Im Rahmen dieser schriftlichen Arbeit soll ein Überblick über das Phänomen Geschäfts/ Firmenwert bzw. international: Goodwill verschafft werden. Goodwill hat sich über eine Periode von ca. 450 Jahren entwickelt, deswegen wird eine Annäherung über die Geschichte erfolgen. Anschließend wird der Begriff und seine Abgrenzung definiert.
Die rechtliche Würdigung besteht aus der bilanzrechtlichen Situation derzeit im HGB und dem internationalen Rechnungslegungsstandart des IASB. Wie sich im Verlauf der Arbeit zeigen wird, ist der Geschäfts- oder Firmenwert (GoF) höchst differenziert zu betrachten und eine Frage der Perspektive. Fragen bezüglich des GoF treten bei Unternehmensverkäufen, Veräußerung von Mitunternehmeranteilen oder sogar nur Anteilskäufen auf, je nach Größe des Unternehmens im Einzelabschluss oder Konzernabschluss. Für bestimmte Konzerne sind die IFRS Regelungen des IASB relevant.
Aufgrund der Komplexität des Themas mit seinen vielen verschiedenen Ausprägungen ist der tatsächliche Anspruch dieser Arbeit einen Überblick über das Thema GoF mit seinen vielen rechtlichen Aspekten zu schaffen. Entsprechend wird auch im vorletzten Kapitel verfahren, wo wiederrum ein Überblick über das bekannte Bewertungsverfahren zur Unternehmenswertermittlung gegeben wird. Im letzten Kapitel wird die Wandlung der Gigaset Sparte der Siemens AG bis hin zum eigenen börsennotierten Unternehmen beleuchtet mit Aufgriff verschiedener Aspekte des GoF.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geschichtlicher Überblick
2.1 Erste Aufzeichnungen
2.2 Beginnende Regulierung
2.3 IAS 22, 1983
2.4 Entwicklung in Deutschland
3 Definitionen
3.1 Geschäftswert
3.2 Unternehmenszusammenschlüsse
3.3 Kapitalkonsolidierung
4 Rechtliche Situation
4.1 National
4.1.1 Originärer Geschäftswert
4.1.2 Derivativer Geschäftswert
4.2 Internationaler Rechnungslegungsstandard
4.2.1 IFRS Grundlagen
4.2.2 Behandlung des Goodwill
4.3 Firmenwert im Rahmen der Konzernrechnungslegung
4.3.1 Grundlagen
4.3.2 Neubewertungsmethode
5 Der negative Geschäftswert
5.1 Fallkonstellationen
5.2 National
5.2.1 Der negative Firmenwert im Asset- Deal (Einzelabschluss)
5.2.2 Share- Deal im Zuge der Konzernrechnungslegung
5.3 IFRS Regelwerk
6 Wertermittlung
6.1 Gesamtbewertungsverfahren
6.2 Einzelbewertungsverfahren
6.3 Mischverfahren
6.4 Exemplarisch: Brutto- Methode des Discounted- Cashflow- Verfahrens
7 Darstellung eines börsennotierten Falles
7.1 Beteiligungssachverhalt
7.2 Rechtliche Einordnung
7.3 Bewertung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen umfassenden Überblick über das Phänomen des Geschäfts- oder Firmenwerts (GoF) zu geben, dessen Entwicklung nachzuzeichnen und die komplexen rechtlichen sowie betriebswirtschaftlichen Aspekte bei Unternehmensverkäufen und in der Konzernrechnungslegung zu beleuchten.
- Historische Entwicklung des Goodwill über ca. 450 Jahre
- Bilanzrechtliche Behandlung nach HGB und IFRS
- Differenzierung zwischen positivem und negativem Geschäftswert
- Methoden der Unternehmenswertermittlung (insb. Discounted Cashflow)
- Fallstudie zur Abspaltung der Gigaset-Sparte der Siemens AG
Auszug aus dem Buch
4.1.2.2.1 Grundsatz
Im Rahmen der Erstbewertung (Asset Deal) ist ein GoF mit seinen Anschaffungskosten anzusetzen.
Der GoF gilt als zeitlich begrenzter Vermögensgegenstand, das heißt, dass eine Bewertung gem. § 253 I, III HGB mit den Anschaffungskosten abzüglich der planmäßigen Abschreibung erfolgt. Dem Grunde nach gilt ein Abschreibungszeitraum von 5 Jahren, eine längerer Abschreibungszeitraum ist im Anhang zu begründen, § 285 S. 1 Nr. 13 HGB.
Eine Ermittlung der Nutzungsdauer erfolgt individuell unter Berücksichtigung der rechtlichen, wirtschaftlichen und technischen Einzelheiten des angekauften Unternehmens.
Die handelsrechtliche Beurteilung erfolgt völlig unabhängig von etwaigen steuerrechtlichen Regelungen.
