Phraseologismen aus kotrastiver Sicht. Eine Betrachtung des Sprachenpaars Deutsch - Englisch


Seminararbeit, 2015

23 Seiten, Note: 9


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Grundbegriffe der Phraseologie
2.1. Polylexikalität
2.2. Festigkeit
2.3 Semantische Aspekte

3. Zur Klassifikation von Phraseologismen

4. Die Kontrastive Phraseologie
4.1 Kriterien des interlingualen Vergleichs
4.2 Das Äquivalenzmodell und die Äquivalenztypen

5. Untersuchung einer phraseologischen Teilklasse
5.1 Analyse der Phraseologismen
5.2 Interlingualer Vergleich Deutsch-Englisch
5.3 Quantitative Aspekte

6. Schlusswort

7. Literaturverzeichnis

Fachliteratur

Internetquellen

Lexika

1. Einführung

Die Sprache ist ein Kommunikationsmittel, das aus vielen Elementen besteht. Eine sozusagen besondere Art der Kommunikation sind die Phraseologismen. Sie sind feste Wortverbindungen, die schriftlich oder mündlich realisiert werden. Im Gehirn sind die Phraseologismen als untrennbare Einheiten gespeichert, und werden in angemessenen Situationen, nicht neu produziert, sondern instinktiv wiederholt und reproduziert. Die sprachwissenschaftliche Forschungsdisziplin, die sich damit baschäftigt nennt man Phraseologie. In alltäglichen Kommunikationssituationen kommen häufiger als man beobachtet Phraseologismen vor, denn sie geben manchmal den Sinn von unseren Gedanken präziser wieder als die wörtliche Sprachverwendung. Deswegen ist sie als ein wichtiger Bestandteil der Sprache anzusehen und interessant zu erforschen.

In der vorliegenden Hausarbeit werden 15 deutsche Phraseologismen analysiert in Bezug auf ihre Bedeutung und ihren Stilwert, Idiomatizitätsgrad, ihre Lesart und phraseologische Klasse. Im weiteren werden diese Phraseologismen mit aus der englischen Sprache ähnlichen verglichen. Zunächst werden im zweiten Kapitel die Grundbegriffe der Phraseologie vorgestellt und erklärt. Im dritten Kapitel folgt dann die Klassifikation von Phraseologismen. Im vierten Kapitel werden die Kriterien des interlingualen Vergleichs, das Äquivalenzmodell und die Äquivalenztypen beschrieben. Schliesslich im fünften Kapitel werden dann die fünfzehn ausgewählte Phraseologismen untersucht, analysiert und beschrieben.

2. Grundbegriffe der Phraseologie

2.1. Polylexikalität

Unter Polylexikalität versteht man die Eigenschaft der Phraseme, die die Menge der Wörter eines Phraseologismus umfasst. Aus dem Wort, das aus den griech. Wörter „poly“ – „viel“ und „lexis“ – „Wort“ besteht, ist zu verstehen, dass ein Phraseologismus aus zwei oder mehr Wörtern besteht.[1] Burger legt die untere Grenze der Wortmenge auf zwei Wörtern fest. Wenn eindeutig ist, was als ein “Wort” zählen kann. Als obere Grenze der Wortmenge ist der Satz anzugeben, deshalb ist die Grenze syntaktisch anzugeben und nicht lexikalisch, da die Ausdehnung eines Satzes beliebig sein kann. Die Problematik für die Bestimmung der Wortmenge liegt darin, ob man als Wörter sowohl die Autosemantika als auch die Synsemantika anerkennt. Burger rechnet jedefeste Kombination von mindestens zwei Wörtern wie z.B. as sich, bei weitem… usw, die auch keine Autosemantika beinhalten, zu den Phraseologismen.[2]

2.2. Festigkeit

Die Komponenten der Phraseologismen werden in ihrem Gebrauch kaum oder gar nicht geändert, sie sind also regelrecht stabil. Das ist in diesem Punkt mit dem Begriff der Festigkeit gemeint. Die Phraseologismen werden als eine Einheit gespeichert und auch so aufgerufen. Das gilt als die Basis der Festigkeit. Ihr Gebrauch hat die Eigenschaft, dass sie wie ein Wort benutzt werden. Man kann also die Phraseologismen als Ganzes verstehen ohne dabei jedem Wort eine Bedeutung zuordnen zu müssen. Burger unterscheidet bei der Festigkeit der Phraseologismen -im mentalen Lexikon der Sprache- drei Ebenen:

1. Die psycholinguistische Festigkeit[3]

Wie schon oben erwähnt sind die Phraseologismen mental als eine Einheit gespeichert und werden auch so aufgerufen und wiedergegeben.

2. Die strukturelle Festigkeit[4]

Die Strukturelle Festigkeit der Phraseologismen haben im Vergleich zu den freien Wortverbindungen einige Iregularitäten und Beschränkungen, Anomalien. Diese sind als Eigenschaften der Idiomatizität anzusehen. Diese Anomalien sind in Bezug auf die morphosyntaktischen und semantischen Regeln zu betrachten.

