Die Vereinigten Staaten von Amerika werden oft als „melting-pot“ bezeichnet, da in ihnen Völkergruppen aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt zu einer Nation mit einer Kultur und Sprache verschmolzen sind. Trotzdem sind in den kleineren Verbreitungsgebieten der USA noch Varianten des Deutschen zu finden, wobei es sich bei den jeweiligen Sprechern um durch ihre Religion isoliert lebende Sektenmitglieder und relativ kleine Gruppen von Deutschstämmigen handelt. In anderen Regionen der Vereinigten Staaten kennen Sprecher Deutsch als Immigrantensprache zwar noch, doch nutzen sie sie nicht mehr zur Unterhaltung. Aufgrund der Tatsache, dass die Deutschbürtigen den Kontakt mit der amerikanischen Außenwelt nicht verwehren können, unterliegt ihre Sprache gewissen Phänomenen, die man unter dem Oberbegriff Sprachkontakterscheinungen zusammenfassen kann.
Die Abhandlung hat den Anspruch, nach einem kurzen Exkurs über die deutsche Einwanderungsgeschichte, die Mundart des Pennsylvaniadeutschen zu analysieren. Diese wird vorrangig von Religionsmitglieder der Old Order Amish gesprochen, die an betreffender Stelle vorstellt werden. Zunächst wird die Erscheinung des Sprachkontakts allgemein thematisiert, um dann speziell auf die durch dieses Phänomen im Pennsylvaniadeutschen entstandenen Veränderungen einzugehen. Dabei werden die Entlehnungen aus der amerikanisch-englischen Sprache im Vordergrund stehen.
Gliederung
1. Einleitung
2. Die Einwanderungsgeschichte der deutschsprachigen Immigranten
2.1 Die „colonists“
2.2 Die „old immigrants“
2.3 Die „new immigrants“
3. Deutsche Sprachinseln in Pennsylvania
3.1 Die Gemeinde der Amish People
3.1.1 Die Entstehung der Amischen
3.1.2 Auswanderung nach Amerika und die heutige Situation
4. Sprachkontakterscheinungen im Pennsylvaniadeutschen
4.1 Sprachkontakt
4.2 Der Multilingualismus der Pennsylvaniadeutschen
4.2.1 Erstsprache Pennsylvaniadeutsch
4.2.2 Zweitsprache Amerikanisch-Englisch
4.2.3 Drittsprache Amisch-Hochdeutsch
4.3 Interferenzen
4.4 Entlehnung
5. Lehngut des Pennsylvaniadeutschen
5.1 Lehnwörter im Pennsylvaniadeutschen
5.2 Hybride im Pennsylvaniadeutschen
5.3 Lehnübersetzungen und Lehnübertragungen im Pennsylvaniadeutschen
5.4 Sprachkontakterscheinungen im Textzusammenhang
5.5 Allgemeine Analyse des Sprachkontakts
6. Der Sprachtod des Pennsylvaniadeutschen
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Mundart des Pennsylvaniadeutschen, insbesondere innerhalb der religiös isolierten Gemeinschaft der Old Order Amish, um die Auswirkungen von Sprachkontaktphänomenen durch das amerikanische Englisch zu untersuchen.
- Historische Einwanderung deutschsprachiger Gruppen in die USA
- Soziolinguistische Analyse des Multilingualismus der Amish People
- Klassifizierung von Sprachkontaktphänomenen: Interferenzen und Entlehnungen
- Strukturelle Untersuchung des englischen Lehnguts (Lehnwörter, Hybride, Lehnübersetzungen)
- Entwicklungsperspektiven und Sprachtod-Tendenzen des Pennsylvaniadeutschen
Auszug aus dem Buch
4.2 Der Multilingualismus der Pennsylvaniadeutschen
Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei dem Pennsylvaniadeutschen um eine bestimmte Mundart der deutschstämmigen Immigranten handelt, sind die Sprecher stets auch mit der Landessprache Amerikas konfrontiert, so dass sich eine Mehrsprachigkeit gebildet hat, die nach REIN zwei Phänomene aufweist:
1. Innerhalb einer sozialen Gruppe oder auch eines gesamten Staates sind mindestens zwei verschiedene Sprachen vorherrschend.
