Das Jahr 2016 wurde in vielen Jahresrückblicken als „Das Jahr der Populisten“ bezeichnet. Die Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten und die durch ein Referendum herbeigeführte Entscheidung der Briten, die Europäische Union zu verlassen, sind nur einige Beispiele dafür, wie sehr der Begriff des Rechtspopulismus im Jahr 2016 im Fokus der Öffentlichkeit stand.
Erfolge wie der von Donald Trump zeigen, dass es möglich ist, große Teile der Bevölkerung mithilfe des rechtspopulistischen Politikstils zu erreichen. Dabei ist die Gegenüberstellung von „Volk“ und „korrupter Elite“ eine der Kernmerkmale des Rechtspopulismus.
Diese Publikation beschäftigt sich daher mit der Modernisierungsverlierer-Theorie von Tim Spier. Diese Theorie möchte den Erfolg rechtspopulistischer Parteien in Westeuropa erklären. Da Spier seine Theorie auf Daten aus den Jahren 2003 und 2005 stützt, wendet der Autor dieses Buches die Theorie für einen aktuelleren Zeitpunkt erneut an. Dazu untersucht der Autor den Einfluss der aus Spiers Theorie abgeleiteten Indikatoren auf die Wahlabsicht einer rechtspopulistischen Partei anhand aktueller Daten aus dem Jahr 2014. Sein Ziel ist es die Frage zu klären, ob sich die Modernisierungsverlierer-Theorie für das Jahr 2014 dazu eignet, die Erfolge rechtspopulistischer Parteien in Westeuropa zu erklären.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Rahmen und Hypothesenableitung
2.1 Definition des Rechtspopulismus
2.1.1 Populismus-Konzept
2.1.2 Rechtspopulismus
2.1.3 Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus
2.2 Modernisierungsverlierer-Theorie
2.2.1 Modernisierungsverlierer-Theorie im Kontext der Globalisierung
2.2.2 Modernisierungsverlierertheorie nach Spier
2.2.3 Ableitung der Hypothesen
3 Methodik
3.1 Untersuchungsdesign
3.1.1 Fallauswahl
3.2 Vorstellung der Analyseverfahren
3.2.1 Regressionsanalyse
3.2.2 Faktorenanalyse
4 Analyse
4.1 Deskriptive Statistik
4.1.1 Operationalisierung
4.2 Regressionsanalysen
4.2.1 Einfluss der Modernisierungsverliererindikatoren auf das Wahlverhalten
4.2.2 Einfluss der rechtsaffinen Einstellungen auf das Wahlverhalten
4.2.3 Brückenhypothese
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, ob die Modernisierungsverlierer-Theorie nach Tim Spier geeignet ist, den Erfolg rechtspopulistischer Parteien in Westeuropa auf Basis von Daten aus dem Jahr 2014 zu erklären. Dabei wird der Einfluss von Indikatoren der sozialen Lage und psychischen Disposition auf die individuelle Wahlentscheidung analysiert.
- Anwendung der Modernisierungsverlierer-Theorie auf aktuelle Umfragedaten (ESS 2014)
- Empirische Überprüfung von Hypothesen zur sozialen Klassenlage und Deprivation
- Analyse rechtsaffiner Einstellungen wie Xenophobie, Autoritarismus und Misanthropie
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen politischer Unzufriedenheit und Wahlverhalten
- Vergleichende statistische Analyse westeuropäischer Staaten mittels binär logistischer Regression
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Populismus-Konzept
Bevor man sich der Frage widmet, ob die Verbindung mit radikal rechten Inhalten im Falle rechtspopulistischer Parteien das Kriterium einer eigenen Ideologie erfüllt, macht es zunächst Sinn sich mit dem generellen Phänomen des Populismus zu beschäftigen.