„Dieser Komplex von Anomalien ist Symptom für die Idiomatizität des Phraseologismus, und somit ist der strukturelle Aspekt der Festigkeit zugleich ein Aspekt der Idiomatizität.“ (zit. nach Burger 2003: 20)

Fleischer erwähnt, dass sich die Beschränkungen der Phraseologismen zwischen Voll- und Teilidiomatizität unterscheiden:[5]

3. Die pragmatische Festigkeit.[6]

Aus pragmatischer Hinsicht sollten die Phraseologismen in den verschiedenen Kommunikationskontexten untersucht werden. Dabei handelt es sich bei diesen phraseologischen Ausdrücken z.B. um Begrüßungen, Beglückwünschungen, fachsprachliche Ausdrücke und sogennante Routineformeln.

2.3 Semantische Aspekte

Eines der wichtigsten Merkmale der Phraseologismen ist die Idiomatizität. Es gibt zwei Aspekte, man unterscheidet einerseits zwischen den strukturellen Irregularitäten und andererseits den semantischen Besonderheiten. Wenn es einen Unterschied zwischen der übertragenen und der wörtlichen Bedeutung der Komponenten gibt, dann ist, im semantischen Sinne, eine Wortverbindung idiomatisch. Der Idiomaitizitätsgrad hängt also davon ab, wie groß der Unterschied zwischen den beiden Bedeutungen ist.[7]

Also ist die Idiomatizität eine graduelle Eigenschaft der Phraseologie. Es wird zwischen drei basischen Kategorien unterscheiden:

1. Idiomatische Phraseologismen

Hierunter versteht man die Phraseologismen, deren Komponenten ihre ursprüngliche wörtliche Bedeutung komplett transformiert ist.[8]

Beispiel: Öl ins Feuer gießen

2. Teil- idiomatische Phraseologismen

Hierbei behält mindestens eine Komponente ihre wörtliche Bedeutung, sie wird semantisch also nicht transformiert.[9]

Beispiel: einen Streit vom Zaun brechen

Die Beutung der Komponente “einen Streit” verändert sich nicht. Man spricht von einem wirklichen Streit.

3. Nicht- Idiomatische Phraseologismen

Es handelt sich hier um Phraseme, die keine oder kaum Unterschiede zwischen der phraseologischen und wörtlichen Bedeutung aufweisen.[10]

Beispiel: sich die Ζähne putzen

Ein deutlicher Hinweis darauf, dass wir es mit einem Phraseologismus zu tun haben, besteht darin, dass eine Wortverbindung zwei Lesarten ermöglicht, nämlich die direkte (‘waschen’) und die übertragene (‘jn. scharf zurechtweisen’).[11] Manchmal kann es sich dabei um eine durchsichtige Metaphorisierung handeln, z. B. jn. vor die Tür setzen (ugs.)

Eine andere wichtige Eigenschaft eines Phraseologismus ist, dass eine Wortverbindung, unter Bedingungen, zwei Lesarten erlaubt. Diese sind 1. Die direkte und 2. Die übertragene Bedeutung. Bei der direkten Bedeutung ergibt sich aus einem Phraseologismus eine Gesamtbedeutung, die sich aus der direkten Bedeutung der Komponenten des Phraseologismus ergibt, nämlich die wörtliche Lesart. Bei der übertragenen Bedeutung gibt es zwischen den eigenen Komponenten eines Phraseologismus keine semantische Vereinbarkeit, nämlich sie geben keine sinnvolle Gesamtbedeutung. Deswegen wird hier die übertragene Bedeutung gebraucht, die phraseologische Lesart.

Beispiel: Zur direkten Bedeutung “Gustav hat bei seinem Vater ein Auto in der Garage.” (wörliche Lesart)

Zur übertragene Bedeutung “aus der Haut fahren” (phraseologische Lesart).[12]

3. Zur Klassifikation von Phraseologismen

Das Kriterium der Zeichenfuktion, die die Phraseologismen in der Kommunikation haben wird von Burger verwendet, damit er eine Gliederung des Gesamtbereichs der Phraseologie führen zu können.

Die referentiellen Phraseologismen handeln von Objekte, Vorgänge oder Sachverhalte der Wirklichkeit (einschliesslich der fiktiven Welten). Semantisch betrachtet, die Wortverbindungen, die Objekte und Vorgänge bezeichnen, werden nominative Phraseologismen genannt. Andererseits werden die Wortverbindungen, die Aussagen über Objekte und Vorgänge sind, propositionale Phraseologismen genannt. Aus syntaktischer Sicht, können die nominative Phraseologismen einem oder mehreren Satzgliedern entsprechen. In diesem Fall sind die Phraseologismen satzgliedwertig. Die propositionale Phraseologismen können andererseits einem Satz oder einer größeren Einheit entsprechen und dann handelt es sich um satzwertige Phraseologismen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

propositional – Morgenstund hat Gold im Mund (= Der Morgen ist die beste Zeit, um eine Arbeit zu beginnen.)

