Die Hansestadt Tallinn. Entwicklung, Bedeutung des Hafens und globale Tendenzen


Hausarbeit, 2003

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1. Allgemeiner Überblick

2. Die Stadtentwicklung
2.1 Das neue Tallinn

3. Der Tallinner Hafen
3.1 Die neuesten Entwicklungen des Tallinner Hafens
3.2. Der Hafen Muuga

4. Tallinn – Ein Zentrum des Segelsports

5. Globale Tendenzen
5.1 EU-Erweiterung
5.2 Das Profil Tallinns

6. Literaturverzeichnis

Tallinn – Stadt und Hafen

1. Allgemeiner Überblick

Tallinn, die Hauptstadt Estlands, ist an der Südküste des Finnischen Meerbusens gelegen und eine wichtige baltische Hafenstadt an der Ostsee sowie das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes.

Karte 1: Estland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.ewis.de

Im 10. Jahrhundert wurde an der Stelle des heutigen Tallinn eine befestigte Siedlung angelegt, die 1219 von den Dänen erobert wurde. In der Nähe der Siedlung gründete der Schwertbruderorden eine Stadt, die 1284 der Hanse beitrat. 1346 wurde das Gebiet an den Deutschen Orden verkauft und Tallinn entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum für den Handel mit Russland.. Seit 1561 gehört Tallinn zu Schweden, seit 1721 zu Russland. Von 1918 bis 1940 war Tallinn Hauptstadt der Republik Estland, von 1940 bis zur Unabhängigkeit 1991 Hauptstadt der Estnischen Sozialistischen Republik.

Nach starken Zerstörungen im 2.Weltkrieg wurde Tallinn nach alten Stadtplänen wieder aufgebaut. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen u.a. eine Zitadelle (13. bis 14. Jahrhundert), der Dom (in mehreren Bauabschnitten zwischen 1230 und 1778 fertig gestellt), die Pfarrkirche St. Nikolaus (13. Jahrhundert) und das Haus der Großen Gilde (Anfang 15. Jahrhundert).

Tallinn – Stadt und Hafen

2. Die Stadtentwicklung

Das Stadtbild Tallinns wird durch den Domberg, ein mächtiges Kalksteinplateau, geprägt, vom dem man auf die Altstadt und die abwechslungsreiche Umgebung Tallinns, ferner auf den Stadtgraben, die einstigen Bastionen und Grünanlagen schauen kann.

Abb.1: Die Stadt Tallinn

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.2travel.no

Tallinn ist noch heute eine recht einheitlich wirkende Stadt, in der der gotische Baustil vorherrscht. Allerdings sind auch Beeinflussungen durch andere europäische Kunstrichtungen spürbar.

Wie in anderen Städten fielen auch in Tallinn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einige historische Bauwerke der Altstadt den Erfordernissen des dichter werdenden Verkehrs zum Opfer, vor allem die Stadttore. Die Ringmauer wurde, wo sie baufällig war oder den Verkehr behinderte, abgerissen, an der Süd- und Ostseite der Stadt durch unschöne Bauten verunstaltet oder verdeckt. Die Tatsache, dass Tallinns Altstadt trotzdem ihr historisches Gepräge bewahrte, war weniger einer städtebaulichen Planung oder einem staatlichen Denkmalschutz als

der konservativen und traditionsbewussten Haltung der Hauseigentümer zu

Tallinn – Stadt und Hafen

verdanken.

Bis 1867 war die gesamte Stadt Tallinn eine Festung, die sich durch Wälle, Ravelins, Redouten und Bastionen vor Kriegen und Angriffen schützte. Danach verwandelten sich diese Anlagen aber immer mehr zu einem Ring von Grünanlagen.

Weitere Veränderungen brachten die Reformen unter Zar Alexander II. (1855-1881), die das Abschaffen der alten Zunftordnung und die Einführung der Gewerbefreiheit bedeuteten. So kamen immer mehr Esten vom Lande in die Stadt und ließen sich dort als Gewerbetreibende, Einzelhändler und Handwerker nieder.

