Grin logo
de en es fr
Boutique
GRIN Website
Publier des textes, profitez du service complet
Aller à la page d’accueil de la boutique › Philologie Allemande - Littérature Comparée

Die Erschaffung des Schwellenraums. Türen und Fenster in Franz Kafkas "Der Prozess"

Titre: Die Erschaffung des Schwellenraums. Türen und Fenster in Franz Kafkas "Der Prozess"

Thèse de Master , 2015 , 92 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Berthe Jentzsch (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Comparée
Extrait & Résumé des informations   Lire l'ebook
Résumé Extrait Résumé des informations

Sucht man nach dem Wort ,Tür‘ in der Erstausgabe des Process', erhält man das geradezu verblüffende Ergebnis, dass auf deutlich mehr als zwei Drittel der Seiten des Romanfragments und insgesamt 264-mal dieses Wort im Text erscheint. Zusätzlich erweist sich Josef K., der Held des Process', wie Kafka selbst, als ein „passionate window-watcher“.

Im folgenden Text werden Fenster und Türen als Schaltelemente an Schwellenräumen in Franz Kafkas Romanfragment Der Process untersucht. Durch die Öffnungen, welche Fenster und Türen in einem Raum anbringen, werden, so die These, potentielle Durchlässe eröffnet, welche wiederum für sich einen eigenen Raum bilden. Jener Raum, der keinem der beiden, vormals getrennten und nun verbundenen Bereichen zugeordnet ist, soll genauer definiert und als Schwellenraum bezeichnet werden.

Der (architektonische) Schwellenraum wird im Process auf zweierlei Arten sichtbar: Einerseits durch die Herstellung einer vermittelnden Öffnung von (Raum-)grenzen, andererseits durch das absurde Nicht-Funktionieren von Architektur. Somit eröffnet sich ein undefiniertes Zwischenreich, das paradoxerweise gleichzeitig öffentlich wie privat, innen wie außen, offen wie geschlossen ist. Vermeintlich Differenziertes oder Getrenntes ist nicht mehr voneinander zu unterscheiden. Konventionelle, über Grenzen und Oppositionen definierte Ordnungsverhältnisse scheitern angesichts einer Raumstruktur, in der Signifikationsprozesse nicht mehr funktionieren.

Jene kategorie- und grenzauflösenden ‚Räume‘ des Dazwischen existieren jedoch nicht allein zwischen architektonischen Räumen, sondern können auch metaphorisch als physische, symbolische oder psychische Übergänge gesehen werden. Fenster und Türen markieren in Franz Kafkas Process eine Grenze zwischen vielfältigen Binaritäten: zwei Zimmern, (Körper-) Innen- und Außenraum, Licht und Finsternis, Mann und Frau, Gesetz und Gesetzlosigkeit, Gemeinschaft und Einsamkeit, rationeller Welt des Alltags und unüberschaubarer Welt innerer Konflikte oder Traum und Wachzustand. Ihre Grenzen verschwimmen so mehr und mehr oder stehen in regem Austausch miteinander. An die Stelle einer eindeutigen Grenzlinie tritt ein Schwellenraum. Auf diese Weise werden Räume erschaffen, welche die verschiedenen Bereiche nicht voneinander scheiden, sondern beiden gleichzeitig angehören.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG UND ZIELSETZUNG DER ARBEIT

