Diese Hausarbeit soll dazu dienen, die Klassentheorien von Marx und die Gesellschaftstheorie von Dahrendorf zu analysieren, um im Folgenden auf die Konflikttheorien der beiden Wissenschaftler genauer einzugehen. Dahrendorf und Marx werden hier unter soziologischen Gesichtspunkten miteinander verglichen.
"Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaften ist die Geschichte von Klassenkämpfen" - diese Worte wurden 1848 im "Manifest der Kommunistischen Partei" von Karl Marx niedergeschrieben und gelten bis in die Moderne noch als ein allgemeiner Erklärungsversuch für die Über- und Unterordnung der Gesellschaft (Bourgeoisie vs. Proletariat). Desweiteren bietet Marx durch dieses Zitat, und die darauffolgende Ausformulierung im Werk, eine Analyse für die Konfliktbereitschaft der Klassen in den verschiedenen Gesellschaften auf der ganzen Welt.
1996 erklärte Ralf Dahrendorf diese Aussage als "empirisch unhaltbare Vereinfachung" und distanzierte sich von dieser Form der Konflikttheorie. Dahrendorf stellte dieser Theorie seine eigene gegenüber und versucht mit ihr den Begriff der "sozialen Konflikte" zu klassifizieren und zu sortieren. Hierbei geht Dahrendorf davon aus, dass Konflikte an die Gesellschaft heran getragen (exogene Konflikte), oder durch die Gesellschaft selbst erzeugt werden (endogene Konflikte). Soziale Gruppen, wie z.B. die Klassen, sind somit nicht mehr die Träger oder Verursacher von Konflikte, sondern eine weitaus differenzierte und präzisere Entität in der Gesellschaft wird als zentraler Konfliktbrennpunkt betrachtet.
Diese Hausarbeit findet ihren Einstieg durch die allgemeine Erklärung und über die Konsensbildung von Konflikt und Konflikttheorie. Das Gesellschaftsmodell und die endogene Konflikttheorie von Dahrendorf werden im Folgenden analysiert. Im dritten Teil der Hausarbeit wird die Konflikttheorie von Marx, die auf der Dichotomie der Gesellschaft basiert, als Vergleichspunkt herangezogen. Der letzte Teil der Arbeit wird ein Fazit zur Aktualität der beiden soziologischen Erklärungsversuche, und eine Verifizierung oder Negierung der Aussage zur kritischen Aussage von Dahrendorf, darstellen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Was ist eine Konflikttheorie und was sind soziale Konflikte?
2. Ralf Dahrendorf. Zu einer Theorie des sozialen Konflikts
2.1. Der endogene Konflikt am Beispiel der Afroamerikaner um 1860 in den USA
3. Karl Marx. Die distinguierte Gesellschaft
3.1. Der Klassenkonflikt
3.2. Formen der Klassenkämpfe
Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die soziologischen Konflikttheorien von Ralf Dahrendorf und Karl Marx vergleichend zu analysieren und deren jeweilige Aktualität für das Verständnis sozialer Konfliktstrukturen kritisch zu hinterfragen.
- Grundlagen von Konflikttheorien und Definition sozialer Konflikte
- Dahrendorfs Theorie endogener Konflikte am historischen Beispiel
- Marx' Modell der Klassengesellschaft und des Klassenkonflikts
- Strukturelle Dynamiken und Formen der Klassenkämpfe
- Vergleichende Analyse der wissenschaftlichen Erklärungsansätze
Auszug aus dem Buch
3. Karl Marx. Die distinguierte Gesellschaft
Sozialer Wandel wird bei Marx durch die Unterscheidung der Gesellschaft in zwei verschiedenen Klassen erzeugt. Dieser Wandel entsteht durch das antagonistische Verhältnis zwischen den beiden Gesellschaftsfraktionen. Die Einteilung der Individuen in einer Gesellschaft findet durch die unterschiedliche Positionierung im Produktionsprozess statt. Die Individuen, die Produktionsmittel besitzen, welche von der Gesellschaft benötigt und als besitzenswert angesehen werden - u.a. Rohstoffe, Maschinen, Energie und Nahrung - werden zur Klasse der Bourgeoisie gezählt (Demirovic 2005: 50). Ihnen gegenüber steht die Klasse der Proletarier. Die Proletarier sind Individuen, die Eigentumslos sind und nur ihre Arbeitskraft zum Verkauf anbieten können. Hierbei wird die unterschiedliche Verteilung der Macht, zwischen den beiden Klassen, deutlich. Sollte der Proletarier seine Waren, also seine Arbeitskraft, für einen Preis anbieten, der für den Bourgeois nicht angemessen erscheint und schlichtweg zu teuer ist, kann der Bourgeois das Angebot des Proletarier ausschlagen und das Angebot einer billigeren Arbeitskraft annehmen (Demirovic 2005: 50).
