Einsatz von Finanzderivaten. Zinsrisiken und instrumentenspezifische Besonderheiten der Absicherungsmöglichkeiten


Seminararbeit, 2017

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Historischer Hintergrund und Themeneinführung
1.1. Ziel der Arbeit
1.2. Vorgangsweise
1.3. Begriffsbestimmung Derivat

2. Systematisierung der Finanzderivate
2.1 Grad der Erfüllungspflicht
2.2 Märkte
2.2.1 OTC-Markt
2.2.2 Börsenhandel
2.3 Basiswert (Underlying)
2.4 Ausübung des Vertrages

3. Risikoarten

4. Unbedingte Termingeschäfte
4.1 Allgemeines
4.2 Zinsfutures
4.3 Forward Rate Agreement auf Zinsen
4.4 Zinsswap

5. Bedingte Termingeschäfte
5.1 Grundlagen der Optionen
5.2 Zinsoptionen
5.3 Zinscap
5.4 Zinsfloor
5.5 Zinscollar

6. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Zins und Währungsswap nach Bankengruppen

Abb. 2: Grad der Erfüllungspflicht

Abb. 3: Übersicht finanzwirtschaftliche Risiken 5 Abb. 4: Merkmale einer Option

Abb. 5: hypothetischer Verlauf eines Zinscaps

Abb. 6: Gegenüberstellung der Zahlung der Optionsprämie und der Aus gleichzahlung Zinscap

Abb. 7: hypothetischer Verlauf eines Zinscollors

Abb. 8: Unterscheidung der Prayer- und Receiver-Swaption

Abb. 9: Darstellung des Swaptiongeschäftes

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Historischer Hintergrund und The- meneinführung

Die Entwicklung der modernen Derivatengeschäfte begann mit der Eröffnung der ersten Terminbörsen in den USA in den 1970’iger Jahren. Der Handel mit Finanzderivaten nahm sehr stark zu, sodass auch Deutschland auf das attraktive Geschäft am Börsen- markt aufmerksam wurde. 1990 wurde in Deutschland die Deutsche Terminbörse eröff- net.1 Nur 6 Jahre später wurde schließlich die Eurex gemeinsam von der Deutsche Bör- se AG und der Schweizer Börse ins Leben gerufen und durch die Fusion im Jahr 1998 gegründet. Die Globalisierung sorgte in den letzten Jahren immer mehr für einen freien Zugang der Märkte. Die Märkte sind nicht mehr nur den nationalen Chancen und Risiken ausgesetzt, sondern auch auf internationaler Ebene. Auch Finanzmärkte sind von dieser Entwicklung betroffen. Das Zinsniveau auf nationaler Ebene wird nun vermehrt von in- ternationalen Faktoren beeinflusst, wie etwa Schwankungen an Zinsmärkten. Die Folge ist eine erhöhte Volatilität, was ein erhöhtes Zinsänderungsrisiko mit sich bringt. Seit dem Ende der 70er Jahre gibt es Möglichkeiten, sich gegen Zinsänderungsrisiken durch Zinsderivate abzusichern. Der Einsatz von Zinsderivaten gewinnt, auch durch die zuletzt verstärkt auftretenden Finanzkrisen in aller Welt, zunehmend an Bedeutung. Durch sie ist es möglich, den Marktteilnehmern kurz- und langfristig einen wirksamen Schutz ge- gen das Zinssteigerungsrisiko und dadurch Planungssicherheit sowie eine erhöhte Boni- tät zu gewährleisten. Durch die Absicherung und das Einsetzen der Zinsderivate kann der Marktteilnehmer die Chancen auf einen Gewinn erhöhen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Selbsterstelltes Diagramm, Zins und Währungsswaps nach Bankengruppen

Die Zeitreihe vom Jahr 1986 bis 2016 zeigt die Zins- und Währungsswap-Entwicklung. Hier ist deutlich zu erkennen, dass die Zunahme der Swaps im Jahre 2000 begonnen hat und ihren Höchststand in den Jahren 2009 und 2010 erreicht hat. Seit 2011 nehmen die Geschäfte der Zinsund Währungsswaps stetig ab.2

1.1. Ziel der Arbeit

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Derivaten, sie alle aufzuzählen oder gar näher zu erläutern würde den Rahmen dieser Seminararbeit bei weitem überschreiten. Daher liegt die Konzentration in der vorliegenden Arbeit auf den Einsatz von Zinsderivaten. Zielsetzung ist es einen Überblick über die Zinsrisiken und instrumentenspezifische Besonderheiten der Absicherungsmöglichkeiten beim Einsatz von Zinsderivate zu vermitteln.

