Sport. Eine Therapieoption bei bipolaren Störungen


Masterarbeit, 2015

90 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen
2.1 Definition des Begriffes ‚Krankheit‘
2.2 Definition des Begriffes ‚Störung‘

3. Die bipolar affektive Störung
3.1 Definition und Klassifikation
3.2 Die depressiven Episoden
3.3 Die manischen Episoden
3.4 Prognose und Symptomatik
3.5 Sonderform: Mischzustand
3.6 Verlauf
3.7 Auftreten der Erkrankung
3.8 Komplikationen
3.9 Frühe Anzeichen
3.10 Ätiologie

4. Definition des Begriffes ‚Stress‘
4.1 Vulnerabilitäts-Stress-Modell
4.2 Die Stressreaktion
4.3 Stressbewältigung

5. Neurobiologie der Erkrankung

6. Gruppenspezifische Sonderfälle der bipolaren Erkrankung
6.1 Bipolare Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter
6.2 Bipolare Störungen bei Leistungssportlern
6.2.1 Übertraining und Übertrainingssyndrom

7. Behandlungsmöglichkeiten einer bipolaren Störung
7.1 Pharmakotherapie
7.2 Psychotherapie
7.2.1 Kognitive Verhaltenstherapie
7.2.2 Psychoanalytische Therapie
7.2.3 Tiefenpsychologisch fundierte Therapie
7.2.4 Gesprächspsychotherapie
7.2.5 Systemische (Familien-)Therapie
7.3 Soziotherapie
7.4 Ergänzende Therapiemaßnahmen

8. Sporttherapie als ergänzende Therapiemaßnahme
8.1 Definition der Sporttherapie
8.2 Allgemeine Sporttherapie
8.3 Spezielle Sporttherapie
8.4 Grundvoraussetzungen des Sporttherapiebegriffs
8.5 Konzeptionelle Ansätze
8.6 Ziele der Sporttherapie
8.6.1 Ziele in der Depressionstherapie
8.6.2 Ziele in der Manietherapie

9. Sporttherapiegestaltung und ihre Möglichkeiten
9.1 Kraft- und Ausdauertraining
9.2 Koordinations- und Wahrnehmungsschulung
9.3 Spiel
9.4 Entspannungsübungen
9.5 Gymnastik

10. Stressbewältigung mittels Sporttherapie

11. Parameter der Sporttherapie bei bipolaren Erkrankungen
11.1. Trainingsintensität
11.2. Trainingshäufigkeit
11.3. Indikationen und Kontraindikationen
11.3.1 Indikationen
11.3.2 Kontraindikationen
11.4. Compliance
11.5. Nebenwirkungen
11.6 Mögliche Effekte der Sporttherapie
11.6.1 Physische Effekte
11.6.2 Psychische Effekte

12. Ausdauertraining oder Antidepressivum?
12. 1 Relevante Hormone des Ausdauertrainings

13. Exemplarische Konzeption einer Sporttherapie bei depressiven Patienten

14. Schulsportunterricht bei psychischer Erkrankung
14.1 Übungen zur Entspannung in der Schule
14.1.1 Die Schaukel
14.1.2 Der Überschlag
14.1.3 Der Baum
14.1.4 Die Blume
14.1.5 Die Katze
14.1.6 Die Schlange Kaa
14.1.7 Der fröhliche Frosch
14.1.8 Der Hund
14.1.9 Der Drehsitz
14.1.10 Die Heuschrecke
14.1.11 Die Energie-Kerze

15. Vorschlag eines Konzeptentwurfes für den praktischen Alltag
15.1 Motivation und Idee
15.2 Aufbau der Trainingseinheiten
15.3 Begründung der Sportdisziplinen
15.3.1 Aquafitness
15.3.2 Lauftraining
15.3.3 Kräftigungs- und Dehnübungen
15.3.4 Entspannung und Körperwahrnehmung
15.4 Rahmenbedingungen
15.4.1 Gruppengröße
15.4.2 Zeitaufwand
15.4.3 Personal
15.5 Vorbereitungen
15.6 Übergeordnete Ziele
15.7 Materialwahl
15.8 Kombination aus Lauftraining, Kräftigung und Dehnung
15.8.1 Korrekte Lauftechnik
15.8.2 Laufen
15.8.3 Kräftigung mit dem Theraband
15.8.3.1 ‚Seithebe‘
15.8.3.2 ‚Rückenstreckung‘
15.8.3.3 ‚Zweiarmiges Rudern‘
15.8.3.4 ‚Vertikal Rudern‘
15.8.3.5 ‚Ziehen‘
15.8.3.6 ‚Vor der Brust halten‘
15.8.4 Dehnübungen
15.8.4.1 ‚Kniebeuger‘
15.8.4.2 ‚Oberschenkeldehner‘
15.8.4.3 ‚Schulterdehner‘
15.8.4.4 ‚Schmetterling‘
15.8.4.5 ‚Kniezieher‘
15.8.4.6 ‚Brustdehner‘
15.8.4.7 ‚Rumpfbeuge‘
15.8.5 Entspannen
15.9 Übungen mit dem Theraband für zu Hause
15.9.1 ‚Streckung‘
15.9.2 ‚Brustpresse‘
15.9.3 ‚Spannung in Hocke‘
15.10 Aquafitness/-joggingeinheit
15.10.1 Ziele der Aquatrainingseinheit
15.10.2 Organisation des Aquatrainings
15.10.2.1 Organisationsform
15.10.2.2 Trainingsmethode
15.10.2.3 Musikauswahl
15.10.2.4 Zusätzliche Kontraindikationen
15.10.3 Aufbau des Aquatrainings
15.10.3.1 Wassergewöhnung und Dehnung
15.10.3.1.1 ‚Gleiten der Arme‘
15.10.3.1.2 ‚Schwingen der Beine‘
15.10.3.1.3 ‚Seitliche Rotation‘
15.10.3.1.4 ‚Beckentanz‘
15.10.3.1.5 ‚ Achter‘.
15.10.3.1.6 ‚Hänger‘
15.10.3.2 Hauptteil
15.10.3.2.1 Entspannung und Ausklang

16. Zusammenfassung und Fazit

17. Literaturverzeichnis

18. Internetquellen

19. Abbildungsverzeichnis.

1. Einleitung

Bipolare Störungen zählen zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen in der Bundesrepublik Deutschland. Schätzungsweise vier Millionen Bundesbürger leiden derzeit unter einer bipolaren Störung; die Wahrscheinlichkeit im Lauf seines Lebens unter dieser Krankheit zu leiden liegt bei 1 bis 1,6 Prozent. Mit dieser Krankheit geht ein erhöhtes Suizidrisiko einher: Circa 15 Prozent der Patienten nehmen sich das Leben, 25 Prozent unternehmen mindestens einen Suizidversuch (vgl. Deutsche Gesellschaft für bipolare Störungen 2012). Die Behandlungsmöglichkeiten dieser Erkrankung sind vielfältig. Psychotherapie, medikamentöse Therapie, Kunsttherapie, Musiktherapie, Ergotherapie und Sporttherapie greifen ineinander über, um den erkrankten Menschen ganzheitlich zu behandeln. Diese Arbeit beschäftigt sich insbesondere mit der sportlichen Komponente der Behandlung.

