Wer an eine Autostadt in Deutschland denkt, denkt zwangsläufig an Ingolstadt, München, Wolfsburg oder Stuttgart. Eine Stadt wird häufig vergessen: Leipzig, das kleine Venedig. Unbemerkt stieg Leipzig in die erste Liga der Automobilstandorte auf. Im Sommer 2000 begann die BMW Group einen neuen Standort für ihr neues Automobilwerk zu suchen, und ein Jahr später hatte sich das Münchner Unternehmen für den Standort Leipzig entschieden. Leipzig setzte sich somit gegen circa 250 weitere Standorte durch. Unternehmen, die ihre Produktion ausweiten, wie im Fall von BMW, verlegen im Zuge der Globalisierung oft ihren Standort ins Ausland. Doch Leipzig konnte ein zweites Mal einen großen Automobilhersteller für seine Region gewinnen. Im Jahr 1998 baute schon die Firma Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG ihr neues Werk in Leipzig, weil ihr Werk in Zuffenhausen an die Grenzen seiner Produktionskapazitäten gestoßen war. Nun stellt sich die Frage: Wieso entscheiden sich immer öfter Unternehmen für Leipzig, anstatt ihre Werke in anderen Regionen oder im Ausland zu bauen?
Ziel dieser Arbeit ist es, zu ergründen, welche entscheidenden Faktoren bei der Standortwahl für BMW eine Relevanz besaßen und welche Rolle diese Faktoren bei der Standortwahl im Fall eines neuen BMW-Werks in Leipzig im Jahr 2000 gespielt haben. Um dies in der folgenden Seminararbeit darzulegen, werde ich zunächst im Kapitel 2 erläutern, welche Arten von allgemeinen Standortfaktoren es gibt und wie sich diese definieren. Im Anschluss beschreibe ich die für die Automobilindustrie spezifischen Standortfaktoren. Daraufhin erfolgt eine Darstellung wie das Standortwahlverfahren am Beispiel der BMW Group stattgefunden hat und welche Besonderheiten es hatte. Die relevanten Standortfaktoren aus Kapitel 2.3 werden in Kapitel 3.2 beschrieben, weil sie bei der Standortentscheidung im Fall der BMW Group eine fundamentale Rolle spielten. In Kapitel 4 werden die Entscheidung der BMW Group und die spezifischen Entscheidungsparameter dargestellt, die dazu geführt haben, in Leipzig ein neues Automobilwerk zu errichten. Dafür analysiere ich die wichtigsten Standortfaktoren in Bezug auf Leipzig und erkläre, wieso diese für die Entscheidung relevant waren. Es folgt schließlich in Kapitel 5 das Fazit aus den vorher gewonnen Erkenntnissen und ein kurzer Exkurs, wie sich Leipzig entwickelt hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Standortfaktoren
2.1 Definition harter Standortfaktoren
2.2 Definition weicher Standortfaktoren
2.3 Auswahl der Standortfaktoren
2.3.1 Auswahl der Standortfaktoren der Automobilbranche
3 Standortsuche der BMW Group
3.1 Verfahren der Standortsuche
3.2 Entscheidende Faktoren für die Standortwahl der BMW Group
4 Entscheidung für den Standort Leipzig
4.1 Analyse der Standortfaktoren in Leipzig
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die entscheidenden Standortfaktoren, die zur Wahl Leipzigs für den Bau eines neuen BMW-Automobilwerkes im Jahr 2000 führten. Dabei wird analysiert, wie das Unternehmen durch ein transparentes Auswahlverfahren und eine Kombination aus harten sowie weichen Faktoren zu dieser strategischen Entscheidung gelangte.
- Theoretische Grundlagen und Definitionen von Standortfaktoren
- Methodik der Standortsuche der BMW Group
- Analyse spezifischer Anforderungen der Automobilbranche
- Bewertung der Standortvorteile Leipzigs
- Untersuchung von Fördermaßnahmen und Standortbedingungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Verfahren der Standortsuche
Die folgende Analyse orientiert sich an Kampermann (2002)
Der bis dahin konventionelle Weg wäre gewesen, dass das Münchner Unternehmen eine spezialisierte externe Beratungsgesellschaft kontaktiert hätte, um diese mit der Suche nach einem geeigneten Standort zu beauftragen. Die offizielle Bezeichnung dieser Art von Beratungsgesellschaften lautet „Site Selection Consultant“. Diese Unternehmen besitzen das spezielle know-how und haben jahrelange Erfahrung im Bereich der Beratung, bzgl. Standortplanung.
