Der allgemeine Vergleich dieser beiden Spielfilme bietet sich aufgrund des Genres, des Jahres der Veröffentlichung und nicht zuletzt des Zeitraumes ihrer thematischen Bezugnahme geradezu an.
Der Film „Once Upon a Time in America“ des Regisseurs Sergio Leone und „Cotton Club“ von Francis Ford Coppola schildern das Gangstermilieu des New York der dreißiger Jahre und sind beide im Jahre 1984 erschienen.
Zum Vergleich des filmischen Rhythmus möchte ich die „Steppers Scene“(1) aus dem „Cotton Club“ mit der Szene der Diamantenübergabe (2) aus „Once Upon a Time in America“ vergleichen.
In beiden Fällen handelt es sich um einen „Showdown“ im Film, in dem mit vielfältigen Mitteln der indirekten Spannungserzeugung durch Ton und Montage auf den/die Höhepunkt(e) der Szene hingearbeitet wird.
Inhaltlich fast identisch, handelt es sich um die brutale Ermordung mehrerer Gangster durch ihre Konkurrenten, von denen sie überraschend und kaltblütig mit mehreren Salven aus Maschinenpistolen getötet werden.
Aus dem Vergleich der formellen Umsetzung jedoch, lassen sich bedeutende Unterscheidungsmerkmale ableiten, die exemplarisch für den allgemeinen Charakter der Werke stehen.
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Francis Ford Coppola’s „Cotton Club“ – Die „Steppers Scene“
2.1 Sandmans Stepptanz - die optische Auflösung
2.2 Die letzten Minuten des Dutch - die optische Auflösung
2.3 Lucky Luciano – die optische Auflösung
2.4 Ton und Musik
2.5 Der Rhythmus der Montage
2.6 Symbolismus
3 Sergio Leones „Once Upon a Time in America“
3.1 – Die Szene der Diamantenübergabe
3.2 Action-Teil – die optische Auflösung der Bildfolge
3.3 Die Daunenfabrik – optische Auflösung der Bildfolge
3.4 Prolog-Teil – optische Auflösung der Bildfolge
3.5 Licht und Farbe
3.6 Ton und Musik
3.7 Der Rhythmus der Montage
4 Der Vergleich in Bezug auf das Verhältnis von Ton und Montage
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den filmischen Rhythmus in den Werken "Cotton Club" von Francis Ford Coppola und "Once Upon a Time in America" von Sergio Leone. Im Zentrum steht die Analyse des komplexen Zusammenspiels von Ton und Montage, um zu verstehen, wie durch formelle Inszenierung filmische Spannung erzeugt und gesteuert wird.
- Vergleichende Filmanalyse zweier Schlüsselwerke des Gangstergenres
- Untersuchung der Wechselwirkung zwischen auditiven Ebenen und Bildmontage
- Analyse von Spannungsaufbau und Inszenierungsformen (Collage vs. Inszenierung)
- Interpretation des Einsatzes von Licht, Farbe und Symbolik zur Rhythmisierung
- Herausarbeitung der formalen Unterscheidungsmerkmale im Erzählstil
Auszug aus dem Buch
Der Rhythmus der Montage
Dem Rhythmus der Bildschnitte liegt primär der Stepptanz von Sandman zugrunde. Auf dieser Tonbasis werden die oben beschriebenen Bildfolgen (Sandman, Dutch, Luciano) durch ein sogenanntes Cross-Cutting, oder zu deutsch: Parallelmontage, miteinander so verwoben, daß sich für jede der drei Handlungen eine zeitliche Chronologie ergibt, die beim Zuschauer die Illusion bewirkt, man springe nach Belieben zwischen den Handlungsorten hin und her.
Diese Form der Montage bewirkt eine zeitliche Verkürzung der Handlung. Während der Stepptanz und die gesamte Szene lediglich 4 ½ Minuten dauern, ist davon auszugehen, daß Dutch länger brauchen würde, um vom Cotton Club in das Restaurant zu gelangen und dort erschossen zu werden.
