In der Seminararbeit werden die makroökonomischen Folgen einer alternden Bevölkerung diskutiert, wobei der Schwerpunkt auf der langfristigen Betrachtung des Wirtschaftswachstums liegt. Dabei wird die Frage beantwortet, inwiefern sich der Prozess der Alterung auf die Innovationskraft und Arbeitsproduktivität der arbeitenden Bevölkerung auswirkt, um dadurch Rückschlüsse auf den technischen Fortschritt und somit auf die Entwicklung des langfristigen Wirtschaftswachstums in Deutschland zu ziehen.
Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut: In Kapitel 2 werden die wesentlichen Merkmale der Bevölkerungsalterung in Deutschland beschrieben. Kapitel 3.1 diskutiert die Auswirkungen einer alternden Bevölkerung im Hinblick auf die neoklassische Wachstumstheorie, insbesondere auf die endogene Wachstumstheorie. Um die Plausibilität der Ergebnisse der Wachstumstheorie zu testen, wird in Kapitel 3.2 die Arbeitsproduktivität und in Kapitel 3.3 die Innovationskraft älterer Arbeitnehmer theoretisch und empirisch analysiert. Das letzte Kapitel fasst die Arbeit zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Bevölkerungsalterung in Deutschland
3 Demographische Entwicklung und Wirtschaftswachstum
3.1 Wachstumstheoretische Perspektiven
3.2 Arbeitsproduktvität im Alter
3.3 Innovationskraft einer alternden Bevölkerung
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die makroökonomischen Auswirkungen des demographischen Wandels in Deutschland, mit besonderem Fokus auf das langfristige Wirtschaftswachstum, die Arbeitsproduktivität und die Innovationskraft einer alternden Gesellschaft unter Berücksichtigung verschiedener wachstumstheoretischer Modelle.
- Demographischer Wandel und Bevölkerungsalterung in Deutschland
- Endogene und semi-endogene Wachstumstheorie
- Kognitive Leistungsfähigkeit und Arbeitsproduktivität im Alter
- Innovationsfähigkeit und Innovationsbereitschaft älterer Arbeitnehmer
- Empirische Analyse des Zusammenhangs zwischen Alter und Produktivität
Auszug aus dem Buch
3.1 Wachstumstheoretische Perspektiven
Im Sinne einer gesamtwirtschaftlichen Produktion, ausgedrückt durch das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf macht es für den Wohlstand einer Nation langfristig keinen Unterschied, ob deren Bevölkerung ab- oder zunimmt. Vielmehr kommt es in diesem produktionstheoretischen Ansatz neben dem Kapitalbestand und der totalen Faktorproduktivität auf das Arbeitsvolumen an (vgl. Gemeinschaftsdiagnose 2015, S. 42). Eine Veränderung der Bevölkerungsstruktur bringt hingegen mehrere Veränderungen mit sich.
Die durch Solow (1956) geprägte neoklassische Wachstumstheorie, kam in ihren Anfängen zu dem Ergebnis, dass exogenes konstantes Bevölkerungswachstum und konstanter exogener technischer Fortschritt langfristig zu wachsenden Löhnen, Pro-Kopf-Einkommen und Kapitalintensität führt. Wenn sich das Bevölkerungswachstum verlangsamt, steigt die Sparquote und das Volkseinkommen (vgl. Romer 2012 S. 27ff). Chen und Lai (2011) erweiterten dieses Modell, indem sie von negativem Bevölkerungswachstum und somit auch von einem sinkenden Arbeitsangebot ausgehen. Dabei kommen sie durch eine formale Herleitung zu dem Ergebnis, dass das Volkseinkommen deutlich ansteigt, was sie selbst als zu optimistisch und für die Anwendung auf die Realität und als wenig brauchbar erachten (vgl. Chen und Lai 2011, S. 38). An diesem Beispiel werden die Grenzen des Modells und der Anfänge der neoklassischen Wachstumstheorie deutlich.
