Sozialpädagogische Familienhilfe im Umgang mit Problemfamilien

Warum brechen Familien die Hilfe vorzeitig ab und welche Sozialpädagogischen Handlungsmöglichkeiten gibt es, dagegen zu wirken?


Hausarbeit, 2017
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Begriffserklärungen
2.1 Begriffsklärung „Problemfamilie“
2.2 Begriffserklärung Sozialpädagogische Familienhilfe

3 Ausschlusskriterien

4 Ausgewählte Problemfelder
4.1 Aufbau von Vertrauen
4.2 Arbeit am Auftrag
4.3 Die Förderung der Kinder
4.4 Zweigleisigkeit in der Arbeit

5 Der Einfluss unterstützender Rahmenbedingungen

6 Umgang mit Abbrüchen

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Während meines 22 – Wochen Praktikums in einer therapeutischen Jugendwohngruppe tauchte in Berichten über Jugendliche mitunter der Begriff Sozialpädagogische Familienhilfe auf. Da ich einige Familien aus diesen Berichten kennenlernen durfte, konnte ich mir, wenn auch weitestgehend nur oberflächlich, ein eigens Bild von dem jeweiligen Familiensystem machen, in der eine Sozialpädagogische Familienhilfe zu agieren hat.

In der Auseinandersetzung mit diesem vielseitigen Arbeitsbereich galt mein Interesse insbesondere den Anforderungen und Herausforderungen, der sich eine SPFH in der Arbeit mit so genannten Problemfamilien stellen muss.

Im Handbuch der Sozialpädagogischen Familienhilfe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird angeben, dass etwa die Hälfte aller SPFH - Abbrüche durch die Familie erfolgt (vgl. Helmig et al, 1998, S.306).

Was Familien dazu bewegen kann diesen Schritt zu gehen und welche Handlungsmöglichkeiten es gibt, dagegen zu wirken, soll zentraler Bestandteil dieser Studienarbeit sein.

Die Beendigung der SPFH - Maßnahme kann sowohl durch die Familie, als auch durch die FamilienhelferIn herbeigeführt werden. Bricht die Fachkraft die Maßnahme ab, liegen hierfür im Wesentlichen zwei Gründe vor: Wenn die Kinder in der Familie zu gefährdet sind, oder ein Beziehungsaufbau der HelferIn zur Familie nicht gelungen ist.

Bei meinen Ausführungen beschränke ich mich ausschließlich auf den SPFH – Abbruch durch die Familie. Als Abbruch in diesem Sinne wird die einseitige, ungeplante Beendigung der SPFH verstanden. Unvorhergesehene Ereignisse, wie Wohnortwechsel oder den Wechsel in eine andere Hilfeform werden in diesem Fall außer Acht gelassen (vgl. Helmig et al, 1998, S.305-306).

In nachfolgenden Kapiteln möchte ich zunächst einen Überblick über die Begrifflichkeiten Problemfamilie und Sozialpädagogische Familienhilfe geben. Anschließend werde ich mögliche Ausschlusskriterien ansprechen, die im Vorfeld die Realisierbarkeit der Maßnahme hinterfragen. Im Hauptteil meiner Ausarbeitung gehe ich auf vier ausgesuchte Problemfelder ein, die in verschiedenster Art und Weise das Potential eines Abbruchs enthalten. Hierbei erscheint es mir wichtig aufzuzeigen, inwiefern Abbruchrisiken vorhanden sind und wie diese gesenkt oder ausgeräumt werden können.

Insofern ist vor allem auch die Sichtweise der Eltern von Bedeutung, die ich versucht habe, soweit wie möglich, zu betrachten.

Im Anschluss daran komme ich noch auf Rahmenbedingungen zu sprechen, die einen unterstützenden Beitrag im Hilfeprozess leisten können. Zum Schluss thematisiere ich noch den Umgang mit Abbrüchen.

2 Begriffserklärungen

2.1 Begriffsklärung „Problemfamilie“

Als Problemfamilie bzw. Multiproblemfamilie werden laut Goldbrunner Familien bezeichnet, die über einen langen Zeitraum soziale Unterstützung erhalten und eine Vielzahl von sozialen Problemen aufweisen (vgl. Goldbrunner. 1992, S.40). Die Lebenswelt dieser Familien ist zumeist gekennzeichnet durch eine hohe Anzahl von Kindern, schwierige Wohnverhältnisse, niedrige Bildungsabschlüsse, Verschuldung sowie ein geringes Einkommensniveau (vgl. Helmig et al, 1998, S.71/73).