Die BMW Group hat sich für die Standortsuche für folgende Pressemitteilung entschieden: „Die BMW Group hat entschieden die Produktion für die neue Modellreihe im Werk Regensburg anlaufen zu lassen. Die vorhandenen Kapazitäten innerhalb des BMW Werkverbundes reichen für das zusätzliche Produktionsvolumen der neuen Modellreihe jedoch nicht aus. BMW Group beabsichtigt daher, ein komplett neues Werk zu errichten.“ lautete die offizielle Presse-Information am 13.07.2000 (BMW 2000).
Die öffentliche Pressemitteilung der BMW Group hatte zur Folge, dass jeder Wirtschaftsstandort, national wie international die Möglichkeit besaß, sich für ihren jeweiligen Standort zu bewerben. Dies führte zu einer größeren Auswahlmöglichkeit für die BMW Group und somit bestand nicht die Gefahr, dass potenzielle Standorte nicht identifiziert, bzw. nicht berücksichtigt werden würden.
Durch ein mehrstufiges Auswahlverfahren und einer kurzen Verfahrensdauer, konnte die BMW Group innerhalb eines Jahres einen neuen Standort für ihr neues Werk finden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Standortwahl von Großunternehmen in der Region Leipzig ein und formuliert die Zielsetzung der Analyse.
2 Standortfaktoren: In diesem Kapitel werden theoretische Grundlagen zu harten und weichen Standortfaktoren definiert und deren Bedeutung für die heutige Industriestandorttheorie erläutert.
3 Standortsuche der BMW Group: Das Kapitel beschreibt das spezifische, unkonventionelle Auswahlverfahren der BMW Group und die daraus resultierenden Basisanforderungen an einen neuen Werkstandort.
4 Entscheidung für den Standort Leipzig: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse der für Leipzig ausschlaggebenden Faktoren, darunter Verkehrsinfrastruktur, Arbeitskräfte und finanzielle Förderungen.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und resümiert, dass Leipzig durch eine vorteilhafte Kombination aus Standortfaktoren und aktiver Unternehmensfreundlichkeit überzeugen konnte.
Schlüsselwörter
Standortwahl, BMW Group, Leipzig, Standortfaktoren, Automobilindustrie, harte Standortfaktoren, weiche Standortfaktoren, Infrastruktur, Standortsuche, Investition, Arbeitskräfte, Standortentwicklung, Automobilwerk, Wirtschaftsförderung, Standortwettbewerb
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Standortwahl der BMW Group, die zur Entscheidung führte, ein neues Automobilwerk in der Stadt Leipzig zu errichten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die theoretische Klassifizierung von Standortfaktoren, der Ablauf des standortübergreifenden Auswahlprozesses sowie die spezifischen Bedingungen am Standort Leipzig.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die entscheidenden Faktoren zu ergründen, die bei der Standortwahl für BMW relevant waren und wie diese das Ergebnis im Jahr 2000 beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine Standortanalyse durchgeführt, die sich auf branchenübliche Faktoren stützt und diese im Kontext des konkreten Bauvorhabens bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition von Standortfaktoren, die Darstellung des Auswahlverfahrens der BMW Group und die konkrete Standortanalyse von Leipzig.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Standortwettbewerb, Automobilstandort, Wirtschaftsförderung und das Zusammenspiel zwischen harten und weichen Standortfaktoren.
Warum war das Vorgehen der BMW Group bei der Standortsuche als unkonventionell zu bezeichnen?
Im Gegensatz zum konventionellen Weg, eine spezialisierte Beratungsfirma zu beauftragen, veröffentlichte BMW eine Pressemitteilung, wodurch sich Standorte weltweit eigenständig bewerben konnten.
Welche Rolle spielte das Modell "BMW Formel für Arbeit" für den Standort Leipzig?
Dieses Modell ermöglichte hochflexible Arbeitszeiten und trug maßgeblich dazu bei, die Produktivität des Werkes an schwankende Auslastungen anzupassen, was einen Standortvorteil darstellte.
Wie wirkten sich finanzielle Förderungen auf die Standortentscheidung aus?
Die bereitgestellten Fördermittel von Bund und Ländern in Höhe von ca. 360 Millionen Euro halfen, Standortnachteile bei den Lohn- und Grundstückskosten gegenüber Wettbewerbern zu kompensieren.
Welchen Einfluss hatte die Verkehrsinfrastruktur auf die Wahl des Standortes?
Die exzellente Anbindung an das Autobahnnetz und die Nähe zum Leipziger Flughafen ermöglichten eine effiziente Integration in den bestehenden Produktionszyklus und die Zulieferstrukturen.
- Citar trabajo
- Lennart Fritze (Autor), 2017, Analyse der Standortfaktoren in Leipzig. Verfahren und Standortanalyse der BMW Group, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376991