Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Journalismus und PR mit Bezug auf die gängige Forschung sowie dem Einfluss der PR auf die journalistische Berichterstattung. Dargestellt werden hierfür die wichtigsten Ansätze und theoretischen Studien auf diesem Gebiet.
Der Widerspruch zwischen der Forderung nach einem unabhängigen Journalismus und dem dennoch engen Verhältnis von Journalismus zu Public Relations bedingt die Frage nach der journalistischen Arbeitsweise und der damit verbundenen Qualität. Kann so der Beitrag zur Meinungsbildung der Leser und Leserinnen als Ziel der journalistischen Arbeit gewährleistet werden? Leidet die Glaubwürdigkeit des Journalismus womöglich unter dieser Beziehung? Führt die Zusammenarbeit von Journalismus und Public Relations zu einer Nichteinhaltung des normativen Anspruchs an den Journalismus?
In der internationalen Forschung untersuchte man das Verhältnis zwischen Public Relations und den Medien zunächst empirisch, im deutschsprachigen Raum setzte man sich hauptsächlich mit den Theorien auseinander. Die bekannteste Untersuchung führte die Kommunikationswissenschaftlerin Barbara Baerns erstmals 1979 durch und kam zu dem Ergebnis, dass die Public Relations die Themen und das Timing der journalistischen Berichterstattung unter Kontrolle haben („Determinationsthese“). Journalisten werden zu Gehilfen der Public Relations, die Publizität gegen Information tauschen.
Die Determinationsthese rief eine Reihe von kritischen Auseinandersetzungen hervor, die sich im methodischen Ansatz unterschieden und weitere Einflussfaktoren berücksichtigten. Eine Weiterentwicklung der Determinationsthese stellt der Intereffikationsansatz dar, der von Einflüssen und Abhängigkeiten in beide Richtungen ausgeht. Neben den beschriebenen Ansätzen gibt es weitere systemtheoretische Untersuchungen. Und auch die Medialisierungsforschung beschäftigt sich mit der Bedeutung der Medien für Unternehmen, die wiederum das Verhältnis von Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit beinhaltet. Diese vier Ansätze bilden die wichtigsten Theorien zu der Beziehung zwischen PR und Journalismus und bestätigen den Verdacht eines Verhältnisses der gegenseitigen Anpassung, Orientierung und Beeinflussung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Public Relations
2.1 Gegenstandsbeschreibung
2.2 Aufgaben und Ziele
3. Journalismus
3.1 Gegenstandsbeschreibung
3.2 Aufgaben und Ziele
3.3 Informationsselektion im Journalismus
4. Gemeinsamkeiten und Unterschiede PR – Journalismus
5. Theorien zum Verhältnis von Journalismus und PR
5.1 Die Determinationsthese
5.1.1 Kritik an der Determinationsthese
5.2 Das Intereffikationsmodell
5.2.1 Kritik am Intereffikationsmodell
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das komplexe und spannungsgeladene Verhältnis zwischen Journalismus und Public Relations (PR). Sie analysiert, inwieweit PR-Maßnahmen die journalistische Berichterstattung beeinflussen und ob die journalistische Unabhängigkeit durch ökonomischen Druck und die enge Verzahnung mit PR-Interessen gefährdet ist.
- Grundlagen und Aufgaben von Public Relations sowie Journalismus
- Die gegenseitige Abhängigkeit von PR und Journalismus
- Wissenschaftliche Theorien zur PR-Journalismus-Beziehung (Determinationsthese vs. Intereffikationsmodell)
- Einflussfaktoren der Informationsselektion und Nachrichtengebung
- Herausforderungen durch Kommerzialisierung und sinkende journalistische Ressourcen
Auszug aus dem Buch
Die Determinationsthese
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema „Beziehung zwischen PR und Journalismus“ nahm in den 1980er-Jahren eine entscheidende Rolle ein. Besonderem Forschungsinteresse galt den Fragen: Wie stark sind die Einflüsse der Öffentlichkeitsarbeit auf den Journalismus? Wie äußert sich dies? Dominiert PR den Journalismus nicht sogar bereits? Wie wirkt sich das auf die journalistische Arbeit aus? Kommt der Journalist seinen gesellschaftlichen Funktionen unter diesen Umständen noch voll und ganz nach?
Mit diesen Fragen zur Erforschung der Beziehung zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus beschäftigte sich die promovierte Kommunikationswissenschaftlerin Barbara Baerns, die praktische Erfahrungen sowohl auf der Seite des Journalismus als auch auf der PR-Seite machen konnte. Um festzustellen, wie hoch der Anteil an PR-Material an der Medienberichterstattung ist, führte Baerns Input-Output-Analysen (später Determinationsanalysen) durch. In fünf methodischen Schritten wird der Input der PR in das journalistische System mit dessen Output, der Medienberichterstattung, verglichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet anhand eines Fallbeispiels den Zwiespalt zwischen journalistischem Unabhängigkeitsanspruch und der täglichen Konfrontation mit PR-Material.
2. Public Relations: Dieses Kapitel definiert Public Relations, grenzt den Begriff von Werbung und Propaganda ab und erläutert die strategischen Ziele und Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit.
3. Journalismus: Hier werden die Rollen, Aufgaben und Ziele des Journalismus sowie die Mechanismen der Informationsselektion und das Konzept des "Gatekeepers" detailliert analysiert.
4. Gemeinsamkeiten und Unterschiede PR – Journalismus: Das Kapitel vergleicht die unterschiedlichen Auftraggeber und Zielsetzungen beider Berufsfelder und zeigt die Schnittstellen ihrer Zusammenarbeit auf.
5. Theorien zum Verhältnis von Journalismus und PR: Dieser Kernbereich stellt die Determinationsthese sowie das Intereffikationsmodell gegenüber und reflektiert deren wissenschaftliche Kritik.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Zukunft des Journalismus unter dem Einfluss von Kommerzialisierung und PR-Einflussnahme.
Schlüsselwörter
Journalismus, Public Relations, PR, Determinationsthese, Intereffikationsmodell, Informationsselektion, Gatekeeper, Medienberichterstattung, Öffentlichkeitsarbeit, Journalistische Unabhängigkeit, Kommunikation, Medien, Kommerzialisierung, Medienethik, Pressefreiheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Journalismus und PR, speziell die Frage, wie stark PR die journalistische Arbeit determiniert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Definition beider Berufsfelder, Theorien ihrer wechselseitigen Beeinflussung und die Auswirkungen auf die journalistische Qualität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Analyse der Beziehung zwischen PR und Journalismus, um die Wahrung der journalistischen Unabhängigkeit zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Auseinandersetzung mit kommunikationswissenschaftlicher Literatur und empirischen Modellen wie Input-Output-Analysen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Ansätze zur PR-Journalismus-Beziehung, insbesondere die Determinationsthese und das Intereffikationsmodell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Journalismus, Public Relations, Determination, Intereffikation, Gatekeeper und Medienqualität sind zentrale Begriffe.
Wie unterscheidet sich die Determinationsthese vom Intereffikationsmodell?
Die Determinationsthese geht von einer einseitigen Steuerung des Journalismus durch PR aus, während das Intereffikationsmodell eine gegenseitige Abhängigkeit betont.
Welchen Einfluss hat die Kommerzialisierung auf den Journalismus laut der Arbeit?
Die zunehmende Kommerzialisierung führt zu Stellenabbau und Zeitdruck, wodurch Journalisten anfälliger für die Übernahme von PR-Material werden.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2014, Der Einfluss von Public Relations auf die journalistische Berichterstattung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376290