1.2. Vorgangsweise

Im zweiten Kapitel der Arbeit werden die Finanzderivate den vier Kategorien Grad der Erfül- lungspflicht, Märkte, Basiswert und Ausübung des Vertrages systematisiert und dargestellt. Im dritten Kapitel erhält der Leser einen Überblick über die Risikoarten im Bereich der Finanzderi- vate. Im vierten und fünften Kapitel werden die Instrumente zur Absicherung der Zinsrisiken bei bedingten und unbedingten Termingeschäfte untersucht und erläutert. Hierbei wird der Schwer- punkt auf die bedingten Termingeschäfte gelegt. Abschließend wird eine Schlussbetrachtung über ie in der Arbeit erworbenen Kenntnisse dargelegt. In den eingebrachten Beispielberech- nungen wird immer von einem Nominalwert in Höhe von 10 Mio. € und einer Zinsgrenze von 4 % ausgegangen. Da der Referenzzinssatz bei den jeweiligen Beispielen variiert, wird die Höhe extra genannt.

1.3. Begriffsbestimmung Derivat

In der Chemie versteht man unter einem Derivat eine Verbindung, welche auf der Basis einer anderen hergeleitet wird. Laut Schmidt entsteht in der Finanzwelt ein Derivat durch eine vertrag- liche Vereinbarung, deren wirtschaftlicher Wert wesentlich durch einen definierten Bezug einer Referenzgröße, dem Basiswert (engl. Underlying), etwa Aktien oder Zinssätze, bestimmt wird.3 Dieser Basiswert wird vertraglich zu einem späteren Zeitpunkt verkauft, gekauft oder getauscht. Daher werden Derivate häufig auch als Termingeschäfte bezeichnet.4

2. Systematisierung der Finanzderivate

2.1 Grad der Erfüllungspflicht

Die erste Unterscheidung bezieht sich auf den Grad der Erfüllungspflicht beider Vertragspartei- en. Hierbei unterscheidet man zwischen unbedingten und bedingten Termingeschäften. Termin- geschäfte sind abgeschlossene Geschäfte, die zu einem Termin in der Zukunft erfüllt werden. Bei unbedingten Termingeschäften sind beide Vertragsparteien zur Erfüllung der vertraglichen Vereinbarungen verpflichtet, sodass die vereinbarten Konditionen zum vereinbarten Termin (un- bedingt) erfüllt werden müssen, ohne dass die Erfüllung an den Eintritt weiterer Bedingungen geknüpft ist. Unbedingte Termingeschäfte werden in Form von Futures, Forwards oder Swaps erfüllt.5 Als zweite Form gibt es die bedingten Termingeschäfte, bei denen einer Vertragspartei ein Wahlrecht eingeräumt wird, zu einem bestimmten Termin mit den vereinbarten Konditionen das Geschäft zu erfüllen, sodass die Erfüllung des Geschäfts an vertraglich festgelegte Bedin- gungen geknüpft ist.6 Bedingte Termingeschäfte werden in Form von Optionen erfüllt.7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Grad der Erfüllungspflicht, eigene Darstellung

2.2 Märkte

Die zweite Unterscheidung erfolgt nach dem Ort des Handels. Hierbei wird der Over-the-Counter- Markt (OTC-Markt) vom Börsenhandel unterschieden.

2.2.1 OTC-Markt

Der Handelsabschluss und die zukünftige Erfüllung des außerbörslichen Geschäfts werden ausschließlich von zwei Handelspartnern bilateral vereinbart und vollzogen. Diese Handelsform wird als „Over-the-Counter-Geschäft (OTC-Geschäft) bezeichnet.8 Vorteilhaft ist hier, dass die Details der Verträge sehr individuell gestellt, jedoch aber aufgrund dessen schwer auf Dritte übertragen werden können.9 Solche Geschäfte werden häufig durch Banken, die für bspw. Versicherungen Ankaufs- und Verkaufskurse stellen, durchgeführt. Aufgrund des hohen Risikos sind hier kaum Privatpersonen vertreten.

2.2.2 Börsenhandel

Derivate werden auch häufig an der dafür geschaffenen Börse gehandelt. Solche Börsen werden „Terminbörsen“ genannt. Zwei der größten Terminbörsen sind der EUREX in Deutschland und die CBOE in den USA. Hier können die Geschäfte nicht individuell gestaltet werden, stattdessen sind die börsengehandelte Derivate immer standarisiert bezüglich des Erfüllungszeitpunktes, der Kontraktgröße sowie der Zahlungs- und Lieferungsmodalitäten. Die Handelspartner können nicht abweichen und müssen die Derivate so nehmen, wie sie ihnen angeboten werden. Weiterhin werden die Geschäfte an der Börse nicht bilateral abge- schlossen, sondern müssen ihre Aufträge an Banken weiterleiten, die ihre Ansprüche gegen die Börse richten.10

2.3 Basiswert (Underlying)

Weiterhin können Termingeschäfte nach der Art des zugrundeliegenden Basiswertes systematisiert werden. Unter einem Basiswert, welcher auch Underlying genannt wird, wird ein Handelsobjekt verstanden, dass einem Termin-, Terminkontrakt- oder Optionsgeschäft zugrunde liegt. Dieser Basiswert ist die Grundlage für die Bewertung des unbedingten und bedingten Termingeschäftes und somit auch für die Preisfindung des Produktes. Basiswerte können verschiedenste Arten von Waren oder Finanzprodukten sein, so z.B. Aktien, Futures, Devisen, Anleihen oder eine ganze Palette von Commodities (z.B. Gold, Silber, Kupfer, Kaffee etc.). Zudem kann der Basiswert selbst auch abgeleitet sein von anderen Basiswerten, so bei Indizes, die auch ein Bündel an Basiswerten repräsentieren.11