Das erste Kapitel befasst sich mit den Begriffen ‚Krankheit‘ und ‚Störung‘ sowie Erläuterungen zu Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Anschließend wird die bipolare affektive Störung definiert und mittels Klassifizierungssystemen eingeordnet. Es folgen Prognose und Symptomatik, eine Erklärung zur Mischform der bipolaren Störung, Verlauf der Krankheit, Auftreten der Erkrankung, Komplikationen, frühe Anzeichen und Ätiologie. Somit ist die bipolare Störung als Ganzes betrachtet worden.

Im darauf folgenden Kapitel wird eine der Hauptursachen betrachtet, die zu dieser Störung führt. Sie wird in einem Modell erklärt und im Anschluss werden die biologischen Reaktionen betrachtet. Ein Kapitel über die Neurobiologie der bipolaren Störung schließt an. Es beschreibt die Prozesse bzw. Vorgänge des erkrankten Organismus, die vor allem im Gehirn vorgehen. Im Anschluss werden Sonderfälle der bipolaren Erkrankung analysiert. So wird ein Gesamtüberblick über die bipolare Erkrankung geschaffen um im Folgenden die unterschiedlichen Therapieformen zu betrachten.

Alle genannten Therapieformen greifen ineinander über, was bedeutet, dass meistens keine der Therapieformen isoliert zum gewünschten Erfolg führt, sondern eine auf den Patienten individuell abgestimmte Kombination an Therapien zusammengestellt werden soll. Die Sporttherapie stellt in dieser Arbeit natürlich den Hauptteil der Therapieformen dar. Seit Menschengedenken wird körperliche Bewegung empfohlen. In allen Kulturen ist körperliche Bewegung und das Spiel als Mittel der Freizeitgestaltung zu finden. In Griechenland und Ägypten zählten Lauf- und Wurfwettbewerbe zum Usus. In der mexikanischen Kultur gab es Wettbewerbe mit Ballspielen, die indianische Kultur bevorzugte sportliche Tätigkeiten wie Reiten. Mit Beginn der Industrialisierung hat der tägliche Arbeitsaufwand aller enorm zugenommen, wodurch ein sportliches Freizeitprogramm oft als belastender Zusatz gesehen wird: die sportliche Betätigung und das Spiel haben rasant abgenommen. Zusätzlich werden viele Bewegungen durch Maschinen ersetzt, neue Kommunikationssysteme und Medien führen zu einer weiteren Abnahme 1 der körperlichen Ausübungen, da ein persönliches Treffen zum Austausch von Informationen nicht mehr von Nöten ist.

In der heutigen Zeit wird Sport somit eine große psychosomatische Bedeutung zugesprochen. Zu wenig Sport und Bewegung ist eine ‚Zivilisationskrankheit‘, die zu vielen gesundheitlichen Problemen führt. Es existieren Sprichwörter, wie ‚das Wandern ist des Müllers Lust‘ und ‚gesunder Geist in einem gesunden Körper‘, die sich in unsere Gesellschaft eingeschlichen haben und zeigen, dass Bewegung wichtig ist. So kann Sport in optimaler Dosierung sogar ein ‚Heilmittel‘ und zu niedrig oder zu hoch dosiert jedoch ebenfalls Krankheitsauslöser sein. Beide Fälle werden ebenso in dieser Arbeit betrachtet.

Seit dem 2. Weltkrieg hat sich das Thema Sport in der Gesellschaft zusätzlich mit dem Wort Leistung vereint. Dies ist auch heute noch in vielen Köpfen verankert. Der Körper soll funktionieren und das weitere Leben nicht stören. Dieses Denken führt zu Krankheiten und Fehlschaltungen verschiedener körperlicher Systeme. Wichtig ist jedoch, Sport in einem psycho-sozial-biologischen Gleichgewicht zu betreiben. Erst dann kann er als angenehm wahrgenommen werden. Hierbei hat der Begriff Therapie Bedeutung, da er Sport nicht mit Leistung sondern mit Wohlbefinden verbindet.

Sport kann jedoch nicht allein als Therapie angewandt werden, es muss das individuell richtige Maß an körperlicher, psychischer und geistiger Belastung stattfinden. Nur so können wir gesund bleiben bzw. einen eher gesunden Zustand beibehalten (vgl. ZWISCH 2007, 12).

In Großbritannien wird die sportliche Aktivität mittlerweile als bevorzugte Therapiemethode bei Depressionen genutzt. Auch in den deutschen Einrichtungen wird Sport immer wichtiger. Depression ist eine der beiden Komponenten der bipolaren Erkrankung. Grundsätzlich ist zu sagen, dass die Behandlung bipolarer Patienten in einer depressiven Episode und unipolaren depressiven Patienten ähnliche Züge hat (RATEY 2009, 142). Hierzu sind in der Literatur außerordentlich viele Studien zu finden. Literatur im Bezug auf Sporttherapie der bipolaren Störung ist selten zu finden. Aus diesem Grund und, weil sich die unipolare Depression und die depressive Episode in der bipolaren Störung sehr ähneln, werden in der vorliegenden Arbeit ebenfalls gezielt Quellen genutzt, die sich mit der unipolaren Depression auseinander gesetzt haben. Weiterhin werden Vorschläge zur Sporttherapie bezüglich der manischen Episode gegeben.

Nachdem der Sporttherapiebegriff definiert ist, werden konzeptionelle Ansätze in der Therapie betrachtet. Diese führen zu Zielen in der Therapie der bipolaren Störung. Um diese umsetzen zu können, werden zunächst die unterschiedlichen Optionen des Sporttherapieprogramms aufgezeigt. Anschließend erfolgen Hinweise dazu, in welcher Form, Intensität und Häufigkeit ein Therapieprogramm bei einer bipolaren Störung angewendet werden sollte. Es folgen die möglichen Effekte einer Sporttherapie in der Behandlung der bipolar affektiven Störung.

In vielen Studien wurde bereits die Wirksamkeit des Ausdauertrainings in der Behandlung affektiver 2 Störungen belegt, weshalb das Ausdauertraining in einem eigenen Kapitel analysiert wird. Es stellt sich die Frage, ob Antidepressiva in der depressiven Episode der affektiven Störung mittels Ausdauersport ersetzt werden kann. In diesem Zusammenhang werden die Hormone des Ausdauertrainings gesondert betrachtet um zu analysieren, warum das Ausdauertraining so effektiv ist.

Das darauf folgende Kapitel beinhaltet ein bereits erstelltes und erprobtes Konzepte der Sporttherapie bei depressiven Patienten. Auf diesem Wissen aufbauend, wird ein selbst erstelltes Konzept vorgestellt und erläutert, das dahingehend konzipiert wurde, um Teil einer Therapie für bipolar erkrankte Patienten in der depressiven Episode sein zu können.

2. Begriffsbestimmungen

Im Alltag sind jedem von uns Gefühlsschwankungen bekannt, man hat traurige Episoden jedoch auch glückliche Momente, die man in vollen Zügen genießt. Ab wann jedoch diese beiden Gefühlswelten krankhaft werden, gilt es zu hinterfragen. Um dies zu beleuchten, werden zunächst die Begriffe ‚Krankheit‘ und ‚Störung‘ im Folgenden definiert.

