Die Hausarbeit behandelt den Roman "Ellen Olestjerne" von Fanny zu Reventlow. Es handelt sich dabei um eine Lebensbeschreibung der Protagonistin Ellen.
Konkret befasst sich die Arbeit mit dem Perspektivenwechsel im Roman, in dem in unterschiedlicher Form Erzähler, Briefwechsel und Tagebucheinträge auftauchen. So entsteht ein ständiger Wechsel zwischen Außen- und Innenperspektive, wodurch dem Roman eine Struktur verliehen wird. Ziel der Untersuchung ist, es durch die unterschiedlichen Perspektiven eine Strukturierung des Werkes aufzuzeigen und die verschiedenen Erzähltechniken zu begründen.
Dementsprechend überprüft die Studie folgende Hypothese: Franziska zu Reventlow wechselt im Roman die Perspektive des Erzählens mit der Absicht dem Leser eine Struktur zu vermitteln, welche verschiedene Lebensabschnitte von Ellen besser beschreibt, um so die Figur und ihr Leben für den Leser nachvollziehbar zu gestalten und ihn emotional zu begleiten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Brief- und Tagebuchromane von Franziska zu Reventlow
3 Perspektivenwechsel und Struktur des Romans
3.1 Erzähler
3.1.1 Erster Romanteil
3.1.2 Zweiter Romanteil
3.2 Briefe
3.2.1 Mädchenpension
3.2.2 Friedl
3.2.3 Lisa
3.3 Tagebucheinträge
3.3.1 Beginn der Zeit in München
3.3.2 Schwangerschaft und Romanende
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den systematischen Einsatz von Perspektivenwechseln in Franziska zu Reventlows Roman "Ellen Olestjerne". Das Hauptziel besteht darin aufzuzeigen, wie das Zusammenspiel von auktorialem Erzähler, Briefwechseln und Tagebucheinträgen eine spezifische Struktur schafft, die dem Leser eine tiefere emotionale Identifikation mit der Protagonistin und ihren verschiedenen Lebensabschnitten ermöglicht.
- Analyse der narratologischen Erzählstruktur und deren psychologischer Wirkung.
- Untersuchung der Briefphasen als Instrumente zur Charakterisierung und Lebensbeschreibung.
- Deutung der Tagebucheinträge als Ausdruck von Subjektivität und seelischer Zerrissenheit.
- Erörterung des funktionalen Wechsels zwischen Außen- und Innenperspektive.
- Einordnung des Werkes im Kontext von Reventlows Erzähltechnik.
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Friedl
Der zweite Teil des Romans beginnt mit einem Perspektivwechsel. Berichtet zuvor die narrative Erzählinstanz in der Er-Form über die Zeit Ellens bei ihrer Tante bis hin zur Verkündung des Vaters, dass die Familie Nevershuus verlassen wird, taucht hier wieder die Figurenperspektive in der Ich-Form durch Briefe auf. Die Handlung spielt nach dem Umzug, jedoch erfährt man nicht, wohin es die Familie getrieben hat, sondern nur wann der Brief verfasst worden ist: „L…, 3. März 1888“59. So entsteht durch die Form des Briefes, die den Ort zwar theoretisch angibt, dieser im Roman jedoch nur als Anfangsbuchstabe genannt wird, erneut eine Aussage über die Unwichtigkeit des Ortes und auch des Abschnitts in Ellens Leben. Es folgt eine Aneinanderreihung von 20 Briefen von Seiten Ellens an eine Person, dessen Name man aufgrund der Formlosigkeit der Briefe erst am Ende des zweiten hier dargestellten Briefes durch ein Zitat von Ellens Mutter erfährt: „‚Friedrich Merold ist doch der einzige Nette von deinen Freunden.‛“60 So wird Spannung aufgebaut und der Leser wird zum aufmerksamen Lesen gezwungen.
In dem ersten Brief spricht Ellen über ihre Gefühlslage, bevor sie Friedrich kennengelernt hat und die Entwicklung ihrer Beziehung zu Detlev, die ausschlaggebend für das erste Treffen mit Friedrich gewesen sei.61 Dadurch nimmt der Brief eine einleitende Funktion ein und zeigt er die Einsamkeit Ellens, die nun vorerst ein Ende nimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Erzählstruktur des Romans ein und formuliert die Hypothese, dass der Perspektivenwechsel zur besseren Nachvollziehbarkeit der Lebensabschnitte der Protagonistin Ellen dient.
2 Brief- und Tagebuchromane von Franziska zu Reventlow: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über Reventlows Arbeitsweise und zeigt, dass die Verwendung von Briefen und Tagebüchern ein charakteristisches Merkmal ihrer Romane ist.
3 Perspektivenwechsel und Struktur des Romans: Das Hauptkapitel untersucht detailliert die verschiedenen Erzählformen, angefangen beim Erzähler über umfangreiche Briefpassagen bis hin zu Tagebucheinträgen.