Folglich müssen sie sich dem Arbeitsmarkt anpassen. Der ökonomische Druck, der dadurch aufgebaut wird, macht es den Proletarier, der keine Ressourcen hat, unmöglich sich über seinen Wert zu verkaufen. Das Ziel der oberen Klasse ist es nämlich einen Mehrwert zu erzeugen und die eigenen Kosten möglichst gering zu halten. Mehrwert wird hier als „den über die Kosten der Arbeitskraft und der für die Erzeugung einer Ware aufzuwendenden Produktionsmittel hinausgehenden Erlös des Unternehmers“ bezeichnet (Endreß 2013: 11). Beide Parteien möchten eine möglichst günstige, ökonomisch profitable Lage erwirtschaften. Diese Lage zeichnet sich dadurch aus, dass der Proletarier nicht mehr seine Arbeitskraft verkaufen muss - dieser Umschwung ist laut Marx‘ Theorie sehr unwahrscheinlich - und der Bourgeois keine Angst mehr haben muss, durch die allgegenwärtige Konkurrenz der anderen Bourgeois, in die Klasse der Proletarier zu rutschen (dieser Verlauf ist wahrscheinlicher, soll aber durch die Ausbeutung der Proletarier verhindert werden) (Marx 1848: 465ff).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es werden die theoretischen Ansätze von Marx und Dahrendorf eingeführt sowie der Grundgedanke der Arbeit als Vergleich der beiden Perspektiven dargelegt.
1. Was ist eine Konflikttheorie und was sind soziale Konflikte?: Dieses Kapitel definiert soziale Konflikte als Auseinandersetzungen über knappe Ressourcen und erläutert die Grundmechanismen von Autoritätskonflikten innerhalb von Organisationen.
2. Ralf Dahrendorf. Zu einer Theorie des sozialen Konflikts: Hier wird das Dahrendorf'sche Modell der endogenen Konflikte vorgestellt, welches die Bedeutung von Herrschaftsstrukturen und sozialen Strukturmerkmalen für das Konfliktgeschehen betont.
2.1. Der endogene Konflikt am Beispiel der Afroamerikaner um 1860 in den USA: Das Kapitel wendet die Theorie Dahrendorfs auf ein historisches Fallbeispiel an, um die Entstehung und Manifestation von Interessensgruppen zu verdeutlichen.
3. Karl Marx. Die distinguierte Gesellschaft: Hier wird die marxistische Theorie der Klassengesellschaft, basierend auf der Verfügungsgewalt über Produktionsmittel und der daraus resultierenden Ausbeutung, analysiert.
3.1. Der Klassenkonflikt: Dieses Kapitel vertieft das Verständnis des Interessensgegensatzes zwischen Bourgeoisie und Proletariat und zeigt die Rolle von Gewerkschaften und staatlicher Regulierung auf.
3.2. Formen der Klassenkämpfe: Es werden die drei Stufen des marxistischen Klassenkampfes von betrieblichen Verhandlungen bis hin zur revolutionären Bewusstwerdung und Umgestaltung der Gesellschaft beschrieben.
Fazit: Die Arbeit resümiert, dass beide Theorien trotz unterschiedlicher Akzente ähnliche Erklärungsmodelle für sozialen Wandel bieten und für aktuelle gesellschaftliche Analysen weiterhin relevant bleiben.
Schlüsselwörter
Soziologie, Konflikttheorie, Ralf Dahrendorf, Karl Marx, Klassenkampf, endogener Konflikt, sozialer Wandel, Bourgeoisie, Proletariat, Produktionsmittel, Herrschaftsstrukturen, Quasigruppen, Ressourcenknappheit, Arbeitskraft, Interessensgruppen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einem soziologischen Vergleich der Konflikttheorien von Karl Marx und Ralf Dahrendorf, um deren Erklärungsmodelle für sozialen Wandel und Konflikte zu analysieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die Definition sozialer Konflikte, die Analyse von Herrschaftsstrukturen, die marxistische Klassentheorie und die strukturelle Unterscheidung zwischen endogenen und exogenen Konfliktverläufen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Gegenüberstellung von Marx' Klassentheorie und Dahrendorfs endogener Konflikttheorie, um deren wissenschaftliche Tragfähigkeit und heutige Relevanz zu prüfen.
Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, bei der beide Theorien zunächst theoretisch hergeleitet und anschließend anhand von Beispielen und Kriterien wie der Bedeutung von Revolutionen verglichen werden.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Dahrendorfs Gesellschaftsmodellen am Beispiel der US-amerikanischen Geschichte des 19. Jahrhunderts sowie in die detaillierte Darstellung des marxistischen Klassenkonflikts und dessen verschiedene Kampfesformen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Konflikttheorie, Klassenkampf, Herrschaft, sozialer Wandel, Produktionsmittel und Interessensgruppen.
Wie bewertet der Autor die empirische Relevanz der beiden Theorien?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Dahrendorfs Theorie nicht unbedingt empirisch haltbarer ist als die von Marx; beide Ansätze bieten wertvolle, wenngleich unterschiedliche Perspektiven, die sich gegenseitig ergänzen können.
Welche Bedeutung kommt der Revolution in den betrachteten Theorien zu?
Sowohl bei Marx als auch bei Dahrendorf wird die Revolution als ein maßgeblicher, wenn auch unterschiedlich motivierter Faktor zur Überwindung bestehender Ober- und Unterordnungsverhältnisse in der Gesellschaft identifiziert.
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- Philipp Nern (Author), 2016, Zur Theorie des Konflikts. Dahrendorf und Marx im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376812