Mk 4,35-41. Eine Exegese


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

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Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung...03
2.
Gattungsanalyse...03
2.1. Motive...04
2.2. Fazit...06
2.3. Sitz im Leben...06
3.
Redaktionsanalyse ­ Synopse...07
3.1.Vergleich...10
3.2. Fazit...13
4.
Schluss...15
5.
Literaturverzeichnis...16

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1.
Einleitung
Diese Arbeit beinhaltet die Herausarbeitung der gattungs- und redaktions-
analytischen Aspekte der neutestamentlichen Sturmstillungsperikope, in besonderem
Maße der Bibelstelle des Markusevangeliums. So liegt der Schwerpunkt dieser
Abfassung auf Mk 4,35-41, nimmt jedoch ebenfalls durch einen synoptischen
Vergleich Bezug auf Mt 8,23-27 und Lk 8,22-25. Die im Hauptteil folgende
Gattungsanalyse der Markusstelle basiert auf dem ,,Kompositionsgefüge von
Wundergeschichten" von G. Theißen und beinhaltet sowohl die Zuordnung des
Textes zu seiner Gattung, wie auch eine Darstellung des inhaltlichen Aufbaus der
Wundergeschichte und der darin enthaltenen Sinn-abschnitte. Des Weiteren wird
diese Perikope, entnommen aus dem Münchener Neuen Testament,
redaktionskritisch analysiert und im Vergleich zu der Matthäus- und Lukaspassage
nach sprachlich-stilistischen und inhaltlichen Kriterien ausgewertet. Unter
Begutachtung der zu herausarbeitenden Unterschiede und Übereinstimmungen folgt
zum Schluss eine Reflexion der behandelten Texte, bzw. ein Gesamturteil über die
zugrunde liegenden Textauszüge, das unter anderem anhand einer zuvor erstellten
Kolometrie ersichtlich wird. Das theologische Interesse liegt darin, die
Auswirkungen der Unterschiede und Gemeinsamkeiten aller Textinhalte in Bezug
auf die Evangelisten hervorzuheben und Rückschlüsse auf die Redaktion bzw.
Entstehung der Abschnitte in einem Großzusammenhang zu eröffnen.
2.
Gattungsanalyse
In der folgenden Gattungsanalyse werden die Motive im Kompositionsgefüge der
vorliegenden Wundergeschichte herausgestellt und der dazugehörige schematische
Aufbau anhand von G. Theißens Darstellung erläutert.
Die Sturmstillungsperikope (Mk 4,35-41) lässt sich der Gattung ,,Wunder-
geschichte" zuordnen und äußert sich detaillierter als ein Rettungs- bzw.
Naturwunder, da Jesus direkt in die Naturgewalten eingreift und somit nicht nur
seine Schüler rettet, sondern ebenfalls seine Macht der Natur gegenüber präsentiert.
Ein weiteres diesem Natur- und Rettungswunder ähnliches Geschehnis lässt sich erst
im sechsten Kapitel des Markusevangeliums wiederfinden, in dem ebenfalls die
Stillung eines Seesturms beschrieben wird und somit eine rahmende Einheit zu
erkennen ist. Die zu analysierende Textstelle wird durch eine Dämonenaustreibung
in den darauf folgenden Passagen ergänzt und dadurch als eigene, kleine

