat er auch, als ich an einem Samstag im Dienst war. Als gegen Mittag sein Vater zu Besuch kam, machte dieser Herrn M. den Vorschlag, zum schwimmen zu fahren. Herr M. lehnte diesen Vorschlag ab und äußerte dagegen den Wunsch, im Wohnheim bleiben zu wollen. Seine Entscheidung war klar und eindeutig. Sein Vater respektierte seine Entscheidung jedoch nicht und forderte ihn eindringlich dazu auf, mitzukommen. Herr M. kam der Aufforderung seines Vaters schließlich resignierend nach (Wagner 1997, Kap. 4.2.2)
Die Selbstbestimmung von Herrn M. findet durch seine Meinungsäußerung statt und sollte Bestand haben. Eine weitere Form der Selbstbestimmung wäre die konsequente Verweigerung des Mitgehens bis hin zum Kontaktabbruch. Dieses Fallbeispiel zeigt eine Form der Selbstbestimmung die aber aufgrund der existenten Behinderung nicht wahrgenommen beziehungsweise nicht toleriert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Paradigmenwechsel in der Behindertenpädagogik und führt in die zentrale Bedeutung der Selbstbestimmung als sonderpädagogisches Handlungsprinzip ein.
2 Begriffserläuterungen und Definitionen: Dieses Kapitel definiert die Kernbegriffe Selbstbestimmung und Behinderung und setzt sie in Bezug zueinander, um die theoretische Basis für die weitere Arbeit zu schaffen.
3 Theoretische Konzeptionen der Selbstbestimmung: Hier werden verschiedene wissenschaftliche Ansätze vorgestellt, die Selbstbestimmung als Konstrukt sozialer Abhängigkeit oder als heuristisches Modell begreifen.
4 Rechtliche Rahmenbedingungen hinsichtlich Selbstbestimmung: Das Kapitel analysiert relevante gesetzliche Grundlagen wie das Grundgesetz, das Betreuungsgesetz und das Bundessozialhilfegesetz hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Autonomie behinderter Menschen.
5 Realisierung von Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung: Anhand zweier Fallbeispiele wird die praktische Anwendung sowie die Grenzen der Selbstbestimmung bei Menschen mit geistiger oder komplexer Behinderung kritisch hinterfragt.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, betont die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Sensibilisierung und hebt hervor, dass Selbstbestimmung auch bei körperlichen Einschränkungen durch Partizipation möglich bleiben muss.
Schlüsselwörter
Selbstbestimmung, Behindertenpädagogik, Behinderung, Autonomie, Unabhängigkeit, Empowerment, Lebensqualität, Inklusion, Teilhabe, Grundgesetz, Betreuungsgesetz, Sonderpädagogik, Heilpädagogik, Integration, Selbstständigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und praktischen Bedeutung des Prinzips der Selbstbestimmung bei Menschen mit Behinderung innerhalb der Sonderpädagogik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Begriffsdefinitionen, theoretische Konzeptionen, rechtliche Rahmenbedingungen sowie die praktische Umsetzung von Selbstbestimmung im Alltag von behinderten Menschen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, was Selbstbestimmung im Kontext von Behinderung bedeutet und wie dieses Prinzip als Leitlinie in der Behindertenarbeit trotz vorhandener Barrieren realisiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie auf die fallbasierte Analyse der Lebenssituationen von zwei Menschen mit Behinderung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Klärung, eine theoretische Einordnung (Modelle nach Hahn/Waldschmidt), eine rechtliche Skizze und eine Fallbeispielanalyse zur praktischen Realisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Selbstbestimmung, Autonomie, Empowerment, Inklusion, Teilhabe, Behindertenpädagogik und die rechtlichen Grundlagen wie das Betreuungsgesetz.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Selbstbestimmung und Selbstständigkeit?
Der Autor betont, dass diese Begriffe nicht synonym sind; ein Mensch kann trotz eingeschränkter Selbstständigkeit und Hilfebedürftigkeit bei der Alltagsbewältigung durchaus selbstbestimmt Entscheidungen über sein Leben treffen.
Welche Rolle spielt die UN-Rechtskonvention in dieser Arbeit?
Sie dient als Bezugspunkt, um Behinderung nicht als individuelles Defizit, sondern als Ergebnis von Barrieren zu verstehen, die die Teilhabe behinderter Menschen am gesellschaftlichen Leben erschweren.
Was zeigt das Fallbeispiel von Herrn M. in Bezug auf Selbstbestimmung?
Es verdeutlicht, dass selbst bei klaren Äußerungen des Willens die Selbstbestimmung scheitern kann, wenn das soziale Umfeld (hier der Vater) diese Entscheidung aufgrund von Machtasymmetrien nicht respektiert.
Warum wird Laurin im Kapitel 5.2 als Beispiel für komplexe Behinderung angeführt?
Ihr Beispiel dient zur Illustration der Schwierigkeiten bei der Realisierung von Selbstbestimmung, wenn die Person sich aufgrund einer komplexen Behinderung nicht verbal äußern kann, und wie dies zur Fremdbestimmung führen kann.
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- Sandra Beiske (Author), 2016, Selbstbestimmung bei Menschen mit Behinderungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376237