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Das Konzept der "Offenen Tür" in der akutpsychiatrischen Regelversorgung

Und dessen Wirkung auf Zwangsmaßnahmen und Zwangsbehandlungen von Patienten

Título: Das Konzept der "Offenen Tür" in der akutpsychiatrischen Regelversorgung

Tesis (Bachelor) , 2017 , 117 Páginas , Calificación: 1,3

Autor:in: Cedric Butze (Autor)

Ciencias de la enfermería - Gestión de enfermería
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Trotz grundlegender Reformen bei der Behandlung von Patienten ist Zwang in der deutschen Psychiatrie noch immer weit verbreitet. Jede Zwangsbehandlung sowie jede Zwangsmaßnahme stellt dabei einen gravierenden Grundrechtseingriff dar. In einer Stellungnahme der zentralen Ethikkommission der Deutschen Ärztekammer hat Wiesing im 'Deutschen Ärzteblatt' festgestellt, dass dieses Bewusstsein bei den Fachkräften in der Psychiatrie nicht immer vorhanden zu sein scheint. Das Statement und die ethische Brisanz dieses Themas zeigen Mängel sowie den großen Handlungsbedarf in der psychiatrischen Praxis.

Vor diesem Hintergrund entstand ein Umdenken hin zu einer Psychiatrie, die Zwang, Türschließung, Restriktion und Isolation in der Behandlung psychiatrisch erkrankter Menschen so weit wie möglich reduziert. Das Konzept "Offenen Tür" wird bereits in mindestens zwanzig psychiatrischen Kliniken in Deutschland praktiziert und gilt dennoch mancherorts noch als unrealistische Vision.

In dieser Publikation stellt der Autor die Öffnung von psychiatrischen Abteilung im Krankenhaus und einhergehende Konzepte auf institutioneller und organisatorischer Ebene in der akutpsychiatrischen Regelversorgung dar und vergleicht diese. Außerdem untersucht er in diesen Zusammenhang, inwieweit diese Ansätze dazu beitragen können, Zwangsmaßnahmen und -behandlungen von Patienten zu reduzieren. Darüber hinaus schließt der Autor rechtliche Fragestellungen ein, die sich in psychiatrische Einrichtungen mit offenen Eingangstüren stellen. In diesem Zuge klärt er beispielsweise, ob das Konzept der „offenen Türen“ überhaupt rechtlich zulässig ist und gerichtliche Unterbringung trotz geöffneter Türen durchgeführt werden kann.

Aus dem Inhalt:
- Psychiatriereform;
- Akutpsychiatrie;
- Zwangsmaßnahmen;
- Versorgungssystem;
- Gemeindepsychiatrie;
- Home Treatment;
- Soteria

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ziele der Arbeit und methodisches Vorgehen