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Wundereinheit abgegrenzt. Ihr voraus ging eine durch Jesu Gleichnisse beschriebene
Erklärung des Königtums Gottes (Mk 4,26), die unter anderem das Gleichnis des
Senfkorns beinhaltet. Dieser Erklärungsversuch verschiedener Gegebenheiten (Mk
4,3-32) bildet die einleitende Funktion der zu behandelnden Wundergeschichte. Die
zuvor erwähnten Gleichnisse legt er seinen Schülern aus (Mk 4,34). Eine Verbindung
zu diesen Textabschnitten bzgl. des Markus-evangelisten wird in der
Redaktionsanalyse aufgegriffen und erläutert.
2.1. Motive
In der Einleitung des Rettungswunders werden die Hilfsbedürftigen nicht direkt als
Volksmenge oder Schüler identifiziert (4,35a), da es lediglich heißt: ,,Und er sagt
ihnen an jenem Tag". Das Pronomen ,,ihnen" lässt sich möglicherweise auf die
Volksmenge und die Schüler beziehen, da es in Mk 4,10 heißt: ,,Und als er allein
war, fragten ihn die um ihn mit den Zwölf nach den Gleichnissen". Eine deutliche
Zuordnung zu einer jeweiligen Personengruppe gibt es im Verlauf der Verse bis Mk
4,35 aber ebenfalls nicht, da der Autor mit ,,Und er sagt/e ihnen" einleitet. Durch Mk
4,34 kann jedoch vermutet werden, dass Jesus in 4,35 seine Schüler anspricht, da es
in 4,34 heißt, er würde nur sich und seinen Schülern die gesprochenen Gleichnisse
auslegen. An jenem Abend desselben Tages, an dem er die Gleichnisse auslegte, ist
noch nicht bekannt, welche Situation die Hilfsbedürftigen ereilen wird, der Anbruch
des Abends gibt jedoch einen Hinweis darauf.
1
Der Markusevangelist bereitet die
Rettungsszene vor, indem er die Menge und Jesus zum ,,Gegenüber" (4,35c) fahren
lässt. Ein Auftreten von Gegenspielern oder Gegnern liegt nicht vor. In 4,36a lässt
Jesus die Volksmenge am Ufer zurück, die Jünger nehmen Jesus in eines der Boote
auf (4,36b). Da von mehreren Booten die Rede ist (4,36d), wird hier nicht deutlich,
ob sich auch Personen der zuvor zurück gelassenen Volksmenge in Booten befinden
und Jesus folgen. Ab dieser Textstelle kommt die Einleitung in die
Wundergeschichte zu ihrem Schluss, die Basis für die Rettung und das Naturwunder
ist geschaffen, da sich nun alle Personen auf der Überfahrt befinden.
Die Exposition der Wundergeschichte gestaltet sich durch die Charakterisierung der
Not. Diese Not wird durch einen großen Sturmwind (4,37a) und die dazugehörigen
Wellen beschrieben. Durch die aufgekommenen Wellen und das sich mit Wasser
1
Vgl. W. Schmithals, Das Evangelium nach Markus (ÖTK I/2), Würzburg 1979, 255.

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füllende Boot steigt die Gefahr der Personen zu ertrinken. Das Motiv der
Erschwernis lässt sich anhand des schlafenden Jesus erkennen, der sich auf dem
Kopfkissen ruhend im Heck des Bootes befindet (4,38a). Somit knüpft ein Sich-
Entziehen des Wundertäters der Situation an. Ein Zuspruch Jesu wie auch eine
pneumatische Erregung lassen sich im Verhalten des Retters nicht erkennen. Durch
das Schlafen wird die Stimmung aus der Sicht des Wundertäters als eher ruhig
empfunden. Dem entgegen wirkt die Annäherung der Hilfsbedürftigen an den
Wundertäter. Durch die möglicherweise rhetorisch gestellte Frage: ,,Lehrer, nicht
kümmert dich, daß wir vernichtet werden?" (4,38e-f), wird zugleich ein Hilferuf
geäußert, wie auch das Bitten der Bedürftigen zur Rettung. Dem Wunder
vorangehend wird in der Mitte der Geschichte die Szenerie insofern verändert, als
dass der Gemütszustand Jesu wechselt und er aufgeweckt dem Sturm entgegen
blickt. Der Markusevangelist lässt den Sturm und die Wellen durch wunder-wirkende
Worte Jesu stillen, sowohl Berührungen des Wassers, als auch heilende Mittel oder
ein Gebet Jesu, sind an dieser Stelle nicht vorzufinden. Anstatt den hilfesuchenden
Menschen Mut zuzusprechen, wendet sich Jesus direkt an das Meer und den Wind.
Er lässt die Mitmenschen außen vor. Die Wirkmacht des Wunders wird deutlich,
indem durch die Worte: ,,schweig, sei stumm!", große Stille einkehrt. Erst nach der
Sturmstillung widmet sich Jesus der Personengruppe, die nun als Gegenspieler zum
Wundertäter gesehen werden kann. Durch die Fragen ,,Was seid ihr feige? Noch
nicht habt ihr Glauben?" (4,40b-c) lässt sich vermuten, dass das Motiv der
pneumatischen Erregung auf den Gemütszustand des Wundertäters trifft. Jesus stellt
diese Fragen ohne vorige Anrede, formuliert sie sehr direkt und lässt keine Zeit zur
Antwort. Daraus lässt sich schließen, dass er über das Verhalten der Jünger
enttäuscht, oder sogar wütend sein könnte. Zum Schluss fügt sich das Motiv der
Admiration ein, da sich die Personen in großer Furcht zeigen. ,,Und sie fürchteten
sich in großer Furcht" (4,41a). Auf den Ausdruck dieser Furcht folgt keine
sprachliche Stellungnahme bzw. Akklamation Jesus gegenüber. Der Markus-
evangelist bringt lediglich zum Ausdruck, dass sich ein ehrfürchtiges Staunen in der
Menschenmasse bildet, sodass diese sich gegenseitig fragt, wer also genau dieser
Mensch sei, dem auch der Wind und das Meer gehorchen würden (4,41c). Der
Schluss der Wundergeschichte gestaltet sich kurz, da weder das Geheim-
haltungsgebot angesprochen, noch die Ausbreitung des Rufes Jesu erwähnt wird.
Erst zum späteren Zeitpunkt, nach einer weiteren Wundertat bzw. Dämonen-