2. Jedes Mitglied dieser Gemeinschaft kann von den unterschiedlichen Sprachen alternativ Gebrauch machen. (1977: 27)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der deutschen Sprachinseln in den USA ein und definiert die Zielsetzung, Sprachkontakterscheinungen im Pennsylvaniadeutschen zu analysieren.
2. Die Einwanderungsgeschichte der deutschsprachigen Immigranten: Dieses Kapitel klassifiziert die deutschen Einwanderungswellen nach zeitlichen Kriterien in „colonists“, „old immigrants“ und „new immigrants“.
3. Deutsche Sprachinseln in Pennsylvania: Es wird die Entstehung des Pennsylvaniadeutschen sowie die Lebensweise der isolierten „plain people“, insbesondere der Old Order Amish, erläutert.
4. Sprachkontakterscheinungen im Pennsylvaniadeutschen: Das Kapitel behandelt den Multilingualismus, Interferenzen und den Prozess der Entlehnung innerhalb der Sprachgemeinschaft.
5. Lehngut des Pennsylvaniadeutschen: Eine detaillierte linguistische Untersuchung der Übernahme englischer Lexeme durch direkten Transfer, Substitution und hybride Bildungen.
6. Der Sprachtod des Pennsylvaniadeutschen: Dieses Kapitel diskutiert die Gründe für den stetigen Rückgang der Sprecherzahlen und den Einfluss des kulturellen Assimilationsdrucks.
7. Schlussbetrachtung: Zusammenfassend wird festgestellt, dass trotz des anhaltenden Einflusses des amerikanischen Englisch durch die Loyalität kleiner Gruppen kein absoluter Sprachverlust zu befürchten ist.
Schlüsselwörter
Pennsylvaniadeutsch, Old Order Amish, Sprachkontakt, Multilingualismus, Entlehnung, Interferenzen, Lehnwörter, Hybride, Sprachinseln, Einwanderung, Diglossie, Sprachwandel, Sprachminderheit, Pennsylvania, Sprachgebrauch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die linguistischen Auswirkungen von Sprachkontakt zwischen dem Pennsylvaniadeutschen und dem amerikanischen Englisch bei den Old Order Amish.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Einwanderungsgeschichte, der Mehrsprachigkeit innerhalb spezieller Glaubensgemeinschaften und der Analyse verschiedener Formen der sprachlichen Entlehnung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse der Veränderungen der pennsylvaniadeutschen Mundart unter dem Einfluss der umgebenden amerikanischen Landessprache.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine soziolinguistische Untersuchung, die auf Basis bestehender Literatur (u.a. Arter-Lamprecht, Blank, Rein) Entlehnungstypen und Sprachgebrauchsmuster katalogisiert und analysiert.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Im Hauptteil werden die Kategorien von Sprachkontaktphänomenen, wie Interferenzen und das spezifische Lehngut des Pennsylvaniadeutschen, systematisch aufgeschlüsselt und mit Beispielen belegt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sprachkontakt, Multilingualismus, Entlehnung, Hybride und die soziolinguistische Situation der Amish People definiert.
Welche Rolle spielen die „plain people“ für die Sprache?
Durch ihre religiöse Isolation und den bewussten Erhalt ihrer Traditionen fungieren sie als Bewahrer der Mundart, sind aber dennoch einem stetigen sprachlichen Wandel durch den Kontakt zur Außenwelt unterworfen.
Inwiefern beeinflusst der Sachbereich das Lehngut?
Die Analyse zeigt, dass der Anteil an Entlehnungen stark variiert, je nachdem, ob es sich um Bereiche wie Handwerk oder Haushalt handelt, die unterschiedlich intensiv mit der englischsprachigen Welt interagieren.
Gibt es Anzeichen für das Aussterben der Sprache?
Obwohl die Sprecherzahlen historisch stark rückläufig sind, deutet die Loyalität konservativer Gruppen gegenüber ihrer Muttersprache auf ein Fortbestehen hin, trotz des Drucks zur Assimilation.
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- Antje Minde (Author), 2005, Deutsche Sprachinseln in den Vereinigten Staaten von Amerika. Sprachkontaktphänomene des Pennsylvaniadeutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37708