2.1 Definition des Begriffes ‚Krankheit‘

Um den Begriff Krankheit zu definieren, ist es notwendig den Begriff der Gesundheit zu betrachten, da sie Gegensätze bilden, die jedoch einen fließenden Übergang ineinander haben. Gesundheit und Krankheit bilden zwei verschiedene Pole eines Kontinuums, in welchem sich ein Mensch hin- und her bewegt (vgl. JÜPRGENS/HUCH 2011, 44). Da beide Begriffe ineinander übergehen, ist es schwierig, eine Definition für beide festzulegen. Versuche von Definitionen gibt es jedoch beispielweise von der WHO, die einen Menschen als gesund bezeichnet, wenn er sich in einem Zustand vollkommenen physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens befindet (vgl. LÖFFLER-STASTKA/SCHUSTER 2010, 123). Diese Definition ist sehr umfassend betrachtet, jedoch im Alltag nicht praktikabel, da es vonnöten ist zu sehen, dass das absolute soziale und seelische Wohlbefinden praktisch nie ganz erreichbar ist. Ein weiterer Versuch der Definition beider Begriffe wird mit dem Prinzip der Homöostase gemacht, das von Ferdinand Hoff (1896-1988) aufgestellt wurde.

Nach diesem ist „ ...Gesundheit das harmonische Gleichgewicht zwischen Bau und Funktionen des Organismus einerseits und dem seelischen Erlebens andererseits... “ (J Ü PRGENS/HUCH 2011, 44).

Wird dieses Gleichgewicht gestört, ist die Person krank. Krankheit ist somit als Störung der Homöostase zu verstehen (vgl. JÜPRGENS/HUCH 2011, 44). Es ist ein Zustand einer Person, der von einer festgelegten Norm, einem bestimmten Richtwert, divergiert. Solche Richtwerte können sich beispielsweise auf medizinische Parameter, wie zum Beispiel Blutdruck, Hämoglobinwert u.ä., beziehen, müssen sich also objektiv abbilden lassen. Somit wird eine Krankheitsdiagnose immer anhand einer Abweichung von bestimmten Vorstellungen des ‚normalen Zustandes‘ getätigt (vgl. WHO 2015).

Trotz der Abgrenzungen von Krankheit und Gesundheit ist es möglich, dass eine Person eine Krankheit hat und dennoch das Gefühl empfindet, gesund zu sein. Dies ist beispielweise bei Menschen mit einer chronischen Krankheit oft zutreffend. Ist eine solche Person beschwerdefrei und kaum im alltäglichen Leben eingeschränkt, würde sie sich in einer solchen Zeit eher trotzdem als gesund bezeichnen.

Eine Auswertung der Barmer GEK ergab, dass derzeit die häufigsten in Deutschland auftretenden Erkrankungen Bluthochdruck, Rückenschmerzen, Störungen des Fettstoffwechsels, Atemwegserkrankungen und Depressionen sind (vgl. WHO 2015).

2.2 Definition des Begriffes ‚Störung‘

Der Begriff ‚Krankheit‘ wird den medizinischen Modellen zugerechnet. In der Psychologie wird eher der Begriff ‚Störung‘ verwendet (vgl. STEMMER-LÜCK 2009, 23). Auch in der Psychologie gibt es ein Kontinuum zwischen Gesundheit und Störung, in welchem wir uns bewegen. Gestörtes Erleben ist immer deviant, also abweichend von einem gesunden Erleben. Abweichen bedeutet, dass eine Norm existieren muss, von der man abweichen kann. Schwierig hierbei ist, dass es mehrere Normen gibt, die angewandt werden können und somit eine Orientierung schaffen können. Es gibt beispielsweise statistische, soziale, gesellschaftliche, funktionale und ideale Normen, mittels derer man ein Verhalten als angemessen oder nicht angemessen beurteilen kann (vgl. STEMMER-LÜCK 2009, 24). In Europa halten sich Ärzte und Psychologen überwiegend an die ICD-10, die zur Einteilung der Störungen dient: Sie wurde von der WHO herausgegeben und bedeutet ‚International Statistic Classification of Diseases and Related Health Problems‘. Es existiert mittlerweile in der zehnten Fassung und beinhaltet auch nicht-psychische Krankheiten (vgl. BENESCH 1995, 10).

In den USA ist ein anderes System gültig, das DSM (‚Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders‘). Es dient als allgemeingültiger Standard, um psychische Störungen zu definieren. Derzeit liegt es in der vierten Revision vor, der DSM-IV. 1994 wurde das DSM-IV erstmals veröffentlicht und im Jahr 2000 anschließend leicht überarbeitet (vgl. BENESCH 1995, 10). Die bipolare Störung lässt sich sowohl mittels ICD-10, als auch mittels DSM-IV den affektiven Störungen zuordnen. Dies ist eine Gruppe von Störungen, „… bei denenüber

längere Zeiträume charakteristische Symptommuster mit ausgeprägten Stimmungsänderungen, insbesondere Niedergeschlagenheit (Depression) oder situationsadäquate Stimmungssteigerung (Manie), Freudlosigkeit, Interesselosigkeit und Antriebsverlust oder -steigerung bestehen “ (SCHNEIDER 2013, 159).

3. Die bipolar affektive Störung

3.1 Definition und Klassifikation

Die bipolare affektive Störung wird in diesem Kapitel mittels ICD-10 und DSM-IV betrachtet. Sie ist eine psychische Störung, die laut ICD-10 durch mindestens zwei Episoden charakterisiert ist (vgl. MAUERSBERG/WALD 2015, 1). In diesen sind Stimmung sowie Aktivitätsniveau des Betroffenen deutlich gestört. Störung heißt in dem Fall einmal eine gehobene Stimmung mit vermehrtem Antrieb und Aktivität (Hypomanie) und ebenfalls eine Stimmungssenkung mit vermindertem Antrieb und Aktivität (Depression) (vgl. ICD-10 2015, 1).

Laut ICD-10 gibt es folgende Untergruppen der bipolar affektiven Störungen:

„ F31.0 Bipolar affektive Störung, gegenwärtig hypomanische Episode

F31.1 Bipolar affektive Störung, gegenwärtig manische Episode ohne psychotische Symptome F31.2 Bipolare affektive Störung, gegenwärtig manische Episode mit psychotischen Symptomen F31.3 Bipolare affektive Störung, gegenwärtig leichte oder mittelgradige depressive Episode F31.4 Bipolare affektive Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome

F31.5 Bipolare affektive Psychose, gegenwärtig schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen

F31.6 Bipolare affektive Psychose, gegenwärtig gemischte Episode F31.7 Bipolar affektive Psychose, gegenwärtig remittiert F31.8 Sonstige bipolare affektive Störungen

F31.9 Bipolare affektive Störung, nicht näher bezeichnet “ (ICD-10 2015, 1)

Die DSM-IV postuliert für bipolar affektive Störungen die folgende Einteilung:

„-296.xx Bipolar I Störung
-296.89 Bipolar II Störung
-301.13 Zyklothyme Störung
-296.80 Nicht näher bezeichnete bipolare Störung “ (SAß/WITTCHEN 2003, 395)

Zusätzliche Beschreibungen werden Zusatzcodierungen genannt, die beispielsweise definieren, 5 welchen Schweregrad die Depression oder die Manie hat, oder welche Merkmale die Krankheit zusätzlich aufweist, wie beispielsweise melancholische oder katatone Merkmale (vgl. SAß/WITTCHEN 2003, 395).