2.1 Zielsetzung und Fragestellung

2.2 Literaturrecherche

3 Reformen in der Psychiatrie und der aktuelle Stand in Deutschland nach den Reform-Beschlüssen und -Verfahren

3.1 Psychiatrie-Enquête

3.2 Rodewischer Thesen

3.3 UN-Behindertenrechtskonvention

3.4 Zusammenfassung

4 Das psychiatrische Versorgungssystem

4.1 Zum Verständnis von Psychiatrie

4.2 Die gemeindenahe Psychiatrie und dessen Bedeutung für die psychiatrische Versorgungslandschaft

4.3 Die Säulen des gemeindepsychiatrischen Versorgungssystems

4.3.1 Stationäre und teilstationäre Versorgung

4.3.2 Ambulante (medizinische) Versorgung

4.3.3 Komplementäre Versorgung

4.3.4 Besondere psychiatrische Versorgung

4.4 Akutpsychiatrische Behandlungsformen

4.4.1 Das akutpsychiatrische Behandlungssetting im Krankenhaus

4.4.2 Das akutpsychiatrische Behandlungssetting im häuslichen Umfeld

4.5 Zusammenfassung und Fazit

5 Aspekte zu Zwang in der psychiatrischen Akutversorgung

5.1 Zwangsmaßnahmen und Zwangsbehandlung

5.2 (Zwangs-)Unterbringung und rechtliche Rahmenbedingungen

5.2.1 Betreuungsrechtliche Unterbringung

5.2.2 Öffentlich-rechtliche Unterbringung

5.3 Kriterien für Zwang in der psychiatrischen Versorgung

5.3.1 Psychische Krankheit

5.3.2 Selbst- und Fremdgefährdung

5.3.3 Freie Willensbestimmung und Einwilligungsfähigkeit

5.4 Zwang in Zahlen und Stand der Forschung

5.5 Anwendung von Alternativmaßnahmen zur Reduktion von Zwang in der akutpsychiatrischen Praxis

5.6 Mängel in der Praxis und Maßnahmen zur Reduktion von Zwang auf struktureller und institutioneller Ebene

5.7 Zusammenfassung

6 Besonderheiten in der psychiatrischen Akutversorgung und Veränderungen auf der Struktur- und Organisationsebene

6.1 Stigmatisierung von psychiatrischen Akutpatienten

6.2 Die Krankenhauskultur auf psychiatrischen Akutstationen

6.3 Geschlossene versus offene Stationsführung in der akutpsychiatrischen Regelversorgung

6.3.1 Rechtliche Aspekte

6.3.2 Reduktion von Zwangsmaßnahmen durch das Konzept der "offenen Türen"

6.4 Konsequenzen für Struktur und Versorgung in der Psychiatrie

6.4.1 Darstellung einzelner Ansätze

6.5 Zusammenfassung

7 Zusammenfassung

8 Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Öffnung von psychiatrischen Abteilungen im Krankenhaus sowie die damit verbundenen institutionellen und organisatorischen Konzepte in der akutpsychiatrischen Regelversorgung darzustellen und zu vergleichen. Dabei wird insbesondere untersucht, inwieweit diese Ansätze dazu beitragen können, Zwangsmaßnahmen und -behandlungen zu reduzieren.

  • Das Konzept der "offenen Tür" in der Akutpsychiatrie
  • Reduktion von Zwang und Zwangsmaßnahmen
  • Strukturwandel und Organisationsformen in psychiatrischen Kliniken
  • Stigmatisierung von psychiatrischen Akutpatienten
  • Integration gemeindenaher Versorgungsansätze

Auszug aus dem Buch

6.3 Geschlossene versus offene Stationsführung in der akutpsychiatrischen Regelversorgung

Üblicherweise werden Patienten, die in der Akutpsychiatrie behandelt werden oder nach Betreuungsrecht oder PsychKG untergebracht sind, fast ausnahmslos auf geschlossenen Stationen aufgenommen. In den allermeisten der über 400 psychiatrischen Kliniken in Deutschland gibt es geschlossene Stationen oder geschlossene Bereiche. Geschlossene Türen führen oft zu einem bedrückenden und bedrohlichen Stationsklima, welches durch Aggressionen, Kontrolle, Machtdemonstration und eingeschränkter Freiheiten gekennzeichnet ist. Der Alltag auf einer geschlossenen psychiatrischen Akutstation ist neben der hohen Varianz an routinemäßig eingesetzten Zwangsmaßnahmen und häufigeren Zwangsbehandlungen geprägt von angespannter und unzufriedener Stimmung mit hoch suizidalen, selbstschädigenden und fremdaggressiven Patienten, die neben lautstarken Erregungszuständen, Fehlverhalten aufzeigen und häufig die Flucht versuchen.

Dies ist unter anderem dadurch begründet, dass es sich naturgemäß häufig um diagnoseübergreifende Akutstationen handelt. Das heißt, dass verschiedene psychische Störungen, von der Demenz über die Schizophrenie und den Suchterkrankungen, bis hin zu schwer suizidalen depressiven und dekompensierten persönlichkeitsgestörten Patienten behandelt werden. Infolgedessen kommt es zu einem Crowding von Schwerkranken. Der Begriff „Crowding“ ist verbunden mit der Zunahme der Behandlungsrate, der Überbelegung einer Station sowie die Konzentration von Akutpatienten auf einer Station. Crowding kommt eher auf geschlossenen (Aufnahme-)Stationen vor und bewirkt ein erhöhtes Stressniveau, eine erhöhte Anzahl an fremdaggressiven Übergriffen und erfordert in Folge vermehrt Zwangsmaßnahmen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Zwangsanwendung in der deutschen Psychiatrie ein und thematisiert die Notwendigkeit von Reformen hin zu einer offeneren, patientenorientierten Versorgung.

2 Ziele der Arbeit und methodisches Vorgehen: Hier werden die Zielsetzung der Bachelorarbeit sowie das methodische Vorgehen bei der Literaturrecherche dargelegt, wobei der Fokus auf dem Vergleich von Konzepten der "offenen Tür" liegt.

3 Reformen in der Psychiatrie und der aktuelle Stand in Deutschland nach den Reform-Beschlüssen und -Verfahren: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick über psychiatrische Reformbewegungen und den Einfluss der UN-Behindertenrechtskonvention auf die aktuelle psychiatrische Praxis.

