Im Rahmen dieses Essays soll das Sonett "Archaischer Torso Apollos" Rilkes interpretiert werden, unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses des französischen Bildhauers Auguste Rodin.
"A mon grand Ami Auguste Rodin" – betrachtet man diese Widmung, die der Sammlung von Rilkes "Neuen Gedichten" vorausgeht, so ist man geneigt, Ralph Freedman zuzustimmen, wenn er von einer "Rodin-Besessenheit" Rilkes spricht. Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit dem gewählten Gedicht soll dann daher auch hier in einem zweiten Schritt ein Abgleich mit Rodinschen Gedankenmodellen und eine Interpretation hinsichtlich der zwei Künstler gewagt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Zielsetzung
2. Analyse des Sonetts „Archaischer Torso Apollos“
2.1. Interpretation der ersten Strophe
2.2. Untersuchung der zweiten Strophe
2.3. Das apollinisch-dionysische Spannungsfeld
3. Synthese und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Sonett „Archaischer Torso Apollos“ von Rainer Maria Rilke unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses des Bildhauers Auguste Rodin auf die künstlerische Entwicklung des Dichters.
- Literarische Analyse der Bildsprache in Rilkes Sonett
- Einfluss von Auguste Rodin auf Rilkes Verständnis von Kunst
- Die Metaphorik des Fragmentarischen und des Körpers
- Das apollinisch-dionysische Begriffspaar nach Nietzsche
- Die Transformation vom beschreibenden Text zum Appell an den Leser
Auszug aus dem Buch
Gedichtinterpretation: „Archaischer Torso Apollos“ unter Berücksichtigung des Einflusses von Auguste Rodin
„A mon grand Ami Auguste Rodin“ – betrachtet man die Widmung, die der Sammlung von Rilkes „Neuen Gedichten“ vorausgeht, so ist man geneigt, Ralph Freedman zuzustimmen, wenn er von einer „Rodin-Besessenheit“ Rilkes spricht. Im Folgenden soll das Sonett „Archaischer Torso Apollos“ Rilkes interpretiert werden, unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses des französischen Bildhauers Auguste Rodin.
Bereits zu Beginn des Sonetts bildet das lyrische Ich eine Einheit mit dem Leser, als es durch die Verwendung des Personalpronomens „Wir“ (V. 1) von der gemeinsamen Unkenntnis spricht. Interessant ist aber die Verwendung des Präteritums („kannten“, V. 1). Hiermit könnte auf das erste Apollo-Sonett Bezug genommen werden, in dem der Leser eine detaillierte Beschreibung des apollinischen Hauptes erfahren hat. Demnach wäre dieses anfängliche Unwissen nicht mehr präsent, es kann viel mehr als Ironie gedeutet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Zielsetzung: Hier wird der Fokus der Untersuchung auf das Verhältnis zwischen Rilkes literarischem Schaffen und dem Einfluss seines Mentors Auguste Rodin gelegt.
2. Analyse des Sonetts „Archaischer Torso Apollos“: Dieser Abschnitt bietet eine detaillierte textimmanente Deutung der Strophen unter Einbeziehung von Motiven wie der „Rodin-Besessenheit“, der Metaphorik des „Bugs“ und der Rolle der Imagination.
3. Synthese und Fazit: Das Kapitel schließt mit der Feststellung, dass Rilke durch das Fragmentarische zur direkten Lebensaufforderung an den Leser gelangt, womit er sich über das rein Handwerkliche der bildenden Kunst erhebt.
Schlüsselwörter
Rainer Maria Rilke, Auguste Rodin, Archaischer Torso Apollos, Sonett, Interpretation, Apollinisch, Dionysisch, Fragment, Bildhauerei, Imagination, Literaturanalyse, Moderne, Körperlichkeit, Lyrik, Kunsttheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das berühmte Sonett „Archaischer Torso Apollos“ von Rainer Maria Rilke und setzt es in den Kontext des Einflusses, den der Bildhauer Auguste Rodin auf den Dichter ausübte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die ästhetische Gestaltung des Gedichts, die Bedeutung des Fragmentarischen sowie die literarische Auseinandersetzung mit der bildenden Kunst.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ergründen, wie Rilke durch die Rezeption Rodins zu einer eigenständigen, poetischen Ausdrucksweise findet, die über die bloße plastische Beschreibung hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textinterpretation angewandt, die durch kunsthistorische und rezeptionsästhetische Perspektiven ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine stufenweise Interpretation des Gedichts, wobei spezifische Metaphern, die Struktur des Sonetts und das Wirken der apollinisch-dionysischen Pole beleuchtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rilke, Rodin, Apollon, das Fragment, die künstlerische Imagination und der Appellcharakter moderner Lyrik.
Wie deutet der Autor die Wendung „du mußt dein Leben ändern“?
Diese Schlusszeile wird als Übergang von der bloßen Betrachtung eines antiken Objekts zur existenziellen Aufforderung interpretiert, wobei das unvollständige Leben als „Torso“ begriffen wird.
Welche Rolle spielt der Konjunktiv „könnte“ im Text?
Der Konjunktiv markiert laut Interpretation die Distanz zur rein gegenständlichen Beschreibung und öffnet den Raum für die schöpferische Imagination des Lesers.
- Arbeit zitieren
- Sina Ramsperger (Autor:in), 2017, Rilke und Rodin. Eine Gedichtinterpretation des "Archaischen Torso Apollos" von Rainer Maria Rilke unter Berücksichtigung des Einflusses von Auguste Rodin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377101