Coppola benutzt innerhalb des beschriebenen Rhythmus zusätzlich Bildanalogien, wie dem blauen Backlight des Bühnenspots und dem blauen Backlight der Nachtaufnahme von Dutch’s Auto, die er direkt aneinander schneidet. Auch wird der bereits erwähnte „Rhythmus im Bild“ durch die sich bewegenden Schatten im Autoinnenraum umgesetzt. Ebenso gibt es Bildmontagen mit symbolischem Charakter, wie etwa die mit bewegter und aufsichtiger Kamera gefilmten „Pirouetten“ am Ende des Tanzes, in denen Sandman durch bewußte Überbelichtung in seinem weißen Anzug wie ein Todesengel wirkt und dem sterbenden Dutch, der sich aus der Toilette noch bis an einen Tisch schleppen kann und dort stirbt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zum Vergleich der beiden Spielfilme, die durch Genre, Erscheinungsjahr und thematische Ausrichtung verbunden sind, sowie Definition der zu vergleichenden Szenen.
2 Francis Ford Coppola’s „Cotton Club“ – Die „Steppers Scene“: Detaillierte Analyse der parallelen Montage von Stepptanz und Mord, wobei die optische Auflösung, Ton, Licht und Symbolik als Elemente des Rhythmus untersucht werden.
3 Sergio Leones „Once Upon a Time in America“: Zergliederung der Diamantenübergabesequenz in ihre drei inhaltlichen Teile sowie Untersuchung der spezifischen Kameraperspektiven, Lichtgestaltung und Montageform.
4 Der Vergleich in Bezug auf das Verhältnis von Ton und Montage: Synthese der Ergebnisse, bei der die "Collage-Technik" von Coppola dem "epischeren" und lineareren Inszenierungsstil von Leone gegenübergestellt wird.
Schlüsselwörter
Filmische Analyse, Rhythmus der Montage, Parallelmontage, Ton und Bild, Francis Ford Coppola, Sergio Leone, Cotton Club, Once Upon a Time in America, Gangsterfilm, Spannungsaufbau, Schnittrhythmus, Filmästhetik, Inszenierung, Kameraarbeit, Symbolik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser filmwissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert und vergleicht den Einsatz von Rhythmus in zwei spezifischen Szenen aus den Filmen "Cotton Club" und "Once Upon a Time in America", wobei der Fokus auf dem Zusammenspiel von Ton und Bildmontage liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Es werden Themen wie die audiovisuelle Montage, der dramaturgische Spannungsaufbau, die ästhetische Funktion von Licht und Farbe sowie der Einsatz von Symbolik zur Strukturierung der Erzählung behandelt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die formalen Unterschiede in der Inszenierung von "Showdown"-Szenen herauszuarbeiten und zu zeigen, wie unterschiedliche Montage-Strategien die Wahrnehmung von Zeit und Handlung beim Zuschauer beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Der Autor verwendet eine filmwissenschaftliche Textanalyse, die deskriptive Beschreibungen der Einstellungsgrößen, Lichtführung und Tonspur mit einer strukturellen Analyse des Spannungsbogens kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die "Steppers Scene" aus Coppolas Werk und die Diamantenübergabe aus Leones Film detailliert seziert, bevor in einem direkten Vergleich die Unterschiede zwischen Collage-Montage und linearer Inszenierung erörtert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Parallelmontage, Schnittrhythmus, audiovisuelle Bedeutungseinheit, dramaturgischer Aufbau und filmische Abstraktion.
Wie unterscheidet sich die Montage von Coppola von der Leones?
Coppola nutzt eine collageartige Montage, bei der der Rhythmus der Musik den Schnitt bestimmt, während Leones Schnittweise stärker an den Aktionen der Darsteller ausgerichtet ist und einen eher "epischen" und linearen Charakter aufweist.
Welche Rolle spielt der "Stepptanz" in der Szenenstruktur von Coppola?
Der Stepptanz dient als grundlegende Tonbasis und strukturelles Element, das die zeitlich verteilten Handlungsstränge durch das Cross-Cutting miteinander verwebt und rhythmisiert.
- Quote paper
- Marcus Robbin (Author), 1999, Der Rhythmus der Filme -Once Upon a Time in America- und -Cotton Club- in Bezug auf das Verhältnis von Ton und Montage, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3775