3.1 Erzähler: Hier wird analysiert, wie der auktoriale Erzähler im ersten und zweiten Romanteil durch wertende Adjektive und personale Erzählhaltung die Sicht auf Ellen prägt.
3.1.1 Erster Romanteil: Analyse der einleitenden Erzählerberichte und der Darstellung der kindlichen Perspektive sowie der Mutter-Kind-Beziehung.
3.1.2 Zweiter Romanteil: Untersuchung der Funktionsweise des auktorialen Erzählers bei der Komprimierung von Lebensabschnitten und der Zunahme von Distanzlosigkeit.
3.2 Briefe: Dieses Kapitel widmet sich der Bedeutung der Briefe im Roman und deren Funktion als narrativem Stilelement.
3.2.1 Mädchenpension: Fokus auf die Briefe aus der Schulzeit, die Ellens schwieriges Verhältnis zur Mutter und zur Pröbstin verdeutlichen.
3.2.2 Friedl: Untersuchung der Briefsequenz an Friedrich Merold, die Ellens Wunsch nach Freiheit und ihre emotionale Entwicklung widerspiegelt.
3.2.3 Lisa: Analyse der letzten Briefphase, in der Ellens Entschluss zur Flucht und die Suche nach einem selbstbestimmten Leben thematisiert werden.
3.3 Tagebucheinträge: Dieses Kapitel analysiert die Rolle des Tagebuchs als Medium für die unmittelbare Darstellung seelischer Vorgänge.
3.3.1 Beginn der Zeit in München: Betrachtung der ersten Tagebuchphase, in der das Schreiben als Bewältigungsstrategie für Einsamkeit und Gefühlschaos dient.
3.3.2 Schwangerschaft und Romanende: Analyse der letzten Tagebuchaufzeichnungen, die durch Zerrissenheit und die Reflexion über das eigene Leben geprägt sind.
4 Fazit: Das Fazit bestätigt, dass die Kombination der verschiedenen Perspektiven ein wesentliches strukturelles Element ist, um die emotionale Lebensbeschreibung Ellens authentisch für den Leser erfahrbar zu machen.
Schlüsselwörter
Ellen Olestjerne, Franziska zu Reventlow, Perspektivenwechsel, Erzähltechnik, Briefroman, Tagebuchroman, auktorialer Erzähler, Innenperspektive, Außenperspektive, Adoleszenz, Identifikation, Subjektkonstitution, narratologische Analyse, literarische Intimität, Emanzipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die strukturelle Erzähltechnik in Franziska zu Reventlows Roman "Ellen Olestjerne", wobei der Fokus auf dem ständigen Wechsel zwischen Außen- und Innenperspektive liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die literarische Darstellung von Lebensabschnitten, die Funktion von Briefen und Tagebüchern in Romanen sowie die Identitätsfindung einer jungen Frau im Kontext gesellschaftlicher Konventionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch verschiedene erzählerische Perspektiven eine Strukturierung des Werkes erfolgt und auf welche Weise diese Technik die emotionale Bindung des Lesers an die Protagonistin Ellen steuert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine narratologische Analyse, die auf Grundlage von Einführungswerken zur Erzähltheorie (z. B. Martínez/Scheffel) sowie literaturwissenschaftlicher Fachliteratur zu Brief- und Tagebuchromanen durchgeführt wird.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Instanzen: den auktorialen Erzähler, die Briefphasen (Mädchenpension, Friedl, Lisa) und die Tagebucheinträge (München, Schwangerschaft) in ihrer jeweiligen Funktion für den Roman.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Erzählstruktur, Perspektivenwechsel, Briefroman, Autentizität, Adoleszenz und literarische Intimität zusammenfassen.
Warum spielt die Form des Briefes eine so große Rolle für die Protagonistin?
Briefe dienen Ellen als Medium, um ihre exzentrische Position außerhalb gesellschaftlicher Konventionen zu behaupten und ihre oft als schwierig empfundene Lebensrealität gegenüber ausgewählten Bezugspersonen zu reflektieren.
Welchen Zweck erfüllen die Tagebucheinträge am Ende des Romans?
Sie dienen der unmittelbaren Vermittlung von Ellens seelischem Zustand, wobei die "Zerrissenheit" des Individuums durch Bewusstseinsströme für den Leser besonders greifbar gemacht wird.
Wie unterscheidet sich die erzählerische Behandlung der Mutter-Tochter-Beziehung?
Die Erzählung wechselt zwischen einer kritischen, auktorialen Distanz durch den Erzähler und der emotional aufgeladenen, erlebten Rede aus Ellens subjektiver Sicht, was die Unvereinbarkeit ihrer Perspektiven betont.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2015, Zusammenspiel von Außen- und Innenperspektive. Perspektivenwechsel als strukturelle Erzähltechnik in Franziska zu Reventlows "Ellen Olestjerne", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377521