3.2 Die depressiven Episoden

Die depressiven Episoden sind in leichte (F.32.0), mittelgradige (F32.1) oder schwere (F32.2 und F32.3) Episoden unterteilt. Der Betroffene leidet unter einer gedrückten Stimmung und einer Verminderung von Aktivität und Antrieb. Sowohl Freude, Interesse als auch Konzentration sind vermindert. Einige Patienten spüren eine ausgeprägte Müdigkeit, die bereits nach der kleinsten Anstrengung auftreten kann. Schlafstörungen sind ebenfalls meist Begleiter dieser Erkrankung, Appetitverminderung kann auftreten. Eine Beeinträchtigung des Selbstvertrauens und des Selbstwertgefühls ist nahezu immer vorhanden. Sogar bei einer leichten Form der Depression kommen Schuldgefühle und/oder Gedanken der eigenen Wertlosigkeit vor. Die gedrückte Stimmung, in der sich die Erkrankten befinden, verändert sich meist nur mäßig, sie passt sich nicht an die Lebensumstände an. So kann hier von ‚somatischen‘ Symptomen gesprochen werden, die den Erkrankten täglich begleiten. Interessenverlust, Verlust von Freude, Früherwachen, ein morgendliches Tief, deutliche psychomotorische Hemmung, Appetitverlust, Agitiertheit, Gewichtsverlust und auch Libidoverlust sind die Merkmale der Depression. Je nach Anzahl und Schwere dieser Symptome wird die Depression in leicht, mittelgradig oder schwer gegliedert (vgl. ICD-10 2015).

3.3 Die manischen Episoden

Die Hypomanie (F30.0) ist hingegen durch eine anhaltende, leicht gehobene Stimmung gekennzeichnet. Der Erkrankte hat einen gesteigerten Antrieb und eine gesteigerte Aktivität. In der Regel befindet sich derjenige in einem auffallenden Gefühl des Wohlbefindens und einhergehend mit körperlicher und seelischer Leistungsfähigkeit. Er ist gesteigert gesellig, gesprächig, übermäßig vertraulich, hat eine gesteigerte Libido und ein vermindertes Schlafbedürfnis. All dies jedoch nicht in dem Ausmaß, dass es zu einer sozialen Ablehnung oder einem Abbruch der Berufstätigkeit führt. An Stelle der euphorischen Geselligkeit können jedoch auch Selbstüberschätzung, flegelhaftes Verhalten oder Reizbarkeit treten (vgl. ICD-10 2015).

Es gibt spezielle Symptommuster der manischen Episode. Diese sind:

- Heitere Manie: charakterisiert durch grundlose Heiterkeit, Optimismus, Scherzhaftigkeit und Übermut.
- Geordnete Manie: Das Denken erscheint völlig geordnet und adäquat zu sein, typisch ist eine 6 fehlende Ideenflucht (vgl. GRUNST/SURE 2010, 294).
-„Verworrene Manie: Ideenflucht bis zur Denkzerfahrenheit“ (GRUNST/SURE 2010, 294)
- Gereizte Manie: Reizbarkeit und Aggressivität sind Hauptsymptome.
- Überkochende Manie: höchste manische Phase der Ideenflucht, fehlendes Konzentrationsvermögen, Halluzinationen und paranoide bis katatone Smyptome (vgl. GRUNST/SURE 2010, 294) Manische und depressive Episoden sind Diagnosen für einen aktuellen psychopathologischen Zustand, unabhängig von deren Verlauf. Sie können lediglich einmalig auftreten, wodurch sie weniger geeignet sind, um eine nosologische („Krankheiten systematisch beschreibende“(DUDEN 2015)) Krankheitsentität zu definieren. Die Episoden können auch immer wieder im Laufe eines Lebens erscheinen. Durch dieses erneute Auftreten sind die typischen Krankheitseinheiten der bipolaren Störung definiert.

3.4 Prognose und Symptomatik

Ein Patient kann sich in den verschiedenen Stadien der manischen Episode, der depressiven Episode oder einer gemischten Episode befinden. Die manischen und depressiven Episoden können im Rahmen dieser Störung jegliche psychopathologische Form annehmen. Das bedeutet, manische Episoden können als hypomanische Symptome erscheinen, mit einem eher gereizten oder einem euphorischen Affekt. Die depressiven Symptome können ebenfalls in jeder Abstufungsform erscheinen und ohne oder mit psychotischen Merkmale auftreten. Die am häufigsten auftretende Form der Depression ist der melancholische Subtyp. Jegliche weitere Krankheitsbilder, wie auch eine Hypersomnie (ZNS-bedingte Störung, die sich in einem übermäßigen Tagesschlafbedarf äußert (vgl. PSYCHREMBEL 2011, 933)), Müdigkeit oder auch pseudohysterische Verhaltensweisen sind mögliche Auftretungserscheinungen (vgl. ICD-10 2015).

Bei den meisten Patienten treten die einzelnen manischen und/oder depressiven Episoden immer wieder in der gleichen Symptomatologie auf, also mit den gleichen Schweregraden, in seltenen Einzelfällen kann dies jedoch auch wechseln.

Zwischen diesen Episoden sind die Patienten meistens symptomfrei, wobei auch dies nicht in jedem der Fälle nachzuweisen ist. Am häufigsten ist es nachweisbar, dass sich bei längerer Krankheitsdauer die Zyklen verkürzen. Zyklus meint dabei die Zeitspanne vom Beginn der ersten Episode bis zum Startpunkt der nächsten.

Die Abfolge, also der Beginn und Ende der Episoden, haben sehr häufig bereits über Jahrzehnte einen individuellen Rhythmus im Kalenderjahr, wodurch der Arzt aus der Rekonstruktion der vergangenen Phasen die Dauer und die Art der neuen Episode vorhersagen kann.

Eine besonders schwere Form der bipolaren Störung ist das rapid cycling, das durch den schnellen Wechsel verschiedener Typen gekennzeichnet ist. 20 Prozent aller Patienten sind davon betroffen, vor 7 allem Frauen (vgl. BAUER 2013, 20). Hierbei gibt es unterschiedliche Formen: Rapid cycling ist beschränkt auf vier und mehr Episoden pro Jahr. Das sogenannte Ultrarapid cycling bezeichnet vier Episoden je Monat, das Ultradian cycling sogar mehrfach tägliche Episoden (vgl. DGBS 2015).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Beispiel für Rapid cycling (modifiziert von Lisa Schmalen, nach DGBS 2015, 11)

3.5 Sonderform: Mischzustand

Eine Sonderform der affektiven Störung sind die Mischzustände, bei denen es vorkommen kann, dass manische und depressive Symptome zugleich vorhanden sind und in einem raschen Wechsel nacheinander auftreten (vgl. ICD-10 2015).

