In dieser Arbeit werde ich mich mit der Frage beschäftigen, wie sich das Evangelistenbild des Lucas an der Hofschule Karl des Großen im Laufe der Jahre verändert und entwickelt hat. Ich gehe dabei von dem ältesten Werk, dem Godescalc Evangelistar, aus.
Zuerst werde ich das Bild des Lucas beschreiben und anschließend kurz auf die anderen Evangelisten eingehen. Im Anschluss werde ich den Evangelisten aus dem Godescalc Evangelistar mit dem von zwei weiteren Werken aus der Hofschule Karls des Großen vergleichen. Dieses älteste Werk der Hofschule soll zum einen mit dem Lorscher Evangeliar verglichen werden, dem jüngsten Werk jener Schule. Zum anderen habe ich mir ein Werk ausgesucht, das zwischen den beiden anderen liegt, und zwar das Evangeliar Saint-Médard aus Soisson. So kann genau betrachtet werden, wie sich die Darstellung des Evangelisten Lucas unter der Regierungszeit Karls des Großen verändert hat.
Das Godescalc Evangelistar befindet sich heute in der Bibliothèque nationale de France. In Auftrag gegeben hatten es der König selbst und seine Frau Hildegard. Der leitende Schreiber war Godescalc, dieser war jedoch nur der Hauptschreiber und nicht alleiniger Meister, wie man früher glaubte. Das Evangelistar wurde zwischen 781 und 783 angefertigt, dies kann man anhand des Widmungsgedichts genau datieren.
In einem Evangelistar sind im Gegensatz zu einem Evangeliar, nur Ausschnitte, sogenannte Perikopen aus den Evangelien enthalten. Diese sind chronologisch nach dem liturgischen Jahr sortiert, und enthalten für alle Feste passende Ausschnitte. Das Godescalc Evangelistar besteht aus sechs ganzseitigen Miniaturen: zuerst die Evagenlistenbilder als Autorenbilder, gefolgt von Jesus Christus und zum Schluss, die vorherigen Bilder zusammenfassend, der Lebensbrunnen. Anschließend kommt die Initialseite und dahinter beginnen die Perikopen. Am Ende findet sich neben den Ostertafeln noch das Widmungsgedicht von Godescalc an seine Auftraggeber.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Der Evangelist Lucas im Godescalc Evangelistar
2.2 Kurze Beschreibung der übrigen Evangelisten im Godescalc Evangelistar
2.3 Das Evangelistenbild von Lucas aus Saint-Médard aus Soisson
2.4 Vergleich der Darstellung des Lucas in den Werken von Godescalc und Saint-Médard
2.5 Der Evangelist Lucas im Evangeliar aus Lorsch
2.6 Vergleich der Darstellung des Evangelisten im Lorscher Evangeliar und dem Godescalc Evangelistar
3. Fazit
4. Abbildungs- und Literaturverzeichnis
4.1 Abbildungen
4.2 Primärliteratur
4.3 Sekundärliteratur
Zielsetzung und Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die künstlerische Entwicklung und Veränderung des Evangelistenbildes des Lukas innerhalb der Hofschule Karls des Großen. Anhand von drei ausgewählten Schlüsselwerken – dem Godescalc Evangelistar, dem Evangeliar Saint-Médard aus Soisson und dem Lorscher Evangeliar – wird analysiert, wie sich Darstellungsweisen, Raumverständnis und Komposition im Laufe der Regierungszeit Karls des Großen wandelten.
- Analyse ikonographischer und formaler Merkmale der Evangelistenbilder.
- Vergleichende Untersuchung der Raumdarstellung und Rahmungsstrukturen.
- Entwicklung vom monumentalen, frontalen Typus hin zu räumlich differenzierten Darstellungen.
- Bedeutung von Symbolwesen (Stier) und deren Interaktion mit den Evangelisten.
- Stellung der Einzelwerke innerhalb der karolingischen Buchmalerei.
