In dieser Arbeit wird die Rolle der Frau im Western untersucht. Sie bezieht sich dazu auf einen Klassiker, nicht nur des Western-Genres, sondern sogar der Geschichte Hollywoods: „THE SEARCHERS“.
Eine historische Einordnung zeigt zunächst, in welcher Zeit der Film spielt und wie die Rolle der Frau in dieser Epoche aussah. Diese ist vom Viktorianismus, der in diesem Zeitalter vorherrschte, geprägt. Die Arbeit versucht anschließend, folgende Fragen zu klären: Wie werden die Frauen dargestellt? In welchem Raum bewegen sie sich? Wie agieren sie?
Der Western ist eines der traditionsreichsten Filmgenres der Geschichte Hollywoods. Die spannenden Geschichten über den Helden, der sich im Wilden Westen für Recht und Ordnung einsetzt, ziehen seit Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts etliche Filmliebhaber in ihren Bann. Meist nur in Nebenrollen zu sehen, sind im Western die weiblichen Charaktere. Dabei nehmen die Frauen in diesem ur-amerikanischen Genre nicht selten eine wichtige Rolle ein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Frau im Wilden Westen
2.1 Historische Einordnung
2.2 Darstellung im Filmgenre Western
3 Die Frauen in THE SEARCHERS
3.1 Das Haus und die Familie als weiblicher Raum
3.2 Das Warten auf den Mann
4 Debbie und Martha als Handlungsmotivatoren
5 Fazit
6 Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Frau im Western-Genre, wobei der Filmklassiker "The Searchers" (1956) von John Ford als zentrale Fallstudie dient, um die Bedeutung weiblicher Charaktere trotz ihrer oft untergeordneten Position zu analysieren.
- Historische und soziale Einordnung der Rolle der Frau im 19. Jahrhundert.
- Analyse der stereotypen Darstellung von Frauen im Western-Genre.
- Die Funktion des Hauses als weiblicher, zivilisierter Raum vs. die Wildnis als männliche Sphäre.
- Die Rolle der Frau als moralische Instanz und Handlungsmotivator für die männlichen Protagonisten.
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Haus und die Familie als weiblicher Raum
Die Räume, in denen Mann und Frau agieren, unterscheiden sich stark voneinander. Während der Mann als Grenzgänger immer wieder zwischen den Räumen hin- und herspringt und meist von Ort zu Ort weiterzieht, tritt die Frau im Western generell nur in einem Raum auf, dem familiären bzw. dem gesellschaftlichen Raum. Der Westernheld zieht als Outlaw oder Nomade durch die Wildnis, nur selten hält sich er für längere Zeit an einem für ihn familiären Ort, zum Beispiel seinem Zuhause, auf. Auch die Figur des Ethan Edwards passt in dieses Bild. Dies machen allein die Anfangs- und die Endszene deutlich. Ethan kehrt drei Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs zur Familie seines Bruder zurück, eine eigene Familie mit Frau und Kindern besitzt er nicht.(00:01:20)2 Was er in diesen drei Jahren getan hat, wird nicht ersichtlich. Fragen seiner Vergangenheit werden von Ethan nur vage beantwortet und geben wenig Aufschluss darüber. Aufgrund der frisch gepressten Goldmünzen (00:06:58), die er Aaron für seinen Aufenthalt gibt und die Aussage von Captain Samuel Clayton, dass Ethan auf die Beschreibung einer Menge Steckbriefe passen würde (00:10:54), lassen vermuten, dass er in kriminelle Aktivitäten involviert war, um sich über Wasser zu halten.