2.4 Ausübung des Vertrages

Das vierte Kriterium ist die Lieferfähigkeit des Basiswertes und demnach der Vertragserfül- lung durch physische Lieferung oder Barausgleich bezogen auf dem zugrundeliegenden Ba- siswert. Bei lieferfähigen Basiswerten, wie bspw. Rohstoffen oder Wertpapieren, kann zwi- schen tatsächlicher Lieferung und Barausgleich gewählt werden, wohingegen bei nicht liefer- fähigen Basiswerten, wie bspw. Index oder Derivaten, lediglich ein Barausgleich möglich ist.

12 Derivative Instrumente, die durch Barausgleich erfüllt werden oder erfüllt werden können, werden als Finanzderivate bezeichnet.

Folglich können sich Finanzderivate sowohl auf lieferfähige als auch auf nicht lieferfähige Basiswerte beziehen.

3. Risikoarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Ü ber- sicht finanz- wirtschaftliche Risiken 13

Die Abbildung 3 verschafft einen Überblick über die wesentlichen Risiken, denen Marktteilneh- mer ausgesetzt sein können. In dieser Arbeit liegt der Fokus auf die finanzwirtschaftlichen Risi- ken in Form von Marktpreisrisiken bei Zinsen spezialisieren. Alle Marktteilnehmer unterliegen dem Zinsänderungsrisiko bei Geschäften mit Anleihen, Krediten und allen anderen Formen von Geldanlagen.14 Unter einem Zinsänderungsrisiko versteht man die von der Zinsentwicklung aus- gehende Gefahr, dass niedrigere Zinserträge oder höhere Zinsaufwendungen als erwartet anfal- len.15 Die bestehenden Zinsänderungsrisiken können mit dem Einsatz von Finanzderivaten re- duziert werden, die in den zwei nachfolgenden Kapiteln beschrieben werden.

4. Unbedingte Termingeschäfte

4.1 Allgemeines

Im Geldmarktbereich dienen Zinstermingeschäfte dazu, sich heute einen Zinssatz zu einem späte- ren Zeitpunkt zu sichern. Für eine Unternehmung, die bspw. in einem halben Jahr ein Kredit benö- tigt, jedoch aber bis zu diesem Zeitpunkt einen Zinsanstieg befürchtet, bedeutet es, dass sie für die Sicherung des Zinssatzes geeignete Instrumente einsetzen muss. Die Instrumente, die die Unter- nehmung für die Sicherung einsetzen kann, sind einerseits standarisierte und börsennotierte Geldmarktfutures und andererseits die Forward Rate Agreements (FRA), die im OTC-Bereich an- gewandt werden. Die Future- und FRA-Geschäfte können dem Inhalt nach komplett identisch sein, sie unterscheiden sich nur nach dem Handelsmarkt. Je nachdem, ob man am Markt als Käufer oder als Verkäufer auftritt, handelt es sich dabei um einen Zinssatz zur Geldanlage oder um einen

Zinssatz zur Kreditaufnahme.16

[...]


1 vlg. Schmidt, Martin, 2014, S. 2

2 vgl. Bundesbank

3 vgl. Schmidt, Martin, 2014, S. 1

4 vgl. Bösch, Martin, 2014, S. 27

5 vgl. Schmidt, Martin, 2014, S. 2

6 vgl. Bösch, Martin, 2014 S. 32

7 vgl. Doege, Dana, 2013, S. 17

8 vgl. Branger, Nicole, Schlag, Christian, 2004, S. 3

9 vgl. Schmidt, Martin, 2014, S. 3

10 vgl. Bösch, Martin, 2014, S. 11

11 vgl. Schmidt, Martin, 2014, S.3

12 vgl. Doege, Dana, 2013, S. 18

13 vgl. Bösch, Martin 2014, S. 13

14 vgl. ebd., S. 13

15 vgl. Branger, Nicole, Schlag, Christian, 2004, S. 1

16 vgl. Bösch, Martin, 2014, S. 195

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Einsatz von Finanzderivaten. Zinsrisiken und instrumentenspezifische Besonderheiten der Absicherungsmöglichkeiten
Hochschule
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Meschede
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V377718
ISBN (eBook)
9783668559899
ISBN (Buch)
9783668559905
Dateigröße
765 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzderivate Zinsderivate Zinsoptionen Zinscollor Zinscap Zinsfloor Termingeschäfte
Arbeit zitieren
Diana-Ruth Simchen (Autor:in), 2017, Einsatz von Finanzderivaten. Zinsrisiken und instrumentenspezifische Besonderheiten der Absicherungsmöglichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377718

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