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Evangelist Lucas im Godescalc Evangelistar
Das Autorenbild von Lucas zeigt den Evangelisten auf einer Sitzbank beim Verfassen seines Evangeliums und über ihm befindet sich sein Symboltier, der Stier. Das Bild wird von einem rechteckigen Rahmen gefasst. Dieser hat eine Zierleiste, die von einer schmalen, blass gelben Leiste mit roter Randung umgeben ist. Die ornamentierte Leiste gliedert sich in acht Teile und lässt sich in der vertikalen Achse spiegeln. Dort befindet sich am oberen und unteren Rand in der Mitte rotes und goldenes Treppenmuster auf orangen Grund. In den Ecken auf dunkel blauen Grund erstrecken sich gelbe Ranken mit einer dunklen Kontur. Die linke und rechte Seite wird mit hell blauen und gelben Palmetten auf roten Grund verziert. Der Hintergrund des Evangelisten teilt sich in vier horizontale Register, von denen die unteren zwei breiter als die oberen sind.
Lucas sitzt auf einer Sitzbank und hält in Händen Feder, Buch und Tintenfass. Zu seiner linken steht ein Buchpult, dessen Auflage nach vorne gewinkelt ist. An der Auflagefläche wurde Gold verwendet, der Rest des Pultes ist orange. Sowohl Haare als auch sein Bart des Evangelisten sind in einem rot – blond. Die Nimben von Lucas und dem Stier, welcher sich im rechten oberen Bereich befindet, berühren. Lucas sitzt frontal auf einer Bank mit einem großen, bestickten Kissen. Die Sitzfläche ist in Gold gehalten sowie das Suppedaneum auf dem seine Füße ruhen. Die vordere Seite der Fußplatte ist in dunkelrot mit weißen Rankenmuster und die Rückwand in blau. Lucas trägt Sandalen, eine blaue Toga und ein rotes Untergewand. Unter dem weiten Gewand kann man die Knie und seinen Schoß erahnen, durch die leichte Schattierung in einem dunkleren Blauton. Die Toga ist um seine linke Schulter gelegt, während die rechte Schulter und der rechte Arm nur mit dem roten Untergewand bedeckt sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der karolingischen Hofschule und Definition der Forschungsfrage bezüglich der Entwicklung des Lukas-Evangelistenbildes.
2. Hauptteil: Detaillierte ikonographische Analyse der Lukas-Darstellungen in den drei gewählten Codices sowie deren komparative Auswertung.
3. Fazit: Zusammenfassende Darstellung der künstlerischen Fortschritte im Bereich der Raumdarstellung, Komposition und Naturalistik innerhalb der Hofschule.
4. Abbildungs- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Bildquellen und des für die Arbeit konsultierten Quellenmaterials.
Schlüsselwörter
Karolingische Buchmalerei, Godescalc Evangelistar, Evangeliar Saint-Médard, Lorscher Evangeliar, Evangelist Lukas, Stier, Autorenbild, Hofschule Karls des Großen, Miniatur, Raumdarstellung, Ikonographie, Manuskript, Kunstgeschichte, Mittelalter, Pergament.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die künstlerische Entwicklung des Evangelistenbildes des Lukas in den Prachthandschriften der Hofschule Karls des Großen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Analyse der Rahmung, der Hintergrundgestaltung, der Raumwirkung und der sich wandelnden Interaktion zwischen Evangelist und Symboltier.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich die Darstellung des Lukas von den frühen Arbeiten des Godescalc Evangelistars bis hin zum Lorscher Evangeliar unter der Herrschaft Karls des Großen in technischer und kompositorischer Hinsicht verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kunsthistorische Bildanalyse angewandt, die primär auf der deskriptiven Untersuchung der Miniaturen und dem vergleichenden Stilvergleich basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Einzelbeschreibungen der Lukas-Bilder der drei gewählten Werke sowie in direkte Vergleiche zwischen diesen Manuskripten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Karolingische Buchmalerei, Hofschule Karls des Großen, Evangelistenbild, Lukas, Ikonographie und Kunstgeschichte.
Wie unterscheidet sich die Darstellung des Stiers im Godescalc Evangelistar zu späteren Werken?
Während im Godescalc Evangelistar eine unmittelbare Interaktion oder Blickkontakt besteht, wird das Symboltier in den späteren Werken wie dem Lorscher Evangeliar als distanzierte Inspirationsquelle dargestellt.
Welche Entwicklung lässt sich bezüglich der Sitzhaltung feststellen?
Die Darstellung wandelt sich von einer monumentalen, frontalen Sitzweise hin zu einer dynamischeren, schrägen Perspektive, die ein höheres Verständnis für räumliche Tiefe und Körperlichkeit widerspiegelt.
- Quote paper
- Anna-Lena Leichtenschlag (Author), 2016, Das Evangelistenbild des Lucas im Godescalc Evangelistar, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377223