Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Studie ist, inwieweit die Kleidung eines Individuums dessen Außenwirkung beeinflusst. Die diesbezüglich konstruierte Hypothese lautet, dass modisch gekleideten Personen, im Vergleich mit unmodisch gekleideten, qualitativ andere Attribute und Eigenschaften zugeschrieben werden. Von dieser Annahme ist aufgrund des ersten kommunikationstheoretischen Axioms von Paul Watzlawick - "Man kann nicht nicht kommunizieren" - und den Auswirkungen des Halo-Effekts auszugehen.
Um die Hypothese zu prüfen, wurde ein Online-Fragebogen entworfen. Dieselbe Person wurde hierfür einmal modisch und einmal unmodisch gekleidet fotografiert. Die Probanden wurden in zwei Experimentalgruppen unterteilt und hatten jeweils lediglich Zugang zu einem der beiden Bilder. Um die Abbildungen wurde derselbe Fragebogen mit Charaktereigenschaften konstruiert, die der Person zugeordnet werden mussten.
Repräsentativ wurden die Datensätze von 132 Probanden im Alter zwischen 18 und 54 Jahren ausgewertet. Die aufgestellte Hypothese konnte durch die erhobenen Ergebnisse bestätigt werden. Darüberhinaus wurde die modisch gekleidete Person, im Vergleich mit der unmodisch gekleideten, meist positiver bewertet.
Inhaltsverzeichnis
1. »Man kann nicht nicht kommunizieren«
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Terminologische Klärungen
2.1.1 Kommunikation
2.1.2 Medium
2.1.3 Mode
2.2 Theoretische Bezüge: Halo-Effekt
3. Methode
3.1 Stichprobe
3.2 Daten
3.3 Versuchsdurchführung
4. Ergebnisse
5. Diskussion
6. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Kleidung auf die Fremdwahrnehmung und Persönlichkeitsbeurteilung eines Individuums unter Einbeziehung des ersten kommunikationstheoretischen Axioms von Paul Watzlawick und des psychologischen Halo-Effekts.
- Kommunikationstheoretische Grundlagen und Axiome
- Mode als Medium und Kommunikationsmittel
- Wirkungsweise des Halo-Effekts auf die soziale Beurteilung
- Empirische Untersuchung mittels Online-Fragebogen
- Analyse der differentiellen Außenwirkung durch modische vs. unmodische Kleidung
Auszug aus dem Buch
2.2 Theoretische Bezüge: Halo-Effekt
Edward Lee Thorndike gilt als Begründer der Terminologie ›Halo-Effekt‹. (Rosenzweig, 2008, S. 72) Er bezieht sich damit 1920 auf den englischen Begriff ›Halo‹ (›Heiligenschein‹). (Thorndike, 1920, S. 25) Erstmals beobachtet wurde das Phänomen des Halo-Effekts im Jahre 1907 von Frederic L. Wells. (Wells, 1907, S. 29)
Thorndike machte während des Ersten Weltkriegs die Beobachtung, dass Instruktionsoffiziere ihre Untergebenen häufig in ähnlichem Maße positiv oder negativ auf Eigenschaften, wie beispielsweise Kondition, Intelligenz und Charakter, einschätzten und beurteilten. (Rosenzweig, 2008, S. 72) Die Offiziere waren anscheinend der Meinung, dass Soldaten mit einem guten Körperbau, guter Haltung und einem ansprechenden Gesicht, Sachen besser erledigen könnten, die faktisch nichts mit ihrem Aussehen oder ihrer Ausstrahlung zu tun hatten. (Rosenzweig, 2008, S. 72) So schätzten sie jene Supersoldaten beim Schuhe putzen oder anderen Tätigkeiten, wie Mundharmonika spielen, aufgrund jener oberflächlichen Begutachtung besser ein. (Rosenzweig, 2008, S. 72)
Zusammenfassung der Kapitel
1. »Man kann nicht nicht kommunizieren«: Das Kapitel führt in die Thematik ein und erläutert anhand eines Beispiels, dass Kleidung als Kommunikationsmedium fungiert und Rückschlüsse auf den Träger zulässt.
2. Theoretischer Hintergrund: Hier werden die zentralen Begriffe Kommunikation, Medium und Mode definiert und theoretisch eingeordnet, gefolgt von einer Erläuterung des Halo-Effekts.
3. Methode: Dieser Abschnitt beschreibt das Studiendesign, die Stichprobenzusammensetzung sowie die Erhebungsinstrumente und die Durchführung des Online-Experiments.
4. Ergebnisse: Die erhobenen Daten werden dargestellt, wobei der Fokus auf den Mittelwerten der Attributszuschreibungen zwischen den beiden Experimentalgruppen liegt.
5. Diskussion: Die Ergebnisse werden interpretiert und die identifizierten Kerndifferenzen in einen theoretischen Kontext zur Außenwirkung modischer und unmodischer Kleidung gesetzt.
6. Ausblick: Der Autor resümiert die Arbeit und schlägt weiterführende Forschungsansätze vor, etwa zu politischen Kleidungsstilen oder dem Einfluss von Markenaufdrucken.
Schlüsselwörter
Kommunikationstheorie, Watzlawick, Halo-Effekt, Mode, Kleidung, Außenwirkung, Persönlichkeitsbeurteilung, Feldstudie, Wahrnehmung, Sozialpsychologie, Medium, Modewandel, Image, Selbstbild, Fremdbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Kleidung eines Individuums dessen Außenwirkung beeinflusst und welche Eigenschaften ihm aufgrund seines Outfits zugeschrieben werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Kommunikationstheorie nach Watzlawick, die soziologische Bedeutung von Mode als Medium und die psychologischen Mechanismen des Halo-Effekts.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob modisch gekleideten Personen im Vergleich zu unmodisch gekleideten qualitativ andere Attribute zugeschrieben werden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor führte eine experimentelle Feldstudie mit einem Online-Fragebogen durch, bei der 132 Probanden das Bild einer Person (einmal modisch, einmal unmodisch gekleidet) anhand von Attributskalen bewerteten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Theoriebildung zu Kommunikation, Medien und Mode sowie die detaillierte Darstellung und Diskussion der empirischen Studienergebnisse.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Halo-Effekt, modische Kommunikation, Fremdwahrnehmung und Attributszuschreibung definieren.
Warum spielt das Vorstellungsanschreiben eine Rolle?
Das Anschreiben stellt einen Kontext zum Model her, hat jedoch als unvermeidliche Variable einen Einfluss auf die Beurteilung, weshalb der Autor primär die Differenzen zwischen den Experimentalgruppen betrachtet.
Was ist das Hauptergebnis bezüglich der Kerndifferenzen?
Modisch gekleidete Personen werden tendenziell als extrovertierter, selbstsicherer und temperamentvoller eingeschätzt, während unmodisch gekleidete Personen eher als zurückhaltend und introvertiert bewertet werden.
Zeigt die Studie ein klares Ergebnis?
Ja, die Hypothese konnte bestätigt werden; die Art der Kleidung erzeugt klischeegeladene Bilder bei den Betrachtern, selbst wenn diese nur über minimale Informationen (Foto und Anschreiben) verfügen.
- Arbeit zitieren
- Nils Neubauer (Autor:in), 2017, Mode als Medium der Beeinflussung von Persönlichkeitsbeurteilungen. Eine exemplarische Feldstudie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377033