4 Das psychiatrische Versorgungssystem: Es erfolgt eine detaillierte Beschreibung des modernen, gemeindenahen psychiatrischen Versorgungssystems sowie dessen verschiedene Säulen und akutpsychiatrische Behandlungsformen.

5 Aspekte zu Zwang in der psychiatrischen Akutversorgung: Dieses Kapitel beleuchtet rechtliche, ethische und strukturelle Aspekte von Zwang, unterteilt in Unterbringungsarten, rechtliche Kriterien sowie den aktuellen Stand der Forschung zu Zwang in der Psychiatrie.

6 Besonderheiten in der psychiatrischen Akutversorgung und Veränderungen auf der Struktur- und Organisationsebene: Hier werden die Auswirkungen von Stationsführung, Krankenhauskultur und dem Konzept der "offenen Tür" auf die Reduktion von Zwang und Stigmatisierung analysiert.

7 Zusammenfassung: Die Kernaussagen der Arbeit werden hier noch einmal komprimiert zusammengefasst, wobei insbesondere der Zusammenhang zwischen Versorgungsstrukturen und Zwangsanwendung hervorgehoben wird.

8 Ausblick: Der Ausblick formuliert die Notwendigkeit, das Versorgungssystem stärker am Patientenwohl auszurichten und innovative, gemeindenahe Modelle weiter zu fördern.

Schlüsselwörter

Psychiatrie, Akutversorgung, Zwang, Zwangsmaßnahmen, offene Tür, Gemeindepsychiatrie, stationäre Behandlung, Patientenautonomie, Stigmatisierung, Psychiatrie-Enquête, Rodewischer Thesen, UN-Behindertenrechtskonvention, Case Management, Home Treatment, Soteria-Ansatz

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Konzept der "offenen Tür" in der geschlossenen psychiatrischen Akutversorgung und dessen Auswirkungen auf die Anwendung von Zwangsmaßnahmen und Zwangsbehandlungen bei Patienten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Psychiatriereform, die rechtlichen Grundlagen von Unterbringungen, die verschiedenen Versorgungsstrukturen (stationär bis ambulant) sowie die kritische Auseinandersetzung mit Zwang und Stigmatisierung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Konzepte zur Öffnung psychiatrischer Stationen und alternative Versorgungsmodelle darzustellen und zu vergleichen, um aufzuzeigen, wie dadurch Zwangsmaßnahmen in der Akutpsychiatrie reduziert werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine wissenschaftliche Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturrecherche und Analyse relevanter Fachpublikationen, Gesetze und Studien basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Analyse des psychiatrischen Versorgungssystems, rechtlichen Kriterien für Zwangsmaßnahmen, der Rolle der Krankenhauskultur sowie der Wirksamkeit von Alternativmaßnahmen zur Zwangsminderung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselwörter sind Psychiatrie, Akutversorgung, Zwang, Zwangsmaßnahmen, offene Tür, Gemeindepsychiatrie, Patientenautonomie und Stigmatisierung.

Wie unterscheidet sich die "offene Psychiatrie" von traditionellen Ansätzen?

Die "offene Psychiatrie" setzt auf Vertrauensbildung und partnerschaftliche Beziehung statt auf mechanisches Einsperren, was laut der Arbeit zu weniger Zwang und einer besseren Behandlungsadhärenz führt.

Welche Rolle spielt die Krankenhausfinanzierung bei der Umsetzung offener Konzepte?

Die Arbeit diskutiert, dass ökonomische Faktoren und das pauschalierende Entgeltsystem (PEPP) eine Rolle bei der Umsetzung spielen, wobei der Wunsch nach Kostenoptimierung die Personalressourcen und damit die Möglichkeiten für offene Settings beeinflussen kann.

Final del extracto de 117 páginas  - subir

Detalles

Título
Das Konzept der "Offenen Tür" in der akutpsychiatrischen Regelversorgung
Subtítulo
Und dessen Wirkung auf Zwangsmaßnahmen und Zwangsbehandlungen von Patienten
Universidad
Fachhochschule Dresden - University of Applied Sciences
Calificación
1,3
Autor
Cedric Butze (Autor)
Año de publicación
2017
Páginas
117
No. de catálogo
V376584
ISBN (Ebook)
9783668579231
ISBN (Libro)
9783960951391
Idioma
Alemán
Etiqueta
Psychiatriereform Akutpsychiatrie Zwangsmaßnahmen Versorgungssystem Gemeindepsychiatrie Home Treatment Soteria
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Cedric Butze (Autor), 2017, Das Konzept der "Offenen Tür" in der akutpsychiatrischen Regelversorgung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376584
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