In der Populismus-Forschung wird das Konzept des Populismus primär als Politikstil aufgefasst, der dazu genutzt wird, um einen politischen Führer, eine Partei oder Bewegung, mit dem „Volk in Verbindung zu setzen“ (Betz: 2003 15). Populismus wird demnach als rein formales Merkmal verstanden, das in Verbindung zu höchst unterschiedlichen Ideologien stehen kann, so schreibt beispielsweise der Sozialwissenschaftler Nikolaus Wertz: „Den Populismus gibt es nicht, sondern nur dessen vielgestaltige Erscheinungsformen (Werz 2003: 14). Oftmals wird das Phänomen mit einem Chamäleon verglichen, das sich permanent neuen Bezugssystemen anpasst und sich zu ihnen in eine Anti-Beziehung setzt (vgl. Priester 2012b: 3). Für die Populismusforscherin Karin Priester ist Populismus ein „bloßes Bündel von Vorstellungen ohne einen beharrenden Träger (Substanz) seiner Akzidenzien, die gleichwohl eine beharrliche Gleichförmigkeit aufweisen“. Er lasse sich daher nicht essentialistisch definieren und auf eine kohärente Doktrin festlegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, skizziert den Aufstieg rechtspopulistischer Parteien in Westeuropa und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Anwendbarkeit der Modernisierungsverlierer-Theorie auf das Jahr 2014.
2 Theoretischer Rahmen und Hypothesenableitung: In diesem Kapitel werden der Begriff des Rechtspopulismus sowie die theoretischen Grundlagen der Modernisierungsverlierer-Theorie nach Tim Spier erläutert und daraus Hypothesen für die empirische Analyse abgeleitet.
3 Methodik: Dieses Kapitel beschreibt das Untersuchungsdesign, die Auswahl der Länder sowie die statistischen Analyseverfahren, namentlich die Faktorenanalyse und die logistische Regression.
4 Analyse: Das Kernstück der Arbeit führt die deskriptive Statistik und die Regressionsanalysen durch, um den Einfluss von Modernisierungsverlierer-Indikatoren und rechtsaffinen Einstellungen auf das Wahlverhalten zu prüfen.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der empirischen Untersuchung zusammen, vergleicht sie mit der Theorie und beantwortet die zentrale Forschungsfrage nach der Erklärungskraft des Modells.
Schlüsselwörter
Rechtspopulismus, Modernisierungsverlierer, Globalisierung, Wahlverhalten, European Social Survey, Politische Unzufriedenheit, Xenophobie, Autoritarismus, Misanthropie, Sozialer Wandel, Deprivation, Soziale Exklusion, Regressionsanalyse, Westeuropa, Politische Einstellungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die Modernisierungsverlierer-Theorie nach Tim Spier aus dem Jahr 2010 dazu geeignet ist, den Erfolg rechtspopulistischer Parteien in Westeuropa für das Jahr 2014 statistisch zu erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind der Zusammenhang zwischen gesellschaftlichem Wandel, individueller Deprivation (soziale Lage) und psychologischen Dispositionen (Einstellungen) sowie deren Einfluss auf die Wahlentscheidung für rechtspopulistische Formationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, mittels aktueller Daten des European Social Survey von 2014 zu klären, inwieweit sich die Wahlentscheidung für eine rechtspopulistische Partei durch die Modernisierungsverlierer-Theorie und die daraus abgeleiteten Indikatoren erklären lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt quantitative Methoden, konkret die binär logistische Regressionsanalyse zur Bestimmung von Einflussfaktoren auf das Wahlverhalten sowie die Faktorenanalyse zur Konstruktion von Skalen für die Einstellungsindikatoren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung (Begriffsdefinitionen, Modellvorstellung) und eine umfangreiche Analyse, in der verschiedene Indikatoren wie Klassenlage, subjektive Armut, soziale Exklusion und politische Einstellungen auf ihre statistische Signifikanz hin geprüft werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Konzepte Rechtspopulismus, Modernisierungsverlierer, Xenophobie, Autoritarismus, politische Unzufriedenheit und die empirische Wahlforschung geprägt.
Warum spielt das Konzept der sozialen Exklusion eine besondere Rolle?
Soziale Exklusion wird als immaterieller Indikator für Deprivation herangezogen, um zu untersuchen, ob Menschen, die sich von gesellschaftlichen Kontakten ausgeschlossen fühlen, eine höhere Affinität zu rechtspopulistischen Politikangeboten aufweisen.
Wie werden die untersuchten Länder für die Analyse ausgewählt?
Die Auswahl basiert auf der Verfügbarkeit von Daten im European Social Survey 2014 sowie einer Mindestfallzahl von 30 Wählern rechtspopulistischer Parteien pro Land, um statistisch valide Aussagen treffen zu können.
- Citation du texte
- Lukas Demski (Auteur), 2017, Die Modernisierungsverlierer-Theorie und ihr Einfluss auf die Wahlentscheidung für eine rechtspopulistische Partei in Westeuropa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377240