Diese Hauptseminararbeit beschreibt schulsportspezifische Probleme der Leistungsbeurteilung und zeigt Alternativen zur "herkömmlichen" schulischen Leistungsbeurteilung auf.
Inhaltsverzeichnis
1. Besonderheiten des Fachs Sport
2. Zur Fragwürdigkeit der Sportzensur
2.1 Argumente pro Sportzensur
2.2 Argumente contra Sportzensur
3. Zusammensetzung der Sportzensur
3.1 Sportlich-motorische Leistungen
3.2 Individueller Leistungszuwachs
3.3 Soziales und sportliches Handeln
4. Ausgewählte Alternativen zur konventionellen Leistungsbeurteilung
4.1 Schülerpartizipation am Bewertungsprozess
4.2 Eine Beurteilungskriterienliste für den Sportunterricht
4.2.1 Struktur und Funktionen der Liste
4.2.2 Gebrauch der Liste in der Schulsportpraxis
4.3 Das „Kann-Buch“
5. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Leistungsbeurteilung und Notengebung im schulischen Sportunterricht. Das primäre Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen traditionellen, leistungsorientierten Bewertungsmethoden und pädagogischen Ansprüchen wie Persönlichkeitsförderung und Chancengerechtigkeit zu analysieren sowie alternative Bewertungsmodelle aufzuzeigen.
- Die kritische Auseinandersetzung mit der Sportzensur und ihrer gesellschaftlichen sowie pädagogischen Legitimation.
- Die Analyse der verschiedenen Bewertungsfaktoren, insbesondere motorische Leistungen, Lernzuwachs und soziales Verhalten.
- Die Darstellung innovativer Alternativkonzepte wie die "Turn-Jury", strukturierte Beurteilungskriterienlisten und das "Kann-Buch".
- Die Untersuchung der Auswirkungen von Bewertungsformen auf die Motivation und das Selbstbild der Schüler.
- Ein Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen im Sportunterricht angesichts aktueller bildungspolitischer Debatten.
Auszug aus dem Buch
4.1 Schülerpartizipation am Bewertungsprozess
Dass Schüler ihre Leistungen teilweise gegenseitig beurteilen dürfen und die erhaltenen Ergebnisse tatsächlich in die Lehrerzensur mit eingehen, ist sicherlich nicht die Regel an Deutschlands Schulen. Dennoch bietet es sich gerade für Sportlehrer an, zumindest über eine Schülerbeteiligung am Bewertungsprozess nachzudenken. Denn wie positiv sich diese Methode der Notenfindung auf eine Schulklasse auswirken kann, zeigt das im Folgenden vorgestellte Beispiel: „Die Turn-Jury“.
Ein Vorreiter auf dem Gebiet der Partizipation von Schülern bei der Notenfindung ist Roland Messmer. Mit seinem 1997 in der Zeitschrift PÄDAGOGIK erschienen Artikel, „Die Turn-Jury“, rückte er die Thematik ins sportpädagogische Rampenlicht. Bei der von ihm entwickelten Form des Sportunterrichts wird den Schülern die Aufgabe gestellt, selbstständig, in Gruppenarbeit, eine Kür unter Einbeziehung von Turngroßgeräten zu erstellen. Danach haben sie diese an einer ebenfalls in Schülerregie entstandenen Gerätebahn zu präsentieren und werden dabei von einer demokratisch gewählten (fünfköpfigen) Jury, bestehend aus Klassenkameraden, beurteilt.
Gerade Sportbereiche wie das Geräteturnen eignen sich hervorragend für eine Schülerpartizipation am Bewertungsprozess. Das liegt vor allem daran, dass sich Zensuren für Turnübungen am Boden oder an anderen Geräten nicht, wie etwa in der Leichtathletik, durch simples Messen ermitteln lassen. Vielmehr hängt die Zensur hier von der Leistungsbeurteilung und damit vom Erfüllungsgrad der dafür entwickelten Kriterien ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Besonderheiten des Fachs Sport: Dieses Kapitel erläutert, warum die Leistungsbeurteilung im Sport durch körperliche Voraussetzungen wie Alter und Konstitution erschwert wird, da diese die Chancengleichheit beeinflussen.
