Ein Flashmob, das ist ein relativ neuartiges Phänomen, das in der allgemeinen Auffassung daraus besteht, dass sich eine größere Menge von Personen, die sich untereinander nicht kennen, an einem öffentlichen Ort scheinbar plötzlich zusammenschließt und für sehr kurze Zeit eine bestimmte, meist zweckbefreite Aktion ausführt, um dann ebenso plötzlich, wie sie gekommen ist, wieder zu verschwinden.
Dadurch, dass sich das Phänomen des Flashmobs erst im Jahr 2003 entwickelt hat, existiert bisher nur eine überschaubare Menge an Forschungsliteratur; die verschiedenen Aspekte des Flashmobs, sei es in gesellschaftlicher, künstlerischer oder kommunikativer Hinsicht sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erschöpfend untersucht worden.
In dieser Arbeit soll das Phänomen des Flashmobs in Hinsicht auf rhetorische Aspekte genauer betrachtet werden. Der Flashmob scheint als ein Zusammenschluss von Menschen, die den öffentlichen Raum betreten, um gemeinsam eine Aktion vor Zuschauern durchzuführen, auf ein kommunikatives Interesse hinzuweisen. Ein solches kommunikatives Interesse soll in der vorliegenden Arbeit herausgestellt und anschließend unter rhetoriktheoretischen Gesichtspunkten untersucht werden, um letztendlich das rhetorische Potential, also ob, und wenn ja, wie und warum Flashmobs rhetorische Wirksamkeit entfalten können, bestimmen zu können. Sehr vereinfacht gesagt soll es um die Frage gehen, ob Flashmobs sich für die Teilnehmer eignen, eine Botschaft an die Zuschauer zu senden und in ihnen zu verankern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Flashmob
2.1 Geschichte des Flashmobs
2.2 Definition
2.2.1 Bisherige Definitionen in der Forschungsliteratur und den Massenmedien
2.2.2 Flashmob als Kommunikationsverfahren
2.2.3 Definition
2.3 Unterschiedliche Formen des Flashmobs
2.3.1 Smartmob
2.3.2 Bashmob
2.3.3 Carrotmob
2.4 Abschließende Eingrenzung des Themas
3. Methode und Fragestellung
3.1 Das rhetorische Potential
3.1.1 Die Rhetorik als Untersuchungsmethode strategischer und erfolgsorientierter Kommunikation
3.1.2 Der Orator
3.1.3 Telos und Zertum
3.1.4 Widerstände
3.1.5 Die Orientierungsaspekte
3.2 Fragestellung
3.3 Herausforderungen bei der Untersuchung
4. Analyse
4.1 Die Beispiele
4.1.1 Die Auswahlkriterien der Beispiele
4.1.2 Der Love-Rug-Flashmob von Bill Wasik
4.1.3 Frozen Grand Central
4.1.4 Flashmob gegen die Bahn-Privatisierung
4.2 Untersuchung der Beispiele
4.2.1 Orator/Zertum/Telos
4.2.2 Widerstände
4.2.3 Persuasion und Orientierungsaspekte
5. Zusammenfassung/Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das rhetorische Potential von Flashmobs, indem sie das Phänomen unter rhetoriktheoretischen Gesichtspunkten analysiert, um zu bestimmen, ob und wie diese Aktionsform als strategische Kommunikation zur Einstellungsänderung oder Meinungsbeeinflussung bei Zuschauern eingesetzt werden kann.