Durch die Exogenität von technischem Fortschritt und Bevölkerungswachstum können Interdependenzen, die für die Erklärung der Auswirkung einer veränderten Bevölkerungsstruktur ausschlaggebend sind, nicht berücksichtigt werden (vgl. Rürup und Klopfleisch 1999, S. 41). Ferner lassen sich neben dem Solow Modell auch bei Cass (1965), Koopmans (1965) und Diamond (1965) nur Leveleffekte und keine Wachstumseffekte des Outputs pro Kopf feststellen. Zudem zeigen empirische Untersuchungen, dass ein Großteil der Wachstumsrate des Outputs auf den technischen Fortschritt zurückgehen und nicht auf die quantitativen Variationen der Faktoreinsätze von Kapital und Arbeit (vgl. Romer 2012, S.145). Dadurch wird deutlich, dass das Bevölkerungswachstum und damit das Arbeitskräftepotential in der Neoklassik zwar einen Einfluss auf das wirtschaftliche Wachstum haben, die eigentliche Ursache, nämlich der technische Fortschritt bis in die 1980er Jahre im Wesentlichen unerklärt bliebe.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des demographischen Wandels ein und umreißt die Zielsetzung, makroökonomische Folgen für Wachstum, Produktivität und Innovation zu analysieren.
2 Die Bevölkerungsalterung in Deutschland: Dieses Kapitel beschreibt die wesentlichen demographischen Trends, wie steigende Lebenserwartung und niedrige Fertilitätsraten, die zur Alterung der deutschen Bevölkerung führen.
3 Demographische Entwicklung und Wirtschaftswachstum: In diesem zentralen Kapitel werden theoretische Wachstumsmodelle sowie die empirische Forschung zur Arbeitsproduktivität und Innovationskraft im Alter diskutiert.
4 Zusammenfassung: Das letzte Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Alterung keine negativen Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung haben muss, wenn Rahmenbedingungen angepasst werden.
Schlüsselwörter
Demographischer Wandel, Bevölkerungsalterung, Wirtschaftswachstum, Endogene Wachstumstheorie, Arbeitsproduktivität, Innovationskraft, Humankapital, Kristalline Intelligenz, Fluide Intelligenz, Innovationsbereitschaft, Fachkräfteangebot, Alterssicherung, Deutschland, Technischer Fortschritt, Produktinnovation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Seminararbeit behandelt die makroökonomischen Effekte einer alternden Bevölkerung in Deutschland mit Fokus auf langfristigem Wachstum, Produktivität und Innovationsfähigkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die demographische Entwicklung, die neoklassische und endogene Wachstumstheorie, die kognitive Leistungsfähigkeit im Alter und das Innovationsverhalten von Arbeitnehmern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Bevölkerungsalterung die Innovationskraft und Arbeitsproduktivität beeinflusst, um Rückschlüsse auf das langfristige Wirtschaftswachstum in Deutschland zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische und empirische Literaturarbeit, die verschiedene ökonomische Wachstumsmodelle und empirische Studien analysiert und kritisch gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Bevölkerungsalterung, die theoretische Analyse des Zusammenhangs von Demographie und Wachstum sowie die detaillierte empirische Untersuchung von Produktivität und Innovation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören demographischer Wandel, Humankapital, Arbeitsproduktivität, Innovationskraft, endogene Wachstumstheorie und Arbeitsumfeld.
Warum ist das Alter der Arbeitnehmer laut der Arbeit oft kein entscheidender Faktor für Produktivität?
Die Arbeit zeigt, dass die kognitive Leistungsfähigkeit durch kristalline Intelligenz kompensiert werden kann und die Produktivität stärker durch institutionelle Rahmenbedingungen und das Arbeitsumfeld als durch das chronologische Alter bestimmt wird.
Welche Rolle spielen Innovationsbereitschaft und Innovationsfähigkeit in der Arbeit?
Die Arbeit differenziert zwischen beiden Begriffen und kommt zu dem Ergebnis, dass die Innovationsfähigkeit weniger vom Alter, sondern primär von den gestellten Aufgaben und dem betrieblichen Umfeld abhängt.
- Arbeit zitieren
- Tobias Kohlstruck (Autor:in), 2017, Makroökonomische Effekte einer alternden Bevölkerung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376354