Ziel dieser Seminararbeit ist es, die Rolle des Alkohols in Sven Regeners Werk „Herr Lehmann“ sowohl inhaltlich als auch unter Beachtung ausgewählter, medialer Umsetzungsformen zu beleuchten. Hierzu soll – ausgehend von einer allgemeinen Betrachtung der Rolle von Alkohol in der Literatur – eine medienorientierte Analyse vorgenommen werden.
Ein besonderes Augenmerk wird auf folgenden Fragestellungen liegen: Wie wird das Thema Alkohol in den Medien Hörspiel und Graphic Novel umgesetzt? Welche Funktion kommt dem Thema Alkohol oder dem Trinken von Alkohol in „Herr Lehmann“ zu?
Dass Alkohol in Sven Regeners 2001 erschienenen Roman „Herr Lehmann“ eine Rolle spielt, wird dem Leser bereits durch das Buchcover des Goldmann Verlags, welches ein Becks-Bierdeckel ziert, deutlich. Trotz der vermeintlichen Dominanz des Themas Alkohol in „Herr Lehmann“ können vom jetzigen Standpunkt aus keine literaturwissenschaftlichen Analysen in der Forschung zum Thema Alkohol in „Herr Lehmann“ identifiziert werden.
Vielmehr scheinen in der Sekundärliteratur die Beschäftigung mit der Figur des Herrn Lehmann, seinen Mitprotagonisten sowie erzähltheoretische Analysen vorherrschend zu sein. Interessant ist hierbei jedoch, dass der Stoff „Herr Lehmann“ nicht nur als Buch, sondern auch in Form eines Films, eines Hörspiels, eines Hörbuchs und einer Graphic Novel erschienen ist, sodass verschiedene medienspezifische Analysen zum Thema Alkohol darüber hinaus denkbar sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 „Alkohol“ – ein Thema in der Literatur?
3 „Alkohol“ – Ein Thema in Sven Regeners Herrn Lehmann?
3.1 Was? Kurze Darstellung der Grundhandlung in Herr Lehmann
3.2 Wer? Welche Charaktere treten auf? Wer trinkt Alkohol, wer nicht?
3.3 Wie? Wie wird das Thema „Alkohol“ medial umgesetzt?
3.3.1 Hörspiel
3.3.2 Graphic Novel
3.4. Wozu? Welche Funktion kommt Alkohol in Herr Lehmann zu?
3.4.1 Alkohol trinken aus Gewohnheit
3.4.2 Alkohol trinken, wenn es etwas zu feiern gibt
3.4.3 Alkohol trinken bei Problemen
3.4.4 Alkohol trinken als Gruppenzugehörigkeit und Gruppenabgrenzung
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Rolle des Alkohols in Sven Regeners Roman "Herr Lehmann" unter Berücksichtigung der spezifischen medialen Umsetzungen im Hörspiel und in der Graphic Novel, um die funktionale Bedeutung des Alkoholkonsums für die Figuren und die mediale Inszenierung zu beleuchten.
- Analyse des Alkoholkonsums als narratives und funktionales Element im Roman.
- Medienspezifische Untersuchung der Darstellung von Alkohol im Hörspiel (akustische Gestaltung).
- Medienspezifische Untersuchung der Darstellung von Alkohol in der Graphic Novel (visuelle Ästhetik).
- Charakterisierung der Figuren im Kontext ihres Alkoholkonsums.
- Untersuchung der sozialen und psychologischen Funktionen des Trinkens.
Auszug aus dem Buch
3.1 Was? Kurze Darstellung der Grundhandlung in Herr Lehmann
„Saukomisch, tragisch, lebensnah und seicht“ sind nur einige der Wörter, die fallen, wenn Sven Regeners 2001 veröffentlichter Debütroman in Rezensionen beschrieben wird (Viertelhaus, 2002, S. 76). „Seicht“ wohl deshalb, weil die eigentliche Handlung durch wenige Höhen und Tiefen gekennzeichnet ist, wenngleich sie dem Leser oft komisch-alltäglich und teilweise tragisch präsentiert wird. Frank Lehmann, Wahlkreuzberger und von seinen Freunden zu seinem Missfallen stets „Herr Lehmann“ genannt, arbeitet als Barkeeper in Erwins Kneipe „Einfall“ und steht kurz vor seinem 30. Geburtstag.