- Rhetorik als Untersuchungsmethode für strategische Kommunikation
- Konstitutive Merkmale und Definition des Phänomens Flashmob
- Analyse der Orator-Struktur und Handlungsspielräume bei Flashmobs
- Untersuchung von rhetorischen Widerständen bei Flashmob-Aktionen
- Einsatz von Orientierungsaspekten zur Bestimmung der rhetorischen Wirkung
Auszug aus dem Buch
3.1.4 Widerstände
Da die Rhetorik eine Wissenschaft der Persuasion ist, und Persuasion in einer Gesellschaft oder Situation, in der unbedingter Konsens herrscht, nicht vorstellbar ist, sind die jeweiligen Widerstände, die sich dem Orator in den Weg stellen, während er sein kommunikatives Ziel erreichen will, ein wichtiger Untersuchungspunkt.72
Für den Orator stellt sich „auf mindestens fünf verschiedenen Ebenen kommunikativer Widerstand“73 ein. „1. auf der kognitiven Ebene, womit das menschliche Denken und Fühlen insgesamt gemeint ist, 2. auf der Ebene der Sprache, 3. auf Textebene, 4. auf Medienebene und 5. auf situativer Ebene.“74 Für den kommunikativen Erfolg des Orators ist ausschlaggebend, wie mit diesen Widerständen umgegangen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt ein konkretes Flashmob-Ereignis, definiert das Phänomen als neuartig und formuliert das Ziel der Arbeit, die rhetorische Wirksamkeit dieser Aktionen zu untersuchen.
2. Der Flashmob: Bietet einen historischen Abriss, diskutiert verschiedene Definitionen, grenzt Unterformen wie Smartmob, Bashmob und Carrotmob ab und entwickelt eine eigene Arbeitsdefinition für die weitere Analyse.
3. Methode und Fragestellung: Legt die rhetoriktheoretischen Grundlagen dar, definiert zentrale Begriffe wie Orator, Telos, Zertum und Widerstände und formuliert die spezifischen Forschungsfragen für die Analyse.
4. Analyse: Untersucht drei ausgewählte Beispiele – Love-Rug, Frozen Grand Central und den Bahn-Protest – hinsichtlich ihrer Orator-Struktur, der Überwindung von Widerständen und der Anwendung rhetorischer Orientierungsaspekte.
5. Zusammenfassung/Fazit: Resümiert, dass Flashmobs zwar hervorragend zur Erzeugung von Aufmerksamkeit geeignet sind, jedoch aufgrund mangelnder inhaltlicher Tiefe und textueller Unterdetermination kaum Potenzial für eine langfristige Einstellungsänderung beim Publikum besitzen.
Schlüsselwörter
Flashmob, Rhetorik, Kommunikation, Persuasion, Orator, Telos, Zertum, Widerstände, Situativik, Aufmerksamkeit, Strategische Kommunikation, Protest, Frozen Grand Central, Orientierungsaspekte, Öffentlicher Raum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das rhetorische Potential von Flashmobs aus der Perspektive der allgemeinen Rhetorik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Analyse fokussiert sich auf die rhetorische Struktur von Flashmobs, die Rolle der Teilnehmer als Oratoren und die Fähigkeit der Aktionen, Aufmerksamkeit zu erzeugen und Widerstände zu überwinden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, ob und in welcher Stärke Flashmobs rhetorisch wirken können und ob sie sich zur Verankerung einer Botschaft bei Zuschauern eignen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine rhetoriktheoretische Untersuchungsmethode angewandt, die auf Modellen der strategischen Kommunikation, der Orator-Struktur und rhetorischen Orientierungsaspekten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert drei konkrete Fallbeispiele (Love-Rug, Frozen Grand Central, Anti-Bahn-Privatisierung) anhand rhetorischer Kategorien wie Orator-Rollen, Kommunikationswiderständen und Persuasionsstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben Flashmob vor allem rhetorische Fachtermini wie Orator, Telos, Zertum, Persuasion, Orientierungsaspekte und situativer Widerstand.
Inwiefern unterscheiden sich Smartmobs von der allgemeinen Flashmob-Definition?
Smartmobs zeichnen sich primär durch eine spezifische, oft politisch oder gesellschaftlich motivierte Zielsetzung aus, während der allgemeine Flashmob stärker durch die Spontaneität und Inszenierung definiert wird.
Warum ist das rhetorische Potential von Flashmobs laut Fazit eher niedrig?
Das Potenzial wird niedrig bewertet, da Flashmobs zwar sehr effektiv Aufmerksamkeit erregen, aufgrund ihrer inhaltlichen Unbestimmtheit jedoch keine eindeutigen Argumente vermitteln können, die einen mentalen Einstellungswechsel beim Rezipienten bewirken würden.
- Citation du texte
- Peter Greza (Auteur), 2016, Das rhetorische Potential von Flashmobs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377137