Die Rolle der Frau im Western-Genre analysiert anhand des Beispiels "The Searchers"


Hausarbeit, 2016
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Frau im Wilden Westen
2.1 Historische Einordnung
2.2 Darstellung im Filmgenre Western

3 Die Frauen in THE SEARCHERS
3.1 Das Haus und die Familie als weiblicher Raum
3.2 Das Warten auf den Mann

4 Debbie und Martha als Handlungsmotivatoren

5 Fazit

6 Literatur

1 Einleitung

Der Western ist eines der traditionsreichsten Filmgenres der Geschichte Hollywoods. Die spannenden Geschichten über den Helden, der sich im Wilden Westen für Recht und Ordnung einsetzt, sei es als gesetzestreuer Bürger oder in offizieller Position, z.B. als Sheriff, aber auch als Outlaw, der heimatlos durch die Prärie streift, ziehen seit Anfang des 20. Jahrhunderts etliche Filmliebhaber in ihren Bann. Meist nur in Nebenrollen zu sehen, sind im Western die weiblichen Charaktere. Dabei nehmen die Frauen in diesem ur-amerikanischen Genre nicht selten eine wichtige Rolle ein.

Pam Cook erkannte in ihrem Aufsatz Frauen und der Western, dass die Frau in einer gewissen „zwiespältigen, widersprüchlichen Rolle“(1988, S.82) stünde, was sie mit Zitaten von Budd Boetticher und Anthony Mann erklärt:

Einerseits steht sie am Rand: 'Es zählt das, was die Heldin auslöst, nicht das, was sie repräsentiert. Sie ist der Grund, (...) dessentwegen der Mann das tut, was er tut. Aus sich heraus hat die Frau nicht die geringste Bedeutung.' (Budd Boetticher) Andererseits steht sie im Zentrum: 'Zu jedem Western wird eine Frau hinzugefügt, denn ohne eine Frau würde der Western nicht funktionieren.' (Anthony Mann) (1988, S.82-83)

Dieses Zitat beschreibt die Rolle der Frau im Western sehr zutreffend. Um dies zu unterstreichen, soll in dieser Arbeit ein Klassiker, nicht nur des Western-Genres, sondern sogar der Geschichte Hollywoods näher untersucht werden, nämlich THE SEARCHERS (USA, 1956, John Ford).

Der Film zeigt John Wayne in der Hauptrolle des rassistischen und sturköpfigen Protagonisten Ethan Edwards und das Halbblut Martin Pawley auf der Suche nach Edwards' beiden Nichten, die von den Mördern seines Bruder und dessen Frau, einem Comanchen-Stamm, entführt wurden. Im Mittelpunkt stehen zwar Ethan und seine unerbittliche Suche nach den beiden Mädchen, seine Rachegelüste, sowie seine innerliche Zerrissenheit, was Boettichers' Aussage unterstreicht, dass die Frau der Grund dafür sei, dass „der Mann das tut, was er tut“ und der Frau selbst ansonsten keine besondere Bedeutung zukomme. In der folgenden Analyse wird jedoch gezeigt werden, dass auch Anthony Manns Aussage, dass ein Western ohne Frau nicht funktionieren würde, auf diesen Film zutrifft und den weiblichen Figuren, trotz ihrer Nebenrollen und spärlichen Screen Time eine wichtige Funktion für den Film zukommt. Die Arbeit soll also beweisen, wie wichtig die Frau für den Western ist, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so erscheint.

Im ersten Teil der Arbeit erfolgt eine kurze historische Einordnung, um zu verstehen, in welcher Zeit der Film spielt und wie die Rolle der Frau in dieser Epoche aussah. Diese ist vom Viktorianismus, der in diesem Zeitalter vorherrschte, geprägt. Es folgt ein Vergleich mit der

Darstellung im Western-Genre an sich, welchem aber nicht zu viel Raum in dieser Arbeit gegeben werden soll, da das Hauptaugenmerk auf Fords THE SEACHERS liegt. Im Hauptteil kommt es zur Analyse des Films in Hinsicht auf die Rolle, die die weiblichen Figuren im Film einnehmen. Wie werden die Frauen dargestellt? In welchem Raum bewegen sie sich? Wie agieren sie? Anschließend folgt ein Blick auf ihren Einfluss auf die anderen Charaktere und damit auch auf die dargestellte Handlung. Abgeschlossen wird die Arbeit mit einem Fazit zur vorangegangenen Analyse.

