Leben in Stadt und Land. Sachanalyse zum Thema für den Geographieunterricht 5. Klasse Gymnasium


Studienarbeit, 2015

8 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

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1. Curriculare Legitimation
Im Lehrplan des Landes NRW wird die Thematik ,,Leben in Stadt und Land"
unter dem ersten Inhaltsfeld in der Jahrgangsstufe fünf für die gymnasiale
Sekundarstufe I festgesetzt. Die Schwerpunkte liegen in der Grobgliederung
einer Stadt sowie der Unterschiede in der Ausstattung von Stadt und Dorf.
(vgl. Kernlehrplan 2007: 26).
2. Ziel der Unterrichtseinheit
Anhand des Themas ,,Stadt und Land in Deutschland" sollen die Schülerinnen
und Schüler lernen sich im Nahraum zu orientieren, im engerem Sinne die
Schulumgebung erforschen. Zudem sollen sie Stadt und Land als Räume
unterschiedlicher Ausstattung wahrnehmen. Hier sollen sie auch die Situation
von Pendlern und ihren Wegen zu zentralen Orten anhand des Beispiels der
Schulumgebung herausarbeiten. Die Schülerinnen und Schüler sollen eine
Grobgliederung der Stadt kennenlernen, indem sie die Gebäudenutzung in
verschiedenen Vierteln untersuchen (vgl. Kernlehrplan, 2007: 26).
3. Stadt- Land- Gegensatz
,,Stadt und Land werden im Zuge beginnender Verstädterung und
Industrialisierung und des heraufkommenden Sozialismus im 19. Jahrhundert
zur gängigen Formel, ja zum Inbegriff der politischen, sozialen und
wirtschaftlichen Konfrontation der beiden großen Bereiche des sozialen
Raumes" (Schweppe, 2000: 59). In der Soziologie geht man von einem
fundamentalen Unterschied zwischen dem städtischen und ländlichen Sektor
einer Gesellschaft und einem kaum überbrückbaren Gegensatz zwischen
diesen beiden Sektoren aus (vgl. ebd.) Dadurch entstand das Modell der
Stadt-Land-Dichotomie, das sowohl Konzepte zur Abgrenzung dieser beiden
Räume als auch Ideologien zur Bewertung von Stadt und Land enthält.
Anhand verschiedener Indikatoren bzw. Kriterien lassen sich Unterschiede
beider Räume bestimmen. So werden dem Land folgende Kriterien
zugeschrieben: kleine Siedlungseinheit, geringe Bevölkerungsdichte,

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Naturnähe, Dominanz landwirtschaftlicher Tätigkeit und Homogenität der
Bevölkerung. Dagegen gelten für die Stadt Indikatoren wie eine große
Siedlungseinheit, hohe Bevölkerungsdichte, Naturferne, weitgehend nicht
landwirtschaftliche Beschäftigungen und Heterogenität der Bevölkerung.
Allerdings wurden die Ansätze dieses Modells kritisiert, da das Land über
lange Zeit romantisiert und idealisiert wurde, wohingegen die Stadt als
Synonym für das Schlechte, Künstliche und menschliche Verlorenheit stand.
Andererseits galt die Stadt als fortschrittlich und das Land als rückständig
(vgl. ebd.: 60f.). Aufgrund dieser Kritik konnte das Konzept der Stadt-Land-
Dichotomie nicht standhalten und wurde überholt. Nach wie vor ist eine
Abgrenzung von städtischem und ländlichem Raum schwierig, da
,,wirtschaftliche, soziale und kulturelle Raumkomponenten zu berücksichtigen
sind" (ebd: 62). Nachfolgend soll dieses jedoch versucht werden.
4. Definition Stadt
Als besondere Merkmale der Stadt gelten Dichte und Zentrierung. Je nach
kulturellem Kontext schwankt der Schwellenwert der Einwohnerzahl, jedoch
lässt sich laut amtlicher Statistik ab 2000 bzw. ab 5000 Einwohnern von einer
Stadt sprechen. Demnach besteht hier eine bauliche Dichte mit überwiegend
mehrgeschossigen Häusern und einer räumlichen Konzentration von Wohn-
und Arbeitsstätten. Die höchsten Dichten werden in zentralen Stadtteilen
erreicht. Im Verdichtungsraum lassen sich die Grunddaseinsfunktionen in
eine innere Differenzierung in Stadtviertel (z.B. Industrie-, Wohn-,
Geschäftsviertel) aufweisen. Zudem besitzt sie eine hohe innere und äußere
Verkehrserschließung. Die Arbeitsplätze im tertiären und sekundären Sektor
dominieren als zentraler Ort. Darüber hinaus übersteigen die vorhandenen
Dienstleistungs-, Handels-, Verwaltungs- und kulturellen Einrichtungen den
Eigenbedarf. Die Stadt zeigt eine bestimmte sozioökonomische Struktur auf
und gilt als Zentrum wirtschaftlicher und politischer Prozesse. Die Industrie,
Gewerbe und besonders die Dienstleistungen bestimmen hier die
Erwerbstätigkeit. Durch die hohe Zahl an Arbeitsplätzen wird ein
Einpendlerüberschuss aus dem Stadt-Umland hervorgerufen. Die genannten