Eine grundlegende Reform der kommunalen Selbstverwaltung erfolgte 1877/1878 durch die Einführung der neuen russischen Städteordnung in den baltischen Provinzen. Die aus dem Mittelalter überkommene Ratsverfassung wurde aufgehoben, die Justiz von der Verwaltung getrennt und die Gilden verloren ihren Charakter als politische Korporationen. Die Demokratisierung hielt sich allerdings in engen Grenzen, da das neue Wahlsystem die vermögenden Schichten begünstigte und somit die Deutschen weiterhin ihre Übermacht behaupten konnten. Erst bei den Wahlen im Jahre 1904 gelang dem estnisch-russischen Wahlblock der entscheidende Durchbruch, als nämlich die Verwaltung der Stadt, die 700 Jahre lang von den Deutschen beherrscht worden war, in die Hände der estnisch-russischen Mehrheit überging.

Seit Ende des Jahres 1918 war Tallinn Landeshauptstadt: von 1918-1940 der selbstständigen demokratischen (bürgerlichen) Republik, seit dem August 1940 der in der UdSSR inkorporierten sozialistischen Sowjetrepublik. Mit dem Zusammenbruch der UdSSR 1991 erlangte Estland die Unabhängigkeit.

Eine große städtebauliche Planung ist in den Zeiten der bürgerlichen Republik unterblieben, da der vorhandene Wohnraum nicht wesentlich erweitert werden musste. Es entstanden nur einzelne, moderne Häuser, die bezeichnenderweise Direktionsgebäude von Versicherungsgesellschaften, Zeugen des zunehmenden Wohlstandes, waren. Aus jener Zeit stammt aber auch eine Reihe moderner und geschmackvoller Schulneubauten, die die lebhafte Förderung des Bildungswesens bezeugen. Erst in der Zeit des autoritären Regimes in den dreißiger Jahren begann man mehr auf staatliche Repräsentation zu achten.

Tallinn – Stadt und Hafen

Trotz der begrenzten Gestaltungsmöglichkeiten hatte das alte Tallinn in den zwei Jahrzehnten der Eigenstaatlichkeit Estlands den Charakter einer weltoffenen, nordischen Hauptstadt gewonnen. Mit Skandinavien und Deutschland durch Schifffahrts- und Fluglinien verbunden, glich sich Tallinn im Straßenbild und im Lebensstil der Einwohner zunehmend der jüngeren, fortgeschrittenen Schwesterstadt Helsinki an. Die niedrigen Lebenshaltungskosten, das günstige Preisangebot in Kurorten, Pensionen und Hotels lockte Touristen und Kurgäste an, vor allem aus Schweden. Das Leben auf den Straßen und Plätzen zeugte von wachsendem Wohlstand und Tallinn vermittelte für eine kurze Zeitspanne den Flair einer westlichen Metropole.

Durch den Zweiten Weltkrieg und tiefgehende politische und gesellschaftliche Veränderungen, die in seinem Gefolge auftraten, veränderte sich das äußere Erscheinungsbild von Tallinn erheblich. Nach der Wiedereroberung der Stadt durch die Sowjetarmee 1944 und der Beendigung des Krieges begann dann eine großzügige städtebauliche Planung. Erleichtert und vereinfacht wurde diese Stadtplanung durch die Sozialisierung des gesamten privaten Immobilienbesitzes, die dem Staat bzw. der Stadt die Möglichkeit gab, über alle Gründstücke frei zu verfügen. Hinzu kam, dass der Krieg die Altstadt weitgehend verschont, einen erheblichen Teil der aus Holz gebauten, wenig repräsentativen Häuser in den Vororten jedoch vernichtet hatte. Die Bautätigkeit, bei der zunächst die Beschaffung von Wohnraum im Vordergrund stand, hatte jedoch nicht nur die Wiederherstellung des zerstörten Wohnraumes oder die Unterbringung von Zuzüglern vom Lande zu dienen. Der Aufbau neuer Wohnviertel, sogenannter Mikrorayons, in den Außenbezirken der Stadt stand von Anfang an im Dienste der angestrebten Industrialisierung, die die Einwohnerzahl der Stadt von rund 145.000 im Jahr 1939 auf 363.000 im Jahr 1970 und 410.000 im Jahr 1977 wachsen ließ.

