Mit 145 Mio. Einwohnern und einer Fläche von 17,1 Mio. km² ist Russland einer der weltweit größten Absatz- und Beschaffungsmärkte. Dadurch ergeben sich für die Internationalisierung nach Russland vielfältige Chancen, aber auch Risiken, die es zu beachten gilt. Der Fokus dieser Arbeit liegt auf der Untersuchung dieser Chancen und Risiken, die sich aus dem Umfeld eines Unternehmens in Russland ergeben. Diese Umweltanalyse des Ziellandes soll einige der Determinanten aufzeigen, die einen Einfluss auf den Unternehmenserfolg ausüben können. Die Branchen- und Unternehmensanalyse, die idealtypisch ebenfalls zur Analyse der strategischen Ausgangsposition eines sich internationalisierenden Unternehmens gehört, wird hiermit ausdrücklich ausgeschlossen. Es muss angemerkt werden, dass in der vorliegenden Arbeit keine abschließende Aufzählung aller Erfolgsfaktoren erfolgen kann. Diese könnten zum Beispiel im Rahmen empirischer Studien ermittelt werden. Die aufgezeigten Handlungsempfehlungen sollten bei einer Internationalisierung nach Russland jedoch hilfreich sein. Zu diesem Zweck werden mögliche Formen der Internationalisierung aufgezeigt und eine Erläuterung ihrer Bedeutung für die Unternehmen vorgenommen. Aufbauend auf einer Darstellung der Rahmenbedingungen Russlands, werden erkannte Problemfelder vertieft bzw. um weitere ergänzt. Daraus sollen überblicksartig einige Hinweise für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit in Russland abgeleitet werden, wobei vertiefend der Einfluss externer Interessengruppen und die Direktinvestitionen als Internationalisierungsform in Russland dargestellt werden. Abschließend erfolgt zudem ein Ausblick über mögliche Perspektiven der Internationalisierung nach Russland.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Abgrenzung
2. Internationalisierung
2.1. Begriff und Formen
2.2. Bedeutung
3. Russland als Wachstumsmarkt
3.1. Politisch - rechtliche Rahmenbedingungen
3.2. Soziokulturelle Rahmenbedingungen
3.3. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
4. Erfolgsfaktoren
4.1. Wahl der Internationalisierungsform
4.2. Einfluss externer Interessengruppen
4.3. Weitere Erfolgsfaktoren
5. Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die spezifischen Chancen und Risiken einer Internationalisierung nach Russland. Ziel ist es, die für ein Unternehmen relevanten Determinanten des Umfeldes zu analysieren, um daraus Handlungsempfehlungen für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit in diesem Transformationsmarkt abzuleiten.
- Theoretische Grundlagen und Begriffsbestimmung der Internationalisierung
- Analyse der politisch-rechtlichen, soziokulturellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Russland
- Untersuchung von Erfolgsfaktoren, insbesondere im Bereich Direktinvestitionen
- Einflussnahme externer Interessengruppen und politischer Korruption auf Unternehmen
- Strategische Überlegungen zur Markteintrittsgestaltung und Personalwahl
Auszug aus dem Buch
3.1. Politisch - rechtliche Rahmenbedingungen
Laut Verfassung vom 12.12.1993 ist Russland ein föderaler und demokratischer Rechtsstaat (vgl. Sarodnick 2003, 31). Auf föderaler Verwaltungsebene sind vor allem die Staatsduma, der Föderationsrat, die Regierung, der Präsident (Wladimir Putin) und die föderalen Organe der richterlichen Gewalt von Bedeutung für die Wirtschaftspolitik (vgl. Cherkasov 2003, 92-93). Die russische Föderation besteht aus 89 Föderationssubjekten mit unterschiedlichen Eigenständigkeiten und rechtlichen Freiräumen, was man als „asymmetrischen Föderalismus“ bezeichnet. Die im Mai 2000 erfolgte Verwaltungsreform mit der Aufteilung in 7 föderale Verwaltungsbezirke, denen jeweils ein Präsidentenvertreter vorsteht, hat zum Ziel, die teils erheblich differierende Gesetzgebung in den Regionen in Einklang mit der Gesetzgebung der Föderation zu bringen. Zum anderen soll eine stärkere Abstimmung zwischen den einzelnen Strukturen der Föderation erreicht werden (vgl. Sarodnick 2003, 32,119). Problematisch erweist sich das Bestreben des Präsidialamtes, die Regionen noch stärker der administrativen Kontrolle der Zentralregierung zu unterstellen und sie in die Verwaltungshierarchie zu reintegrieren (vgl. Heinemann-Grüder 2001, 86). Dies birgt aufgrund der gestiegenen Machtansprüche der regionalen Exekutiven Konfliktpotential in sich (vgl. Stadelbauer 2001, 17).