In der letzten Szene des Films, als Ethan und Martin Debbie zu Familie Jorgensen bringen, gehen alle in das Haus, sie kehren zurück in die Zivilisation, in den familiären und heimatverbundenen Raum. Ethan dagegen bleibt vor dem Haus stehen, dreht sich um und geht. Er bleibt in der Wildnis, in der männlichen Sphäre. Dies wird auch in den weiteren Szenen deutlich, in denen Ethan und Martin nur für kurze Zwischenstopps und auf der Suche nach weiteren Hinweisen in die Zivilisation zurückkehren. Ihr hauptsächlicher Handlungsraum ist die Prärie. Sie repräsentiert die Freiheit der Männer, in der sie sich bewegen können, sie ist der natürliche Raum des Westerners.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt das Western-Genre vor, diskutiert die zwiespältige Rolle der Frau in Filmen und definiert das Ziel, die Funktion weiblicher Figuren in John Fords "The Searchers" zu untersuchen.
2 Die Frau im Wilden Westen: In diesem Kapitel erfolgt eine historische Kontextualisierung der Frauenrolle im 19. Jahrhundert sowie eine Untersuchung der gängigen Frauen-Stereotypen im Western-Film.
3 Die Frauen in THE SEARCHERS: Hier wird der Fokus auf die weiblichen Hauptfiguren gelegt und analysiert, wie diese spezifische Räume (das Haus) besetzen und in einer wartenden Rolle agieren.
4 Debbie und Martha als Handlungsmotivatoren: Dieses Kapitel arbeitet heraus, dass weibliche Charaktere, auch wenn sie nicht im Zentrum der Action stehen, die treibende Kraft für die Handlungen der männlichen Protagonisten bilden.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Frau im Western entgegen ihrer oft geringen Präsenz als unverzichtbarer Bestandteil und moralischer Gegenpol zur männlichen Wildnis fungiert.
6 Literatur: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie der Filmografie.
Schlüsselwörter
Western, The Searchers, Frauenrolle, Gender, John Ford, Filmgenre, Rollenverteilung, Zivilisation, Wildnis, Handlungsmotivator, Viktorianismus, True Womanhood, Weiblichkeit, Stereotypen, Ethan Edwards
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Darstellung und Funktion von Frauenfiguren im Western-Genre, wobei John Fords Film "The Searchers" als zentrales Beispiel dient.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Analyse behandelt?
Zentrale Themen sind die historische Rolle der Frau, die räumliche Trennung zwischen männlicher Wildnis und weiblicher Zivilisation sowie die Funktion der Frau als moralischer Anker.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Frauen im Western-Genre, trotz ihrer meist untergeordneten Rollen und geringen Screen-Time, essenzielle Handlungsmotivatoren für die männlichen Protagonisten sind.
Welche wissenschaftliche Methodik wird für die Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine filmwissenschaftliche Analyse, gestützt auf historische Einordnungen und die Anwendung von Rollentheorien wie das Konzept des "True Womanhood".
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit detailliert untersucht?
Der Hauptteil befasst sich mit der Bindung der Frau an den familiären Raum, ihrem stereotypen Verhalten sowie ihrer Rolle als Auslöser für die Rache- und Rettungsmissionen der männlichen Hauptcharaktere.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Western, The Searchers, Rollenverteilung, Zivilisation, Weiblichkeit und Handlungsmotivator definieren.
Warum spielt die Unterscheidung von "Haus" und "Wildnis" eine solch zentrale Rolle in der Argumentation?
Die Trennung verdeutlicht die geschlechtsspezifische Rollenverteilung: Das Haus als Ort der zivilisierten Ordnung unter der Führung der Frau kontrastiert mit der ungebändigten Wildnis, in der sich der männliche Protagonist als Grenzgänger bewegt.
Inwiefern fungieren Charaktere wie Martha oder Debbie als Motivatoren für Ethan Edwards?
Martha verkörpert die Werte, deren Verletzung Ethans Handeln antreibt, während die Rettung von Debbie den Anlass bildet, den er als Suche und letztlich als moralische Verpflichtung wahrnimmt.
- Citar trabajo
- Andreas Köhler (Autor), 2016, Die Rolle der Frau im Western-Genre analysiert anhand des Beispiels "The Searchers", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377196