Diese Form macht eine Diagnose oftmals schwer, vor allem, wenn vorher noch keine affektive Störung festgestellt wurde. Patienten mit einem Mischzustand können auffallen durch folgende Merkmale:

- deprimierte Stimmung verbunden mit gleichzeitiger Überaktivität, Rededrang, teilweise auch Größenideen.
- euphorische Stimmungslage oder Dysphorie ( „Störung der Affektivität mit missgelaunter, gereizter Stimmung...“ (PSYCHREMBEL 2011, 515)), psychomotorische Unruhe und gleichzeitig Antriebsmangel oder Antriebshemmung.
- starke Antriebshemmung mit Mutismus („Stummheit bei intaktem Sprachvermögen“ (PSYCHREMBEL 2011, 1370)) und zugleich euphorisch-ekstatischen Glücksgefühlen.
- ein rascher Wechsel Euphorie und Depression mit Affektinkontinenz („Kurzschluss- oder Explosivhandlung…“ (PSYCHREMBEL 2011, 30)) und Affektlabilität („Bezeichnung für die Senkung der Schwelle zur Affektauslösung mit raschem Wechsel der emotionalen Stimmung..“ (PSYCHREMBEL 2011, 31)), erhöhte Reaktionsfähigkeit auf Umweltreize mit Hysterieformen und demonstrativen Verhaltensweisen.
- sehr starke Angstgefühle oder hypochondrische Befürchtungen, gleichzeitige Antriebssteigerung, Geschäftigkeit, Logorrhoe („starker, oft unstillbarer Rededrang mit Verlust der Selbstkontrolle über die eigene Sprachproduktion...“ (PSYCHREMBEL 2011, 1205).
- Ideenflucht („formale Denkstörung mit ständigen wechselnden Assoziationen bei fehlender Tenazität.. („Fähigkeit, die Aufmerksamkeit kontinuierlich auf einen Gegenstand zu richten...“ (PSYCHREMBEL 2011, 956)) (ohne oder mit Logorrhoe) mit unverständlichen zerfahrenen Äußerungen, zugleich Antriebshemmung (psychomotorisch) Häufige Begleiter der Mischformen sind ebenfalls:
- nur vorübergehend auftretende „psychotische“ Symptome begleitend mit Wahneinfällen und - gedanken, gelegentliche Halluzinationen oder Störungen der Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung Mischzustände treten häufig in einer Übergangsphase von Depression und Manie und zum Ende einer behandelten Manie auf, was oftmals auch ein Medikamenteneffekt ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Verschiedene Pole der bipolaren Störung (modifiziert von Lisa Schmalen, nach DGBS 2015)

Die folgende Abbildung ist eine Gesamtübersicht über die verschiedenen Formen.

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Abb. 3: Bipolares Spektrum (SCHÄFER/REIF 2014, 3)

3.6 Verlauf

Der Verlauf der Erkrankung ist sehr individuell, da er von zahlreichen Faktoren abhängt. Faktoren wie Schweregrad der Krankheit, Alter der Erstmanifestation, Häufigkeit der verschiedenen Episoden, komorbide („...Auftreten von zwei oder mehreren psychiatrischen Störungen oder Persönlichkeitsstörungen...“ (EBDD 2015)) Zustände, Zyklusmuster und eventuell vorliegendes Rapid cycling bestimmen den einzelnen Verlauf. Der gesamte Hergang ist ebenfalls stets wesentlich von der Bereitschaft zur Behandlung abhängig (vgl. PSYCHOSE.DE 2015).

Ebenfalls entscheidend sind die verschiedenen Typen der Krankheit. Es gibt drei Unterteilungen der bipolaren Erkrankung, die Bipolar I-, Bipolar II- und die Zyklothyme Störung. Von Bipolar I spricht man, wenn der Betroffene mindestens eine 14 Tage lang andauernde manische und mindestens eine depressive Episode hatte. Bipolar II meint Betroffene, die mindestens eine 14 Tage lang andauernde depressive Episode und mindestens eine manische Episode hatten. Spricht man von einer zyklothymen Störung, so meint man Betroffene, die innerhalb eines Zeitraums von mindestens zwei Jahren ständig leichte und manische Schwankungen erleben, wobei die einzelnen Phasen nicht alle Kriterien einer ‚echten‘ Manie oder Depression erfüllen (vgl. DGBS 2015).

Bei einer Bipolar I- Störung treten bei insgesamt 90 Prozent der Erkrankten mehrere Episoden auf. Davon sind durchschnittlich 10-20 Prozent Manien, deutlich häufiger sind dementsprechend die depressiven Episoden. Ist die psychische Störung unbehandelt, so treten durchschnittlich in den ersten zehn Jahren vier Episoden auf. 60 bis 70 Prozent der Betroffenen wechseln nach der manischen Episode unmittelbar in eine depressive Episode über. 90 Prozent der Betroffenen haben zwischen den Phasen keine Symptome. Außerhalb der Phasen gibt es jedoch einen geringen Teil der Erkrankten, der Restsymptome, vor allem Stimmungslabilität, jedoch auch leicht depressive Stimmung oder intellektuelle Einschränkungen durch beispielsweise Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten, verspürt.

Häufig geht die bipolare Störung auch mit anderen psychischen oder körperlichen Krankheiten einher. Die Gefahr, Substanzmissbrauch, Angststörungen oder Psychosen zu entwickeln, ist hoch. Hinzu kommt, dass das Risiko eines Suizides zugleich um das 20-fache ansteigt. Liegt eine komorbide Suchtstörung vor, ist das Suizidrisiko noch zusätzlich erhöht.

In 15 bis 50 Prozent der Zyklothymie-Erkrankten geht die Zyklothymie in die Bipolar I- und Bipolar II- Störung über (vgl. PSYCHOSE.DE 2015).

Besonders wichtig ist bei der bipolaren Erkrankung, dass eine Rückfallvorbeugung stattfindet. Wissenschaftliche Studien gaben bereits an, dass 40 Prozent der Patienten im ersten Jahr und 73 Prozent in einem Zeitraum von fünf Jahren nach einer Krankheitsepisode wieder erkranken. Mit jeder erneuten Krankheitsphase steigt das Rückfallrisiko zusätzlich an, so beträgt es nach der dritten Krankheitsepisode bereits 90 Prozent. (vgl. BRÄUNIG/WAGNER 2004, 168)

3.7 Auftreten der Erkrankung

Am häufigsten treten erste bipolare Symptome zwischen dem zwanzigsten und dem dreißigsten Lebensjahr auf. Wenige Fälle sind bereits früher verzeichnet. Menschen, die über 50 sind und an einer Manie erkranken, sind häufig nicht bipolar, sondern nur manisch.

Männer und Frauen erkranken an einer bipolaren Störung zu gleichen Teilen, wobei sich dich Krankheit bei Männern hingegen durch manische Episoden, bei Frauen eher durch depressive Episoden auszeichnet. In der Bundesrepublik Deutschland sind zwischen 1,5-3 Prozent der Bevölkerung an einer bipolaren Störung erkrankt, was in etwa zwei Millionen Menschen entspricht (vgl. DGBS 2015).

Einige Studien haben gezeigt, dass circa 4 Prozent aller bipolaren Erwachsenen bereits im Kindesalter (bis zum Alter von 10 Jahren) eine erste manisch-depressive Episode erlitten. Etwa 50 Prozent hatten die erste Phase vor dem 18. Lebensjahr. Eine bipolare Störung bereits im Jugendalter wird als Frühform (‚Early onset bipolar disorder‘) angesehen. Die Symptomatik und der Verlauf der Erkrankung sind im Wesentlichen gleich mit der Erkrankung im Erwachsenenalter (vgl. DGBS 2015).

3.8 Komplikationen

Bei bipolaren Patienten in einer depressiven Phase besteht teilweise der Hang zur Suizidalität. Hier gilt es besonders auf den Patienten zu achten. Auch das Verfallen in einen depressiven Wahn wird als Komplikation angesehen. Weiterhin drohen ein Rückfall in die Manie und in selbstschädigende Verhaltensmuster (vgl. BECKER-PFAFF/ENGEL 2006, 138). Allgemein haben es bipolar erkrankte Personen schwer, einen ‚normalen‘ Lebensweg zu beschreiten. Die Personen haben beispielsweise eine durchschnittliche Lebenserwartung, die im Vergleich zu einer gesunden Person um etwa neun Jahre verkürzt ist. Außerdem verlieren sie gegenüber der Allgemeinbevölkerung im Durchschnitt circa 12 gesunde Lebensjahre. Auch familiär und beruflich sind sie benachteiligt, da sie durchschnittlich 14 Jahre im Beruf und mit familiärer Aktivität verlieren (vgl. DGBS 2015).

