Eine Beschreibung von Zusammenhängen des Dramas "Rheingold" mit der Musik


Seminararbeit, 2017

22 Seiten, Note: 2,0

W. K. (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Analyse der Sprache und der Musik in Wagners „Rheingold“

2. Entstehung und Komposition des „Rheingoldes“

3. Die Leitmotive zur Unterstützung des Dramas

4. Analyse der 1. Szene

5. Analyse der 2. Szene
5.1 Loges Erzählung (Zweite Szene; Takt 1321-1425)
5.2 Weitere Leitmotive und die Rivalität der Brüder Fasolt und Fafner

6. Analyse der 3. Szene

7. Analyse der 4. Szene
7.1 Der Erdamonolog (Vierten Szene, Takt 3456-3521)
7.2 Das Ende von „Das Rheingold“

8. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Die Analyse der Sprache und der Musik in Wagners „Rheingold“

Die folgende Seminararbeit geht in Bezug auf Richard Wagners Werk „Rheingold“ des „Ring des Nibelungen“ auf die Verknüpfung des Dramas mit der Musik ein, beschreibt ihre Zusammenhänge und benennt methodische Stilmittel, wie z.B. die unterschiedlichen Motive. Der „Ring des Nibelungen“ besteht aus vier Werken, die als Musikdramen bezeichnet werden und nicht als Opern, denn es fehlt ihnen eine Gliederung nach Nummern. Auch die innere Struktur ist anders als die einer Oper, denn im Ring des Nibelungen gibt es keine Overtüre mehr, sondern ein Vorspiel zum Rheingold. Die Einteilung der Abschnitte im „Rheingold“ erfolgt nach dramaturgischen Aspekten, also nach Szenen. Dabei sind diese Szenen nur in den Partituren vermerkt, nicht aber in den Textbüchern (vgl. Voss 2009: 480). Die Singstimme singt, im Vergleich zur Oper, nicht mehr in Form von halbsätzig aufeinander bezogene Längen. Ebenso gibt es kein Endreimprinzip mehr (vgl. Kiem 2001: 216). Beim „Rheingold“ handelt es sich um eine sehr komplexe Handlung. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, diese in der Seminararbeit darzustellen. Diese Handlung ist eng verknüpft mit der Dramatik der Musik. Denn Wagner erschuf Wort und Ton gleichzeitig und erfand hierfür eine Variation des Stabreimes (vgl. Mackensen 1984: 243). Hieraus leitet sich auch die Hypothese der Seminararbeit ab. Diese lautet, dass die Musik und der Text im „Rheingold“ eng miteinander verknüpft sind und sich die Zusammenhänge entsprechend detailliert analysieren lassen. Das „Rheingold“ gibt eine Einführung in den weiteren Verlauf der folgenden Teile des Rings: zu den Göttern im Himmel, den Riesen auf der Erde und den Nibelungen in der Tiefe der Erde (vgl. Voss 2009: 591). Der Ring besteht aus den Teilen „Das Rheingold“, „Die Walküre“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ (Brenner 2004: 176). Das Rheingold legt für das weitere Geschehen zentrale Handlungsmotive. Auch zentrale Personenkonstellationen werden eingeführt: Das Gegenüber von Wotan und Alberich, und das Verhältnis von Wotan und Fricka. Das „Rheingold“ ist aber nicht nur eine Vorgeschichte, sondern wirft auch viele Fragen über den weiteren Verlauf auf (vgl. Voss 2009: 591). Aufgrund dessen, dass die Partitur Wagners schon oft musikalisch analysiert wurde, gibt es bereits Literatur zu diesem Thema. Diese wird hier die Analyse ausmachen. Aufgrund der Komplexität des Werkes wird somit mit höherer Wahrscheinlichkeit eine sachliche Richtigkeit erreicht. Beispiele aus den Originalnotenuntermauern die Analyse. Aufgrund des Literaturbestandes ist es aber kaum möglich auf permanent unterschiedliche Autoren zurückzugreifen, um eine höhere Wissenschaftlichkeit zu erreichen. Verweise auf das Drama „Rheingold“ mit Versangaben in der Seminararbeit beziehen sich immer auf das Werk „Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen“ herausgegeben von Egon Voss 2009.

