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Aufruf zur Lynchjustiz? Zur Rolle sozialer Netzwerke bei kriminalistischen Ermittlungen

Título: Aufruf zur Lynchjustiz? Zur Rolle sozialer Netzwerke bei kriminalistischen Ermittlungen

Tesis (Bachelor) , 2014 , 57 Páginas , Calificación: 1,5

Autor:in: Merle Sievers (Autor)

Medios / Comunicación - Multimedia, internet, nuevas tecnologías
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Soziale Netzwerke spielen heutzutage eine immer größere Rolle im Leben vieler Menschen. Auch die Polizei nutzt soziale Netzwerke, insbesondere Facebook und Twitter, zunehmend für ihre eigenen Ermittlungen, da sich über diese eine breite Öffentlichkeit schnell erreichen lässt. Parallel dazu kam es in den vergangenen Jahren vermehrt zu Aufrufen in sozialen Netzwerken, die zur Lynchjustiz gegen (vermeintliche) Straftäter aufforderten. In dieser Arbeit wird untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen den beiden Phänomenen gibt und worin dieser gegebenenfalls besteht.

Nch einigen grundlegenden Definitionen wird dargelegt, wie die Polizei soziale Netzwerke derzeit für ihre Ermittlungsarbeit nutzt. Dabei werden die Vor- und Nachteile derartiger Fahndungsmethoden aufgezeigt. Des Weiteren wird die Entstehung von Gruppendynamik in sozialen Netzwerken erklärt, wodurch sich in manchen Fällen ein Mob formieren kann, der später zum Ausgangspunkt eines Lynchaufrufes wird.

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Betrachtung des theoretischen Modells der drei Handlungskomponenten von Social-Web-Praktiken nach Jan Schmidt, das in seinen einzelnen Aspekten auf die Entstehung von Lynchaufrufen im Netz angewendet wird. Die Anwendung zeigt, dass soziale Netzwerke psychologisch und strukturell günstige Voraussetzungen für die Entstehung eines Lynchaufrufes aufweisen. Durch emotionale Distanz und gefühlte Anonymität, welche in sozialen Netzwerken leicht entstehen, sinkt zusätzlich die Hemmschwelle des Einzelnen, sich an einem Aufruf zur Lynchjustiz zu beteiligen. Der Rolle der Polizei im Entstehungsprozess von Lynchaufrufen bleibt unklar. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass sie mit ihrer Aktivität in sozialen Netzwerken einen indirekten Impuls gibt sowie den Nutzern eine Art Legitimation für die Aufrufe zur Lynchjustiz vermittelt. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse wird deutlich, dass sich das Verständnis des geltenden Rechtsprinzips in der Gesellschaft verschiebt. Die zunehmenden Aufrufe zur Lynchjustiz sind eine Folge davon.

Die Ergebnisse dieser Arbeit werden schrittweise anhand von zwei exemplarischen Fallbeispielen belegt: die Tätersuche der Polizei in Emden im Mordfall Lena (2012) und der FBI-Fahndung nach den Attentätern vom Boston-Marathon (2013). Abschließend wird kurz Ausblick darauf genommen, welche Gefahren sich aus den aufgezeigten Aspekten für den Rechtsstaat ergeben und was eventuell getan werden könnte, um diese einzudämmen.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begrifflichkeiten

2.1.Lynchjustiz

2.2.Rechtliche Grundlagen

2.3.Soziale Netzwerke

3. Fallbeispiele

3.1.Lena in Emden

3.2.Anschlag auf Boston-Marathon

4. Tätersuche der Polizei in sozialen Netzwerken

5. Gruppen in sozialen Netzwerken

6. Die Rolle von sozialen Netzwerken

6.1.Identitätsmanagement

6.2.Beziehungsmanagement

6.3.Informationsmanagement

6.4.Zusammenfassung

7. Anonymität schafft Distanz

8. Fazit

9. Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen polizeilicher Aktivität in sozialen Netzwerken und der Entstehung von Aufrufen zur Lynchjustiz. Dabei soll geklärt werden, ob und wie soziale Netzwerke strukturelle und psychologische Rahmenbedingungen schaffen, die solche Phänomene begünstigen.

  • Rolle der Polizei in sozialen Netzwerken bei Fahndungen
  • Theoretische Modellbildung nach Jan Schmidt (Identitäts-, Beziehungs-, Informationsmanagement)
  • Psychologische Aspekte wie Gruppendynamik und Mob-Bildung
  • Einfluss von Anonymität und räumlicher Distanz auf die Hemmschwelle
  • Analyse anhand der Fallbeispiele Mordfall Lena (Emden) und Boston-Marathon-Anschlag

Auszug aus dem Buch

Identitätsmanagement

Bei der Handlungskomponente Identitätsmanagement steht das Individuum, der einzelne Nutzer, im Fokus. Wie Schmidt in seiner Einleitung zu dieser Komponente darlegt, hat Identität im Zuge der Modernisierung der Gesellschaft massiv an Bedeutung gewonnen. Während sich die Menschen früher nicht aktiv mit ihrer Identität auseinandersetzen mussten, da sie ihre soziale Stellung meist über ihre Herkunft zugewiesen bekamen, müssen sich die Menschen heute ihre Stellung innerhalb der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen selbst erarbeiten. Dafür muss sich das Individuum in einer modernen Gesellschaft als eigenständige und autonome Person verstehen sowie sich und sein Leben entfalten können.