Die Ballung von innerfamiliären Konflikten gepaart mit ökonomischen Schwierigkeiten wirkt sich auf das gesamte System Familie aus. Der Begriff „Problemfamilie“ ist jedoch weder soziologisch zu verorten, noch im Sinne einer medizinischen Diagnose zu verstehen.

Er ist aus dem Sprachgebrauch der praktischen Sozialarbeit entnommen und lässt sich nicht klar abgrenzen.

Goldbrunner verwendet die Bezeichnung „Problemfamilie“, da er zum einen soziologisch wenig vorbelastet ist und zum anderen den Fokus auf soziale und psychische Probleme lenkt (vgl. Goldbrunner, 1992, S. 40 -42). Vereinfacht drückt es Goldbrunner wie folgt aus: „Problemfamilien haben Probleme, indem sie kritische Situationen nicht bewältigen. Sie machen Probleme, indem sie sozial auffällig werden.“ (Goldbrunner, 1992, S.42). Hierbei muss berücksichtigt werden, dass diese Familien nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen, um genau diese kritische Situationen bewältigen zu können (vgl. Goldbrunner, 1992, S.42).

2.2 Begriffserklärung Sozialpädagogische Familienhilfe

Die Sozialpädagogische Familienhilfe ist eine Form der ambulanten Hilfen zur Erziehung, die im Kinder - und Jugendhilfegesetz verankert ist.

Der zugrundeliegende Paragraph 31 des Sozialgesetzes (SGB) Achtes Buch (VIII) lautet wie folgt: „Sozialpädagogische Familienhilfe soll durch intensive Betreuung und Begleitung in ihren Erziehungsaufgaben, bei der Bewältigung von Alltagsproblemen, der Lösung von Konflikten und Krisen sowie im Kontakt mit Ämtern und Institutionen unterstützen und Hilfe zur Selbsthilfe geben. Sie ist in der Regel auf längere Dauer angelegt und erfordert die Mitarbeit der Familie.“ (Artikel 1 des Gesetzes v. 26. Juni 1990, BGBI. I S.1163).

Nach § 27 SGB VIII findet die Hilfe Anwendung, wenn „[…] eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist und die Hilfe für seine Entwicklung geeignet und notwendig ist.“(Artikel 1 des Gesetzes v. 26. Juni 1990, BGBI. I S.1163).

Ausgerichtet ist diese Hilfe auf Eltern und Alleinerziehende mit Kindern und/oder Jugendlichen, deren Familiensituation durch anhaltende Belastungen und Krisen gekennzeichnet ist. Bei der SPFH handelt es um eine aufsuchende Hilfeform. Hierbei ist die Hilfe unmittelbar auf den Lebensraum und die Lebenswelt der Familie fokussiert.

Dies bedeutet auch, dass die Fachkraft die Familie in ihrer Wohnung regelmäßig aufsucht und so auch einen bestimmten Platz im Familiengefüge einnimmt. Die SPFH hat auch einen präventiven Charakter, dass sie unter Umständen eine Fremdplatzierung der Kinder, beispielsweise in einem Heim, oder in einer Pflegefamilie, vorbeugen kann. Hierbei ist jedoch zu betonen, dass SPFH nicht automatisch einer Fremdplatzierung vorzuziehen ist. Welche Maßnahme aus dem Angebot der Hilfen zur Erziehung letztendlich die geeignete ist, ergibt sich aus der Betrachtung der Familiensituation (vgl. Helmig et al, 1998, S. 6-8).

Von zentraler Bedeutung ist, wie im Paragraphen 31 selbst dargelegt, die Hilfe zur Selbsthilfe. Ziel ist es, durch die Unterstützung der SPFH, dass die Familie als Ganzes ihre Autonomie wieder erlangt und sich die Lebensbedingungen für die Kinder entscheidend verbessern. Hierzu werden, neben der intensiven Einbeziehung der Familienmitglieder, auch das soziale Umfeld der Familie sowie der Sozialraum, indem diese angesiedelt ist, miteingeschlossen. So ist beispielsweise zu beleuchten, welche Angebote im Umfeld der Familie für Kinder und Jugendliche zur Verfügung stehen, die positiv auf den Entwicklungsprozess wirken könnten. Des Weiteren ist die Einbeziehung der familieneigenen Ressourcen ein grundlegender Bestandteil im Tätigkeitsbereich der SPFH. So orientiert sich die sozialpädagogische Arbeit an den Stärken der Familie, die es zu fördern gilt (vgl. Schmidt; 2007; S.8).