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austreibung Jesu, veranlasst dieser selbst den ehemals Besessenen seine Heilung zu
verkünden und den Seinigen zu melden, wie viel der Herr ihm getan habe (Mk
5,19f).
2.2. Fazit
Am Anfang des fünften Kapitels wird das offene Ende der Sturmstillungsperikope
fortgeführt. Die Menschenmenge mitsamt Jesus ,,kamen zum Gegenüber des Meeres
ins Land der Gerasener" (Mk 5,1). Zu diesem Zeitpunkt stellt Jesus seine Wirkmacht
erneut unter Beweis und unterzieht den um Hilfe bettelnden Mann einer
Dämonenaustreibung. Eine weitere deutliche Anerkennung des zuvor geschehenen
Wunders der Sturmstillung bleibt aus, auch erhalten die Menschen, die sich zuvor
fragten, wer denn nun dieser Mann (Jesus) sei (4,41c-d) keine Antwort. Durch die
Reduzierung der expositionellen Motive des Markusevangelisten auf ein Minimum
und das eher offen gestaltete Ende, in dem keine weitere Kommunikation zwischen
Jesus und der Menschenmenge von statten geht, wirkt die Wundergeschichte
kompakt. Das Nachfolgemotiv wird nicht aufgegriffen. So kann man
zusammenfassend sagen, dass in Mk 4,35-41 der Schwerpunkt des Wunders auf dem
Unglauben der Mitmenschen bzw. der Jünger liegt, die Jesus auf der Überfahrt nach
Gerasa begleiteten. Die Sturmstillung an sich rückt zwar kurz in den Mittelpunkt,
das darauf folgende und vor allem von der Volksmenge kommentierte Resultat bildet
jedoch den Hintergrund des Wunders. Zusätzlich wird der Fokus auf das Motiv des
Vertrauens in den eigenen Glauben an Jesus gelegt. In besonderem Maße tritt im
Kompositionsgefüge der Wundergeschichte die Wirkmacht Jesu hervor, da durch
wenige Worte seine Macht repräsentiert werden kann.
2.3. Sitz im Leben
Die Gattung Wundergeschichte findet in der damaligen Zeit ihren Sitz im Leben mit
dem Ziel, die Macht Jesu zu präsentieren und den Menschen eine immer
wiederkehrende greifbare Basis ihres Glaubens zu schenken. Die Tatsache, dass vor
den Augen der Menschen ein Wunder geschieht, das man bisweilen sogar selbst
erkennen und beurteilen konnte, geht über den menschlichen Horizont hinaus und
lässt sich durch weltliche Erkenntnisse, die im Laufe des Lebens gesammelt wurden,
nicht erklären. So wird nicht nur das menschliche Urteilsvermögen auf die Probe
gestellt, sondern ebenfalls die Kraft des Glaubens an das Unerklärliche verstärkt.
Dies geschieht in besonderem Maße, wenn die wissenschaftlich erklärbaren Grenzen
Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Mk 4,35-41. Eine Exegese
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V376534
ISBN (eBook)
9783668537552
ISBN (Buch)
9783668537569
Dateigröße
1027 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Markusevangelium, Matthäusevangelium, Lukasevangelium, Gerd Theißen, Perikope
Arbeit zitieren
Katharina Grothof (Autor), 2015, Mk 4,35-41. Eine Exegese, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376534

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