Die Hausarbeit widmet sich der Frage, ob es plausibel ist, Intimbeziehungen in der modernen Gesellschaft als ein eigenständiges und damit ausdifferenziertes Funktionssystem zu konzeptualisieren. Im Mittelpunkt meiner Ausarbeitung steht der Gesellschaftstheoretiker Niklas Luhmann, welcher - in seiner Theorie der funktionalen Differenzierung - die Liebe bzw. Intimbeziehungen neben weiteren Funktions- / Teilsystemen wie Wirt-schaft, Politik, Religion usw. als ein, in der modernen Gesellschaft, ausdifferenziertes Funktionssystem betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Luhmanns Systemtheorie
2.1 Funktionssysteme
2.2 Intimbeziehungen
3. Kritische Betrachtung und Alternative
3.1 Eigene Stellungnahme
3.2 Sven Lewandowski – Kritik an Luhmann
3.3 Sven Lewandowski – moderne Sexualität
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Plausibilität der Konzeption von Intimbeziehungen als eigenständiges und ausdifferenziertes Funktionssystem innerhalb der modernen Gesellschaft, wobei insbesondere die soziologischen Systemtheorien von Niklas Luhmann und Sven Lewandowski gegenübergestellt werden.
- Soziologische Systemtheorie nach Niklas Luhmann
- Funktionale Differenzierung und Funktionssysteme
- Kritische Analyse des Begriffs der Intimbeziehungen
- Rolle der Sexualität in modernen Gesellschaften
- Alternative Systemtheoretische Ansätze bei Sven Lewandowski
Auszug aus dem Buch
2.1 Funktionssysteme
Soziale Systeme zeichnen sich, nach Luhmann, allgemein durch die Merkmale Anschlussfähigkeit, Selbstreferenz und Autopoiesis aus: Soziale Systeme bestehen zunächst aus Kommunikationen, die an Kommunikationen anknüpfen. Damit dies geschieht, müssen Kommunikationen anschlussfähig sein bzw. sinnvoll an die vorangegangene Kommunikation so anschließen, dass sie sich als Ausgangspunkt für weitere Kommunikationen eignet. So erhöht alles, was die Wahrscheinlichkeit des Auftretens anschlussfähiger Kommunikation erhöht, auch die Überlebenschance eines sozialen Systems. Dadurch, dass die Anschlussfähigkeit von Kommunikationen in einem jeweiligen sozialen System eine bestimmte Selektivität vorgibt, strukturiert die bestehende Selektivität die zukünftige, indem sie festlegt, welche Kommunikationen Elemente des Systems werden können oder nicht. Das wird von Luhmann als Selbstreferenz des Systems bezeichnet. Er beschreibt soziale Systeme außerdem als autopoietisch, da die Selektivität des Systems vom System selbst erzeugt und Kommunikationen im Kommunikationsprozess selbst produziert werden.
„Funktional ausdifferenzierte gesellschaftliche Teilsysteme [sind] funktions-, leistungs-, medien/-codespezifische und (re-)programmierbare, sich selbst validierende selbstsubstitutive autopoietische Systeme“ (Krause 2005: 44). Je nach evolutionärer Ausdifferenzierung schließen funktionale Teilsysteme sich zunächst operativ über eine bestimmte Kommunikation, dann über ein bestimmtes Kommunikationsmedium an.
Wie bereits beschrieben, erfüllt jedes der genannten Funktionssysteme eine bestimmte Funktion für die Gesellschaft und verfügt über eine eigene „Sprache“, welche Luhmann mit den Begriffen „binärer Code“ und „Kommunikationsmedium“ beschreibt. In dem Funktionssystem Wirtschaft z.B. ist der binäre Code der Kommunikation „zahlen/ nicht zahlen“, das symbolisch generalisierte Kommunikationsmedium ist Geld.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die soziologische Differenzierungstheorie ein und formuliert die Leitfrage nach der Plausibilität von Intimbeziehungen als Funktionssystem.
2. Luhmanns Systemtheorie: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Luhmannschen Systemtheorie, insbesondere die Funktionssysteme und die spezifische Ausdifferenzierung von Intimbeziehungen.
3. Kritische Betrachtung und Alternative: Hier wird Luhmanns Konzept hinterfragt und der alternative Ansatz von Sven Lewandowski bezüglich der Sexualität als eigenständiges System dargelegt.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass ein Modell im Sinne Lewandowskis die heutige gesellschaftliche Realität treffender beschreibt.
Schlüsselwörter
Systemtheorie, Niklas Luhmann, Sven Lewandowski, Funktionale Differenzierung, Intimbeziehungen, Funktionssystem, Liebe, Sexualität, Autopoiesis, Kommunikation, Codierung, Passion, Moderne Gesellschaft, Soziologie, Sozialisation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob Intimbeziehungen in der modernen Gesellschaft soziologisch als eigenständiges Funktionssystem verstanden werden können, basierend auf der Systemtheorie von Niklas Luhmann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Theorie funktionaler Differenzierung, die Bedeutung von Liebe als Kommunikationsmedium sowie die theoretische Verortung von Sexualität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Prüfung der Luhmannschen Annahme, Intimbeziehungen als ein in sich geschlossenes Funktionssystem zu betrachten, und deren Erweiterung bzw. Korrektur durch Ansätze von Sven Lewandowski.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse soziologischer Fachliteratur und die komparative Untersuchung verschiedener systemtheoretischer Differenzierungsansätze.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Luhmannschen Systemtheorie, die kritische Stellungnahme dazu und die Vorstellung der alternativen Systemkonzeption von Sven Lewandowski.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Systemtheorie, funktionale Differenzierung, Intimbeziehungen, Liebe, Sexualität und Autopoiesis charakterisiert.
Wie unterscheidet sich Sven Lewandowskis Sicht auf Sexualität von der Luhmanns?
Während Luhmann Sexualität lediglich als Basisfunktion innerhalb des Liebes- und Intimsystems verortet, argumentiert Lewandowski für eine Trennung, bei der Sexualität ein eigenes, autonomes Funktionssystem bildet.
Welche Rolle spielt der Orgasmus bei Lewandowski?
Lewandowski definiert den Orgasmus als das Programm des Sexualsystems, welches die Unterscheidung zwischen Begehren und Befriedigung operationalisiert.
Warum wird die Luhmannsche Definition von Intimität kritisiert?
Die Kritik richtet sich vor allem gegen die starre Kopplung von Liebe, Heirat und Intimität, welche andere Motivationen für Bindungen, wie ökonomische Faktoren, systematisch ausschließt.
- Citar trabajo
- Lisa Halfar (Autor), 2016, Intimbeziehungen in der modernen Gesellschaft als ein ausdifferenziertes Funktionssystem. Eine plausible Konzeptionalisierung?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377432