3 Ausschlusskriterien

Um die Gefahr eines Abbruchs zu verringern, sollten im Vorfeld der Maßnahme bereits einige Ausschlusskriterien für die Inanspruchnahme der Hilfe Beachtung finden. Sollte beispielsweise eine Suchtproblematik bei beiden Elternteilen vorliegen, wäre es ratsam die Hilfe erst nach erfolgreichem Entzug zumindest eines Elternteils zu beginnen.

Dies trifft auch zu, falls die Eltern schwerwiegende psychische Erkrankungen haben. Auch in diesem Fall müsste im Vorfeld der Maßnahme eine stationäre oder ambulante Behandlung erfolgen. In der Hilfeplanung nach §36 SGB VIII sollte unter anderen auch die Bereitschaft der Eltern zur Mitarbeit geklärt werden. Würde sich von Beginn an die Familie der Hilfe verweigern, wäre die Realisierung der Maßnahme nicht möglich (vgl. Schmidt, 2007, S.24).

4 Ausgewählte Problemfelder

In der fachlichen Auseinandersetzung mit so genannten Problemfamilien, können verschiedenste Situationen und Gegebenheiten, welche ich zusammengefasst als „Problemfelder“ bezeichnet habe, zum Abbruch der Hilfe führen. Diese Problemfelder müssen nicht zwangsläufig Komplikationen verursachen, aber sie enthalten ein gewisses Risiko, welches, wenn unerkannt, den Abbruch der Maßnahme bedeuten könnte.

Im Folgenden habe ich von einer Vielzahl an Problemfelder vier ausgesucht, die meines Erachtens nach einen starken Einfluss auf die Entscheidung eines Abbruchs haben.

4.1 Aufbau von Vertrauen

Vertrauen ist innerhalb menschlicher Beziehungen ein hohes Gut. So genießt jemand, der als vertrauenswürdig erachtet wird, grundlegende Privilegien. So bitten wir die Menschen um Rat, oder öffnen unsere innerste Gedanken – und Gefühlswelt den Menschen, denen wir Vertrauen schenken. Ausgehend von diesen Gedanken spielt vor allem auch in der Arbeitsbeziehung zwischen Klient und Fachkraft Vertrauen eine essentielle Rolle. Martin Schmidt formuliert dies, in Bezug auf die Tätigkeit einer Sozialpädagogischen Familienhilfe innerhalb des Familiensystems, folgendermaßen: „[…] Vertrauensaufbau […].Wo dieser nicht gelingt, ist an eine Hilfe über eine kurzlebige Kontaktphase hinaus nicht zu denken.“ (Schmidt, 2007, S.21).

Ich denke, dass diese Aussage den Kern der Sache trifft. Insofern stellt sich die Frage, wie es möglich ist eine Vertrauensbasis zu schaffen, die über Monate oder gar Jahre halten kann. Hierbei sind vor allem die kommunikativen Fähigkeiten der Sozialpädagogischen Fachkraft gefragt. Dies beinhaltet neben dem rhetorischen Geschick und Feinfühligkeit in der Wahl der Worte, vor allem die Fähigkeit die Signale des gegenüber richtig zu deuten. In diesem Zusammenhang denke ich an Paul Watzlawick und seine Ansichten über menschliche Kommunikation. Diesen folgend sind auch nonverbale Äußerungen und bestimmte Verhaltensweisen als Ausdruck menschlicher Kommunikation zu verstehen.

Kron – Klees berichtet von der Anfangsschwierigkeit belasteter Familien ihre Lage in Worte zu fassen. So sind mitunter die ersten Begegnungen, also in der Phase wo der Grundstein für Vertrauen gelegt wird, durch Schweigen seitens der Familie geprägt. Für eine SPFH werden solche Momente, in denen die verbale Kommunikation weitestgehend ausbleibt, wahrscheinlich zu einer wahren Geduldsprobe. Wichtig für die helfende Person ist es, sich das Stillsein zunächst als Ausdruck der inneren Not und dem Unvermögen darüber sprechen zu können begreifbar zu machen.

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Sozialpädagogische Familienhilfe im Umgang mit Problemfamilien
Untertitel
Warum brechen Familien die Hilfe vorzeitig ab und welche Sozialpädagogischen Handlungsmöglichkeiten gibt es, dagegen zu wirken?
Hochschule
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V376985
ISBN (eBook)
9783668547605
ISBN (Buch)
9783668547612
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ASD, Sozialpädagogische Familienhilfe, SPFH, Problemfamilien, Abbruch der Maßnahme
Arbeit zitieren
Andreas Strobel (Autor), 2017, Sozialpädagogische Familienhilfe im Umgang mit Problemfamilien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376985

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