Deutsche Sprachinseln in den Vereinigten Staaten von Amerika. Sprachkontaktphänomene des Pennsylvaniadeutschen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Einwanderungsgeschichte der deutschsprachigen Immigranten
2.1 Die „colonists“
2.2 Die „old immigrants“
2.3 Die „new immigrants“

3. Deutsche Sprachinseln in Pennsylvania
3.1 Die Gemeinde der Amish People
3.1.1 Die Entstehung der Amischen
3.1.2 Auswanderung nach Amerika und die heutige Situation

4. Sprachkontakterscheinungen im Pennsylvaniadeutschen
4.1 Sprachkontakt
4.2 Der Multilingualismus der Pennsylvaniadeutschen
4.2.1 Erstsprache Pennsylvaniadeutsch
4.2.2 Zweitsprache Amerikanisch-Englisch
4.2.3 Drittsprache Amisch-Hochdeutsch
4.3 Interferenzen
4.4 Entlehnung

5. Lehngut des Pennsylvaniadeutschen
5.1 Lehnwörter im Pennsylvaniadeutschen
5.2 Hybride im Pennsylvaniadeutschen
5.3 Lehnübersetzungen und Lehnübertragungen im Pennsylvaniadeutschen
5.4 Sprachkontakterscheinungen im Textzusammenhang
5.5 Allgemeine Analyse des Sprachkontakts

6. Der Sprachtod des Pennsylvaniadeutschen

7. Schlussbetrachtung

1. Einleitung

Die Vereinigten Staaten von Amerika werden oft als „melting-pot“ bezeichnet, da in ihnen Völkergruppen aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt zu einer Nation mit einer Kultur und Sprache verschmolzen sind. Trotzdem sind in den kleineren Verbreitungsgebieten der USA noch Varianten des Deutschen zu finden, wobei es sich bei den jeweiligen Sprechern um durch ihre Religion isoliert lebende Sektenmitglieder und relativ kleine Gruppen von Deutschstämmigen handelt. In anderen Regionen der Vereinigten Staaten kennen Sprecher Deutsch als Immigrantensprache zwar noch, doch nutzen sie sie nicht mehr zur Unterhaltung. Aufgrund der Tatsache, dass die Deutschbürtigen den Kontakt mit der amerikanischen Außenwelt nicht verwehren können, unterliegt ihre Sprache gewissen Phänomenen, die man unter dem Oberbegriff Sprachkontakterscheinungen zusammenfassen kann.

Meine Hausarbeit hat den Anspruch, nach einem kurzen Exkurs über die deutsche Einwanderungsgeschichte, die Mundart des Pennsylvaniadeutschen zu analysieren. Diese wird vorrangig von Religionsmitglieder der Old Order Amish gesprochen, die an betreffender Stelle vorstellt werden. Zunächst wird die Erscheinung des Sprachkontakts allgemein thematisiert, um dann speziell auf die durch dieses Phänomen im Pennsylvaniadeutschen entstandenen Veränderungen einzugehen. Dabei werden die Entlehnungen aus der amerikanisch-englischen Sprache im Vordergrund stehen. Den Abschluss bildet ein Kapitel über die Entwicklungen der Mundart in der Gegenwart und deren eventuellen Niedergang.

2. Die Einwanderungsgeschichte der deutschsprachigen Immigranten

Nach dem Zeitpunkt ihrer Einwanderung kann man die Immigranten in Amerika in drei Kategorien einteilen:

- Die deutschen Siedler, die vor dem Unabhängigkeitskrieg 1776 in die Neue Welt kamen, werden als „colonists“ bezeichnet.
- Zwischen 1776 und 1895 folgten die „old immigrants“.
- Bei der letzten Einwanderungswelle nach 1895 spricht man von den „new immigrants“.

(SCHWARTZKOPFF 1987: 7)

2.1 Die „colonists“

Die erste Einwanderungswelle der Deutschen nach Amerika erfolgte im 17. Jahrhundert, wobei die größere Anzahl deutschstämmiger Immigranten erst am Ende dieses Jahrhunderts eintraf. Bei den ersten Einwanderern, die größtenteils aus dem Südwesten Deutschlands stammten, handelte es sich hauptsächlich um Mitglieder bestimmter Sekten, wie z. B. den Mennoniten oder den Amischen, 1750 folgten dann auch große Gruppen von Lutheranern und Reformierten. Volkszählungen von 1790 nach wurde die Gesamteinwohnerzahl der Deutschstämmigen auf 250.000 geschätzt, davon lebten ca. 141.000 in Pennsylvania (SCHWARTZKOPFF 1987: 7ff.).