2. Entstehung und Komposition des „Rheingoldes“

Die Entstehung des Nibelungenliedes ist eng mit Wagners eigenen Lebenserlebnissen und -erfahrungen verknüpft. „Die achtundzwanzig Jahre, die (knapp gerechnet) zwischen Konzeption und Vollendung liegen, umfassen Höhen und Tiefen eines Lebens.“ (Mackensen 1984: 241). Eine Wasserkur in Albisbrunn bei Zürich im Jahr 1851 brachte ihn zu dem Gedanken, den „Urgrund des Ganzen im Wasser“ zu finden, was sich im Beginn und Ende des Ring-Werkes ausdrückt (vgl. Mackensen 1984: 241). Das Alpenglühen in Zürich inspirierte ihn für den Beginn der zweiten Szene im „Rheingold“ (vgl. Mackensen 1984: 241). Wagner erschuf zuerst den Schluss und dann schrittweise die Exposition (vgl. Mackensen 1984: 245). Die Quellen für Richard Wagners Zyklus „Der Ring des Nibelungen“ sind die skandinavischen Nibelungendichtungen des Mittelalters. Es ist nicht das „Nibelungenlied“, welches nur eine Nebenrolle spielt (vgl. Henzle 1994: 11f.). Mit seinem Werk und damit mit einer Neuinterpretation des „Nibelungenliedes“ verwirrte Wagner die Menschen in ihrem Verständnis dieses Liedes (vgl. Mackensen 1984: 239). Die dem „Nibelungenlied“ eigene Siegfriedsage ist somit nicht mit dem Siegfried-Mythos in Verbindung zu bringen. Wagner wollte vielmehr das mythologische Element der Götterwelt der nordischen Dichtungen wiederbeleben (vgl. Henzle 1994: 24). „Der Ring des Nibelungen“ enthält zwar viele Motive der Nibelungensage, dennoch ist ihre Geschichte eine ganz andere (vgl. Mackensen 1984: 242). Wagner „hat aus der Sage einen Mythos, eine wuchtige Folge menschlicher Taten und Erlebnisse zur Verkörperung philosophischer Ideen geformt. Er erfand den Ring (der dem Ganzen dann auch den Namen hergab), eine Inkarnation des Hortes; […] Jedenfalls ballt sich in ihm die Kraft des Hortes zur Macht schlechthin: wer ich ihn hat, beherrscht die Welt. Ihm steht dialektisch die Liebe entgegen: eines oder das andere muss man wählen.“ (Mackensen 1984: 243).

Das „Rheingold“ wurde schon 1852 erst in Prosa und dann in Form einer Dichtung geschrieben. Dem Rat Franz Liszt folgend, gab er zuerst das Unternehmen auf, Sigfrieds Tod eine Exposition hinzuzufügen. Doch zwölf Jahre später nahm er die Arbeit wieder auf und das „Rheingold“ wurde 1869 uraufgeführt. 1870 wurde dann die „Walküre“ und 1876 „Siegfried“ uraufgeführt (vgl. Mackensen 1984: 241).

3. Die Leitmotive zur Unterstützung des Dramas

Die Komposition der Musik sollte nach Wagner so angelegt werden, dass sie das Verständnis des Textes unterstützt. Dies tat die Oper laut Wagner zu wenig (vgl. Voss 2009: 481). Das Orchester wird deshalb zum Hauptvermittler des musikalisch wesentlichen, dies ist nicht mehr nur der Gesang (vgl. Kiem 2001: 216). Die Musik enthält somit eigene Leitmotive. Dies sind thematische, musikalische Sequenzen, die im Zusammenhang mit dem dramatischen Geschehen stehen. Alle Motive werden in einem eindeutigen szenischen Kontext eingeführt (vgl. Kiem 2001: 217). Die einzelnen Leitmotive erzeugen ein Gewebe und zeigen somit, dass in Wagners Werk alles mit allem zusammenhängt (vgl. Voss 2009: 485). Es entsteht eine Art Motivgewebe mit inhaltlichen Beziehungen (vgl. Kiem 2001: 216). Dennoch sind diese Leitmotive nicht nur für sich genommene, geschlossene Bausteine, denn die gesamte Dramaturgie und Musik um ein Motiv herum, hängt ebenfalls mit diesem zusammen. Im Ring werden die Themen und Motive oft wiederholt. Dies zeigt, dass die Gegenwart mit der Vergangenheit zusammenhängt (vgl. Voss 2009: 486f.). Darüber hinaus ist Wagners „Rheingold“ von der „unendlichen Melodie“ geprägt. Der Begriff der „unendlichen Melodie“ bezeichnet in Wagners Werk zum einen „die romantisch-utopische Vorstellung von der Aufhebung aller physischen Begrenztheit als Vorrausetzung von Transzendenz.“ (Voss 2009: 483). Zum anderen, geht es um die Verhinderung von Pausen, die oft den Applaus der Zuschauer verursachen, um eine Kontinuität zu erzeugen (vgl. Voss 2009: 483).

4. Analyse der 1. Szene

Das Rheingold beginnt mit einem kurzen Vorspiel, ehe die eigentliche Handlung beginnt (vgl. Boakye-Ansah 2010: 134). Auf dem Grunde des Rheins spielen die Rheintöchter das Hasche-Spiel, welches wie Naturklang klingt („Wagalaweia, wallala weiala weia“ (V.5)) (vgl. Wagner S. 591). Unterstützt wird dies durch die Musik, die einen Zustand beschreibt, in dem es nur Harmonie zu geben scheint (vgl. Bingel 2011: 69). Der Leser und Zuhörer blickt in den Rhein und das Wasser beruhigt sich in der Tiefe (vgl. Bennewitz et al. 2011: 20). Die ersten 136 Takte sind deswegen in Es-Dur geschrieben und beschreiben die Natur.