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ökonomischen und sozialen Merkmale bilden eine besondere Grundlage für
intensive Stadt-Umland-Beziehungen (vgl. Fassmann, 2009: 44f.).
5. Definition ländlicher Raum
Der ländliche Raum wird nach der Raumordnung als "Restgröße" angesehen.
Somit steht er für ein Gebiet, das weder Verdichtungsraum noch Randzone
eines Verdichtungsraumes ist und in diesem Sinne einen Gegensatz zum
städtischen Raum darstellt. Die Funktion ländlicher Räume besteht in der
Erzeugung von Nahrungsgütern und Rohstoffen sowie des auf dem Land
ansässigen Gewerbes. Zudem befinden sich hier ,,Wohngebiete der
(kleineren)
landwirtschaftlich
tätigen
und
der
(größeren)
nicht
landwirtschaftlich tätigen Bevölkerung, Flächenreserven für Siedlungsausbau,
Gewerbe
und
Verkehrsanlagen,
Erholungsräume
der
städtischen
Bevölkerung sowie ökologische Ausgleichsräume." (Lexikon der Geographie,
2001). Des Weiteren gelten die Agrarquote, Bevölkerungsdichte,
Freiflächenanteile und das Bruttoinlandsprodukt als Abgrenzungskriterien
zum städtischen Raum. Tiefgreifende Veränderungen der Erwerbsstruktur
und der hochtourigen Mobilität der letzten Jahrzehnte haben jedoch dazu
geführt, dass eine Abgrenzung des zunehmenden Stadt-Land-Kontinuums
kaum mehr möglich ist. Der ländliche Raum wurde nämlich durch den
Übergang von der Agrar- zur Industrie- und Städtegesellschaft seit der
Industriellen Revolution nachhaltig verändert. Die Stadt hat das Dorf stark
beeinflusst, sodass sich seine Funktionen und traditionellen Lebensinhalte
gewandelt haben. Auf diese Weise wurde das Dorf zum Wohnstandort nicht
landwirtschaftlicher
Erwerbspersonen
sondern
zum
Migrationsraum
städtischer Bewohner. Zudem wird hier eine fehlende oder nicht
ausreichende Anbindung an das Fernverkehrsnetz deutlich. Durch den
fehlenden Zugang zum Arbeitsplatzangebot und dem meist hochwertigen
Infrastrukturangebot der Verdichtungsräume werden Mängel im Bereich der
Erwerbs- und Infrastruktur hervorgerufen. Dennoch bewahrt das Dorf sein
Bild von "naturnaher, einer immer noch vorhandenen Land- und
Forstwirtschaft geprägter Siedlungs- und Landschaftsraum mit geringer
Bevölkerungs- und Bebauungsdichte sowie niedriger Zentralität der Orte,

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aber höherer Dichte der zwischenmenschlichen Beziehungen." (Lexikon der
Geographie, 2001).
6. Die Stadtgeschichte
Die Stadt ist im Laufe ihrer Geschichte großen Veränderungen unterworfen.
Dies ist vor allem im 19. Jahrhundert zu erkennen, als die Industrielle
Revolution Millionen von Arbeiter in die Städte zog. Im Mittelalter hat sich das
Gesamtbild der unstrukturierten Stadt nur wenig verändert. Doch die
Zerstörungen während des Dreißigjährigen Krieges und der aus Frankreich
kommende Absolutismus führten zu einer Veränderung der Städte. Der Adel
hatte bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts angefangen, aus den Burgen in
wesentlich wohnlichere Schlösser umzuziehen. ,,Durch die Verlegung des
Herrschaftssitzes in die Stadt und der Verankerung von herrschaftlichen
Amtsgebäuden und neuen handwerklichen Zulieferungsbetrieben entwickelte
sich aus der mittelalterlichen Herrschaft eine neuzeitliche Residenzstadt"
(Riesner). Außerdem wurden die Städte nach absolutistischen Vorbildern
umgestaltet. Die mittelalterlichen Städte waren an die Landschaft angepasst
und scheinbar willkürlich gewachsen, während mit Beginn der Renaissance
im 17. Jahrhundert der Hang zu Symmetrie, klaren Strukturen und klaren
Achsen hervortrat. Andererseits bestand durch die absolutistischen
Baumaßnahmen eine begrenzte Entwicklungsmöglichkeit des Handels und
des Gewerbes. Zum einen nahmen die Neubauten sehr viel Baugrund für
sich in Anspruch und zum anderen wurden in vielen Städten Festungsbauten
errichtet, sodass die Stadt mit mächtigen Mauern eingegrenzt wurde. Des
Weiteren kam es zu einem starken Zuzug aus dem Umland. Durch diese im
Absolutismus entstandene Stadtplanung profitierte die städtebauliche
Entwicklung der Industriellen Revolution. So konnte die Ansiedlung neuer
Fabriken besser organisiert und geplant werden. Allerdings entstand durch
die Bevölkerungsexplosion des 18. Jahrhunderts das Problem der
Wohnplanung. Durch das rapide Wachstum der Industrie und dem enormen
Zustrom von Arbeitern verkleinerte sich nämlich der zur Verfügung stehende
Wohnraum. Auf diese Weise vervielfachten die Städte mit großem
Industriewachstum ihre Einwohnerzahl und Größe innerhalb weniger Jahre.
Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Leben in Stadt und Land. Sachanalyse zum Thema für den Geographieunterricht 5. Klasse Gymnasium
Note
1,5
Autoren
Jahr
2015
Seiten
8
Katalognummer
V376269
ISBN (eBook)
9783668535381
ISBN (Buch)
9783668535398
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erdkunde, 5.klasse, terra 1, sachanalyse, stadt land, push pull
Arbeit zitieren
Betül Can (Autor)Bahar Eker (Autor), 2015, Leben in Stadt und Land. Sachanalyse zum Thema für den Geographieunterricht 5. Klasse Gymnasium, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376269

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