3.9 Frühe Anzeichen

Eine bipolare Störung kommt nicht ‚von heute auf morgen‘. Es gibt bereits einige Anzeichen, die darauf schließen lassen können, dass eine psychische Erkrankung erfolgt.

Erste Warnzeichen sind ein sozialer Rückzug und Isolierung, Gewichtszunahme, Reizbarkeit, Ungeduld, Müdigkeit und Misstrauen. Diese Symptome dienen als Indikatoren für eine frühe Feststellung einer bipolaren Störung, lassen jedoch nicht immer zwingend auf eine bipolare Störung schließen (vgl. HILSCHER 2014).

Ebenfalls gibt es Vorboten für die einzelnen unterschiedlichen Phasen. Depressive Episoden werden 11 angekündigt durch geringe Energie, eine gedrückte Stimmung, soziale Isolierung, physische Erschöpfung und Müdigkeit.

Anzeichen einer ersten manischen Episode sind gegenteilig hierzu das Gefühl extremer Energie, Geschwätzigkeit, physische Erregung, rasende Gedanken und geringes Schlafbedürfnis (vgl. HILSCHER 2014).

3.10 Ätiologie

Die Ätiologie beschäftigt sich mit den Ursachen (vgl. DUDEN 2015), die zu einer bipolaren Störung führen. Jeder kann unverschuldet plötzlich an einer bipolaren Störung leiden. Häufig sind besonders erfolgreiche Menschen von dieser Krankheit betroffen. Die entscheidenden Faktoren für diese Erkrankung liegen in den Bereichen Genetik und Vererbung. Außerdem kann durch spezielle Lebensumstände bedingter Stress zum Ausbruch der Krankheit führen.

Es ist die Verzahnung der beiden Komponenten, die zur Erkrankung führt. Hauptursache ist trotzdem die Vererbung, die im Gegensatz zu anderen psychischen Erkrankungen bei bipolaren Störungen eine besonders ausgeprägte Komponente hat. Ungefähr die Hälfte aller an einer bipolaren Störung leidende Menschen haben Verwandte, die ebenfalls unter dieser Störung leiden. Eineiige Zwillinge haben sogar eine Wahrscheinlichkeit von 60-80%, wenn der andere Zwilling bereits die Erkrankung hat (vgl. GEIßLINGER/GRUNZE 2005, 7).

Derzeit wird davon ausgegangen, dass es nicht nur ein einzelnes Gen ist, das für die Erkrankung verantwortlich ist. Vermutlich ist es ein bestimmtes Genmuster, sprich mehrere Gene auf verschiedenen Chromosomen (vgl. BRÄUNIG/WAGNER 2004, 64), das den Ausbruch bewirkt. Mittels erster Forschungsergebnisse lässt sich vermuten, dass Veränderungen des Chromosoms 18 und des X-Chromosoms mitverantwortlich sein könnten. Die bipolare Erkrankung ist jedoch keine klassische Erbkrankheit, da auch äußere Faktoren eine Rolle bei der Entstehung spielen. Aus diesem Grund wird hier von Vulnerabilitäts- oder auch Risikogenen gesprochen. Vermutlich sind in diesen Genen bestimmte Informationen zur Regulation und Synthese bestimmter Neurotransmitter und intrazellulärer Signalproteine enthalten (vgl. BRÄUNIG/WAGNER 2004, 64). Die genauen Stoffwechselvorgänge werden im Kapitel ‚Neuroanatomie der Erkrankung‘ dargestellt.

4. Definition des Begriffes ‚Stress‘

Wie bereits im vorangehenden Kapitel erwähnt, wird die bipolare affektive Störung zu einem entscheidenden Teil durch Stress ausgelöst. Im Verlauf der Krankheit erhöht sich die Stressanfälligkeit, sodass eine immer geringere Stressmenge ausreicht, um eine neue Krankheitsepisode einzuleiten (vgl. BRÄUNIG/WAGNER 2004, 248). Da Stress so entscheidend bei der bipolaren Störung ist, werden in diesem Kapitel seine unterschiedlichen Stufen genauer betrachtet.

Der Begriff ‚Stress‘ ist im Allgemeinen eine übergeordnete Bezeichnung für verschiedenartige Belastungen, die sich jedem einzelnen in einer leistungs- und gewinnstrebenden Zivilisationsgesellschaft stellen. ‚Stress‘ meint so viel wie Gehetztheit, Zeitdruck, Nervosität, Enttäuschung, Angst, privater und beruflicher Ärger in vielgestaltigen Erscheinungsformen. Früher wurde davon ausgegangen, dass Stress ein Privileg von Gesellschaftsgruppen mit hoher Verantwortung sei. Heute ist man sich jedoch darüber bewusst, dass er in allen gesellschaftlichen Milieus empfunden und individuell wahrgenommen wird (vgl. KNOBLOCH 1977, 1).

„ Stress wird dann erlebt, wenn innere undäußere Anforderungen auftreten, welche die Anpassungsfähigkeit des Betroffenen erfordern oderübersteigen. Die Häufigkeit, Vielfalt, Dauer und Intensität des Stressereignisses sowie die individuelle Bewertung der Situation bestimmt dabei die Stressdosis und die Art der Wirkung “ (BRÄUNIG/WAGNER 2004, 240).

Es gibt zwei unterschiedliche Formen des Stresses. Der Eustress ist ein ‚positiv‘ wahrgenommener Stress, welcher durch eine kurzdauernde physiologische Anpassung an alltägliche Alltagsherausforderungen gefördert wird, die eine Leistungssteigerung und eine anregende Wirkung hervorbringt. Die zweite Form wird als Disstress bezeichnet und als eine Überforderung des Körpers und der Psyche verstanden. Es ist ein ‚negativer‘ Stress, der die Ursache einiger psychischer Erkrankung darstellt und somit auch der Auslöser vieler bipolarer Erkrankungen ist (vgl. KURY 2012, 268). In der vorliegenden Arbeit erfährt der Disstress besondere Beachtung, da seine Minderung ein Schlüssel zur Behandlung der bipolaren affektiven Störung mittels Sport ist.

Jeder Mensch nimmt Stress anders wahr. Hierfür verantwortlich ist die unterschiedliche Anpassungsfähigkeit eines jeden, die es möglich macht, Reize gut oder weniger gut zu verarbeiten. Auch Alter und aktuelle Lebenssituation sind hierbei von Bedeutung (vgl. JÜRGENS/HUCH 2011, 207).

