Das Ziel dieser Arbeit besteht darin zu zeigen, dass die Bilanzpositionen und die Cash-Flows mit dem Proxy im Allgemeinen korrelieren und ferner, die Proxywerte der finanziell angespannten Unternehmen mit einigen Positionen stärker korrelieren als die der nicht finanziell angespannten Unternehmen.
Diese Feststellung wäre mit den Studienergebnissen aus der Literatur konkludent und würde somit die Hypothese, dass die Cash- Bestände der finanziell angespannten Unternehmen höher sind, unterstützen. Ausgangspunkt dieser Arbeit und von vielen anderen Studien ist das Irrelevanztheorem der Finanzierungspolitik von Modigliani und Miller, welches besagt, dass es auf einem vollkommenen Kapitalmarkt für den Marktwert des Unternehmens keine Rolle spielt, ob man sich eigen- oder fremdfinanziert.
Um diese empirische Analyse durchzuführen, müssen zunächst folgende Schritte befolgt werden: In Kapitel 2 wird der Begriff finanzielle Anspannung vorab definiert und in die Literatur eingeordnet. Eine darauffolgende Übersicht einiger ausgewählter Studien soll die Überlegungen und Motivationen dieser Arbeit begründen. Kapitel 3 umfasst die Vorbereitung und Durchführung der empirischen Untersuchung der DAX 30 Unternehmen und ist somit der Hauptteil dieser Arbeit. Es werden Variablen vorgestellt, die für die Messung der finanziellen Anspannung als wichtig erachtet werden. Aus diesen Variablen wird ein zusammengesetzter Indikator (Proxy) gebaut, mit dessen Hilfe die Unternehmen in Gruppen sortiert werden. Anschließend wird auf die Bilanzpositionen und die Cash-Flows eingegangen, die für die Untersuchung als geeignet erachtet werden. In Kapitel 4 werden die Ergebnisse kurz zusammengefasst und in Kapitel 5 wird auf die Kritikpunkte der Arbeit eingegangen. Abschließend wird im Fazit erläutert, inwieweit die Ergebnisse auf die Grundgesamtheit abgeleitet werden können und welche Erkenntnisse allgemein durch diese Arbeit gewonnen wurden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Finanzielle Anspannung
2.1 Hintergrund und Einordnung
2.2 Studienübersicht
3 Empirische Untersuchung der DAX 30 Unternehmen
3.1 Untersuchungsdesign und Zielsetzung
3.2 Identifikation der finanziell angespannten Unternehmen
3.3 Ausgewählte Bilanzpositionen
3.4 Testdurchführung
3.5 Ergebnisse
3.6 Implikationen und Kritik
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das Finanzierungsverhalten börsennotierter DAX 30-Unternehmen im Zeitraum von 2008 bis 2011, um festzustellen, wie sich eine finanzielle Anspannung auf die Kapitalstruktur und Liquiditätsreserven auswirkt. Das zentrale Forschungsziel ist die empirische Überprüfung der Hypothese, dass finanziell angespannt Unternehmen eher interne statt externe Finanzierungsquellen nutzen.
- Analyse der Fremdkapitalstruktur von DAX 30-Unternehmen
- Konstruktion eines zusammengesetzten Indikators (Proxy) zur Messung finanzieller Anspannung
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Cash-Flow und Investitionsentscheidungen
- Vergleich der Finanzierungsweisen während und nach der Finanzkrise
- Kritische Würdigung der Übertragbarkeit von Studienergebnissen auf den gewählten Datensatz
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Ausgewählte Subindikatoren
a) Jährliche Ausschüttungsquote (Payout ratio): Diese Kennzahl wird durch die gesamte Dividendenauszahlung und den Jahresüberschuss berechnet. Die jährliche Ausschüttungsquote beeinflusst den Bestand an verfügbaren Mittel und damit die Investitions- und Finanzierungsentscheidung, da ein Teil des Gewinns an die Anteilseigner ausgezahlt wird. Durch die Ausschüttung wird einerseits das Eigenkapital des Unternehmens gemindert, andererseits gewinnt das Unternehmen dadurch an Reputation. Ein Dividendenanstieg bewirkt einen Signaleffekt, indem er die Erwartungen der Aktionäre hinsichtlich zukünftiger Gewinne des Unternehmens positiv beeinflusst. Die Aktie wird attraktiver und der Kurs steigt. Dies ist ein Signal für die Liquidität eines Unternehmens, denn ein hoher Ausschüttungsanteil kann für den Erfolg eines Unternehmens stehen, das eine solche Ausschüttung finanzieren kann und daher nicht finanziell angespannt sein dürfte. Da in der Regel vor der Ausschüttung überprüft wird, ob noch Kapital notwendig ist um gewisse Verbindlichkeiten zu decken. Daher ist die Ausschüttungsquote auch im Hinblick der Gewährleistung von Krediten, also der externen Finanzierung, von Bedeutung. Unternehmen mit einer niedrigen Payout ratio werden daher hier als finanziell angespannt angesehen.