Zu beachten ist, dass bei einem Share Deal, bei beherrschender Beteiligung ggf. ein Konzern entsteht und somit eine Konzernbilanz zu erstellen ist. Zur Vermeidung eines doppelten Ausweises von Bilanzpositionen ist im Rahmen der Konzernrechnungslegung eine Kapitalkonsolidierung durchzuführen (vgl. 4.3).
Entsteht kein Konzern erfolgt lediglich eine Bewertung der Beteiligung zu Anschaffungskosten.
Werden Anteile an Personengesellschaften gekauft, so werden diese, anders als im Steuerrecht, handelsrechtlich als eigener Vermögensgegenstand betrachtet und somit mit Anschaffungskosten bilanziert. Dasselbe gilt für den Erwerb von Aktien an einer anderen Gesellschaft, nur dass hier steuerrechtlich hinsichtlich der Art des Bilanzausweises keine Probleme bestehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Firmenwerts für die Konzernrechnungslegung ein und skizziert den Aufbau der Untersuchung von der historischen Entwicklung bis hin zur praktischen Fallanalyse.
2 Geschichtlicher Überblick: Das Kapitel erläutert die Ursprünge des Geschäftswerts ab 1571 und die spätere Notwendigkeit einer Regulierung, die im 20. Jahrhundert durch internationale Standards wie IAS 22 eingeleitet wurde.
3 Definitionen: Hier werden die zentralen Begriffe rund um den Geschäftswert, Unternehmenszusammenschlüsse sowie die technischen Anforderungen der Kapitalkonsolidierung definiert und abgegrenzt.
4 Rechtliche Situation: Dieses Kapitel analysiert detailliert die nationale und internationale Bilanzierungspraxis für originäre sowie derivative Firmenwerte und erläutert die verschiedenen Bewertungsmethoden.
5 Der negative Geschäftswert: Es wird untersucht, wie mit "Badwill" umzugehen ist, wobei die Problematik der Bilanzierung und die verschiedenen theoretischen Lösungsansätze im HGB und IFRS diskutiert werden.
6 Wertermittlung: Das Kapitel stellt die gängigen betriebswirtschaftlichen Methoden zur Unternehmensbewertung vor, insbesondere Gesamt- und Einzelbewertungsverfahren sowie Mischverfahren, und vertieft die Brutto-Methode des DCF-Verfahrens.
7 Darstellung eines börsennotierten Falles: Anhand der Abspaltung der Gigaset-Sparte von der Siemens AG wird die praktische Anwendung der zuvor diskutierten Konzepte, insbesondere bei einem negativen Kaufpreis, verdeutlicht.
Schlüsselwörter
Geschäfts- oder Firmenwert, Goodwill, Bilanzierung, HGB, IFRS, Kapitalkonsolidierung, Unternehmensbewertung, Discounted Cashflow, Asset Deal, Share Deal, negativer Geschäftswert, Badwill, Konzernabschluss, Neubewertungsmethode, Unternehmenswertermittlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Rechtsfragen und der bilanziellen Behandlung des Geschäfts- oder Firmenwerts (GoF) bei Unternehmenszusammenschlüssen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die historische Evolution, die nationale und internationale gesetzliche Regulierung (HGB vs. IFRS), Methoden der Unternehmenswertermittlung und die Behandlung von negativem Goodwill.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen fundierten Überblick über das Phänomen des Firmenwerts zu geben und die komplexen rechtlichen Aspekte, insbesondere bei der Abspaltung und dem Erwerb von Unternehmen, verständlich aufzuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Rechnungslegungsstandards und Rechtskommentare, ergänzt durch eine exemplarische Fallstudie zur praktischen Anwendung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Definitionen, rechtliche Rahmenbedingungen der Bilanzierung, eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dem negativen Firmenwert sowie die Darstellung betriebswirtschaftlicher Wertermittlungsverfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Goodwill, HGB, IFRS, Kapitalkonsolidierung, Asset Deal, Share Deal, negativer Geschäftswert und DCF-Verfahren.
Wie unterscheidet sich die Behandlung des Firmenwerts im Asset Deal von der im Share Deal?
Beim Asset Deal werden einzelne Wirtschaftsgüter übertragen, was einen derivativen GoF im Einzelabschluss auslösen kann, während beim Share Deal Anteile erworben werden, bei denen ein Goodwill primär in der Kapitalkonsolidierung des Konzernabschlusses relevant wird.
Warum wird im Rahmen der Gigaset-Fallstudie von einem "negativen Kaufpreis" gesprochen?
Der negative Kaufpreis resultiert aus einer Übertragung, bei der die einzubringenden Kapitalkonten und Verbindlichkeiten den gezahlten Barbetrag überstiegen, was buchhalterisch als negativer Goodwill bzw. Unterschiedsbetrag abgebildet wird.
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- Alexander Hessler (Autor), 2017, Geschäfts- und Firmenwert oder Goodwill. Ein bilanzieller Problemfall?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376573