Als weitere „Anhaltspunkte für die Wirkung von Stressreizen“ (JÜRGENS/HUCH 2011, 207) können die nun folgenden Faktoren dienlich sein:

- Reizstärke/Reizintensität: Ist ein Reiz mäßig gesetzt, besteht die Option, dass eine Stimulation 13 erfolgt. Ist die Intensität jedoch zu hoch, kann dies zu negativen körperlichen Auswirkungen führen (vgl. ebd.).
- Dauer und Häufigkeit der Reize: Ist ein Mensch Stressreizen häufig und lange ausgesetzt, wird es umso schwieriger, je länger und intensiver der Reiz wird, ihn mittels eigener Mechanismen zu kompensieren (vgl. ebd.).
- Möglichkeiten von Vermeidung und/oder Bewältigung: Ist es möglich, auf Stressoren gekonnt zu reagieren oder sie zu bewältigen, so trägt der Betroffene keine Folgeschäden davon (vgl. ebd.).
- Vorerfahrung: Es ist von Bedeutung, welche Erfahrungen man bereits mit einer Situation gemacht hat. Tritt eine Stresssituation auf und man hat bereits negative Erfahrungen mit einer ähnlichen Situation gemacht, so ist es schwieriger mit der Situation umzugehen, auf sie zu reagieren oder sie zu bewältigen, als wenn bereits positive Erfahrungen gesammelt wurden (vgl. ebd.).
- Persönliche Grundlage: Jede Person hat eine individuelle Grundstruktur von der abhängt, wie man mit Stress umgeht und wieviel Stress erträglich ist. Manche Menschen sind in Situationen ruhig, in denen andere bereits die „Nerven verlieren“ (vgl. ebd.).
- Aktivierungszustand: Der Mensch ist nicht immer dazu in der Lage, optimal auf Stress zu reagieren. Es ist ganz von seinem Zustand und äußeren Umständen abhängig, wie beispielsweise Tageszeiten, Lebensumstände (vgl. ebd.).
- Soziale Unterstützung: Es ist wesentlich einfacher mit Stresssituationen umzugehen, wenn man sich Personen anvertrauen kann und nicht alleine mit seinen Problemen dasteht (vgl. ebd.).

Auch welche Art von Stress oder welche Stressoren auf die Person einwirken ist von Bedeutung. Stressoren sind die verschiedenen Bereiche des Stresses selbst. Sie lassen sich unterteilen in:

- Physikalische Stressoren: Staub, Hitze, Kälte, Schmutz, Lärm usw.
- Aufgabenbezogene Stressoren: Über- oder Unterforderung, Störungen, Unterbrechungen usw.
- Zeitliche Stressoren: Schicht- oder Nachtarbeit, Arbeit auf Abruf, Zeitdruck usw.
- Soziale Stressoren/Arbeitsorganisatorische Stressoren: mangelnde soziale Unterstützung, Mobbing, Rollenkonflikte, Verhalten der Vorgesetzten (vgl. KASPER/MÖLLER/MÜLLER-SPAHN 2002, 38).

4.1 Vulnerabilitäts-Stress-Modell

Stress ist erwiesenermaßen ein Grund für das Ausbrechen der bipolar-affektiven Störung. Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell erklärt, welche Rolle dem Stress dabei zufällt. Im Modell werden möglichst viele unterschiedliche Bedingungsfaktoren vereint. Die Hauptaussage des Modells ist, dass das Auftreten psychischer Erkrankungen, und in diesem Falle bipolarer Störungen, nicht auf lediglich eine Ursache zurückzuführen ist, sondern, dass verschiedene vielfältige und unterschiedliche Bedingungsfaktoren und Ursachen betrachtet werden müssen.

Grundsätzlich werden in dem Modell zwei entscheidende Bedingungsfaktoren für das Auftreten einer bipolaren Erkrankung genannt, nämlich Vulnerabilität und Stress- bzw. Belastungsfaktoren. Vulnerabilität meint alle angeborenen oder erworbenen Anlagen, die das Auftreten der bipolaren Erkrankung begünstigen. Die Vulnerabilität ist dafür verantwortlich, dass es anfällige und nicht anfällige Menschen für eine bipolare Erkrankung gibt. Sie spiegelt sich häufig darin wieder, dass die anfälligen Personen stressempfindlicher sind, eine gewisse ‚Dünnhäutigkeit‘ besitzen und vermindert belastbar sind. Die Ursache der eigenen Vulnerabilität kann sowohl biologische als auch psychosoziale Gründe haben. Zu den biologischen Gründen zählt die erblich bedingte Veranlagung oder auch Fehlfunktionen des Gehirns. Erworbene Schädigungen des Gehirns bei der Embryonalentwicklung oder der Geburt können Fehlfunktionen ebenso auslösen wie Virusinfektionen in der Kindheit (vgl. BRÄUNIG/WAGNER 2004, 186).

Mit psychosozialen Gründen sind Erlebnisse aus Kindheit und Jugend gemeint, die zu einer Entwicklung dauerhafter Selbstunsicherheit, emotionaler Instabilität und Sensibilität führen. Stress ist die zweite wichtige Komponente des Modells. Hier kann man zwei verschiedene Belastungstypen voneinander unterscheiden: die alltägliche überdauernde und die akute, zeitlich begrenzte Belastung. Beide haben gemeinsam, dass sie psychische und physische Energie und Kräfte verbrauchen und nutzen.

Häufig werden die alltäglichen Belastungen als ‚normale Anforderungen‘ bezeichnet, denen jeder Tag für Tag ausgesetzt ist. Häufig wird vergessen, dass auch diese Anforderungen Energie kosten und auch diese irgendwann wieder ‚aufgetankt‘ werden muss (vgl. BRÄUNIG/WAGNER 2004, 187). Akute Belastungen werden eher als Stress anerkannt. Probleme zwischenmenschlicher Natur werden als besonders belastend empfunden. In Abb. 4 sind drei verschiedene Fässer dargestellt, die metaphorisch für drei unterschiedliche Personen mit einer unterschiedlichen Vulnerabilität stehen. Das linke Fass steht für eine Person mit einer hohen Stressgrenze und einer niedrigen Vulnerabilität. Dies wird durch die tiefe des Fasses dargestellt. Das in das Fass eindringende Wasser stellt den Stress dar. Ist die Stressgrenze sehr gering und die Vulnerabilität sehr hoch, läuft das Fass besonders schnell über. Dies ist in dem rechten Fass zu sehen; es steht für eine Person mit hoher Vulnerabilität. Er kann weniger Stress aufnehmen als die anderen beiden und überschreitet schneller seine Grenzen. Dies kann zu einer psychischen Erkrankung wie der bipolaren Störung führen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 Modellvorstellung des Vulnerabilität-Stress-Modells (BRANDES 2015)

Die weitere folgende Abbildung dient als Gesamtübersicht über das Vulnerabilitäts-Stress-Modell. Es ist wie eine Reaktionsgleichung von links nach rechts zu lesen. So führen diathetische Präposition und psychosoziale Prädisposition zu einer individuellen Vulnerabilität. Diese zusammen mit Stress kann zu einer Störung führen, welche von protektiven Faktoren und Risikofaktoren beeinflusst wird.

Daraus können sich Remission, Auffälligkeit, Krankheit oder Behinderung ergeben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5 Vulnerabilitäts-Stress-Modell (o.V. 2015)

4.2 Die Stressreaktion

Hans Selye (1907-1982), ein kanadischer Endokrinologe, war der erste moderne Forscher, der die Auswirkungen von schwerem, andauerndem Stress auf den Körper untersuchte. Bereits in den 30ern berichtete Selye von komplexen Reaktionen seiner Labortiere. Er führte Versuche mit schädigenden Einflüssen wie beispielsweise Gifte, Traumata, Hitze, Kälte, Bewegungseinschränkungen usw. an ihnen durch.

Nach seiner Stresstheorie können viele Stressoren dieselbe Reaktion oder auch körperliche Folgen bei einer Person hervorrufen (vgl. KLATT 2015, 476). Diese werden nun näher betrachtet. Die bereits beschriebenen Stressauslöser setzten bei einem Menschen zwei parallel verlaufende Reaktionsketten in Gang. Diese finden im Zentralen Nervensystem (ZNS) statt und werden als ‚Stressreaktion‘ bezeichnet.