Die Gründe für die Auswanderung aus dem deutschsprachigen Raum waren vielfältig. Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 bestimmte der Herrscher eines Gebietes die Religion seines Volkes und wies jeden aus, der einer anderen Konfession angehörte. Neben der religiösen Unterdrückung führten unangemessen hohe Steuern und Willkürherrschaft der Staatsoberhäupter zur Emigration. Zudem hatte der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) seine Spuren in Deutschland hinterlassen, so dass vor allem die Bewohner des südwestlichen Deutschlands Not und Elend erlitten. Als letzte Ursache für die Auswanderung ist die Anpreisung der Lebensumstände in Amerika in Form von Briefen zu nennen (SCHWARTZKOPFF 1987: 10ff.).

2.2 Die „old immigrants“

Im 19. Jahrhundert besaßen die Deutschen einen großen Anteil an der Immigration in die Neue Welt, so dass die Anzahl der Deutschstämmigen sich um 1900 auf über fünf Millionen belief. Der Höhepunkt der Einwanderung aus deutschen Gebieten wurde 1882 mit 250.000 Immigranten erreicht, wobei auch hier die meisten aus dem Südwesten Deutschlands stammten. Von 1850 bis 1890 war der Prozentsatz der Deutschen an der Gesamtzahl der Immigranten höher als der jeder anderen Nation. Ein Großteil siedelte im neu geöffneten Mittleren Westen.

Wie im 18. Jahrhundert findet man auch für die Emigration nach 1776 verschiedene Erklärungen. Eine Hauptursache waren religiöse, politische und rassische Verfolgungen, aber auch wiederholte Hungersnöte, die durch mehrere Missernten in der Mitte des 19. Jahrhunderts hervorgerufen wurden, verstärkten die Auswanderung. Des Weiteren hofften viele aufgrund von positiven Schilderungen vom Leben in der Neuen Welt auf eine wirtschaftliche Verbesserung in Amerika. Auch spielte die Angst vor der Wehrpflicht eine entscheidende Rolle, so dass viele junge Männer auswanderten, um dieser Verpflichtung zu entgehen (SCHWARTZKOPFF 1987: 12ff.).

2.3 Die „new immigrants“

Die Besiedlung der Neuen Welt durch Deutschlandbürtige nahm nach 1895 kontinuierlich ab, obwohl zu dem Zeitpunkt die größte Einwanderungswelle in die Vereinigten Staaten, vor allem aus Ost-, Südost- und Südeuropa, einsetzte. Der Anteil der deutschen Immigranten bildete aber höchstens noch ein Zehntel der Gesamtimmigration. 1898 und 1899 kamen noch jeweils 17.000 Einwanderer aus Deutschland. Einen letzten Höhepunkt erreichte die Anzahl der deutschen Immigranten 1923 mit 75.000 Deutschstämmigen (SCHWARTZKOPFF 1987: 18).

3. Deutsche Sprachinseln in Pennsylvania

Im 18. und 19. Jahrhundert verließen aufgrund von religiösen, wirtschaftlichen und politischen Motiven Tausende von Menschen ihr deutsches Heimatland, um sich in Nordamerika, vorrangig Pennsylvania, niederzulassen. So entstanden in den Vereinigten Staaten Amerikas Sprachinseln, die in der Regel eine kleinere Region darstellen, in der der Hauptteil der Bevölkerung seine Muttersprache (hier: Deutsch) statt der außerhalb dieses Verbreitungsgebietes vorherrschenden Landessprache (hier: Englisch) spricht (REIN 1977: 38).

Die Immigranten, die sich in Pennsylvania niederließen, benutzten aufgrund ihrer verschiedenen Heimatgebiete (Pfalz, Baden, Württemberg, Elsass, Schweiz) unterschiedliche Dialekte, so dass sich in dem neuen Siedlungsgebiet westmitteldeutsche und oberdeutsche Mundarten vermischten und als Koiné um 1800 das Pennsylvaniadeutsch[1] entstand. Vor allem das Pfälzische dominierte bei der Bildung der neuen Sprache. Bei ARTER-LAMPRECHT ist als Hauptgrund dafür die „grösste Nähe zur Hochsprache“ (ARTER-LAMPRECHT 1992: 28) angegeben, während BLANK diesen in der „zahlenmäßigen Überlegenheit der pfälzischen Auswanderer“ (BLANK 1994: 17) sieht.