Bis dahin begegnet er jedoch der Köchin Katrin (in die er sich unglücklich verliebt), lernt den seltsam wirkenden Kristall-Rainer kennen (der vermeintlich Zivilbulle ist und später eine Beziehung mit Katrin führt), muss den unverhofften Besuch seiner Eltern arrangieren und sich um seinen psychisch angeschlagenen Freund Karl kümmern. Das alles bringt etwas Aufregung in seinen eigentlich recht ziellosen Alltagstrott, der gewöhnlich eher einem Dahinleben zwischen Eineinhalbzimmerwohnung und dem Gang in die nächste Kneipe als einer spannenden Berg- und Talbahn gleicht.
Die Geschichte endet mit dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989, an der Herr Lehmann, nur bedingt interessiert, und nach dem Austrinken seines Biers in einer Kneipe, teilnimmt. Inwieweit sich das Leben von Herr Lehmann nach seinem 30. Geburtstag und dem Mauerfall verändern wird, bleibt für den Leser offen. Der Roman endet mit den für Herrn Lehmann fast schon charakteristischen Gedanken: „Ich gehe erst einmal los […]. Der Rest wird sich schon irgendwie ergeben.“ (Regener, 2003, S. 285).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des Alkohols in Sven Regeners Werk ein und erläutert die methodische Herangehensweise sowie die zentralen Fragestellungen der Arbeit.
2 „Alkohol“ – ein Thema in der Literatur?: Dieses Kapitel bietet einen kursorischen Überblick über die Darstellung von Alkohol in der Literaturgeschichte und verdeutlicht die bisherige Forschungslücke bezüglich systematischer Analysen abseits von Autorenbiographien.
3 „Alkohol“ – Ein Thema in Sven Regeners Herrn Lehmann?: Dieses Kapitel bildet das Kernstück und untersucht die Grundhandlung, die Charakterisierung der Figuren sowie die mediale Umsetzung und funktionale Bedeutung des Alkohols im Werk.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und reflektiert kritisch über die verschiedenen medialen Umsetzungen sowie den Bedarf an weiterführender Forschung.
Schlüsselwörter
Herr Lehmann, Sven Regener, Alkohol, Literaturanalyse, Hörspiel, Graphic Novel, Medienspezifik, Alkoholkonsum, Figurenkonstellation, Kneipenkultur, Medienwandel, Erzähltheorie, Sozialstruktur, Symbolik, Alkoholsucht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle und Bedeutung des Alkoholkonsums im Roman "Herr Lehmann" von Sven Regener und analysiert, wie dieses Thema in den Adaptionen als Hörspiel und Graphic Novel umgesetzt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die literarische Auseinandersetzung mit Alkohol, die Charakteranalyse der Romanfiguren in Bezug auf ihr Trinkverhalten sowie die mediale Gestaltung von Alkoholthemen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, inhaltlich herauszuarbeiten, welche Funktion der Alkoholkonsum für die Figuren hat und wie unterschiedliche Medien (Hörspiel und Graphic Novel) diesen Aspekt visuell oder akustisch interpretieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine handlungsorientierte Figurenanalyse sowie eine medienorientierte Analyse, um die spezifischen Darstellungselemente des Themas zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung der Romanhandlung, eine Charakteranalyse, eine Untersuchung der medialen Umsetzung (Hörspiel und Graphic Novel) sowie eine Kategorisierung der Funktionen von Alkoholkonsum (Gewohnheit, Anlass, Probleme, soziale Gruppenzugehörigkeit).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Herr Lehmann, Sven Regener, Alkohol, Medienspezifik, Hörspiel, Graphic Novel und literarische Figurenanalyse.
Wie unterscheidet sich die Darstellung in der Graphic Novel vom Roman?
Die Graphic Novel nutzt visuelle Mittel wie verschwommene Linienführungen oder körperorientierte Panelsequenzen, um den betrunkenen Zustand der Figuren und die Wirkung des Alkohols direkt in der Bildsprache erfahrbar zu machen.
Welche Rolle spielt die Musik im Hörspiel zu "Herr Lehmann"?
Die Musik wird eingesetzt, um durch Intromusik oder kontrapunktische Gestaltung die Bedeutung des Alkohols für den Barkeeper-Beruf von Herrn Lehmann und sein Trinkverhalten zu unterstreichen.
Warum wird im Roman "Herr Lehmann" laut Autor "ein normales Problem" getrunken?
Das Trinken wird als fester Bestandteil des Alltags und als soziales Bindeglied dargestellt, das oft als Bewältigungsstrategie oder einfach als gewohnheitsmäßige Tätigkeit in einer Kneipenumgebung legitimiert wird.
- Citation du texte
- Sabrina Müller (Auteur), 2016, Alkohol in der Literatur. Sven Regeners Roman "Herr Lehmann" und seine Adaptionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376889