Das Rechtssystem befindet sich derzeit noch im Aufbau, was zur Folge hat, dass Unternehmen nicht nur die Gesetze, sondern auch deren Auslegung im Rahmen der Rechtsprechung beachten müssen (vgl. Kurennoj 2002, 71). Die Unternehmen sehen sich somit mit einer Vielzahl von Präsidentenerlassen, Rechtsakten bzw. branchen- und lokalbezogenen Rechtsnormen konfrontiert (vgl. Kurennoj 2002, 70). Dies führt zu Rechts- und Planungsunsicherheit, da sich Gesetze häufig überlappen (vgl. Trunk, 2002, 269), sich widersprechen und z.T. rückwirkend eingeführt werden (vgl. Falk 2001, 116). Zudem weicht die Rechtspraxis von der Rechtstheorie ab (vgl. Sarodnick 2003, 120).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Abgrenzung: Einführung in das Thema Russland als Markt und Definition der Zielsetzung sowie der eingegrenzten Untersuchungsschwerpunkte der Arbeit.
2. Internationalisierung: Theoretische Einordnung der Internationalisierung und Darstellung gängiger Formen der Auslandstätigkeit sowie deren zunehmende Bedeutung für Unternehmen.
3. Russland als Wachstumsmarkt: Detaillierte Analyse der politischen, rechtlichen, kulturellen und ökonomischen Rahmenbedingungen in der Russischen Föderation.
4. Erfolgsfaktoren: Identifikation und Erörterung kritischer Erfolgsfaktoren, unterteilt in Markteintrittsformen, politische Einflussfaktoren und operative Managementaspekte.
5. Schlussbetrachtung und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Einschätzung künftiger Entwicklungsperspektiven für das Russland-Geschäft.
Schlüsselwörter
Internationalisierung, Russland, Direktinvestitionen, Markteintritt, Rahmenbedingungen, Rechtssicherheit, Korruption, Transformation, Unternehmensführung, Strategie, Wirtschaftswachstum, Transformationsprozess, Politische Stabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Erfolgsfaktoren für deutsche Unternehmen, die eine Internationalisierung nach Russland anstreben, unter besonderer Berücksichtigung der dortigen Umweltbedingungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die soziokulturelle Situation, wirtschaftliche Indikatoren sowie spezifische operative Erfolgsfaktoren bei Direktinvestitionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Chancen und Risiken in Russland aufzuzeigen, um Entscheidungshilfen für eine erfolgreiche langfristige Geschäftstätigkeit in diesem schwierigen Marktumfeld zu generieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung von Sekundärdaten, um die Umweltbedingungen des russischen Marktes systematisch zu durchdringen.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Umweltanalyse (Kapitel 3) und die Ableitung konkreter Erfolgsfaktoren, wie etwa die Wahl der Investitionsform und den Umgang mit lokalen Interessengruppen (Kapitel 4).
Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Internationalisierung, Markteintritt, Transformationsmarkt, Rechtssicherheit und politisches Risiko beschreiben.
Wie bewertet der Autor die politische Lage in Russland?
Die Arbeit beschreibt die politische Lage als relativ stabil unter der Führung von Präsident Putin, weist jedoch zugleich auf Rechtsunsicherheiten und die Herausforderungen durch bürokratische Willkür hin.
Welche Rolle spielt die Korruption für Investoren?
Korruption wird als weitreichendes Hindernis dargestellt, das nicht nur die Kostenstruktur belastet (Sunk Costs), sondern auch als Markteintritts- und Austrittsbarriere fungiert.
Was wird bezüglich der Investitionsform empfohlen?
Es wird betont, dass es keine absolut vorteilhafte Form gibt; die Entscheidung sollte jedoch ganzheitlich unter Berücksichtigung der Unternehmensstrategie und spezifischer lokaler Gegebenheiten fallen.
Welche Rolle spielt das Personal bei der Internationalisierung?
Der Autor unterstreicht die Notwendigkeit, bei der Entsendung von Führungskräften auf hohe interkulturelle Kompetenz, Belastbarkeit und Ambiguitätstoleranz zu achten.
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- Thomas Geyer (Author), 2004, Erfolgsfaktoren der Internationalisierung nach Russland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37752