Unter den Einwanderern waren etwa ein Drittel Mitglieder einer anabaptistischen Sekte. Sie werden aufgrund ihrer Absonderung von der amerikanischen Umwelt als „plain people“ bezeichnet. Einhergehend mit dieser Isolation ist das konsequente Festhalten an der deutschen Sprache. Hingegen handelt es sich bei den Einwanderern, die keiner religiösen Gemeinschaft angehören, sich in die amerikanische Gesellschaft integrieren und das Englische als ihre Erstsprache ansehen, um die „nonplain people“ (BLANK 1994: 16). „Pennsylvaniadeutsche [...] sind aber alle Nachfahren der deutschsprachigen Einwanderer, die sich [...] in Pennsylvania niederliessen, unabhängig von ihrer heutigen sprachlichen Zugehörigkeit“ (ARTER-LAMPRECHT 1992: 29).

Bei meinen weiteren Ausführungen möchte ich mich auf die „plain people“ konzentrieren und dabei speziell auf die Gemeinde der Old Order Amish, die der Täuferbewegung[2] angehören.

3.1 Die Gemeinde der Amish People

Die Amish People sind Nachfahren der Schweizer Täufer, die sich zur Zeit der Reformation in verschiedenen Regionen der Schweiz gruppierten. Eine genaue Erläuterung zur Entstehung des Täufertums im 16. Jahrhundert und dessen Verbannung durch die reformierte Kirche, würde den Rahmen meiner Hausarbeit sprengen. Aus dem Grund gebe ich nur einen kurzen Abriss über den Ursprung der Amischen und deren Auswanderung nach Amerika.

3.1.1 Die Entstehung der Amischen

Am Ende des 17. Jahrhunderts spaltete sich das Täufertum in zwei Gruppen: den Mennoniten und den Amischen. Grund dieser Splittung war das Denken Jakob Ammans, Führer einer Täufergemeinde im Elsass, dass die sittliche Strenge bei den Schweizer Täufern nachließ. Zudem war er der Ansicht, dass Abtrünnige nicht nur mit einem Bann (Exkommunikation), sondern mit dem sozialen Ausschluss zu bestrafen seien. Da diese Haltung zu Spannungen und Konflikten innerhalb des Täufertums führte, gründete Amman 1693 die Old Order Amish, die im Gegensatz zu den Mennoniten durch einen konservativeren Lebensstil charakterisiert sind (ARTER-LAMPRECHT 1992: 21f.).

3.1.2 Auswanderung nach Amerika und die heutige Situation

Nachdem im 18. und 19. Jahrhundert eine erneute Verfolgung der Amischen einsetzte, immigrierten viele Schweizer Täufer nach Amerika und ließen sich hauptsächlich in Pennsylvania nieder, da sie in den dortigen Wäldern ihre Religiosität frei ausleben konnten. 1860 befanden sich nach BLANK (BLANK 1994: 37) bereits über 3.000 Amische in Amerika.

Heute leben über 100.000 Amish People in den Vereinigten Staaten, wobei sich die größten Siedlungen in Ohio, Pennsylvania, Indiana, Iowa und Illinois befinden (s. Abb. 1).

[...]


[1] Auch als Pennsylvania German, Pennsylvania Dutch oder Pennsylfaanisch bekannt.

[2] 1525 entstand die Täuferbewegung in Zürich, als sich ehemalige Schüler und Anhänger Zwinglis von der reformierten Kirche abwandten. Nach ihrer Auslegung des Neuen Testaments verlangten sie die Unabhängigkeit der Kirche vom Staat, verweigerten den Militärdienst und forderten die Erwachsenentaufe, was ihnen bei Gegnern den Namen der Anabaptisten einbrachte (ARTER-LAMPRECHT 1992: 19).

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Deutsche Sprachinseln in den Vereinigten Staaten von Amerika. Sprachkontaktphänomene des Pennsylvaniadeutschen
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Veranstaltung
Private Schriftlichkeit des 18. und 19. Jahrhunderts: Auswandererbriefe
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V37708
ISBN (eBook)
9783638369787
ISBN (Buch)
9783638781602
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Wie entwickelten sich die diversen Mundarten der deutschen Einwanderer zu einem einzigen Dialekt? Kann sich das Pennsylvaniadeutsche gegenüber dem Amerikanisch-Englischen behaupten und welche Entlehnungen gibt es in der Sprache?
Schlagworte
Deutsche, Sprachinseln, Vereinigten, Staaten, Amerika, Sprachkontaktphänomene, Pennsylvaniadeutschen, Private, Schriftlichkeit, Jahrhunderts, Auswandererbriefe
Arbeit zitieren
Antje Minde (Autor), 2005, Deutsche Sprachinseln in den Vereinigten Staaten von Amerika. Sprachkontaktphänomene des Pennsylvaniadeutschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37708

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