Wie können Schulen mit Chancen und Risiken der digitalen Medien umgehen, welche mediendidaktischen Möglichkeiten und Konzepte kommen zur Anwendung? In dieser Arbeit soll im Rahmen dieser Fragestellung auf ein konkretes Projekt des Landes Rheinland-Pfalz eingegangen werden: der "MedienKomp@ss". Hierbei erfüllt der MedienKomp@ss, unter anderem in Form eines Handout für die Schüler, die Funktion eines Kompetenznachweises, vergleichbar mit dem Füller-Führerschein in den ersten Klassen.
Mit der letzten Jahrtausendwende setzte eine rasante Entwicklung in der Informations- und Kommunikationstechnologie ein. Dies führte zu einer bisher ungeahnten Potenzierung der Kommunikationsmöglichkeiten, zwischen Institutionen, interindividuell sowie zwischen Institutionen und den Individuen, und beschleunigte dadurch wiederum Globalisierungsprozesse. Die Gesellschaft wandelt sich von einer Industrie- zu einer Informationsgesellschaft mit neuen Anforderungen an die heranwachsende Generation. Der Umgang mit digitaler Technologie, genauer: die Kompetenz, die unterschiedlichen Kommunikationsbereiche miteinander in Bezug zu bringen, zu verbinden und zu benutzen (Konvergenz), wird zu einer Schlüsselqualifikation. Vor diesem Hintergrund kommt auch dem Bildungswesen eine entscheidende Rolle zu. Um Schülerinnen und Schüler für diese Entwicklung adäquat vorzubereiten, ist der Erwerb einer umfassenden Medienkompetenz unabdingbar.
Der MedienKomp@ss könnte eine Möglichkeit dafür sein. Um diese genauer einschätzen zu können, wird zunächst das Kompetenz-Standard-Modell für die Medienbildung von Tulodziecki als aktuelle mediendidaktische Theorie vorgestellt. Im Anschluss folgt die Einführung in das aktuelle Projekt des Landes Rheinland-Pfalz zur Förderung der Medienkompetenz der Schüler in der Primar- und Orientierungsstufe (Klassenstufe 1-6). Diesem wird sich genauer gewidmet, und der Forschungsfrage nachgegangen: Wie werden aktuelle mediendidaktische Konzepte und Möglichkeiten im Rahmen des MedienKomp@ss an der Primar- und Sekundarstufe in Rheinland-Pfalz umgesetzt?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Mediendidaktik / Aktuelle Modelle
2.1 Lerntheoretische Modelle
2.2 Aktuelle mediendidaktische Modelle – das Kompetenz-Standard-Modell für die Medienbildung
3 Ist- Zustand der Medienbildung an der Primar – und Sekundarstufe in Rheinland-Pfalz
3.1 Informatik
3.2 Der MedienKomp@ss
4 Vergleich mediendidaktischer Theorien mit dem MedienKomp@ss
4.1 Bedienen und Anwenden
4.2 Informieren und Recherchieren
4.3 Kommunizieren und Kooperieren
4.4 Produzieren und Präsentieren
4.5 Analysieren und Reflektieren
4.6 Beantwortung der Forschungsfrage
5 Vorschläge für eine lebensweltbezogene Medienbildung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Umsetzung aktueller mediendidaktischer Konzepte im Rahmen des Projekts "MedienKomp@ss" an Schulen in Rheinland-Pfalz. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, wie moderne medienpädagogische Ansätze, insbesondere das Kompetenz-Standard-Modell, in der Primar- und Sekundarstufe praktisch integriert und durch das Projekt konkretisiert werden.