„Die Figurationen, die die Dreiklangtöne umspielen, wirken durch den Wechsel zu stets kleineren Notenwerten beschleunigend. Das Vorspiel hat, ohne dass dies eigens vorgeschrieben wäre, den Charakter eines Crescendo und Accelerando. Wer will mag sich die Entstehung der Welt denken, ihr allmähliches Gestaltgewinnen.“ (Voss 2009: 489).

Das fröhliche Es-Dur schlägt in dunkles C-Moll, in jener Tonart auch später das Entsagungs-Motiv vorgetragen wird, als die Rheintochter Flosshilde eine Mahnung ausspricht (vgl. Voss: 489f.). Denn Flosshilde, sorgt sich im Gegensatz zu ihren Schwestern: „Des Goldes Schlaf hütet ihr schlecht; besser bewacht das schlummernden Bett, sonst büßt ihr beide das Spiel“ (V.15f.). Es klingen bis Takt 48 ausschließlich Naturtöne, was besonders der erste Horneinsatz zeigt. Diese spielen einen Kanon aus den Naturtönen 2-10 und 12. Da Harmonie ausgedrückt werden soll, werden die unreinen Töne ausgelassen. Im weiteren Verlauf nimmt der Klang zu und im Tutti fehlen kleine Flöte, Tuben, Harfen und Schlaginstrumente (vgl. Voss 2009: 488f.). Ab Takt 49 wird das Natur-Motiv in den Fagotten und das Wellenmotiv in den Violoncelli exponiert. Dabei ist das Natur-Motiv eine Ableitung aus der Musik des Werkes selbst. Es führt das Thema des Horn-Kanons fort. Das Wellen-Motiv ragt von außen hinein. Es ist ein Zitat, des Hauptthemas aus Felix Mendelssohn Bartholdys „Ouvertüre zum Märchen von der schönen Melusine“. Es wird somit allgemein die Sphäre des Wassers sowie der Märchenwelt wachgerufen. Die Wellenfigur begleitet die Rheintöchter und steht für das Wasser. Die Musik beschreibt die Rheintöchter als naiv aber auch durchtrieben (vgl. Voss 2009: 489).

Der Nachtalbe Alberich, der Gegenspieler des Lichtalben Wotan, buhlt um die Gunst der Rheintöchter (vgl. Bingel 2011: 71). Aber alle drei veräppeln Alberich (vgl. Wagner: 591). Als die Rheintöchter viermal hintereinander über Alberich lachen, wird der 6/8-Takt, der seit Beginn erklingt und seine ruhige Wirkung aufgehoben. Es folgt auf den aufsteigenden Halbton am Ende ein absteigender Halbton, welcher das Wehe-Motiv ausdrückt, also Alberichs Schmerz (vgl. V.166f.). Dieser wird darüber hinaus durch einen chromatischen Abgang abwärts ausgedrückt, der in der Barockzeit auch „Passus duriusculus“ genannt wurde (vgl. Voss 2009: 490).

Plötzlich taucht das Rheingold auf, welches „einen blendend, hell strahlenden Goldglanze entzündet“ (Voss 2009: 21).

„Das Erglänzen des Rheingoldes (nach V.196) wird als Naturereignis wie im Vorspiel durch stehende, in sich bewegte Klänge dargestellt, in die hinein das fanfarenartige Rheingold-Motiv erklingt, auf dem Höhepunkt in Trompete und hellem C-Dur, das hier zum ersten Mal auftritt.“ (Voss 2009: 490).

Die daraus folgende Freude der Rheintöchter, „Rheingold! Rheingold!“ (V.210f.) wird durch einen tänzerischen Rhythmus und einem liedhaften Gesang deutlich. Die Silben „Rhein-gold“ werden dabei in einem Ganztonschritt gespielt und sind somit ein Gegenpol zum Wehe-Motiv (vgl. Voss 2009: 490).

Die Rheintöchter plaudern die Macht des Rheingoldes aus nämlich, dass es zu einem Ring geschmiedet, unbegrenzte Macht verleiht. Allerdings muss man hierzu auf die Liebe verzichten. Alberich tut genau dies, nachdem er von den Rheintöchtern zurückgewiesen wurde (vgl. Bingel 2011: 70). Er verflucht die Liebe, raubt das Rheingold und hastet zurück in die Tiefen Nibelheims (vgl. Voss: 591). Ab Vers 268f. beginnt aus diesem Grund das Entsagungs-Motiv und auch die Wagner-Tuben treten in Erscheinung. Diese beschreiben auch zu Beginn der zweiten Szene das Walhall-Motiv (vgl. Voss 2009: 490). Alberich will den Ring schmieden und wird zum Sklaventreib er des Nibelungenvolkes und seines Bruders Mime (vgl. Bingel 2011: 70).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Eine Beschreibung von Zusammenhängen des Dramas "Rheingold" mit der Musik
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
22
Katalognummer
V376792
ISBN (eBook)
9783668561434
ISBN (Buch)
9783668561441
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
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Arbeit zitieren
W. K. (Autor), 2017, Eine Beschreibung von Zusammenhängen des Dramas "Rheingold" mit der Musik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376792

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