2 Die Frau im Wilden Westen

2.1 Historische Einordnung

Die Ära des Wilden Westens fällt in das 19. Jahrhundert, vornehmlich in die zweite Hälfte des Jahrhunderts, in welcher auch der Bürger- bzw. Sezessionskrieg (1861-1865) angesiedelt ist. Der Beginn der Ära kann durch die Eroberung des Westens zu Beginn der 1830er Jahre festgelegt werden. Das Ende dieser Zeit kann durch die stark voranschreitenden Kolonialisierung und Urbanisierung in etwa mit dem Eingliedern der Gebiete in die Territorien der Vereinigten Staaten von Amerika benannt werden, was ca. 1890 geschah. Die kurze geschichtliche Einordnung, die in diesem Abschnitt stattfinden soll, behandelt also in etwa die Zeit von 1830 bis 1890. Diese sechs Jahrzehnte fallen in das viktorianische Zeitalter, benannt nach der damals regierenden Königin von Großbritannien, Queen Victoria.

In North America this period marked the time of crucial transformation in regard to geographical expansion. This time of radical change on the one hand (politically and scientifically linked to the modernizing process) and conservatism on the other hand (socially - patriarchal attitudes reflected in women's roles) put this imprint on American life. (Spiegeler, 2002, S.174)

Die patriarchalischen Züge des Viktorianisums haben einen großen Einfluss auf die Rolle der Frau in dieser Zeit. In dieser Epoche haben die Männer das Sagen, die Frauen müssen sich unterordnen und die von ihnen erwartete Rolle einnehmen. Diese Rollenverteilung brachten die Einwanderer aus Europa mit nach Amerika, sodass sich diese soziale Differenzierung der Geschlechter auch dort durchsetzte. Barbara Weiter schrieb der Frau in ihrem Essay The Cult of True Womanhood vier Haupttugenden zu. „The attributes of True Womanhood [...] could be divided into four cardinal virtues - piety, purity, submissiveness, and domesticity“, erklärte Welter (1966, S.l). Frömmigkeit, Reinheit, Ergebenheit und Häuslichkeit stellten also diese vier Tugenden dar, die eine Frau besitzen sollte.

Während der Mann das Geld für die Familie verdiente und das Sagen hatte, musste die Frau zu Hause zu bleiben und sich um die Familie kümmern. Sie akzeptierte den Status als Mutterfigur, Erzieherin und Hausfrau, während der Mann seinem Beruf nachging, um die Familie zu ernähren. Des Weiteren musste sie ihrem Ehemann treu und ergeben sein. War eine Frau noch nicht verheiratet, so galt ihre Unterwürfigkeit ihren männlichen Familienmitgliedern, dem Vater oder dem Bruder.

Susann Spiegeler bringt es in ihrem Werk Women in the American Western Film from 1930-1980 folgendermaßen auf den Punkt: ,,[T]he woman had to make this home a haven for her world-weary husband or father or brother“ (2002, S.175).

Diese vier oben genannten Attribute können zumindest teilweise auch mit der großen Bedeutung von Religion in dieser Zeit, besonders für die Frau, erklärt werden. Vor allem die Frömmigkeit und die Reinheit fallen in das Gebiet der Religion. Schließlich gilt jemand als fromm, wenn er eine religiöse Lebensweise an den Tag legt. In Hinblick darauf, war vor allem die Reinheit ein elementares Gut der Frau. Verlor eine junge Frau ihre Unschuld vor ihrer Hochzeitsnacht galt sie als gefallene Frau, wie Weiter erklärt (Cult of True Womanhood, 1966, S.2). Von nun an gehörte sie einer niedrigeren sozialen Schicht an, ähnlich wie die Prostituierten, die als verdorben und unrein galten. Der gesellschaftliche Fall der Frau ging sogar so weit, dass der Tod dem Unschuldsverlust vorgezogen („Death preferable to the Loss oflnnocence“, 1966, S.3) wurde.

Diese vier Tugenden werden auch in THE SEARCHERS von Bedeutung sein, weshalb diese historische Einordnung als Hilfestellung für die spätere Analyse dient.

2.2 Darstellung im Filmgenre Western

Der Western ist ein von Männern dominiertes Genre, dennoch funktioniert er nicht ohne die Frauen, auch wenn das Angebot an Frauentypen sehr übersichtlich ist. Unter anderem werden im Western vor allem die folgenden Stereotypen bedient: die gewissenhafte Mutter, die Prostituierte (mit oder ohne goldenem Herzen), das Saloon-Girl, die Landwirtinnen und Pionierfrauen.