- Analyse mediendidaktischer Grundlagen (behavioristisch, kognitionstheoretisch, konstruktivistisch)
- Gegenüberstellung theoretischer Kompetenzmodelle mit dem schulpraktischen Projekt "MedienKomp@ss"
- Evaluation des Ist-Zustands der Medienbildung in Rheinland-Pfalz (Informatikunterricht und Medienbildung)
- Entwicklung von Vorschlägen für eine lebensweltbezogene Medienintegration im schulischen Alltag
Auszug aus dem Buch
4.1 Bedienen und Anwenden
Dieser Themenbereich führt erste Fachbegriffe zum Thema Internet ein, ebenso werden grundlegende Funktionen von Computern sowie die Eingabegeräte Tastatur und Maus thematisiert. Darüber hinaus erwerben die Schüler in diesem Abschnitt die Kenntnisse und Fertigkeiten um Seiten im Internet aufzurufen und gezielt Inhalte per Download auf dem eigenen Rechner zu sichern. Die Inhalte in diesem ersten Kompetenzbereich werden initial noch per Partnerarbeit Anhand von Einführungstexten und Arbeitsblättern vermittelt. In einem weiteren Schritt sind im Anschluss daran die Inhalte über interaktive Aufgabe auf einer CD-ROM zu erarbeiten. Alternativ ist auch eine Erarbeitung in Form von „Weiterschreibgeschichten“ bei denen die Kinder auf dem Rechner eine Geschichte schreiben sollen, empfohlen. (Landeszentrale für Medien und Kommunikation LMK, 2014, S.8f) Eine solche, überwiegend auf den technisch-funktionalen Aspekt der Medienkompetenz gerichtete Kompetenzstufe ist isoliert bei Tulodziecki nicht zu finden. Allerdings finden sich einige der im MedienKomp@ss hier subsumierten Teilkompetenzen in Aufgabenbereichen des Kompetenz-Standard-Modells (nachstehend nur noch KSM) wieder. So sollen Kinder im MedienKompass unter anderem die Kompetenzen erwerben um einen Fotoapparat oder eine Videokamera zielorientiert anwenden zu können. Unter „Gestalten und verbreiten von eigenen medialen Beiträgen“ findet sich im KSM eine ähnliche Teilfertigkeit. Hier sollen die Schülerinnen in der Lage sein, technische Hilfsmittel für die eigene Gestaltung und Präsentation von Fotos zu beschreiben und funktionsgerecht anwenden zu können. (Tulodziecki et al., 2010, S.369)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die rasanten technologischen Entwicklungen seit der Jahrtausendwende und die damit verbundenen Herausforderungen für das Bildungswesen dar. Sie führt das Projekt MedienKomp@ss als zentralen Untersuchungsgegenstand ein.
2 Mediendidaktik / Aktuelle Modelle: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über lerntheoretische Positionen und das Kompetenz-Standard-Modell für die Medienbildung nach Gerhard Tulodziecki.
3 Ist- Zustand der Medienbildung an der Primar – und Sekundarstufe in Rheinland-Pfalz: Das Kapitel beschreibt den aktuellen Stand der Medienbildung in Rheinland-Pfalz, wobei sowohl das Fach Informatik als auch das Projekt MedienKomp@ss detailliert vorgestellt werden.
4 Vergleich mediendidaktischer Theorien mit dem MedienKomp@ss: Hier findet eine systematische Analyse und Abgleich der Kompetenzbereiche des MedienKomp@ss mit dem Kompetenz-Standard-Modell statt, gefolgt von einer Beantwortung der Forschungsfrage.
5 Vorschläge für eine lebensweltbezogene Medienbildung: Basierend auf der Analyse werden hier Ansätze zur stärkeren Berücksichtigung der kindlichen Lebenswelt und Mediensozialisation im Unterricht unterbreitet.
Schlüsselwörter
Medienbildung, Medienkompetenz, Mediendidaktik, Kompetenz-Standard-Modell, MedienKomp@ss, Rheinland-Pfalz, Informatik, Lehr-Lern-Modelle, Mediensozialisation, Digitale Medien, Wissensvermittlung, Schulpraxis, Kompetenznachweis, Lebensweltbezug, Medienpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Integration digitaler Medien in den Schulalltag in Rheinland-Pfalz und analysiert das Projekt "MedienKomp@ss" vor dem Hintergrund aktueller mediendidaktischer Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind mediendidaktische Lerntheorien, das Kompetenz-Standard-Modell von Gerhard Tulodziecki, der Informatikunterricht sowie die Struktur und der Inhalt des MedienKomp@ss.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, wie mediendidaktische Konzepte im Rahmen des MedienKomp@ss an Primar- und Sekundarschulen in Rheinland-Pfalz umgesetzt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung durch Literaturanalyse und führt einen direkten Abgleich der Kompetenzvorgaben des MedienKomp@ss mit den Anforderungen des wissenschaftlichen Kompetenz-Standard-Modells durch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen erläutert, der Ist-Zustand der Medienbildung in Rheinland-Pfalz dargestellt und anschließend eine vergleichende Analyse der theoretischen Anforderungen und der praktischen Umsetzung im MedienKomp@ss vorgenommen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Medienbildung, Medienkompetenz, Mediendidaktik, MedienKomp@ss, Kompetenz-Standard-Modell und digitale Medien sind die prägenden Begriffe.
Wie unterscheidet sich die Theorie von der Umsetzung im MedienKomp@ss?
Die Analyse zeigt, dass im MedienKomp@ss durch die didaktische Umsetzung überwiegend eine Wissensvermittlung ÜBER digitale Medien stattfindet, während das theoretische Modell einen stärkeren Fokus auf die Nutzung digitaler Medien zur Lernunterstützung fordert.
Welche Rolle spielt die Lebenswelt der Schüler?
Die Arbeit kritisiert, dass das Ziel einer lebensweltbezogenen Medienbildung durch die teilweise sehr formalisierte und auf Arbeitsblättern basierende Umsetzung des MedienKomp@ss derzeit nur eingeschränkt erreicht wird.
- Citar trabajo
- Markus Krauss (Autor), 2014, Wissensvermittlung durch neue Kommunikations- und Informationstechnologien. Am Beispiel des "MedienkomP@ss" in Rheinland-Pfalz, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377745