Als Untergruppe der referentiellen Phraseologismen -insbesondere der nominative Phraseologismen- und nach dem Idiomatizitätsgrad versteht und unterscheidet Burger drei hauptsächliche Typen. Wegen des graduellen Charakters der Idiomatizität, in Bezug auf diese Klassifizierung sind die Grenzen zwischen den Typen überschreitbar.

1. Unter Idiome versteht Burger die voll-idiomatische Wortverbindung. Idiome weisen eine gesamtheitliche Umdeutung auf.[13]
2. Die Phraseologismen, die teil-idiomatisch zu erkennen sind, werden Teilidiome benannt. Im Kontrast zu den Idiomen, werden die Teilidiome partiell umgedeutet.[14]
3. Unter Kollokationen klassifiziert Burger die Phraseologismen, die nicht- oder schwach-idiomatisch sind.[15]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die strukturellen Phraseologismen sind die kleinste Gruppe und stellen Verbindungen innerhalb der Sprache.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die kommunikativen Phraseologismen oder anders gesagt Routineformeln stellen her, definieren, vollziehen und beenden die kommunikativen Handlungen und deswegen sind sie wesentlich in der Kommunikation und erleichtern diese.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Feste Phrasen gehören zu den propositionalen Phraseologismen, die üblicherweise explizit an den Kontext angeschlossen sind. Diese feste Wortverbindungen können Bezug haben entweder auf die Situation oder auf eine Aussage des Gesprächspartners.[16]

Beispiele: Das schlägt dem Fass den Boden aus! (= Das ist zu viel; Das treibt die Sache auf die Spitze; Das ist ungeheuerlich / eine Unverschämtheit / ein Skandal)

jmds. Thron wackelt (= jmds. Position ist gefährdet)

das Maß ist voll (= Es reicht! Schluss jetzt! Es ist genug!)

Diese Phraseologismen funktionieren als Sätze und müssen nicht durch ein lexikalisches Element an den Kontext angeschlossen werden. Deren Bedeutung kann verständlich sein, ohne dass die Verbindung mit einem Kontext obligatorisch ist. Darunter fallen zwei Typen: 1. die Sprichwörter und 2. die Gemeinplätze.

Die Sprichwörter sind, als ganze und vollkommene Sätze, Formulierungen der Überzeugungen, Werte und Normen. Aufgrund der Eigenschaften, die sie hinsichtlich der Polylexikalität, der Festigkeit und des Idiomatizitätgrades aufweisen, gehören sie der Phraseologie an. Da die Untersuchung der Sprichwörter eine lange Tradition haben, ist eine selbstständige Disziplin zum Vorschein gekommen, die sich mit den Sprichwörtern auseinandersetzt. Diese Disziplin nennt sich Parömiologie.

Beispiele: Wer A sagt, muss auch B sagen. (= Begonnenes muss man fortsetzen; Man muss mit den Konsequenzen leben, die aus den eigenen Handlungen entstehen)

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.

[...]


[1] http://hypermedia.ids-mannheim.de/call/public/termwb.ansicht?v_app=p&v_id=45 (30.05.2016, 2.20)

[2] Burger, Harals (2003).Phraseologie. Eine Einführung am Beispiel des Deutschen.

[3] Burger, S. 17 f.

[4] Burger, S. 20 f.

[5] Fleischer, Wolfgang( 1982): Phraseologie der deutschen Gegenwartssprache S. 52 ff.

[6] Burger, S. 29 f.

[7] Burger, S.31 f.

[8] Burger, S.31 f.

[9] Burger, S.32

[10] Burger, S.32

[11] Lapinskas, Saulius (2013): Zu ausgewählten theoretischen Problemen der deutschen Phraseologie. S.11

[12] Lapinskas, S. 73 nach Fleischer

[13] Burger, S.37

[14] Burger, S. 38

[15] Burger, S.36 ff.

[16] Burger, S. 39

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Phraseologismen aus kotrastiver Sicht. Eine Betrachtung des Sprachenpaars Deutsch - Englisch
Veranstaltung
Fachbereich für Deutsche Sprache und Literatur
Note
9
Autor
Jahr
2015
Seiten
23
Katalognummer
V377671
ISBN (eBook)
9783668563810
ISBN (Buch)
9783668563827
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Phraseologie, Phraseologismen, Kontrastive Phraseologie, Polylexikalität, Semantische Aspekte, Interlingualer Vergleich, Festigkeit, Phraseme, Idiome, Äquivalenz
Arbeit zitieren
Nicole Thanou (Autor:in), 2015, Phraseologismen aus kotrastiver Sicht. Eine Betrachtung des Sprachenpaars Deutsch - Englisch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377671

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