b) Umsatzerlöse: Dieser Indikator wurde ausgesucht, um die Betriebsgröße in die Betrachtung mit einzubeziehen, da die Größe bei der Kreditvergabe von Gläubigern eine wichtige Rolle spielt. Die Umsatzzahlen spiegeln die Entwicklung des Betriebs wider. Ein Anstieg des Umsatzes impliziert nicht gleichzeitig einen höheren Gewinn. Der steigende Umsatzes führt jedoch zu einer Kostendegression bezüglich der fixen Kosten, was indirekt als positives Ergebnis angesehen werden kann. Des Weiteren kann durch einen steigenden Umsatz auf Wachstum geschlossen werden, welches ein Zeichen für Erfolg ist. Unternehmen mit größerem Umsatz erhalten aufgrund ihrer Reputation sowie der besseren Vernetzung schneller Kredite von Banken, im Vergleich zu Unternehmen mit weitaus geringeren Umsätzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz von Bilanzinformationen in Krisenzeiten und führt das Irrelevanztheorem von Modigliani und Miller als theoretischen Ausgangspunkt ein.
2 Finanzielle Anspannung: Hier wird der Begriff "finanzielle Anspannung" definiert und eine Übersicht relevanter Studien gegeben, um die theoretischen Grundlagen zu schaffen.
3 Empirische Untersuchung der DAX 30 Unternehmen: Dies ist der Hauptteil, in dem das Untersuchungsdesign erläutert, ein Proxy für finanzielle Anspannung konstruiert und eine empirische Korrelationsanalyse durchgeführt wird.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Erkenntnisse hinsichtlich des Finanzierungsverhaltens der untersuchten Unternehmen.
Schlüsselwörter
DAX 30, Finanzielle Anspannung, Fremdkapitalstruktur, Finanzkrise, Cash-Flow, Payout ratio, Umsatzerlöse, Rating, Unternehmensfinanzierung, Kapitalmarkt, Liquiditätsreserven, Korrelationsanalyse, Bilanzpositionen, Investitionsverhalten, Unternehmenswert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der empirischen Analyse des Finanzierungsverhaltens von DAX 30-Unternehmen in Deutschland im Zeitraum zwischen 2008 und 2011.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Untersuchung von Finanzierungsstrukturen, die Messung von finanzieller Anspannung mittels zusammengesetzter Indikatoren und die Auswirkungen von Krisenzeiten auf die Cash-Bestände.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es zu prüfen, ob finanziell angespannte Unternehmen in Krisenzeiten eher interne Finanzierung bevorzugen und wie dies mit Cash-Flow-Kennzahlen korreliert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine empirische quantitative Analyse unter Zuhilfenahme des Statistikprogramms R durchgeführt, basierend auf Geschäftsberichten der DAX 30-Unternehmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird das Untersuchungsdesign vorgestellt, ein "Composite Indicator" zur Messung der finanziellen Anspannung entwickelt und eine Korrelationsanalyse der Bilanzdaten vorgenommen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Fremdkapitalstruktur, finanzielle Anspannung, DAX 30, Cash-Flow und Unternehmensfinanzierung definieren.
Warum wurden die Unternehmen Adidas, Beiersdorf, Munich RE und Infineon entfernt?
Diese Unternehmen wurden aufgrund nicht auffindbarer Daten im gewählten Beobachtungszeitraum aus dem Auswahlsatz entfernt.
Welchen Einfluss hat die Hauptkomponentenanalyse (PCA) auf die Ergebnisse?
Die PCA dient der Gewichtung der Subindikatoren, wobei sie versucht, Überlappungen von Informationen zu minimieren, was jedoch bei nur vier Indikatoren zu einer starken Gewichtung einzelner Kennzahlen führt.
Wie lässt sich die finanzielle Anspannung der DAX 30-Unternehmen interpretieren?
Die Ergebnisse zeigen, dass eine direkte Übertragbarkeit der Literaturergebnisse auf diesen Datensatz nur bedingt möglich ist, da die DAX 30-Unternehmen keine existenzbedrohende Anspannung aufwiesen.
- Quote paper
- Meryem Önüt (Author), 2012, Fremdkapitalstruktur bei börsennotierten Unternehmen in Deutschland. Eine empirische Untersuchung der DAX 30 Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376872