Die Frau steht im Schatten des männlichen Helden. Zumeist bleibt sie Zuhause oder zumindest an einem sicheren Ort zurück, während der Mann hinauszieht, Abenteuer erlebt und für Recht und Ordnung kämpft. Diese Sichtweise ließ sich auch schon in der historischen Einordnung erfassen, gab es in der Realität noch vermehrte Ausnahmen von Frauen, die sich auch schon in dieser Zeit emanzipierten, ist dies im Western-Genre die totale Ausnahme.

„Oft widersteht die Frau ihrer Sehnsucht nach Aktivität und Unabhängigkeit, überlässt dem Helden die Macht und akzeptiert den zweitrangigen Status als Mutterfigur, Erzieherin und soziale Vermittlerin“ (Cook, 1988, S.83).

Im Gegensatz zu den Frauen, die dieses Bild im Western prägen, stehen die bösen Mädchen, wie Prostituierte oder Gesetzesbrecherinnen.

The hard-working, honest, enduring, plain pioneer woman is a staple of the genre; her portrait exists either to be set into contrast with the character of the prostitute (seemingly knowing nothing but leisure-time, amusement, and fine clothes, sometimes acting treacherously and being wicked to the 'good' hero - even if she's a 'whore with a golden heart', she usually is portrayed more negativley than the pioneer woman); or this representation seves as a 'negative' reinforcement to make the equally good and honsest, but by far more handsome heroine look even more beatuiful. (Spiegeler, 2002, S.7)

Am Frauenbild der weiblichen Antagonistin, aber auch der Prostituierten (mit oder ohne goldenem Herzen) wird das Profil der guten, tugendhaften Frauen geschärft. Das Bild der bösen Frau kommt in THE SEARCHERS jedoch nicht vor, weshalb diesem auch keine weitere Bedeutung beigemessen werden soll. Stattdessen wird in der Analyse klar werden, dass die Frauen in John Fords Werk vor allem die, in der historischen Einordnung genannten Tugenden verkörpern. Zu diesen, in gewisser Weise stereotypischen Attributen kommt eine gewisse Hilflosigkeit, die nur durch den Mann aufgehoben werden kann, ein typisches Beispiel dafür wäre der Angriff von Indianern oder das Befreien aus den Fängen eines Bösewichts.

Trotz dieser Hilflosigkeit hat Susan Spiegeler dennoch auch drei stereotypische weibliche Charakterzüge im Western ausgemacht, die zumindest in Punkt 1 und 2 zeigen, welch wichtige Rolle die Frauen trotz ihrer Passivität im Zusammenhang mit der Handlung einnehmen:

1. Die Frau als Überbringer von Zivilisation und Kultur in den rohen, männlichen Grenzraum
2. Die Frau als dem Mann moralisch überlegene Figur und dessen Erlöser
3. Die „böse“ Frau - aggressiv, sinnlich, erotisch und mit einer geringen Chance das Ende des Films zu überleben da sie für ihre Sünden bezahlen muss[1]

Die ersten beiden von Spiegelers Stereotypen werden sich auch in der nun folgenden Analyse zu THE SEARCHERS wiederfinden.

3 Die Frauen in THE SEARCHERS

Das Hauptaugenmerk der Analyse wird auf den beiden weiblichen Figuren liegen, die für die Handlung als wichtigste Komponenten ausgemacht wurden, Debbie und Martha. Denn vor allem diese beiden Figuren spielen eine gewichtige Rolle für diesen Western, auch wenn ihre aktive Zeit auf dem Bildschirm nicht sehr lang ist. Laurie ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Analyse, die anderen weiblichen Personen im Film dagegen werden zwar ebenfalls kurz erwähnt werden, haben aber keine allzu große Bedeutung für das Thema.

[...]


[1] Übersetzt aus dem englischsprachigen Werk Women in the American Western Filmfrom 1930-1980; Historical RealityandFilmicRepresentation (Spiegeler, 2002, S.13)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Frau im Western-Genre analysiert anhand des Beispiels "The Searchers"
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Neue Deutsche Literatur und Medien)
Veranstaltung
Krautwestern. Erzähltechnische, genretheoretische und interkulturelle Aspekte des deutschen Westerns seit den 1930er Jahren.
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V377196
ISBN (eBook)
9783668546523
ISBN (Buch)
9783668546530
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsch, Filmwissenschaft, Western, Krautwestern, The Searchers, Frauenrolle, Schwarzer Falke, John Wayne, Rolle, Frau, Wilder Westen, Genre
Arbeit zitieren
Andreas Köhler (Autor), 2016, Die Rolle der Frau im Western-Genre analysiert anhand des Beispiels "The Searchers", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377196

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