2 ZUM BEGRIFF DES ,SCHWELLENRAUMS‘

3 FENSTER UND TÜREN IN FRANZ KAFKAS DER PROCESS

3.1 DIE GESCHLOSSENE TÜR: SCHUTZ DER PRIVATSPHÄRE

3.2 OFFENE FENSTER UND TÜREN: GESEHENWERDEN

3.3 FENSTER ALS ORTE DER ERKENNTNIS

3.4 FENSTER UND TÜREN ALS ZONEN DES AUSTAUSCHS

3.5 FENSTER UND TÜREN ALS AUSGÄNGE UND FLUCHTWEGE

3.6 FENSTER: GEDANKLICHE FLUCHT - FLUCHT VOR REALITÄT

4 KÖRPER UND RAUM

4.1 DER KÖRPER ALS VORAUSSETZUNG ZUR RAUMWAHRNEHMUNG

4.2 KÖRPERÖFFNUNGEN UND RAUMÖFFNUNGEN IM WERK KAFKAS

4.3 DER RAUM ALS KÖRPER: DIE TÜRSCHWELLE ALS ORT VON ÜBERGANG UND VERWANDLUNG

4.4 DER ÄUSSERE RAUM ALS INNERER RAUM: DIE TÜR ALS GRENZE ZUM UNTERBEWUSSTEN

4.5 SEXUALITÄT: FRAUEN AN FENSTERN UND TÜREN

5 DIE SCHWELLE ALS JURISTISCHER UND SOZIALER AUSNAHMEZUSTAND

6 FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht Fenster und Türen als zentrale Schaltelemente an sogenannten „Schwellenräumen“ in Franz Kafkas Romanfragment Der Process. Ziel ist es aufzuzeigen, wie diese architektonischen Öffnungen – entgegen ihrer eigentlichen Funktion als Schutz oder Übergang – im Roman paradoxerweise zu einer Auflösung der Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Raum sowie zwischen Innen und Außen führen und das Motiv der ausweglosen Verstrickung des Protagonisten Josef K. maßgeblich mitprägen.

  • Analyse von Fenster und Tür als architektonische und metaphorische Schwellenräume.
  • Untersuchung der Verschränkung von Raumwahrnehmung, Körperlichkeit und innerem Seelenraum bei Kafka.
  • Dekonstruktion traditioneller Grenzbegriffe im Kontext von Kafkas spezifischer Raumkomposition.
  • Betrachtung der psychologischen Dimension von Gesehenwerden, Schuld und dem „Vorraum des Gesetzes“.
  • Verknüpfung literaturwissenschaftlicher Raumtheorien mit Kafkas poetologischer Gestaltung.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die geschlossene Tür: Schutz der Privatsphäre

Lassen Sie mich die Türe schließen. Ja, was ist denn? Was haben Sie? Meinetwegen kann das ganze Haus hereinkommen.

Die erste Tür, welche dem Leser bei der Lektüre des Process’ begegnet, ist eine fehlende Tür. Die Verhaftungsszene zu Beginn der Erzählung, in der zwei fremde Männer im Schlafzimmer der Hauptfigur erscheinen, macht sofort deutlich, dass jede Trennung zwischen privatem Raum und Öffentlichkeit aufgehoben ist. K.s Zimmer kann über seine Räumlichkeit hinaus auch als Körper oder Bewusstsein verstanden werden, in die nun eingedrungen wird.

Der Eingangsbereich der Tür, welcher besonders im Wohnungsbau als Vermittler zwischen öffentlichem und privatem Raum dient und die Privatsphäre des Wohnungsbesitzers vor unerwünscht Eintretenden schützen, einen Gast jedoch durch verschieden Zonen des halb Privaten leiten und ihm so ein Gespür für die soeben durchschrittene Privatsphäre vermittelt soll, ist hier vollkommen außer Kraft gesetzt. Die Tür definierende Eigenschaften wie jene, die sie als „teilweise offene[n], auslesende[n]“ Apparatur markieren, die „über Behausung und Obdachlosigkeit, Intimität, Privatraum und Öffentlichkeit“ entscheidet, werden im Process aufgelöst und ins Gegenteil verkehrt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG UND ZIELSETZUNG DER ARBEIT: Einführung in die Masterarbeit, welche das Romanfragment Der Process hinsichtlich der räumlichen Bedeutung von Fenstern und Türen als „Schwellenräume“ kontextualisiert.

2 ZUM BEGRIFF DES ,SCHWELLENRAUMS‘: Theoretische Herleitung des Schwellenraums als Konzept, das herkömmliche binäre Grenzziehungen zwischen Innen und Außen durch das Aufkommen des „spatial turn“ in Frage stellt.

3 FENSTER UND TÜREN IN FRANZ KAFKAS DER PROCESS: Eingehende Analyse der architektonischen Elemente im Roman, die sich oft ihrer Funktion als Grenzschutz oder Ausweg entziehen und so die Isolation des Protagonisten betonen.