Hinzu kommt, dass Identitätsbildung heute nicht mehr nur als eine Lebensphase während der Pubertät betrachtet wird. „Identität [wird] inzwischen als lebenslanger Prozess gedacht: Das Selbst bringt sich kontinuierlich neu hervor, um die eigene Identität an die Kontingenz, Ambivalenz und Unsicherheit der umgebenden sozialen Welt anzupassen.“

Die sozialen Medien können in diesem Prozess als Werkzeug fungieren, da sie gesellschaftlich-kulturelle Leit- und Rollenvorbilder vermitteln und auch als Mittel zur Selbstinszenierung dienen können. Konkrete Beispiele hierfür können sowohl das Ausfüllen einer Profil-Seite als auch die thematische Auswahl von Posts sein, die man verbreitet oder erstellt. Da diese Tätigkeiten ein aktives Handeln seitens des Nutzers voraussetzen, ist es gerechtfertigt, an dieser Stelle von Identitätsmanagement zu sprechen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Spannungsfeld zwischen polizeilicher Öffentlichkeitsarbeit in sozialen Medien und der Gefahr von Lynchaufrufen sowie die Forschungsfrage der Arbeit.

2. Begrifflichkeiten: Definition und Abgrenzung der zentralen Begriffe Lynchjustiz, rechtliche Grundlagen im Rechtsstaat und soziale Netzwerke.

3. Fallbeispiele: Darstellung der Ereignisse um den Mordfall Lena in Emden und den Anschlag auf den Boston-Marathon als empirische Grundlage.

4. Tätersuche der Polizei in sozialen Netzwerken: Untersuchung der Nutzung sozialer Medien durch die Polizei als Fahndungswerkzeug sowie die damit verbundenen Vor- und Nachteile.

5. Gruppen in sozialen Netzwerken: Analyse der Entstehung von Gruppendynamik und Mobs im digitalen Raum.

6. Die Rolle von sozialen Netzwerken: Detaillierte Anwendung des Modells der drei Handlungskomponenten nach Jan Schmidt auf das Phänomen der Lynchaufrufe.

7. Anonymität schafft Distanz: Erörterung der psychologischen Effekte von Anonymität und raum-zeitlicher Distanz auf die Hemmschwelle der Nutzer.

8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und der Rolle der Polizei bei der Entstehung indirekter Impulse für Hetzjagden.

9. Ausblick: Diskussion potenzieller zukünftiger Gefahren und die Notwendigkeit einheitlicher Regelungen für die polizeiliche Arbeit.

Schlüsselwörter

Lynchjustiz, Soziale Netzwerke, Polizei, Fahndung, Gruppendynamik, Identitätsmanagement, Beziehungsmanagement, Informationsmanagement, Cyber-Mobbing, Anonymität, Rechtsstaat, Boston-Marathon, Mordfall Lena, Schwarmintelligenz, Internet

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, ob und wie soziale Netzwerke die Entstehung von Aufrufen zur Lynchjustiz gegen vermeintliche Straftäter begünstigen und welche Rolle die polizeiliche Präsenz dabei spielt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit verknüpft kriminologische Fragen mit medienwissenschaftlichen Modellen, insbesondere dem Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagement nach Jan Schmidt.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll untersucht werden, ob ein Zusammenhang zwischen polizeilicher Aktivität in sozialen Netzwerken und der Entstehung von Lynchaufrufen besteht und wie dieser Zusammenhang zu erklären ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse anhand von Fachliteratur sowie eine exemplarische Fallstudien-Methode mittels zwei konkreter Beispiele (Emden und Boston).

Was wird im Hauptteil behandelt?

Neben theoretischen Grundlagen werden gruppendynamische Prozesse im Netz sowie die Mechanismen des Social Webs analysiert, die zur Bildung von Mobs und zur Senkung moralischer Hemmschwellen beitragen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Lynchjustiz, Soziale Netzwerke, polizeiliche Fahndung, digitale Gruppendynamik, Identitäts- und Beziehungsmanagement sowie Anonymität.

Welche Rolle spielt die Polizei in diesem Prozess laut der Autorin?

Die Autorin sieht Hinweise darauf, dass die Polizei durch ihre öffentliche Fahndungsaktivität einen Impuls geben kann, der von Nutzern als Legitimation für eine Hetzjagd missverstanden wird.

Warum wird das Milgram-Experiment angeführt?

Das Experiment dient dazu, die Bereitschaft von Menschen zu verdeutlichen, autoritären Anweisungen zu folgen und persönliche Hemmschwellen durch räumliche Distanz leichter zu überwinden, was Analogien zu Lynchaufrufen im Netz aufweist.

Final del extracto de 57 páginas  - subir

Detalles

Título
Aufruf zur Lynchjustiz? Zur Rolle sozialer Netzwerke bei kriminalistischen Ermittlungen
Universidad
Cologne University of Applied Sciences  (Fakultät für Informations- und Kommunikationswissenschaften)
Calificación
1,5
Autor
Merle Sievers (Autor)
Año de publicación
2014
Páginas
57
No. de catálogo
V377510
ISBN (Ebook)
9783668549531
Idioma
Alemán
Etiqueta
Lynchjustiz soziale Netzwerke Facebook Twitter Polizei Kriminalistische Ermittlungen Hetzjagd Internet Social Network Fahndung Tätersuche Täter Youtube Kriminalpolizei Zeugensuche Öffentlichkeit
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Merle Sievers (Autor), 2014, Aufruf zur Lynchjustiz? Zur Rolle sozialer Netzwerke bei kriminalistischen Ermittlungen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377510
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