2. Zur Fragwürdigkeit der Sportzensur: Es werden die langjährigen Debatten um die Sportnote beleuchtet, indem zentrale Argumente von Befürwortern und Gegnern sowie Ergebnisse von Umfragen unter Schülern, Lehrern und Eltern gegenübergestellt werden.
3. Zusammensetzung der Sportzensur: Hier werden die drei tragenden Bewertungsaspekte – sportmotorische Leistungen, individueller Leistungszuwachs und soziales Verhalten – detailliert analysiert und deren Problematik in der praktischen Gewichtung durch Lehrkräfte dargestellt.
4. Ausgewählte Alternativen zur konventionellen Leistungsbeurteilung: Dieses Kapitel stellt praktische Ansätze wie die Schülerpartizipation, strukturierte Kriterienlisten und das "Kann-Buch" vor, um pädagogische Ziele besser in die Bewertung zu integrieren.
5. Ausblick: Der abschließende Teil blickt auf aktuelle bildungspolitische Reformvorschläge, wie etwa den Einsatz von Sportentwicklungsberichten statt Ziffernnoten, und bewertet deren Umsetzungschancen.
Schlüsselwörter
Sportunterricht, Leistungsbeurteilung, Sportzensur, Leistungsbewertung, Sportnote, Schülerpartizipation, Sportpädagogik, Beurteilungskriterien, Turn-Jury, Individueller Lernzuwachs, Kann-Buch, Sozialverhalten, Schulsport, Notengebung, Chancengerechtigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik der Leistungsbewertung und Benotung im Fach Sport und hinterfragt, ob klassische Zensuren den komplexen pädagogischen Anforderungen dieses Faches gerecht werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Kritik an der Sportzensur, die Differenzierung zwischen motorischer Leistung und individuellem Lernfortschritt sowie die Suche nach alternativen Bewertungsformen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Sportlehrer pädagogischen Anforderungen wie Persönlichkeitsförderung und sozialem Lernen Rechnung tragen können, ohne den Leistungsgedanken völlig aufzugeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse sportpädagogischer Fachliteratur, die Auswertung von Umfrageergebnissen und die Darstellung von Unterrichtsversuchen und Modellen zur Leistungsbeurteilung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die kritische Auseinandersetzung mit Argumenten für und gegen Sportzensuren, die Definition der Bewertungsaspekte und die Vorstellung konkreter Alternativen wie das "Kann-Buch" oder Schülerjurys.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Sportunterricht, Leistungsbeurteilung, Schülerpartizipation, Sportpädagogik und alternative Notengebung.
Wie funktioniert das Konzept der "Turn-Jury" nach Messmer?
Bei der "Turn-Jury" erstellen Schüler eigenständig in Gruppen eine Kür und bewerten diese anschließend gegenseitig anhand gemeinsam festgelegter Kriterien, wobei diese Noten in die offizielle Bewertung einfließen.
Was ist das Ziel des sogenannten "Kann-Buchs"?
Das "Kann-Buch" dient der Selbstreflexion der Schüler, indem sie nach jeder Stunde schriftlich festhalten, was sie gelernt haben, woran sie noch arbeiten müssen und wie sie ihre eigene Leistung einschätzen.
Warum kritisieren viele das herkömmliche Bewertungssystem im Sport?
Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Ungerechtigkeit, da körperliche Voraussetzungen (wie Konstitution oder Behinderung) oft stärker bewertet werden als die tatsächliche Anstrengung oder der persönliche Fortschritt.
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- Daniel Klumpp (Author), 2005, Bewerten und Zensieren im Sportunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37706