4 KÖRPER UND RAUM: Untersuchung der engen, oft leidvollen Verflechtung von Körperlichkeit und Raumwahrnehmung bei Kafka, bei der körperliche Öffnungen als Projektionsflächen für Schuld und psychische Zustände dienen.

5 DIE SCHWELLE ALS JURISTISCHER UND SOZIALER AUSNAHMEZUSTAND: Betrachtung der Schwelle als juristische Grauzone, in der sich Josef K. als permanent „Wartender“ zwischen den Welten befindet.

6 FAZIT: Zusammenfassende Erkenntnis, dass Fenster und Türen im Werk als paradoxe Elemente dienen, die das Steckenbleiben und die ständige Bewegung des Protagonisten im Prozess ohne Ankommen verdeutlichen.

Schlüsselwörter

Schwellenraum, Franz Kafka, Der Process, Architektur, Fenster, Türen, Grenzziehung, Raumtheorie, Körperlichkeit, Psychoanalyse, Privatsphäre, Liminalität, Macht, Schuld, Ausnahmezustand.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die symbolische und architektonische Bedeutung von Fenstern und Türen im Romanfragment Der Process von Franz Kafka und analysiert, wie diese Elemente als sogenannte „Schwellenräume“ die Identität und Situation der Hauptfigur Josef K. beeinflussen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen umfassen die Raumtheorie, die Bedeutung von Grenzen und Übergängen, das Verhältnis von Körper und Raum, die psychoanalytische Deutung von Räumen sowie die soziologische und juristische Dimension des Ausnahmezustands bei Kafka.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist aufzuzeigen, dass Fenster und Türen im Process ihre Funktion als schützende Begrenzung oder ermöglichender Ausgang verlieren und Josef K. in einem permanenten, grenzenlosen Schwellenzustand gefangen halten.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf der historisch-kritischen Ausgabe des Process basiert und diese durch theoretische Konzepte (u.a. von Merleau-Ponty, Foucault, Agamben und Turner) sowie fachspezifische Kafka-Forschung untermauert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Untersuchung der Funktionen von Fenstern und Türen, die Verschränkung von Körperöffnungen mit Raumöffnungen sowie die Interpretation des Gerichts als juristischer Schwellenraum.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Neben Kafka und dem Process sind Begriffe wie „Schwellenraum“, „Liminalität“, „Körpermetaphorik“, „Grenzauflösung“ und die Dialektik von „Schutz und Öffnung“ essenziell.

Welche Rolle spielt die psychoanalytische Perspektive in der Arbeit?

Sie wird genutzt, um die Tür als Grenze zwischen Bewusstem und Unbewusstem sowie die Tendenz der Figuren zu „Schuldaktivierungen“ und „Verdrängungen“ zu erklären, wobei Bezüge zur Traumdeutung nach Freud hergestellt werden.

Inwiefern beeinflussen Fenster und Türen das Handeln von Josef K.?

Sie fungieren als „Täuschungen“: Sie lassen sich meist nicht oder nur unter extremer Anstrengung öffnen, verweigern den Ausblick oder das Entkommen und spiegeln so K.s Unfähigkeit wider, seine juristische Situation oder seine innere Lage zu durchschauen.

Fin de l'extrait de 92 pages  - haut de page

Résumé des informations

Titre
Die Erschaffung des Schwellenraums. Türen und Fenster in Franz Kafkas "Der Prozess"
Université
Free University of Berlin
Note
1,3
Auteur
Berthe Jentzsch (Auteur)
Année de publication
2015
Pages
92
N° de catalogue
V377449
ISBN (ebook)
9783668552906
ISBN (Livre)
9783668552913
Langue
allemand
mots-clé
erschaffung schwellenraums türen fenster franz kafkas prozess
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Berthe Jentzsch (Auteur), 2015, Die Erschaffung des Schwellenraums. Türen und Fenster in Franz Kafkas "Der Prozess", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377449
Lire l'ebook
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
Extrait de  92  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Expédition
  • Contact
  • Prot. des données
  • CGV
  • Imprint