Ein weiteres Ziel war, die Diskrepanz zwischen der Altstadt und den Vorstädten zu minimieren. Die Häuser in der Altstadt waren meist stattliche, größtenteils altehrwürdige Wohnsitze der Oberschicht, wohingegen die Bauten in den Randbezirken zumeist aus Holz erbaute, unschöne Mietshäuser waren. Der nicht zu leugnende Unterschied zwischen den Wohnvierteln des gehobenen Bürgertums und des Adels und denen der kleinen Leute und Proletarier sollte nun

Tallinn – Stadt und Hafen

verschwinden durch die Errichtung moderner, einförmiger Wohnblocks.

Zudem war die „Öffnung der Stadt zum Meer“ in der sozialistischen Bauplanung vorgesehen, denn in den Jahrzehnten des schnellen industriellen Wachstums war die Bestimmung des Standortes mancher Fabriken dem Unternehmer überlassen worden und somit planlos, ohne Berücksichtigung städtebaulicher Gesichtspunkte erfolgt. Das hatte dazu geführt, dass der Zugang zur See und der Blick auf die Reede zum großen Teil durch industrielle Anlagen verstellt worden war.

Neben den neuen Wohnvierteln, die denen der modernen Großstädte in aller Welt glichen, waren in der sowjetischen Zeit auch Bauten errichtet worden, die eindrucksvolle Zeugnisse des nationalen Kultur- und Lebenswillens des estnischen Volkes darstellten. So entstand z.B. in den sechziger Jahren in dem ehemaligen Villenbezirk Tallinner Großkaufleute Rocca al Mare an der westlich der Stadt gelegenen Meeresbucht das großzügig in landschaftlich reizvoller Gegend angelegte Freilichtmuseum bäuerlicher estnischer Volkskultur.

Mittelpunkt des „sozialistischen Tallinns“ war der Bezirk zwischen dem Platz des Sieges (Vôidu väljak) und dem Viru väljak. Dort waren eine ganze Reihe von modernen Gebäuden entstanden, die als Sitz von Ministerien, Verwaltungsbehörden und Parteidienststellen, von kulturellen- und Bildungseinrichtungen dienten.

2.1 Das neue Tallinn

Heutzutage leben im seit 1991 unabhängigen Tallinn rund 400.000 Bürger. Die Gesamtfläche von Estlands Hauptstadt beträgt 158 km², wovon 1/3 unbebaut ist. Beinahe die Hälfte der zur Verfügung stehenden Flächen eignen sich für die Bebauung.

Für die Entwicklung des Stadtraumes ist eine allgemeine Planung der Flächennutzung der Stadt Tallinn bis 2010 festgelegt worden. Als wichtigste Aufgaben gelten:

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Hansestadt Tallinn. Entwicklung, Bedeutung des Hafens und globale Tendenzen
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V37715
ISBN (eBook)
9783638369824
ISBN (Buch)
9783638781619
Dateigröße
654 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kurzer, dennoch umfassender Überblick über die Entwicklungsgeschichte sowie globale Tendenzen der Stadt, zudem die neuesten Tendenzen des Tallinner Hafens und des Hafens Muuga.
Schlagworte
Tallinn, Stadt, Hafen
Arbeit zitieren
Antje Minde (Autor), 2003, Die Hansestadt Tallinn. Entwicklung, Bedeutung des Hafens und globale Tendenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37715

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