Die erste Phase beginnt mit der Aktivierung des Hypothalamus, der nun Corticotropon-releasing Hormone (CRH) (vgl. OC Projects GmbH 2014) ausschüttet. Dies wiederum führt dazu, dass in der Hypophyse Adrenocorticotrope Hormone (ACTH) (vgl. APOTHEKEN UMSCHAU 2014) ausschüttet wird, welches unmittelbar die Glukokortikoidausschüttung in der Nebennierenrinde stimuliert (vgl. JÜRGENS/HUCH 2011, 248).

Schließlich erfolgt die zweite Phase, in der das Nebennierenmark über den Sympathikus aktiviert wird. Dies führt zur Ausschüttung eines Katecholamingemisches, welches zu 80 Prozent aus Adrenalin und zu 20 Prozent aus Noradrenalin besteht. Innerhalb weniger Minuten führt dies zu einem Anstieg dieser Substanzen im Blut.

Die Katecholamine sind somit zu diesem Zeitpunkt dominierend, wodurch alle Organfunktionen, die zum Überleben notwendig sind, aktiviert werden. Hierunter zählen die Herzschlagfrequenz und die Kontraktionskraft, die plötzlich zunehmen sowie die Durchblutung der Haut und verschiedener innerer Organe, die vermindert wird. Einige Organe werden jedoch vermehrt durchblutet, da sie der Bewältigung der Stressreaktion dienen. Diese Organe sind das Zentrale Nervensystem (ZNS), Skelett- und Herzmuskulatur, Nebenniere sowie die Lunge. Genauso werden die Bronchien erweitert, um eine bessere Sauerstoffbereitstellung zu garantieren. Die Leber setzt vermehrt Glukose ins Blut und Denkvorgänge werden blockiert, da sie zu viel Energie benötigen. Alle Körperfunktionen befinden sich in ‚Alarm- und Fluchtmodus‘.

Bei Dauerstress, also einem langfristigen Zeitraum, dominieren die Effekte der Glukokortikoide, welche aus diesem Grund als eigentliche Stresshormone bezeichnet werden. Es kommt dazu, dass Infektionen langsamer überwunden werden, da das Immunsystem durch Stress ‚geschädigt‘ ist. Die Betroffenen schlafen schlechter und weniger, ihre Konzentrations- und Lernfähigkeit nimmt ab und es kommt häufig zu Spannungskopfschmerzen (vgl. JÜRGENS/HUCH 2011, 248).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.6 Stressreaktion (ebd.)

4.3 Stressbewältigung

Wie bereits in den vorangehenden Kapiteln erklärt, ist ‚Disstress‘ die Art von Stress, die eine bipolare Störung auslösen kann. Diesen Stress gilt es zu verhindern oder gezielt zu verarbeiten (vgl. SCHORR 1993, 659).

Ein Mensch setzt sich in der Regel aktiv mit seiner Umgebung auseinander. Hierbei wirken zahlreiche Stressoren auf ihn ein. Diesen ist man jedoch nicht wehrlos ausgeliefert, sondern versucht mittels der dortigen Gegebenheiten und Bewältigungsstrategien diese zu bewältigen. An dieser Stelle ist das Ressourcenkonzept zu nennen. Jeder Mensch besitzt gewisse Ressourcen, sprich Mittel, die ihn in die Lage versetzen, mit einer bestimmten Situation umzugehen (vgl. SCHÖNBERG 1987, 135). Es gibt sowohl interne als auch externe Ressourcen. Die internen Referenzen meinen emotionsorientierte und problembezogene Kompetenzen, sowie beispielsweise berufsbezogene Qualifikationen oder soziale Kompetenzen in Konfliktsituationen. Diese problembezogenen Referenzen sind also darauf ausgerichtet, mit dem Stressor selbst umzugehen. Die 17 emotionsorientierten Kompetenzen sind vor allem auf die den Stress begleitende Emotionen ausgerichtet. Hierzu zählen überwiegend Angst und Anspannung, die eventuell die Stressbewältigung ver- oder behindern.

Die externen Ressourcen bestehen zu einem großen Teil aus Kontrolle und sozialer Unterstützung. Mit der sozialen Unterstützung ist direkte Hilfestellung, beispielsweise bei einer Arbeitsaufgabe oder auch soziale Unterstützung, wie zuhören und Mitgefühl leisten, gemeint.

Jeder Mensch hat unterschiedliche Ressourcen und jede dieser Ressourcen verändern den Zusammenhang zwischen Stressoren und Stressreaktionen auf unterschiedliche Art und Weise (vgl. FRESE 1991, 141).

In der Therapie der bipolaren Störung geht es zu einem Großteil darum, Ressourcen jeglicher Art zu stärken, um eben den Stress, der die Krankheit auslöst, entgegenzuwirken und mittels Ressourcen ein gesundes Verhalten aufrecht zu erhalten.

5. Neurobiologie der bipolaren Störung

Im vorangehenden Kapitel wurde der Fokus bereits auf die chemischen Vorgänge bei Stress gelegt. Es stellt sich nun die Frage, welche Vorgänge bei der bipolaren Störung von statten gehen. Die genaue Funktionsweise des Gehirns ist bis heute in einigen Bereichen unklar, dennoch konnten bereits wichtige Grundprinzipien und Funktionen gefunden werden, beispielweise in Bezug auf die Ortung psychischer Funktionsweisen (vgl. BRÄUNIG/WAGNER 2004, 211). Viele Untersuchungen zeigen, dass bipolare Störungen oftmals Hirnerkrankungen sind. Nachgewiesen wurde bei diesen Untersuchungen, dass der Hirnmetabolismus und die Botenstoffe Noradrenalin, Serotonin und GABA (‚Gamma Amino Butter Säure / Gamma Amino Butyric Acid‘ (vgl. BLUHM 2015)) eine abnormale Funktion während des Krankheitsverlaufs aufzeigen (vgl. BERUFSVERBÄNDE DER PSYCHIATER 2015).

Diese Untersuchungen wurden mittels Magnetresonanztomographie (MRT), Computertomographie (CT), die Single Positron Emissions Computertomographie (SPECT) und der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) vorgenommen. Ein weiteres Verfahren ist das Untersuchen des Hirngewebes eines Verstorbenen. Mittels der Betrachtung der veränderten Strukturen und Funktionsweisen in den verschiedenen Zellstrukturen oder verschiedener Gehirnregionen soll Auskunft darüber gegeben werden, inwieweit diese im Zusammenhang mit der psychischen Erkrankung stehen (vgl. BRÄUNIG/WAGNER 2004, 212).

Die bipolaren affektiven Störungen wurden im Gehirn auf zwei fronto-subkortikale Netzwerke postuliert, das limbisch-thalamisch-kortikale Netzwerk und das limbisch-stratio-pallido-thalamische Netzwerk.

[...]

Ende der Leseprobe aus 90 Seiten

Details

Titel
Sport. Eine Therapieoption bei bipolaren Störungen
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Sportwissenschaft)
Veranstaltung
Sportmedizin
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
90
Katalognummer
V377013
ISBN (eBook)
9783668552135
ISBN (Buch)
9783668552142
Dateigröße
2231 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Depression, bipolar, Störung, Aquafitness, Therapie, Sport
Arbeit zitieren
Lisa Maria Schmalen (Autor), 2015, Sport. Eine Therapieoption bei bipolaren Störungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377013

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